Archiv für den Monat: Juni 2018

Denkamt | Digitalfeudalismus

Also @DerLinkshaender entpuppt sich ja mehr und mehr als der Impulsgeber für Beiträge – wenn ich ihm nicht schon folgen würde, ich würde es glatt tun. Sein letzter Streich war ein geteilter Beitrag über Machtvorstellung und Vormachtstellung im digitalen Kontext. Da mich das Thema Macht durchaus auch schon akademisch beschäft hat, fühle ich mich bemüssigt, meine 2 Cent – das waren mal 4 Pfennig – dazu zu geben.

Es kommt ja selten vor, aber ich würde den Grundtenor des Beitrags von @blume_bob unterschreiben. Ja, werte Leser, das steht da wirklich. Ich stimme jemandem zu, der nicht nur wiederholt, was ich gesagt habe. In dem Fall sage ich das mal, weil der Autor unmöglich meine verkorksten Seminararbeiten aus dem Studium gelesen haben dürfte – selbst den Dozenten stand ja damals der Schweiß auf der Stirn, dass ich mal „Macht“ in einem wesentlichen Ausmaß bekommen könnte und haben die Arbeiten sicher verschwinden lassen.

Kommen wir zur Sache – was Bob Blume beschreibt zeichnet einen klaren Grundriss, wie Politik gemacht wird. Dabei ist es per se unerheblich ob das Schulhofpolitik ist oder die ganz große Politik im Kreistag Wanne-Eickel. Es geht darum, seine eigene Sendekraft zu erhöhen und das schafft man über … Anhänger. Das Medium skaliert dabei  den Effekt enorm. Es entwertet aber auch die Nachricht – es geht nur noch um das Folgen. Coolness by association.  Daher braucht man die Nachricht auch nicht mehr prüfen. Wenn es der Mann an der Spitze sagt, dann schaut man noch verstohlen zum Nebenmann – oder zur Nebenfrau – und wenn der skandiert, dann kann man eigentlich gar nicht anders. Letztens las ich von einem Lehrer, der mit seinen Schülern über den Echo-Eklat sprach. Alle fanden die … ok, nennen wir sie mal Künstler, cool. Der Inhalt war völlig egal – denn andere fanden die ja auch cool. Nachdem man über den Inhalt sprach, war die Gefolgschaft schnell dahin. Da war dann eher Ekel und Abscheu. Im Gegenzug darf man auch nicht unterschätzen, wie vergänglich diese Macht ist – denn wer nicht mehr sendet, der wird vergessen. Ferner kann die Gruppe auch insgesamt einfach übernommen werden. Viele Schafe treibt man leichter in eine Richtung als einen Wolf.

Die Macht besteht darin, die Rahmenbedingungen zu setzen, so dass jeder aus eigenem Antrieb folgt. Es passiert ja nichts schlimmes. Erinnert sich noch jemand an das Verhör Captain Picards durch die Cardassianer – er sollte nur zugeben, dass da fünf Lichter sind, anstatt der tatsächlich vorhanden vier. Oder an Orwells „Freedom is the freedom to say that two plus two makes four. If that is granted, all else follows“. Macht ist, die Menschen zu desensibilisieren in marginalen Dingen, um den Effekt dann zu skalieren. Ich bin mir nicht sicher, ob die Digitalfürsten wirklich Macht haben oder ob sie ein Rad im System sind – eine Art Verstärker. Fakt ist, sie haben eine Gefolgschaft und sie können Unheil damit anrichten – oder Gutes. Am Ende des Tages kommt es – wie immer bei der Macht – auf den Träger an.

Leistungsfähigkeit – absolut oder relational

Ich habe ja einen Impulsgeber. So nenne ich jemanden, der einen interessanten Gedanken hat, von dem ich mir einen kleinen Baustein herausnehme, der mich beschäftigt. Nicht, dass Sie jetzt denken, dass ich diesen Baustein auswähle. Nein, der Baustein ist wie ein Mückenstich, der nur halb so schlimm wäre, wenn man nicht dauernd daran herum kratzen würde. Aber manche Dinge kann man sich nicht ausdenken und immer noch besser, als sich mit der Obsession beschäftigten.

