Archiv für den Monat: Oktober 2018

JAM | Lost&Found

Mit wachsendem Lebensalter ändern sich ja Dinge. Es ist nicht mehr so wichtig, das richtige Logo am Kühlergrill zu haben – dafür sind beheizte Sitze im neuen Auto eine interessante Sache. Das ist auch lustig, weil man jetzt in dem Alter ist, in dem man sich das wirklich coole Auto leisten könnte – aber seien wir ehrlich, wer will sich mit 50 noch aus einem Golf GTi schälen und dabei die Agilität eines Hohlblocksteins an den Tag legen. Bringt die Miezen auch nicht ans Gerät – dazu braucht man ja einen sauber geshaveten Drei-Tage-Bart, wie die beste Band der Welt dereinst verkündet hat. Apropos beste Band der Welt – fragt mich doch die junge und ausgesprochen attraktive Kollegin auf dem Oktoberfest ganz verwundert, warum ich den gesamten Text von Westerland mitsingen kann. Ich hab ihr dann erklärt, dass ich das Lied schon betrunken gegrölt habe, da war sie noch nicht mal auf der Welt. Im nüchternen Zustand habe ich dann nachgedacht und…sie war da noch nicht auf der Welt…

…was mich zum Thema bringt. Erfahrung – oder wie man so schön sagt: Jeder hat einen Rucksack. Keine Ahnung, ob man das so sagt – ich sage das jedenfalls mal so. Auch ein 14jähriger hat einen Rucksack. Erwartungen aus dem Elternhaus, Erwartungen aus dem Freundeskreis, Erwartungen, die durch YouPorn zustande kommen … der Unterschied zu meinem heutigen Ich ist einfach: Damals kamen die Ziegelsteine im Rucksack von anderen Menschen und heute kommen die Inhalte meines dB-Rucksacks von mir.

Mit 14 hat man ja eher so die Ziegelsteine, weil man sonst nichts hat. Orientierung ohne Starpunkt – Optimierung ohne Baseline. Das ist stressig und macht Pickel. Alles ist zu klein, zu groß, zu wenig oder zu viel. Heute hat man eine Baseline – damals mit 20 war es alles viel einfacher – und man hat einen Ausgangspunkt – der liegt bei Anfang 30. Von 20 zu 30 wurde es konstant besser. Nicht alles schöner, aber besser. Der Rucksack war handhabbar. Bei sich und bei anderen. Weil man ja noch locker zwei Ziegelsteine dazu tragen konnte. Man strotze vor Kraft und man wuchs ja gemeinsam. Mit Freunden und Partnern. Deren Rucksack sah in der Regel gleich aus. Gute Erfahrungen, schlechte Erfahrungen oder auch zu wenig Erfahrungen. Egal was es war, man hat es angepackt und wenn es nicht gepasst hat, mit den Rucksäcken, dann hat man sich was Neues gesucht. Man hatte ja Zeit und alle Optionen.

Heute sieht das so aus: Man hat seinen eigenen Rucksack und mag da auch nicht so gern reinschauen. Das macht sonst Stress und Pickel. Pickel, das wissen wir noch vom Ziegelstein „damals mit 14“, ist für die Partnersuche eher nachteilig. Der Rucksack wird eher zur Belastung, weil man die Option „neuer Partner“ oder „zusätzlicher Partner“ oder „mal was ganz anderes“ angehen will. Man darf auch nicht vergessen, dass der andere Mensch auch einen Rucksack mitbringt, den es zu erfahren gilt. Wenn wir aber schon mit unserem Rucksack nicht klar kommen, dann wird es schwer abzuschätzen, ob man mit dem Rucksack des Gegenüber klar kommt. Primär wichtig ist aber, dass man mit einem gewissen Lebensalter nicht ohne Rucksack kommt. Mit zunehmendem Alter sind die Rucksäcke aber sehr unterschiedlich, weil der andere Mensch nicht mehr aus der Parallelklasse, dem gemeinsamen Seminar oder der gleichen Branche kommt. Da kann auch fix mal ein Kind aus einer anderen Beziehung drin sein oder eine bittere Erfahrung mit einem Ehepartner oder auch zehn Jahre Alleinsein. Wenn das nicht mit dem eigenen Rucksack passt, dann findet man keine gemeinsame Baseline – und dann wird es schwer eine gemeinsame Zukunft zu planen. Man hat nämlich nicht mehr die hire&fire-Beziehungsoption, die man mit 14 hatte. Oder mit 20. Oder mit 30.

