Archiv für den Monat: November 2018

JAM | Brust oder Keule

Ich sag es mal so – am Ende des Tages gibt es zwei Schlüsselreize: Brüste oder Po. Titten oder Arsch. Da macht sich das Eignungskriterium fest – alles andere ist Auswahlkriterium. Da kann man Punkte machen – aber an der Frage, ob das präferierte Spoilerpaket passt, wird es zum make or break.

Die Frau Pinkshot hat jetzt etwas über den einen Teil der evolutionären Lockmittel geschrieben. Darin geht es um – Brüste. Jetzt ist mir noch kaum jemand aufgefallen, der den Blick auf ein tolles Paar Mammae nicht zu schätzen wusste. Das inkludiert mich. Doch – ich kenne jemanden. Mein ehemaliger Mitbewohner. Der hatte mal eine Freundin. Eine Jugendfreundin. Wie man das damals halt so hatte, wenn man auf dem Dorf gewohnt hat und es sonst nicht viel zu tun hab. Es war wohl auch irgendwie Liebe … bis, ja bis eben die Pubertät einsetze und sie Brüste und er Lust auf Penis bekam. Das war ein toller Satz, wie er mir damals erzählt „Warum musste sie auch Brüste bekommen…“. Macht nix. Hat auch sein Glück gefunden und, um es mit den Worten eines Unterhaltungskünstlers zu sagen, das ist auch gut so.

Wie dem auch sei – es gibt so Mysterien im Zusammenhang mit weiblichen Brüsten, die sind für einen Mann faszinierend. Frau Pinkshot schreibt, dass es generell Frauen gibt, die ihre Brüste dem Man-Handling übergeben und manche mögen es eher so nicht. Dann ist es wieder zustandsabhängig. Ich kann sagen – Männer mit einem Faible für komplexe Systeme ohne direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung, aka Frauen, mögen Brüste. Sie reden auch oft darüber. Mal mehr, mal weniger deftig. Aber im Grunde immer mit der Grundtendenz „Ja, doch, macht das Leben schöner.“

Ich schaue mir gern Brüste an. Dabei ist es weniger die Brust per se, als der Reiz, einen Blick zu erhaschen. Ich bin wohl auch eher atypisch – wenn ich mich in die Schlammzone der Männergespräche begebe, dann folgt der Geschmack eher Hubraum statt Spoiler. Also Größe scheint als wichtig erachtet zu werden. Mein Geschmack ist eher auf kleine Brüste orientiert. Nicht keine, nicht wenig, eben klein. Würde man, wenn man die Reihenfolge der Frauen, bei denen ich es geschafft habe, die komplexe Auswahlprozedur der Zugangsberechtigung zu bewältigen, analysiert, nicht vermuten. Die hatten alle, wie man so sagt, Holz vor der Hütte. Hat ihnen auch immer gut gestanden. Aber wenn man Browserdaten – hahahaha, Inkognitomode – folgen können würden wollte, dann wäre die Sprache eine andere. Von denen würde ich aber auch keine Heiraten. Kleiner Sidestep: Lexy Belle ist eine umwerfend schöne Frau. Ihre Erwachsenenfilme wecken aber rein gar nichts in mir. Der einzig attraktive Film, den sie hat, ist ein Video von Doctor and the medics.

So, zurück zum Thema. Brüste. Also ich mag Brüste und ich habe genügend Erfahrung, um mich an die Handlungsoptionen heranzutasten. Wohl wissen, was Frau Pinkshot schreibt: Da gibt es kategoriale und graduelle Unterschiede. Gegen das Küssen derselben hat sich noch keine beschwert – das ist auch ´ne tolle Geschichte. Fast so toll, wie den Hals zu küssen und leicht…Moment, nicht abschweifen.

Grundsätzlich verstehe ich nicht, wie Frauen unsicher sein können, was ihre Brüste anbelangt. Sicher gibt es welche, die finde ich nicht attraktiv, aber bisher sind mir noch keine an einer echten Frau untergekommen, bei denen ich mir dachte: Meh. Liegt aber auch sicher daran, dass ich Frauen eher schön finde – und damit interessant genug, um den Brunftschrei des Deutschen Hirschs zu intonieren – die mit sich und ihrem Körper im Reinen sind. Die sich aufrecht halten und Ausstrahlung haben.  Da stellt sich das Problem nicht. Wie gesagt – ich mag kleine Brüste und die Masse fantasiert von großen Brüsten. Mit kleinen Brüsten gestalten sich manche Dinge nicht so einfach. Aber ich mag Brüste auch in der verpackten Form fast lieber. Wie ich generell den schönsten Teil von Weihnachten als das Verpackte auszupacken empfinde. Nichts ist so toll, wie ein Blick in den Ausschnitt, dabei ertappt werden, das wissende grinsen auf beiden Seiten, die helle Haut, die in einem schwarzen BH verschwindet. Ich mag Brüste. Es gilt aber auch wie bei allen anderen Dingen zwischen Mann und Frau: Was ihr uns nicht sagt, denken wir uns aus. Also Mund auf – nicht nur dazu – und sagen, was toll ist, was nicht und wann es toll ist und wann nicht. Dann klappt das auch – egal wie groß. Und wenn ihr mal einen Arsch habt, der euch abschleppt und dann sagt, dass die Brüste recht klein sind, dann dürft ihr den auch getrost vor die Tür stellen. Einen Boob-Job für sich und das Ego machen, ist ok. Aber ich hatte nun schon zwei Kolleginnen – eine hat es durchgezogen und eine nicht – die das für ihren „Freund“ tun sollten oder wollten. Was ein Quatsch. Dem ist das auch egal – aber er würde gern vor seinen Kumpels angeben wie eine offene Brause, dass seine Freundin das hat machen lassen und jetzt dicke Töpfe hat. Hände weg von sowas – in jeder Hinsicht.