In diesem Fall ist es der empfehlenswerte Text von Armin Hanisch zum Thema Beruf, Erfahrung, Leistung, Mentoring. Danke schon mal vorab dafür.

Aus dem Beitrag würde ich ja ein Bild stehlen, aber da ich mich mit Urheberrecht und Lizenzen und all dem Kram nicht auskenne…ach, ich mach das einfach mal. Management und so…

Original von Armin Hanisch https://www.arminhanisch.de/images/2018/05/procurve.jpg

Es geht um die Entwicklung von von Erfahrung und Leistung. Die x-Achse ist die Zeit im Beruf. Was mich nun damit beschäftigt ist: Welche Art von Leistungsfähigkeit. In dem entsprechenden Gebiet, ok. Aber ist das absolute Leistungsfähigkeit – also bedeutet die x-Achse auch einfach Lebensalter und die Leistungsfähigkeit würde sich auch so erschöpfen. Alternativ wäre auch eine Lesart denkbar, nach der Leistungsfähigkeit in Relation zu gemachten Erfahrungen stehen würde.

Erstere Lesart würde ich – ad hoc – eher nicht unterschreiben. Das würde bedeuten, dass Menschen ihre Leistungsfähigkeit gleich entfalten und diese sich auch gleich entwickelt. Zumindest in ihrem fachlichen Gebiet.

Zweitere Lesart ist spannend. Da würde ich die Kurve nicht unterschreiben. Im Zusammenhang mit meiner bescheidenen Auffassung von Wissen und einen rationalen und leistungsbereiten Menschen vorausgesetzt, würde die Kurve meiner Meinung nach eher so verlaufen:

Die grüne Linie wäre in dem Fall ein Komplexitätssprung im Fachgebiet. Zum Beispiel, wenn man von der Position Controller in die Position CFO wechselt. Man kann noch von den Erfahrungen zehren, muss aber recht schnell neues Wissen hinzu erwerben, um on top zu bleiben. Solche Sprünge kann und wird es mehrere geben. Nach meiner Lesart wäre die Leistungsfähigkeit immer, was ich aus dem Wissen und den Erfahrungen mache. Nicht, was mein Körper hergibt – sondern wie ich Dinge verwehrte. Je mehr ich weiß und je mehr Erfahrungen ich mache, umso mehr steigt meine Leistungsfähigkeit – und ersetzt auch ab und an fehlendes Wissen durch educated guesses und exploratives Lernen…und das lebenslang. Mehr Wissen und Erfahrung verschiebt das Gewicht von guess zu educated. Mir fällt es dann auch leichter nach einem Komplexitätssprung aufzuholen, weil ich dann schon aufbauen kann auf den Erfahrungen und das Wissen, dass ich besitze und meine Fähigkeit zu lernen. Im heutigen Berufsleben kann ich auch im Herbst meiner beruflichen Laufbahn noch einmal ein junger Sprinter sein –  wenn ich vom CFO zum Tischler in der Toskana oder zum Fischer in Friesland werde. Aber ich weiß, wie ich lerne – und das ist das wahre Gold einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn.

Was nun den Bedarf an Mentoren angeht – ich denke, dass man einen Mentor in jedem Abschnitt seiner fachlichen Laufbahn brauchen kann. Ebenso, dass man durchaus in jedem Stadium – wenn man das Wesen dazu hat – auch Mentor sein kann. Beides kann sogar gleichzeitig sein – ich werde als CFO von meinem Vorgänger betreut und betreue gleichzeitig das up and coming Finanztalent in der Firma. So lernen wir dann als Phyle – also Gemeinschaft und dann…ja, dann generieren wir wirklich Wissen.

 

Amtsblatt | Arkanes Wissen

Im Rahmen meiner Tätigkeit darf ich ja viele Dinge erleben. Bei manchen dieser Dinge bin ich froh, dass die Grunts das nicht wissen. Das bezeichne ich dann gern als Arkanes WIssen – quasi eine Form Herrschaftswissen.