Auf was ich hinaus möchte ist, dass man tunlichst vermeiden sollte mit zwei losen Enden in eine Beziehung zu gehen. Das wird zum Drei-Körper-Problem – und damit nicht prognostizierbar und auch nicht steuerbar. Ein Ende ist der Rucksack, den man selbst hat, ein Ende ist der des anderen Menschen und der dritte Drehpunkt ist die Beziehung. Es wird mit einem festen Punkt schon ein Chaospendel. Daher sollte man sich seines eigenen Gepäcks bewusst sein und der Tatsache, dass der andere mit seinem eigenen Rucksack daher kommt. Man muss ja nicht per se gleich den ganzen Rucksack auskippen und sich gegenseitig vorführen, wie kaputt man eigentlich ist. Aber man kann Bausteine zeigen – und wenn man sich seines Rucksacks bewusst ist, dann kann man das sehr gezielt. Da zeige ich halt her, dass ich auf Grund meiner Erfahrung eher an einer offenen Beziehung für beide Seiten interessiert bin. Oder dass ich keine Kinder haben mag. Das sind die dicken Brocken. Die vielen kleinen Dinge kommen ganz von allein. Dann sollte man auch zulassen, dass der andere die großen Steine herzeigt – wenn er sich der Steine bewusst ist. Aber auch da kann man helfen, wenn man sich des Inhalts seines Rucksacks bewusst ist.

Ich betrachte es mittlerweile als positiv meinen Rucksack zu kennen. Ich habe keine Zeit und keine Lust auf „Schaun wir mal, was passiert und wenn es doof ist, dann eben was anderes.“ oder eine Langzeitstrategie. Ich mag keine Zeit mehr mit sinnlosen Projekten verbringen. Ich sage: Das ist mein Rucksack, die schweren Steine da drin sehen so aus – ich will das und das. Was ist dein Rucksack? Passt oder passt nicht. Das ist unglaublich leicht für mich und wird in der Regel auch vom Gegenüber geschätzt. Das Leben wird entspannter – kein langes Geplänkel – gleich zur Entscheidungsschlacht und wenn die nicht angenommen wird oder verloren geht – Danke und weiter. Keine Zeit vergeudet, keine Energie verschwendet. Dazu ist mein Rucksack zu schwer und für mich zu wertvoll.

JAM | Wo gehobelt wird…

Man könnte ja fast annehmen, dass Frau Pinkshot und ich da was am Laufen haben. Irgendwie haben wir beide auch sicher was am Laufen..und einen am Laufen haben wir auch. Das ist quasi ein Kompliment, weil mit normalen Menschen mag ich mich eher so nicht abgeben. Ich habe Angst, dass Normalität ansteckend ist.

Wir sprachen neulich, also letztens, über Cumshots. Nein, wir sprachen über Spielzeug. Spielzeug, dass für Frauen designed, für Jungs bedrohlich und für Männer interessant ist. Für Männer daher, weil man mit genug Selbstbewusstsein durchaus den Reiz erkennen kann – wie mit einem Taktstock eine Frau in Schwingung zu versetzen. Das Orchester ihrer Sinne in Harmonie zu bringen. Naja, können Sie ja nachlesen.

Was mich jetzt wieder darauf zurückbringt ist, neben dem Text, der dazu verfasst wurde, eine Erfahrung. Eine Erfahrung, die nicht ganz ohne ist. Wissen Sie – ein Junge, der gern eine Frau haben würde, die viel Sex will, ist genau so lange zufrieden, bis er eine Frau bekommt, die viel Sex will. Was er eigentlich will, ist eine Frau, die wie ein Spielzeug ist – immer dann an, wenn er will. Mithin also nicht genau dann, wenn der bevorzugte Sport oder der beste Buddy gerade verfügbar ist. Dann muss sie ins Nebenzimmer und nicht stören. Ein Mann will in der Regel etwas anderes – aber manchmal bekommt er eben auch jemanden, mit dem es so weit geht, dass selbst Cumshots – und wir reden ja hier davon, dass es der Bugatti Veyron unter dem Höhepunkten ist – nicht mehr gehen.

