Leseverstehen
Es gibt ja so Bilder vom Soldatentum, die können eigentlich nur von Leuten stammen, die entweder zu viele kitschige Romane lesen, das Militärleben aus Filmen wie “Kaisermanöver” kennen oder Klischees pflegen. Eines davon ist, dass Offiziere lesen…Generalstabsoffiziere sogar Bücher ohne Bilder. Ich kann sagen, dass mir eine sehr begrenzte Anzahl von solchen Offizieren begegnet sind. Sehr begrenzt. Was mir aber irgendwie das wichtigste am Lesen zu sein scheint, ist doch etwas mitzunehmen. Zu lernen, zu inspirieren, zu wachsen und Charakter und Persönlichkeit formen. Damit komme ich auf den Punkt für den heutigen Eintrag: Clausewitz, Carl von.
Irgendwie hat jeder Offizier sich mal “ganz ganz dolle” vorgenommen “Vom Kriege” zu lesen. Keine leichte Lektüre, aber es geht ja um Krieg und damit um den Gegenstand des eigenen Berufes. Da dies keine ganz leichte Lektüre ist - im Hinblick auf Struktur und den Status “Unvollendet” - endet das Buch bei den meisten Kameraden im Bücherschrank….als Buchstütze für Dan Brown Bücher. Das ist in mancher Hinsicht schade. Meine Hoffnung liegt damit auf den Generalstäbler, die sicher in den langen Abenden vor dem Kamin in Hamburg - an der ruhmreichen Führungsakademie - über Vor- und Nachteile eines absoluten Krieges debattiert haben. Wenn dem so ist, dann frage ich mich, warum so wenig Lehren daraus gezogen werden. Der Krieg - also die militärische Option im politischen Handeln - hat immer und vornehmlich einen politischen Zweck zum Ziel. Damit ist klar, dass man einen Krieg - wie zum Beispiel in Afghanistan - nur führen braucht, wenn ein erfolgversprechendes politisches Konzept damit durchgesetzt werden soll. Man könnte nun sagen: Aber das hat ja garnicht als Krieg begonnen - wir sind da erst reingeraten und nun müssen wir erstmal……..
….was eine fatale Ausrede ist. Der Einsatz von Soldaten - gepanzerten Truppen - ist, egal wie man es mit Euphemismen umgibt - ein Krieg. Man zwingt eine politische Entität sich dem eigenen Willen zu unterwerfen. Ich kann nur sagen: Lernt lesen. Das gilt für Soldaten, die beraten und umsetzen ebenso, wie für Politiker, die bürgerliche Form des Soldaten.
12.6.2009 bei 14:40
Also, wenn Militaer und Literatur sich auschliessen, was sagt uns das dann ueber Nationen die auf ihr Militaer so unglaublich stolz sind? Mag ich liebr nicht drueber nachdenken.
17.6.2009 bei 10:46
Sie schliessen sich nicht aus - die Kooperieren nur zu selten.
…und stolz ist doch kaum jemand in Deutschland auf das, was das Militär leistet.