Nehmen wir zum Beispiel die Basics der Unternehmensführung: Vision, Mission und Strategie. Der durchschnittliche Mitarbeiter – die Grunts – interessieren sich nur sehr bedingt dafür. Kunststück – die Leistungsnorm ist inzwischen auf einem „optimierten“ Niveau, dass sie die Masse der Zeit damit beschäftigt sind, ihre Arbeitsleistung zu erbringen. Reflexion auf das was man tut, Ideen, wie es besser gehen könnte oder auch nur die Einordnung der eigenen Tätigkeit in einen Gesamtkontext bleibt da auf der Strecke. Wozu also eine Strategie oder eine Vision? Man könnte jetzt sagen: „Brauch man für die ISO.“ oder „Ist für den Aufsichtsrat plakativ.“ Das ist aber nicht die Idee. Es sollte Orientierung geben – nur warum einen Kompass, wenn nie jemand drauf schaut, weil man eigentlich ohnehin nur im Hier lebt.

Was es noch etwas trauriger macht ist, wie diese Kernelemente der Unternehmensführung zu Stande kommen. Man hat ja immer so das hehre Bild vor Augen, dass hochgebildete Menschen sich in Workshops mittels umfangreicher Daten, wie Marktprognosen und Branchenanalysen darauf einigen, wie sich das Unternehmen darstellen soll. Mit Unternehmenspolitik und allem, was dazu gehört. Die Wahrheit ist aber: Jemand schreibt etwas und alle sind froh, dass sie sich nicht damit befassen müssen. So geschehen – so erlebt. In Wahrheit ist das Wissen zur Unternehmenslenkung nicht arkan. Es ist eigentlich vielmehr try and error als die Grunts glauben. Erschreckend ist, dass Intelligenz einer Karriere im Management oft entgegen steht. Nicht zu komplex denken – alles auf die Basics reduzieren, damit die Führungskräfte, die ihre Lorbeeren – tapfere Liniensoldaten zu sein – im 20. Jahrhundert geerntet haben und seitdem eigentlich nur reproduzieren anstatt zu lernen. Bitter, aber auch das ist Echtbetrieb.

Insofern sollte man das Management nicht zu sehr mystifizieren. Es gehört viel weniger dazu, als guter Manager zu gelten, als man denkt. Im Zweifelsfall gehört einfach jemand dazu, der einem die Arbeit macht … und einem die Komplexität der Welt erklärt und der es aushält, dass man ihn belehrt, dass das „Früher auch alles ging.“

Amtsblatt | Warum in Manager investieren?

Die Leute munkeln schon. Mir aber egal. Wenn ich mal jemanden gefunden habe, der mich zum Denken bringt – und hier sind P. und E. und H.H. und nun auch A. ganz weit vorn – dann lese ich halt, was dort in den Köpfen herumspukt.

Jemand, also der A., hat einen interessanten Tweet geteilt.

Wenn ich das lese, dann fällt mir als erstes immer ein, dass es ja einen wesentlichen Unterschied zwischen Unternehmertum und Management gibt. Wenn man sich nun die wesentliche Aufgabe eines Managers ansieht, dann erscheint es mir wenig schlüssig, warum wir dafür noch Menschen einsetzen. Es wurde ja schon mehr als einmal dargelegt, dass Management zu einem großen Anteil aus der Kombination von Glück besteht – zur richtigen Zeit auf das richtige Pferd gewettet. Ein Manager verwaltet, optimiert und setzt um. Der Unternehmer wettet auf etwas, von dem noch keiner weiß, wie es ausgeht. Der Manager optimiert nur den Wettprozess. Das Risiko liegt immer beim Unternehmer.

Wenn es also um evidence based decision making geht, dann sollten Alternative Intelligenzen doch wesentlich besser sein, aus den vorhandenen Daten ohne Bias folgerichtige Schlüsse zu ziehen. Sicher, Computer treffen dann auch Entscheidungen, die nicht gerade von Herzenswärme getrieben sind, aber sie treffen Entscheidungen, die im Kontext korrekt sind. Wie beim Go ist es am Ende nur der Gesamterfolg, der über zweckmäßig oder nicht-zweckmäßig entscheidet. Kein gut und böse – keine politische Einflussnahme. Keine „anderen Beweggründe“. In einem Manager zu investieren ist meiner Meinung nach nur eine Art Sitzredakteur zu haben – jemand, der die Schuld trägt, wenn es schief läuft. Manager geben diese Verantwortung gern Back-2-Back an Berater weiter – dann sind sie wenigstens gegenüber den Mitarbeitern fein raus.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Go_board.jpg