Man stelle sich vor, man hat ein Date. Mit jemanden, dem man lange nicht mehr gesehen hat. Man denkt sich: Das wird intensiv. Mit intensiv meine ich: Es wird wohl nicht mit der 5-Minuten-Terrine getan sein. Also mal Stamina sammeln – straight edge leben. Keine Aktivitäten, keine Süßigkeiten. Man reizt sich an. Das Event wird gehyped. Dann ist man dabei – alles läuft wunderbar, aber selbst mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – Finger, Hände, Mund, Zunge und Penis 1.0 wird man nicht alles erreichen. Sicher – da sind ein paar schöne Orgasmen drin für sie. Ich kann jedenfalls sagen – in einer solchen Situation eine kleine Hilfe zu haben…zu meinem Leidwesen, ich habe es mir gewünscht. Irgendwann ist man so überreizt, empfindlich und irgendwie…ist es nur noch Mechanik. Das bedeutet nicht, dass es nicht schön ist. Nur eben nicht mehr…orgasmusfähig. Wenn selbst meisterhaftes Fellatio nicht mehr den gewünschten Erfolg bringt oder mein „Komm auf meinem Gesicht.“ nicht mehr stattfindet, weil es einfach nur noch…sensory overload ist – dann ist eben auch mal gut. Jetzt könnte man einfach einen Dritten dazu holen, um sich abzuwechseln. Das würde aber nicht das Problem lösen, denn Frau will ja auch nicht nur Kopulation, sondern auch Emotion. Irre, aber soll so sein. In dem Fall wäre so ein Toy für zwischendurch sehr nützlich. Dann könnte man das Bedürfnislevel gleichmäßig absenken und am Ende noch … der Bugatti. Sie wissen schon. Für die mentale Kamera.

Ich jedenfalls kann sagen, dass ich gelernt habe: Gedanken weg vom hypen. Im Kopf will man mehr, als die Nervenenden zulassen. Egal ob man kommt oder nicht – eine Frau, die ihren Mund anbietet kann nichts ersetzen. Nichts. Eine Frau braucht mehr als das Gerät – es braucht auch jemanden, der es bedient. Ob im Kopf oder im echten Leben ist egal. Der beste Satisfyer ist das Kino im Hirn. Es gibt mehr als eine Frau, die Cumshots mag…

…eine kleine Lehre – und meine Texte sind Lektionen, machen Sie sich da nichts vor – aus dem Wochenende: Nichts, war das jetzt nicht.

JAM | Toy Story 69 – Woody goes Buzz

In grauer Vorzeit bin ich immer mit dem  nach einem Wochenende in der alten Heimat nach Hamburg gefahren. Jetzt ist der gute Mann und mein bester Freund ja für seine Belesenheit und seine Fähigkeit das Gute im Menschen zu sehen bekannt – für Pünktlichkeit ist er es nicht. Hinzu kam – er hörte gern Musik. Keine schlechte Musik. Aber eben Musik. Laut. Im Auto. Die Frage, warum ich immer so schweige hatte zwei Antworten: Weil ich immer zwei bis drei Stunden auf Dich warten muss und ich Unpünktlichkeit hasse zum Einen. Zum Anderen – ich rede nicht gegen eine Maschine. Da kann man nur verlieren. Heute weiß ich, dass Cicero sein Redetalent entwickelte, indem ihn sein Lehrer gegen die Brandung anlesen lies – und eventuell, wenn er damals etwas mehr Nachdruck hätte walten lassen, hätte ich heute ein Pater Patriae-Titel und die Republik gerettet. Aber damals – es war so kurz nach dem Ostozän – befand ich das doof. Gegen eine Maschine kann man nur verlieren. Die hat kein Erbarmen, kein Einsehen – nein, die stellt man einfach auf 11 und bricht den Knopf ab und dann klimpert das Solo durch.

