Schutzhaft

Gestern wurde ich von Frau Mike zu einem Symposion des oiip entführt. Eine gute Sache, denn es zeigt einem, dass auch hochgebildete Menschen nicht davor sicher sind, sich von Namen verführen zu lassen.

Es sprach zum Beispiel Eva Nowotny - ihres Zeichens Botschafterin. Die Einzige übrigens, die wirklich sehr gut vorgetragen hat. In ihrem Vortrag kam sie über die Metapher vom Rumpelstielzchen zu der Aussage, dass die Dinge durch klare Benennung entmystifiziert werden. Sehr gut erkannt - allerding nur für den Holzspan “Man solle doch `enhanced interrogation´ bitte auch Folter nennen”. Der Balken aber, dass von ihr vertretene Konzept - und das derzeitige Lieblingskind aller Staatschef auf der Achse des Guten - die “Responsibility to Protect” quasi ein Freibrief ist, unter dem schönen Tarnmantel der Menschenrechte die Souveränität eines Staates anzugreifen und damit den westlichen Wertekatalog als den einzig weltweit gültigen zu propagieren, den sah sie nicht. Diese neue Form der Kreuzzüge für die abendländische Kultur und der Heilsbotschaft von Menschenrechten und eurozentristischen Staatskonzepten erschien ihr das kleinere Übel.

Wie dem auch sei - Frau Mike wurde gequält durch das unsägliche Englisch der diplomatischen Elite Österreichs und ich durch die unsinnigen Konstruktionen, in die sich das Panel mit großem Verzücken erging - alle klopften sich über diesen neuen Weg, den Menschen rechtskonform zu helfen, auf die Schulter.

Ja, “…words will always retain their power. Words offer the means to meaning, and for those who will listen, the enunciation of truth.” Glücklich die, welche mit Worten kämpfen.

Antwort schreiben