Den wesentlichen Unterschied zwischen Manager und Unternehmer sieht man bei Leuten wie Elon Musk und Steve Jobs. Leute, die einfach machen, von was sie überzeugt sind. Leute, die nicht an die nächste Bilanz denken, sondern „to make a ding in the world“. Etwas zu bewegen, zu verändern und etwas besser zu machen. Das kann meiner Meinung nach eine Alternative Intelligenz in der absehbaren Zukunft nicht leisten. Denken, Träumen, Zweifeln und Betroffensein – dazu müssten wir diese ganz anders in die Lebensumwelt einbinden. Aber managen – managen kann eine Maschine besser als jeder Menschen. Insbesondere in einer Welt wachsender Komplexität und der Notwendigkeit kybernetischer Führung. Ganz zu schweigen von den persönlichen Befindlichkeiten und einer Unzahl an Bias.

Was ich sagen möchte: Es fehlt der Wille dazu, sich einzugestehen, dass Alternative Intelligenzen in diesem Bereich besser sind und diese High Power und High Salary Jobs eigentlich übergeben gehören – und wir sollten viel mehr Träumer, Denker und Künstler heranziehen in unserem Schulsystem und nicht BWL-Automaten.

Amtsblatt | Persönliches Wachsen

Ich bin ja seit meinem neuesten Denkansatz ein herber Verfechter der Ansicht, dass man Wissen als soziales Konstrukt sehen muss. Das betrifft sowohl den epistemischen Aspekt, den Aspekt Wissensgenerierung und auch Wissenstransfer. Aber ich schweife ab – was ich sagen möchte, ich erkenne gerade ein paar Dinge – ich generiere also Wissen über mich – durch einen ausgesprochen gewinnbringenden Austausch. Cicero hat einmal angemerkt, dass Bücher dicke Briefe an Freunde sind – ich betrachte diese Blogposts hier ja als therapeutische Maßnahme für mich selbst und als kleines Campfire für Leute, die sich daran erwärmen können und etwas zu den Geschichten beitragen wollen.

@DerLinkshaender hat mit seinem weiteren Text zum Thema Scheitern einen neuen Denkimpuls gesetzt, der mir etwas bewusst gemacht hat: Ich bin schon massiv gescheitert und habe das immer kaschiert, obgleich es dazu angetan war, mich nachhaltig wachsen zu lassen. Weder mir, noch meiner Umwelt habe ich eingestanden: Ich bin gescheitert – und das war gut so.

Ich war in der Schule ein sehr mittelmäßiger Schüler. Unteres Mittelmaß um genau zu sein. Das war nicht per se die Schuld meiner Lehrer – ich war einfach faul und es gab auch keine Bonifikation gut zu sein. Ganz im Gegenteil – die coolen Typen waren die, die eher auf die Schule gepfiffen haben. Die haben dann die Mädls bekommen. Das war damals die einzig relevante Messgröße. In der 11. Klasse dann hat es eben nicht mehr gereicht. Ich durfte die Klasse wiederholen – und keiner außer mir trägt dafür die Verantwortung. Meine „Kumpels“ waren alle clever genug, eben das „drauf pfeifen“ nur so weit zu treiben, dass sie trotzdem noch einigermaßen dastanden. Also nächstes Jahr – neue Klasse, neues Curriculum und neue Lehrer. Tapetenwechsel. Mit der gleichen coolen Masche in die neue Klasse. Wird schon werden.