Vor einigen Tagen durfte ich von der Frau Pinkshot lesen – sie hat eine neue Maschine. Naja, ein Maschinchen. Ein Gerät. Ein Spielzeug. Quasi. Ich durfte davon lesen. Ein sehr ausgefeiltes Stück. Also der Text. Wobei – nicht nur. Die gute Frau ist es auch. Es geht um den Himmel. Nicht den von Franziskus und seinen Haberern – nein, um den säkularen Himmel. Wir sprachen ja bereits davon – es geht um den weiblichen Orgasmus. Oder besser – den Weg dahin. Da hat sich die Frau Pinkshot was schenken lassen. Einen Satisfyer. Das nächste große Ding nach Penis 1.0. Sie können sich schon denken – höher, schneller, weiter. Mit den Worten der wirklich guten Poeten:

„Work it harder
Make it better
Do it faster
Makes us stronger“

Ähnlich wie damals auf den Reisen nach Hamburg, bei denen ich mich um die Gelegenheit einer bereichernden Unterhaltung betrogen sah, war meine Reaktion instinktiv, absolut, störrisch…und falsch.

Meine erste Reaktion war: Na super. Da kann man als durchschnittlicher Mann einpacken. Da muss ich mir keine Illusion machen – allein limitiert durch die Performance der Batterien kann das Ding einfach eine Stamina an den Tag legen, mit der man sich nicht messen kann. Ich glaube selbst die selbsterklärten Duracellbetthasen müssen kapitulieren, denn der Terminator für das männliche Ego macht ja auch genau das, was Frau will und das ohne dämliche Entschuldigungen in Embryonalstellung für Nichterfüllung einfacher Wünsche im Anschluss. Also eigentlich alles was man braucht – und er hinterlässt auch keinen unerwünschten feuchten Fleck, kann mit auf Reisen ohne Zusatzkosten bei den Hotelzimmern und ist eher so der all-around Genügsame. Keine Gespräche am Morgen, keine hochgeklappte Klobrille. Zusammenfassend hat mich das in meinem Ego gekränkt. Ich gestehe auch ein, dass mich der Text von Frau Pinkshot erst einmal auf ganz andere Gedanken gebracht hat – was den Abschuss dann noch etwas schlimmer gemacht. Also den fürs Ego – nicht, was man denken sollte.

Jetzt bin ich aber der Typ, der sich mit einem kaputten Ego für nichts herumschlagen muss. Wenn schon runter ziehen, dann bitte auch noch drei- bis fünfmal darüber nachdenken. Der Gedanke daran, ob das nicht eigentlich eine ziemlich gute Chance sein kann. Das mag jetzt wie die CSU klingen, die mit ihren Stammtischparolen nicht mehr landen kann und daher einfach die AfD umarmt. Aber man möge mir zuhören – das ist meist eine gute Idee, denn es ist eine Gelegenheit etwas zu lernen. Wir wissen um die Limitierungen des durchschnittlichen Mannes. Wir haben zwar gelernt, dass das männliche Sexualorgan der Mercedes unter den Sexualorganen ist, aber seien wir ehrlich – ein Mercedes ist auch nicht mehr das, was er noch nie war. Jetzt haben die Frauen eine Ergänzung bekommen, um Dinge zu erleben, die eben nicht immer gehen. Wenn man jetzt als Mann die Größe hat sich dem zu stellen, dann ist der Satisfyer doch eine gute Gelegenheit neues zu lernen. Man könnte sich zum Beispiel des Befriedigers bedienen, um mal ihren Körper zu erkunden. Sehen, wo sie wie reagiert. Sie auf das Plateau heben, auf das man sich sonst gerade so kämpft, um dann das maskuline Gipfelkreuz zu pflanzen, ohne überhaupt zu bemerken, dass sie erst bei Basecamp 2 ist. Dann selbst einsteigen. Man – also Frau Pinkshot – versicherte mir, dass in der Tat ein Mann durchaus noch seinen Reiz hat. So eine Geschirrspülmaschine räumt das Ding dann eben doch nicht aus…

…also mein Fazit aus der Betrachtung: Das Ding ist keine Bedrohung. Es ist eine gelungene Ergänzung. Es ist auch irrig anzunehmen, dass selbst in einer erfüllenden Beziehung keiner der Partner ohne selbst Hand anzulegen auskommt. Also dafür taugt es. Es taugt aber auch, um die Möglichkeiten zu erweitern und um gemeinsam neue Dinge zu entdecken. Erst wenn sie anfängt seinen Namen beim Sex mit ihm zu rufen – dann wird es kritisch.

