Archive für Mai 2009
Aufgegeben
31.5.2009 von der_mike.
Ein Staat hat ja so seine Funktionen. Theoretisch zumindest. So wandelt er Besitz in Eigentum um. Reguliert - ersetzt wäre wohl zu viel Optimismus - das Recht des Stärkeren ein wenig hin zu Gesetz. Der Idee des Staates liegt zu Grunde, dass sich Individuen zusammenschließen, um als Gemeinschaft besser leben zu können. Das imaginäre Gebilde “Staat” ist dabei quasi die Gesamtsumme der Interessen - volonté general nannte das mal jemand, mit dem ich schonmal aneinander geraten bin.
Mit dem tatsächlichen Staat, mit dem sich der Bürger heute konfrontiert sieht, hat das nur noch rudimentär zu tun. Dies vor allem im Hinblick auf die Klientel, der ein Staat verpflichtet ist. Zu Zeiten des klassischen Nationalstaates war der Staat beauftragt, den Staatsraum und das Staatsvolk mittels der Staatsgewalt zu schützen, denn ohne auch nur eines dieser drei Dinge *plopp* Seifenblase Staat weg. Heute ist ein Staat - so scheint es jedenfalls - so vielen Dingen verpflichtet, dass er seine originäre Aufgabe nur noch “auch” nachkommt. Er strapaziert die Kräfte, die von den Bürgern ausgehen, auf Schauplätzen und mit Rücksichten, von denen nur wenige so kommuniziert werden, dass der “kleine Mann” am Ende annehmen kann, dass sich sein Staat mehr um andere, als um ihn kümmert.
Entweder hat der Staat ein ernstes Problem in seiner public relation oder aber er hat aus den Augen verloren, für wen er zu sorgen hat. Ich könnte da ein paar Bücher empfehlen - die sind auch interessanter, als Koalitionsverträge auf Hintertürchen zu durchstöbern.
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Datum
15.5.2009 von der_mike.
Da habe ich mich mal zu der Aussage hinreissen lassen, dass es fünf historische Daten gibt, die sicher jeder kennt. Jeder ist hier etwas vage gefasst - ich beziehe das mal auf mein Umfeld. Mir kamen dabei solche Daten wie “Zweiter Weltkrieg”, “Schlacht bei Cannae”, “Gründung der Bundesrepublik” oder ähnliches in den Sinn.
Erschreckenderweise wissen die meisten nicht einmal, was Cannae ist, meine Mutter legt den Zweiten Weltkrieg auf “irgendwann zwischen 1914 und 1950″ - was historisch durchaus diskutabel ist - und selbst die Studenten der Geschichte an der Universität der Bundeswehr - meine damaligen Mitstudenten - konnten das faktische Gegenteil beweisen. Ich frage mich, ob so etwas zur Allgemeinbildung - oder zu einer guten Allgemeinbildung - zählt. Kann es sein, dass es bei der Geschichte mehr um “Freakwissen” geht oder ob es so etwas wie Allgemeinbildung nicht mehr gibt, weil im Zeitalter der Spezialisten viel mehr Spzeialistenwissen gefragt ist.
Ich finde den Zustand bedauerlich, dass man keine klugen Köpfe mehr braucht, sondern Wissenstechniker.
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Bundeswehr vs. Jack Sparrow
12.5.2009 von der_mike.
Der Herr Schäuble - wir erinnern uns, der ist….ja, genau INNENminister - möchte gern das Grundgesetz ändern. Dieses mal aber nicht, um die Bundeswehr im Inneren ausnut…benut….einsetzen zu können. Nein, diesmal dachte er: Wenn der Ruf erstmal im Eimer ist, dann braucht sich nicht noch einer unbeliebt zu machen. In diesem Sinne hat er sich entschlossen den Aussenminister nicht dumm da stehen zu lassen und wollte mal - quasi Amtshilfe - für ihn einen faux pas hinlegen.
Der Herr Schäuble ist bestrebt der Bundeswehr die rechtliche Lage zu verschaffen, damit sie - ganz Commodore Norington - die Piraten fangen, anklagen, richten und aburteilen kann. Alles in einem Abwasch. Ich meine er hat ein sehr hohes Bild von der Bundeswehr. Welcher Offizier ist nicht Ermittler, Staatsanwalt - ein Verteidiger braucht es nicht, wobei jeder Bundeswehroffizier das ja qua Schwur ist - Richter und, um es mal so zu sagen, Henker in einem. Also neben seiner Qualifikation als Taktiker, Stratege, Personalführer - oder Verwalter, je nachdem - Logistiker, Bürokraft, Pausenclown und Hauptschuldiger für alle Arten des täglichen Dienstes.