Jetzt war ich nicht dumm und mir Schulwissen anzueignen fiel mir immer schon leicht. Ich wusste eben nur nie „Wozu?“. Dann geriet ich an den richtigen Lehrer – Herr Dulinski. Leistungskurs Geschichte. Ich kann mit Fug und Recht sagen – er hatte es nicht leicht, aber hat es immer leicht aussehen lassen. Er war das Idealbild eines Lehrers. In diesem kleinen und verschworenen Rahmen „Leistungskurs Geschichte“ habe ich erfahren, dass Wissen Wertschätzung bring. Einer der wenigen Menschen, die ich heute Freund nenne, hat damals gesagt: „Erster Eindruck war halt `Typischer Dummbatz`und dann hab ich dich mit einem Buch gesehen und dachte, dass Du so dumm ja nicht sein kannst.“ Das war die Initialzündung. Von da ab war es ein Wissensspiel – wir waren die Stars. Im Denken, im Reden und im … naja, bei den Mädls eben. Denn man wurde von den schicken Mädls ja gesucht, um ihnen den Stoff zu erklären. Kurzfristig war das die Motivation – aber langfristig hat das Sitzenbleiben, die neue Umgebung und die neue peer group in mir einen Durst nach Wissensaggregation entfacht, der bis heute anhält. Ja, ok, damals war Wissen halt der Weg zu den Mädls und heute ist Wissen Macht und daher in keinem Fall ein hehrer Grund zu lernen, aber es zeigt, wie mich Scheitern nach vorn katapultiert hat. Ich wäre heute ein mittelmäßiger Mensch mit einem langweiligen Job in meiner Heimatstadt.

Trotzdem – und das ist der springende Punkt, den @DerLinkshaender aufzeigt: Ich habe das immer verheimlicht. Vor der Masse meiner Familie bis heute. Vor Freunden und Kollegen. Dabei konnte mir nichts besseres Passieren als früh zu scheitern – sonst hätte ich den Makel, mich mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben, nicht abstreifen können.

Warum mich der Text vom @DerLinkshaender auch lächeln hat lassen ist, dass mein damals bester Freund den gleichen Wandel vom gesetzten Biologen zum IT-Fachmann durchgemacht hat. Er wird von seiner Familie bis heute dafür als Gescheitert angesehen.

Die Essenz des hier gesagten: Own that shit! Dinge, die anders ausgehen als geplant gehören dazu. Menschen, die sich anders entwickeln sind mir lieber, als Menschen die sich nicht entwickeln. Schlimmer als dafür gescholten zu werden, IT-Fachmann anstatt Biologe zu werden, sind doch Leute, die sich – nur um nicht als gescheitert zu gelten – in einem Entwicklungspfad wiederzufinden, der gar nicht mehr ihrer ist.

Dies ist dann mein kleiner Brief an mich – ich habe meinen Frieden damit gemacht, weil mich mein Lernen an den Ort gebracht hat, an dem ich heute bin. Fuck what everybody else thinks!

Amtsblatt | Weitere Gedanken zum Scheitern

Was die @bildungspunks da losgetreten haben ist schon beachtlich. Eigentlich sollte ich meine Konzentration auf #wissen und #denkenbisderpsychaterkommt lenken – geht aber nicht, wenn gerade was anderes lockt.

@DerLinkshaender hat einen wirklich lesenswerten Artikel zum Thema „Scheitern“ verfasst und ich muss da drauf reagieren.

Scheitern als Chance ist mir das erste Mal bewusst gemacht worden durch ein Buch von Weick zum Thema Resilienz. Auch dort ging es darum, dass wenn man clever scheitert, kann man es als Chance – und im weitesten Sinne als Erfolg verbuchen.

Das nächste Mal kam es mir bei Nassim Taleb vor – scheitere oft und früh. Das hat Vorteile für den Scheiternden und für das Gesamtsystem. Wenn man nicht erfolgreiche Unternehmungen frühzeitig scheitern lassen würde – so lange sie nicht systemtragend sind – kann man den Schaden klein und den Gewinn unter Umständen hoch halten.

In jedem Fall geht es aber darum, etwas zu lernen. Das muss nicht immer zum Medizinnobelpreis führen oder die Abläufe auf einem Flugzeugträger optimieren. Was wichtig ist, ist das jeder Mensch etwas lernen kann – aus dem kleinen Scheitern, die uns jeden Tag in unserem Umfeld unterlaufen. In der Summe – als komplexes soziales System – haben wir alle einen Mehrwert davon. Wenn man jetzt noch Wissen aus der Perspektive des Konnektivismus sieht Lernen aus der Kollaboration, dann könnte man meinen, dass wenn jeder im Kleinen scheitert und daraus für die gesamte Phyle lernt – und das gelernte in einen größeren Zusammenhang bringt und gegebenenfalls noch gemeinsam die lessons learned nutzt…also ich glaube ja, dass wir dann unglaublich viel Wissen über uns, unsere soziale und ökologische Umwelt generieren könnten.