Damals auf der Reise nach Hamburg haben wir uns einfach geeinigt, dass wir reden und wenn ein Lied kommt, das er hören mag, dann wird eben Musik laut gemacht und wir lauschen. Dann können wir weiter reden. Ebenso sehe ich das jetzt: Manchmal für den guten Orgasmus und für die Bereicherung ist das gut. Aber einen Partner oder Liebe kann es nicht ersetzen. Genauso wenig wie einen Cumshot. So. MannesEgo wieder hergestellt.

JAM | Na Oida…

Ich lebe ja nun schon den einen oder anderen Tag in der Hauptstadt des gepflegten Suderns und daher dachte ich, dass ich in der Überschrift mal zeige, dass ich mich bemühe die Sprache der Eingeborenen zu sprechen. Das fällt mir nicht ganz so leicht, da man mit einem deutschen Dialekt erstaunlicherweise recht weit kommt. Was einem mit dem Dialekt der Bewohner meiner Wahlheimat aber leichter fällt, ist problematische Thematiken unverfänglicher zu artikulieren. Da ich aber nun wohl in der Lage bin, denen einen oder anderen Menschen in meinem Umfeld mit ein wenig Schmäh zu erreichen, jedoch im Bereich er Fachspezifika durchaus noch Lücken habe, beschränke ich mich wohl auf die Verwendung der deutschen Sprache, wie Hermann der Cherusker sie erschuf – zumindest wenn man Heine glaubt:

„Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann,
Mit seinen blonden Horden,
So gäb es deutsche Freiheit nicht mehr,
Wir wären römisch geworden!“

Das wäre zwar auch lustig – aber wenn wir ehrlich sind, sind wir ganz froh, dass wir nicht im AcI Frauen erobern müssen.

Damit sind wir bei einem sehr schönen Thema: Frauen. Frauen sind ja quasi der Motor, der uns Männer dazu antreibt jenseits der 40 noch in ein Fitnessstudio zu gehen oder den besser bezahlten Job anzunehmen – weil das Dasein als Sugar Daddy eben auch jede Menge Sugar und eine gehörige Portion Stamina benötigt.

Jetzt muss es ja nicht immer Sugar Daddy sein – obgleich diese Art der Beziehung ja nicht per se eine Abhängigkeit voraus setzt. Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel gelesen, in dem die Beziehung zwischen einem gut etablierten Manager und einer Studentin durchaus bilateralen Mehrwert schuf. Sie profitierte davon, sein Netzwerk und seine Erfahrung nutzen zu können. Das darf man als Studentin der Wirtschaftswissenschaften durchaus nicht unterschätzen. Man lernt Leute kennen, man profitiert von den praktischen Erfahrungen des älteren Partners und jetzt breche ich mal eine Lanze für unsereinen: Sex ist durchaus auch erfüllender, wenn man weiß, dass es mehr als ein körperlicher Akt ist und man sich nichts mehr beweisen muss. Es kann einen also charakterlich, fachlich und sozial durchaus weiter bringen. Wenn es eine Partnerschaft ist. Der Gewinn für den Mann – oder die Frau, man soll nicht ausschließen, dass es sich auch um die umgekehrte Konstellation handeln kann – ist eine interessante Partnerin für gesellschaftliche Ereignisse zu haben. Jemand, der einen auf Trab hält, einen Grund für das Fitnessstudio. Ich muss auch eingestehen – es ist auch gut für das Ego. Das funktioniert so, wenn es sich in der Tat um eine Partnerschaft handelt – es gibt sicher auch die Menschen, die sich einfach was fürs Bett suchen. Auch ok. Wenn beide das als ok empfinden. Suum cuique.

