Luftunsicherheitsgesetz
Es hat sich bewährt, dass Politiker, die sich unsicher sind, ob eine zu treffende Maßnahme auf des Volkes Liebe stösst, Leute um Rat bitte, die von Politik eine Ahnung haben. In der Regel sind das die Leute, deren Ausbildung die Politik gern einsparen würde, da sie sich nicht einfach in einen - finanziellen - Gewinn umrechnen lässt.
Die Politik richtet also an all die Philosophen, Soziologen und Kulturwissenschaftler die nicht in elfenbeinfarbenen Autos Ingenieure herumkutschieren oder in gestreiften Outfits Myokardinfarkte durch die von ihnen angepriesene Nahrung produzieren also eine Frage, in der Hoffnung, dass diese ihnen dann sagen, was zu tun ist. Dieses Verfahren hat zwei große Vorteile für die Politik: Erstens ist sie für das, was dann kommt, nicht verantwortlich - man hat ja immerhin einen Fachmann gefragt und zweitens kann man dann schön mit den Phrasen, die einem mit dem Gutachten beigebracht werden, in Interviews glänzen. Für die Geisteswissenschaftler gibt es auch einen Gewinn - Geld.
Nun hat das Ganze eine Tücke. Geisteswissenschaftler im Allgemeinen und Philosophen im Besonderen haben so die Angewohnheit nie zu sagen “Tue dies!”, sondern eher “Lass die Finger von dem.” Damit ist dem Politiker nicht wirklich geholfen. Richtig schlimm wird es aber, wenn man so einem Ratgeber richtig Raum zum entfalten gibt.
Im Falle des Luftsicherheitsgesetzes habe ich wirklich abenteuerliche Meinungen von gut bezahlten Professoren gehört. Da ist sich einer nicht zu weltfremd zu postulieren, dass man den Abschuss eines Flugzeuges, besetzt mit wenigen Unschuldigen, die instrumentalisiert werden als Waffe gegen ein Stadion mit vielen Unschuldigen zu wirken, auf keinen Fall erlauben darf, aber dass man erwarten muss, dass sich entweder ein Politiker findet, der die Schuld des Abschusses auf sich nimmt oder dass der Pilot der Bundesluftwaffe das mal eben auf seine Kappe zu nehmen hat. Was er da sagt ist: Abschiessen ja, aber auf jeden Fall dann jemanden bestrafen. Genauso hilfteich wie ein anderer Professor, der gern moralisch den Abschuss erlauben mag, aber gesetzlich muss es verboten werden, weil man dann ja dem unschuldigen Passagier des Flugzeuges das Notwehrrecht nehmen würde. Grotesk ist es dann, wenn dann als Beispiel die Sturmflutkatastrophe in Hamburg annodazumal angeführt wird, in der sich der Innensenator ja schuldig gemacht hat, weil er seine Kompetenzen überschritten hat, aber im Sinne des Ganzen doch richtig gehandelt habe.
Solche Empfehlungen helfen nicht nur der Politik nicht, sie helfen auch den Geisteswissenschaften nicht. Wenn mich jemand fragt, dann gebe ich doch eine Antwort, für die ich meine Gründe habe und nicht ein “sowohl als auch, aber eben auch dieses und jenes”. Im Falle der Empfehlungen und Aussagen zum Luftsicherheitsgesetz und der Problematik dahinter mag das schwer fallen und eventuell macht man sich auch nicht bei jedem beliebt, aber das ist auch nicht der Sinn der Politik. Eine klare Aussage nach einer klaren Empfehlung ist doch viel hilfreicher, als eine schwammige Aussage, aus der ein Wähler nichts lesen kann und sich auch nicht orientieren kann…
…wobei man auch bedenken muss, dass es Sinn und Zweck sein kann, den Wähler nicht zu verwirren. Am Ende würde er noch mündig werden und sich eine Meinung bilden.