Was mir dann noch fehlt wäre die Einbindung von alternativen Intelligenzen. Von Datenbanken, von digitalen Entitäten und von Mustern, die eine andere Perspektive bieten, als wir sie gewohnt sind. Menschen tendieren – und das ist nur eine persönlich Erfahrung – dazu, ihre Lebenswelt als Maßstab wahrzunehmen. Dazu gehört Vergänglichkeit und all die kleinen Biases, die das Leben mit sich bringt. Alternative Intelligenzen denken in anderen Mustern und anderen Dimensionen. Das muss man sich zu Nutze machen. Das darf man nicht abtun als „kein Denken“. Das muss man einbinden, wenn man die anstehenden Probleme lösen möchte.

Die von @DerLinkshaender angesprochenen Checklisten wären ein guter Weg dazu. Denn Checklisten sind binär. Check or No-Check – das können selbst die Computer des 20. Jahrhunderts in ihrer von-Neumann-Struktur. Hier wäre eine gute Brücke zur Einbindung von Alternativen Intelligenzen in unsere Lebensumwelt. Babysteps aber wenigstens Steps. Es geht dabei nicht um die Auslagerung von Checks an den Computer – es geht um das Ergänzen. Der Pilot checkt „Triebwerk da“ – der Computer checkt „keine Materialermüdung“. Vom Ergebnis profitieren beide – der Pilot weiß mehr über den Zustand seiner Maschine und der Computer versteht – ein hehres Ziel – Vertrauen.

Um was es mir geht ist beim Scheitern ist – jeder erlebt es. Heute erlebt es jeder für sich, da es wichtig ist, nicht beim scheitern ertappt zu werden. Scheitern im Stillen ist aber ein verschenken des Mehrwerts von Scheitern. Werfen wir den Konex Scheitern und Schuld doch einfach auf den … Scheiterhaufen.

Aus dem Leben | Was mich Streben lässt

Im Zusammenhang mit dem, was mich antreibt, bin ich zu einer Entdeckung gelangt. Was mich zu Besserem treibt, was mich anspornt und was mich wachsen lässt, sind immer zwei Menschen. Das interessante daran ist, dass es immer zwei Frauen waren, die mich mich als Dipole bewegt haben. Als Mensch, als Student, als Mitarbeiter und später als Führungskraft. Als Freund und als … Freund (+).

Kaum glauben, aber irgendwie fand ich den intellektuellen, emotionalen und humanitären Input von Frauen immer wertvoller für meine Entwicklung als den meines männlichen Umfelds. Heute würde ich mal sagen, dass liegt daran, dass das, was die Typen  mir gesagt haben ohnehin das ist, was ich wusste und konnte. Was die Frauen mir gesagt haben, hat mein Blickfeld erweitert. Hat mich mehr verstehen lassen. Dabei bin ich weit davon entfernt ein Feminist zu sein – mache sagen auch gern „arroganter Macho“ zu mir, aber das bedeutet nur, dass sie nicht sehen, dass ich auch Männer nicht mag. Also als Menschen. In den „anderen Rollen“ ist mir das Geschlecht eher egal.

Was ich sagen möchte ist, dass es wie mit Büchern ist – die, die ich schon kenne, brauche ich eigentlich nicht in meiner Bibliothek. Es ist das Neue, das Andere, die weitere Perspektive, die Frauen für mich bringen. Dafür sagt man auch zu selten danke. Also mal Danke an: P., M., E., B., F., G., A., U., M., A., D.

Amtsblatt | Generalisten

In meiner Umgebung gibt es eine Menge von Mitarbeitern, die ziemlich gut in ihrem Job sind. Also in dem Job, den sie machen – oft seit Jahren. Sie sind manchmal hineingewachsen, manchmal sind sie einfach ins Wasser gesprungen und schwammen und manchmal standen sie einfach zur richtigen Zeit auf dem Gang, als ein Problem auftauchte.