Jetzt zum eigentlichen Grund: So richtig akzeptabel ist das ja nicht. Interessant ist dabei, dass jeder – wirklich jeder – Mann, mit dem ich mich unterhalte, das auf dem dreckige Witze Niveau goutiert. Ich bin da wahrscheinlich viel zu wenig sensibilisiert, aber wenn wir im Kreis zusammen stehen, da reden wir über die Kolleginnen. Dabei fällt mir immer wieder auf – das, was andere sehen, ist in der Regel nicht, was ich sehe. Die Reduktion auf den Körper ist mir in der Regel zu wenig. Viel zu wenig. Ich gestehe, wenn ich eine Affäre wollte, dann nur in einem Segment, das ganz anders als meine Frau ist. Meine Frau ist in ihrer Facette perfekt. Wenn ich etwas suche, dann doch eine andere Facette – und seien wir uns ehrlich: Nur für Sex brauche ich keine andere Frau. Wenn ich eine Frau als interessant für eine Affäre betrachte, dann doch weil sie mehr bietet. Aber wir schweifen ab – warum ist nicht akzeptiert, dass ein 50jähriger mit einer 25jährigen zusammen ist. Da wäre als erstes – meiner Meinung nach – der Neid. Moral ist ja oft so ein Kodex, der eigentlich nur festschreibt, was das kleinste gemeinsame Level ist, dass alle erreichen können. Ehe, Kinder, Wohnung – Arbeit. Aber ein glückliches Leben, Karriere, Geld, Erlebnisse, Erfahrungen und Momente – dafür muss man schon was tun. Oder Glück haben. Freude am Leben ist ja seit jeher suspekt in den Augen der Altvorderen, die meinen, nur weil sie ein dröges Leben im Korsett der gesellschaftlichen Erwartungen verbracht haben, gehört sich das heute auch. Wo kämen wir hin, wenn man glücklich ist. Da muss ja was faul sein. Drogen wahrscheinlich. Haben sie recht – eine interessante Freundin ist eine Droge. Es putscht auf, es beruhigt, es spornt an, es inspiriert und es kann einen kaputt machen.

Ein weiterer Grund, warum das eher mit schiefen Mund betrachtet wird ist, dass man immer einen dominanten Teil im älteren Teil sieht, der sich eine – weil bezahlt – Prostituierte oder einen Toy Boy hält. Kann man auch nicht immer ausschließen. Aber auch dann – wenn es beide so wollen: So be it. Zumal ich mir ganz gut vorstellen kann, dass der jüngere Teil auch der dominantere Teil sein kann. Eventuell hat sich ja eine starke junge Frau mit der Absicht ihren Horizont zu erweitern auch jemanden gesucht, der sie weiter bringen kann. Aber das passt leider nicht ins Denkschema.

Was ist denn nun akzeptabel? Es geistert ja die Formel „Alter durch zwei plus Sieben“ durch den Raum. In meinem Fall wäre das…zu hoch. Wenn ich nochmal etwas beginnen würde, dann muss ich gestehen, wäre ich sehr wählerisch. Nicht nur im Hinblick auf das Alter – auch im Hinblick auf die Regeln, die Erwartungshaltungen und den Charakter. Ich finde, dass die Jahreszahl auch viel weniger relevant ist, als die Harmonie – wie klingen zwei Menschen zusammen. Das wäre viel wichtiger. Der Altersunterschied wird von den anderen gemacht. Interessant ist ja, dass Männer auf dem dreckige-Witze-Niveau reagieren und Frauen eher auf dem Giftspritzenlevel. Sei es wie es sei. Ich finde, wenn es sich um eine Partnerschaft handelt, dann kann auch ein 60er mit einer 22er oder eine 39jährige – älter werden Frauen meiner Erfahrung nach nicht – mit einem 24jährigen Sportstudenten musizieren. Moral ist eine Sache, die nur für die Regularien zwischen den Beiden interessant ist. Für die Außenwelt gilt, um es mit den Worten eines anderen großen deutschen Poeten zu sagen:

„Lass die Leute reden, denn wie das immer ist:
Solang die Leute reden, machen sie nichts Schlimmeres
Und ein wenig Heuchelei kannst du dir durchaus leisten
Bleib höflich und sag nichts – das ärgert sie am meisten.“

Insofern schreibe ich mal am Ende: Geht hin und lebt ein glückliches Leben. Mit wem auch immer, mit wie vielen auch immer und wie auch immer. Moral ändert sich nur durch disruptives Verhalten. Auch 30-16 sehe ich nicht als moralisches Problem. Eher als gesetzliches. Da muss man sich genau überlegen, ob man als Hebephiler oder als Hebephile abgestempelt werden möchte – wenn beide glücklich sind, so sei es. Mehr als seine Facetten braucht eh keiner. Lieber glücklich sterben als moralisch leben.