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Verantwortung
22.6.2008 von der_mike.
Kaum zu glauben, aber dieses Wort soll in der Aufgabenbeschreibung eines Politikers - also eines Menschen, der für das Wohlergehen der Staatsbürger berufen wird - tatsächlich vorhanden sein.
Der deutsche Staat hat sich vor einiger Zeit mal überlegen lassen, dass es total schlau wäre, anstatt der “Wie immer”-Masche mal etwas neues zu probieren mit seinen Mittel zur Durchsetzung staatlicher Interessen. Die Armee sollte nicht unpolitisch sein und auch nicht politisch. Sie sollte Soldaten haben, die Zivilisten sind - im Hinblick auf ihr Selbstverständnis. Auf diese Idee kam aber nicht etwa ein total demokratischer Befreier oder gar ein junger Progressiver. Auf diese Idee kam ein Wehrmachtsgeneral, der ja, so man den Liebhabern der Farbe Rot glauben darf, per se ein Verbrecher ist und eigentlich als ehemaliger Diener der Hölle auf Erden auch gar keine menschenfreundliche Idee haben kann.
Der General nun kam auf die Idee, die Soldaten durch das Konzept der Inneren Führung leiten zu lassen und sie als “Staatsbürger in Uniform” Bestandteil der Gesellschaft zu integrieren. Ein hehres Ziel, welches unsere amerikanischen Besatzer, dann Freunde, dann Verbündeten, dann gemeinsam Einstehenden, dann entfernt Bekannte nie so ganz durchschauten, da es sich wie der schöne Begriff “Fahrvergnügen” nicht in das perzeptive Universum zwischen Frittenbude und Weltherrschaft einordnen lies.
Dieses Konzept - mittlerweile kaum noch beachtet aber immer wieder gefeiert - forderte vom Soldaten nun ein aktives Einstellen für die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung. Im Gegenzug übernahm der Staat eine Verantwortungs- und Fürsorgepflicht für seine Soldaten.
Damit wären wir dann auch beim entscheidenden Punkt - der Staat und sein Arbeitsmuskel haben eine Verantwortung gegenüber den Soldaten, die dafür den Staat und seine Interessen verteidigen oder auch für die Sicherheitsinteressen des Staates am Hindukusch eintreten. Nun tritt der interessante Fall ein, dass sich die regierenden Organe zwar in etwa einig sind, dass mehr Soldaten nötig sind, um uns in Afghanistan zu verteidigen, aber das Volk - das ja irgendwie auch etwas mit dem Staat zu tun haben soll - das aus irgendeinem Grunde nicht versteht. Das Mehr an Soldaten darf nicht besprochen werden, bis eine Wahl vorbei ist und das Volk - diese lästige Faktor - für vier Jahre aus dem Geschäft raus ist. Sollte es auf Grund dieser Verzögerung zu Opfern kommen, so ist das Volk ja auch irgendwie Schuld. Die - Achtung! - Verantwortung dafür hat dann nicht der Politiker. Wo käme man auch hin, wenn der Politiker, der zwar das Primat und das Gehalt erhält, auch noch die Folgen seines Handelns tragen müsste.
Ich frage mich, wann die Politik endlich den Schritt wagt und sich offen dazu bekennt, dass es das Volk für unmündig hält und auf die vierjährige Farce auch noch zu verzichten ist. Solange aber die Soldaten, die im Auftrag der Politik und damit des Volkes, handeln, nicht nach den Notwendigkeiten unterstützt werden, weil es entweder das Volk nicht versteht oder die Politik nicht in der Lage ist, das Placet des Volkes dafür zu gewinnen - da muss man sich ja auch fragen, ob die Politik hier Volkes Wille ist - kommt mir ein Buchtitel in den Sinn, den der General Schultze-Rhonhof in den Sinn: Wozu noch tapfer sein?
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