Es ist schwer, solche Menschen zu animieren, mehr aus sich zu machen, als sie sind. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Feststellung – und man möge mir glauben, dass ich es versucht habe. „Wozu – ich kann ja, was ich tue.“ von einem Experten oder „Ich nicht mehr.“ von einer 50jährigen Führungskraft. Das Problem, dass keiner sieht ist: Das was sie tun, kann morgen nicht mehr da sein. Auch das Berufsbild des Facility Managers verändert sich. Die Digitalisierung nimmt zu – der Schwerpunkt der Tätigkeit verschiebt sich vom technischen Aspekt zu einem Consulting Job. Der Kunde möchte erklärt bekommen, was passiert und beraten werden, was passieren soll. Es wird zwar nie ein Data Scientist aus einem Techniker, aber das Stehenbleiben auf dem, was sie können in dem blinden Vertrauen darauf, dass ihr Job auch in 10 Jahren noch so sein wird, wie heute, ist schon abstrus.

Jetzt wäre es an der Firma, die Jobprofile an der Strategie und auf Basis der Marktprognosen auszurichten. Es wäre die Aufgabe des Unternehmens die Mitarbeiter zu fordern und zu fördern, die sich der Zukunft stellen und nicht bei der Arbeitsleistung von der Hand in den Mund zu leben. Alle tollen employer branding und Marketingmaßnahmen sind vergebens, wenn wir die Menschen, die in den kommenden Jahren noch bestimmend sind einfach so handeln zu lassen, als würde sich nichts verändern. Weder Jobprofile, Tätigkeiten oder Führungskompetenzen können mit dem Wissen des 20. Jahrhunderts das Bestehen im 21. Jahrhunderts sichern. Weder auf der individuellen, noch auf der betriebswirtschaftlichen Ebene.

Amtsblatt | Scheitern ist Lernen

Die #edupnx haben ein neues Thema und da ich gerade wieder ins Schreiben kommen muss, nehme ich das einfach mal zum Anlass meine 2 Cent dazu beizutragen. 2 Cent bei der Anzahl der Wörter – mieser Stundenlohn und damit bin ich ja in guter Gesellschaft mit der Lehre und Bildung. Man könnte also schon vom Scheitern eine guten Bildungspolitik sprechen, aber das soll nicht der Punkt sein.

Vorab – ich bin kein Lehrer im behördlichen Sinne. Allerdings fasse ich meine Tagesfreizeit als Führungskraft und Experte für…a lot of things gern als Tutor auf. Als Steuermann im Rahmen eines kybernetischen Ansatzes von Führung. In diesem Sinne ist mir scheitern durchaus vertraut. Nicht im betriebswirtschaftlichen Sinne, sondern im Sinne der nobelsten Aufgabe, die man als Mensch haben kann: Menschen zu unterstützen, Ziele zu erreichen und auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen stärkere Individuen zu werden.

Dabei kann man scheitern. Darüber muss man sich immer im Klaren sein. Ich bin oft gescheitert. Im kleinen Maßstab, wenn Menschen trotz intensiver Beratung einen nicht gerade optimalen Weg wählen – aber es ist ihr Weg und dann muss man als Tutor die Stärke haben, das eigene Scheitern hinten anzustellen und Sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Im großen Maßstab ist das eine unglaubliche Last. Wenn Menschen, in die man viel Zeit und Kraft investiert hat ihre großen Ziele aufgeben, um kleine Vorteile zu generieren, wenn sie weder ihr Potential entwickeln, wenn sie nicht der Mensch sind, den man glaubte zu sehen. Das Scheitern liegt in dem Fall in der Sache und man wird seiner Verantwortung gegenüber allen anderen Menschen nicht gerecht, wenn man seine Aufgabe nicht weiter verfolgt, weil man sich das Scheitern als persönliches Versagen anrechnet – oder noch schlimmer die Menschen in seiner Verantwortung dafür verantwortlich macht.

Ein guter Tutor – eine gute Führungskraft – nimmt Scheitern als in der Sache begründet wahr. Er lernt und wird ein besserer Tutor. Lessons learned sind das wichtigste Element des Scheiterns und wenn man das begreift und sich dem stellt, dann ist das Wort Scheitern eigentlich obsolet. Es ist Lernen – und was ist besser, als der Lohn beim nächsten Tutee das Lernziel zu erreichen.

Wäre schön, wenn auch die Bildungspolitik das lernen würde und dann ihr Scheitern bisher als Chance zum Lernen zu begreifen. Dazu müsste man sich aber auch erst dem Scheitern stellen. Auch eine lesson learned.