Ferner sollte sich der Herr Schäuble einmal fragen, woher denn die Soldaten kommen - also mal so rein quantitativ - die seine Aufgabenträume erfüllen sollen. Der finanzielle Aspekt, den so eine Aufgabe mit sich bringt, ist auch noch nicht geklärt. Jedes Jahr grübelt das Kabinett, wie sie den Haushaltsplan kreativ gestaltet. Jedes Jahr verspricht ein Minister international den gobal player zu geben und jedes Jahr wird der Auftrag an den Verteidigungsminister - der in der Regel einen guten Job macht - weitergegeben. Mach mal, du hast das ja immer gemacht und wenn nicht, dann zersägen wir dich in der Presse.
International mitzuspielen kostet Geld. Es kostet auch Menschenleben. Es kostet ein Militär, dass man dann auch zu würdigen weiß. Bevor das nicht einmal für die gegenwärtigen Aufgaben gewährleistet ist, sollte man doch nicht die nächste Baustelle aufmachen - und schon garnicht erstmal prophylaktisch am Grundgesetz rumschrauben.
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Kohlpreise
9.5.2009 von der_mike.
Der Bundeskanzler ist mit dem Schleyer-Preis ausgezeichnet worden. Nein, nicht der ehemalige Bundeskanzler Joschka Fi…ich meine Gerhard Schröder. Auch meine ich nicht die trotz aller Gerüchte immernoch Frau Bundeskanzler Angela Merkel. Nein, ich meine den Mann, der wie kaum ein anderer Politik mit all den Vor- und Nachteilen inklusive aller Fallstricke verkörpert.
Helmut Kohl tauchte mitsamt neuer Lebensgefährtin als deus ex machina in genau der Zeit auf, wo Politiker gebraucht würden, die sich durch Entscheidung hervortun, Verantwortung übernehmen und eventuell auch einmal übers Ziel hinausgehen - und wirkte, hier zitiere ich mal den Spiegel, “gespenstisch präsent”. Kein Wunder, der Mann hat sich in seiner Karriere nicht an Meinungsforschungsumfragen gemessen und daran ausgerichtet. Der Mann hat gemacht, was er für richtig hielt. Dafür haben ihn die Menschen gewählt - oder eben auch nicht.
Der Preis ist eine tolle Sache - gerade im Hinblick auf seine persönliche Komponente für Kohl. Aber der wahre Preis, der längst überfällig war, war der Respekt, der ihm aberkannt wurde. Dafür war der Schleyer-Preis nur die Bühne - und Helmut Kohl endlich wieder dort, wo er hingehört.
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Der Begriff von Gott
6.5.2009 von der_mike.
Ich habe einen wundervollen zweiten Flügel. Ich kann es nicht anders sagen. Manchmal denke ich aber, ich komme vom Pluto und gehöre nicht so ganz zum Rest der Bande. Ich erkläre das mal, durch weiteres Ausholen:
Mein erstes Seminar an der Universität beschäftigte sich mit Leibniz und irgendwie schien der Dozent nicht zu realisieren, dass vier Leute, die sich Freitag um Acht zu einem Seminar quälen nur Erstsemester sein können - also zumindest in den Geisteswissenschaften, wo, wie mir ein Professor mal erklärte, jede Veranstaltung vor 14 Uhr eine strafbare Handlung sein sollte. Er erging sich also auch gern mal 45 Minuten lang in der Interpretation eines Satz, bevor er - ganz kindliche Begeisterung die Augen füllend - verkündete: Es geht um den Begriff von Gott, nicht Gott selbst. Es war, nebenbei gesagt, der erste Satz des Werkes und wir haben in dem Semester nicht einmal die ersten zehn Seiten geschafft.
Sei es drum, damals dachte ich: Freak. Mittlerweile muss ich feststellen, wie die meisten Leute im Bekanntenkreis mich mit diesem “Ruhig - Hilfe ist unterwegs!”-Blick ansehen, sobald ich einen für mich grandiosen Gedankengang aus einem “Gerade gelesen”-Text aufzeige und total genervt auf eine Korrektur eines sprachlichen Lapsus - Obacht! Wittgensteinfan! - reagieren. Vor allem, wenn ich mal bei meinem ehemaligen Arbeitgeber reinschaue und die Leute da mit den Zaubertricks eines Sokrates verblüffe - die Guten staunen dann und die Masse schweigt und denkt an den Porno von gestern - dann komm ich mir schon so vor, als sei ich auf dem Weg ins Panoptikum.
Egal - bin ich halt Philosoph und ergötze mich an schönen Gedanken und Sprache.
Ok, und an Frauen, die man mit sowas erreicht. Wie meinen Flügelpartner.
Der Begriff von Gott - Grandios.
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