Am Ende des Tages, sind Brüste für mich aber kein Make-or-Break. Ich gehöre zum anderen Teil der Gattung. Ich schaue auf den Allerwertesten, den Arsch, den Po, den Hintern. Aber das ist eine andere Geschichte….

JAM | Nomen est f**kthis

Ich war vor einiger Zeit – also damals, als man noch jung und das Fleisch willig war – auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Deutungshoheit. Ich kann mich an keinen einzigen Namen derer erinnern, die damals Klugheit von der Bühne hinab gesendet haben. Die Inhalte aber beschäftigen mich doch seit dem ich sie damals gehört habe.

Im Kern ging es darum, dass wer die Hoheit darüber hat, wie man eine Sache benennt, der beherrscht sie. Die einzige Frau auf dem Podium brachte auch die beste Analogie: Wie das Rumpelstilzchen, das seine Macht und seinen Schrecken verliert, als der Name bekannt wurde, so ist es auch heute – politisch, sozial und persönlich. Politisch ist es offensichtlich: Jemand einen Terroristen zu nennen oder einen Freiheitskämpfer ist wesentlich für die Wahrnehmung, denn die – man lese das in einem verächtlichen Tonfall – Leute sind nicht mehr willens oder in der Lage, sich selbst ein Bild auf Basis von Fakten zu machen. Zur Distinktion möchte ich hier anführen:

 

Es reportet eigentlich auch niemand mehr Fakten. Es gibt nur noch Bilder und Gegenbilder. Selber denken ist viel zu zeitaufwändig. Lieber schön unter dem Deckmantel der Schwarmintelligenz die Mündigkeit des freien Geistes abgeben. Man klebt auch entspannter, wenn man weiß, dass die Meinung des eigenen Kosmos schön plangeschliffen ist. Harmonie ist Trumpf.  Insofern wäre es ja schon beinahe schändlich sich nicht der tumben Masse zu bedienen und ihrer Befindlichkeiten und Limitierungen zu bedienen, um sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Mögen sie mich hassen, wenn sie mir nur glauben. Im klassischen politischen Kontext ist der Souverän genau dazu da: Der Souverän entscheidet über den Ausnahmezustand. Er erklärt die Welt, wo es noch keine Regelung gibt. Er deutet alles, wozu es noch keine Deutung gibt. Er sagt, was der Fall ist.

Im sozialen Kontext ist die Idee der Deutungshoheit auch zweigleisig. Ich kann mich einfach so positionieren, dass ich immer der Schlauste im Raum bin. Oder dass ich immer genug Erfüllungsgehilfen um mich habe, um meine Absichten zu realisieren. Das ist das Prinzip einer klassischen Gang – ein Kopf, ein Leutnant und viele Drohnen. Was wahr ist, ist nicht was der Fall ist, sondern was de Capo sagt. Das ist für alle Beteiligten das Optimum. Jeder hat seine Rolle – Streit regelt die pater potestas. Auch Freundesgruppen bauen sich so auf – man umgibt sich ja mit Menschen, die einem angenehm sind. Das Ganze hat aber ein Haken – woher soll Entwicklung kommen, wenn alle in Harmonie schwingen – und wie bitte sollen neue Situationen bewältigt werden, wenn der Zustand aller gleich getaktet ist. Wer immer der Klügste im Raum ist, der macht was verkehrt – entweder in seiner Wahrnehmung oder in seiner Anforderung an sich selbst. Der Dumme wähnt sich ja auch nicht zu den Dummen gehörig – und nichts ist schwerer, als jemandem etwas zu lehren, der meint, er kann es bereits. Wer aber weiß, dass er auf einem hohen Intelligenzniveau operiert und sich dann permanent mit Leuten umgibt, die zu ihm aufschauen, der ist intellektuell arm. Es kann durchaus sinnvoll sein, sich auch mit Leuten zu umgeben, denen man dann hilft, sich aufzuschwingen – zu lernen. Aber ein Lehrender, gleich in welchem Umfeld, muss auch mit anderen, schlaueren und klügeren Menschen zusammenkommen, um weiter zu wachsen. Wer aufhört besser sein zu wollen, hört auf gut zu sein. Stillstand ist Rückschritt. Das trifft auch auf Freunde zu – sicher braucht man die, die einem Ruhe geben und mit denen man auf einer Wellenlänge schwimmt. Aber man braucht auch den Freund, der unbequem ist, der einem sagt, dass das, was man da denkt, ziemlicher Unsinn ist.

Im persönlichen – und sie ahnen es schon, dass ist der eigentliche Grund dieser Therapiesitzung – benennt man auch Dinge und Sachverhalte. Schokolade ist ein Glücklichmacher und kein Gift für den Sixpack. Fitnessstudio ist die Muckibude anstatt das Kardiocenter. Kokain ist die Droge, von der man abhängig ist, obwohl man weiß, dass sie schadet. Ich habe Dinge benannt – weil ich es auch als Ausrede brauche. Man ist nunmal abhängig. Kannste nix machen. Es ist, wie es ist. Solange ich den Namen des Rumpelstilzchens nicht kenne, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als damit zu leben. Tja. …. ….. muss man nicht. Ich habe den schönen Term greengrocer´s apostrophe kennen lernen dürfen. Das ist etwas, was nur ein Gemüsehändler macht – ein Deppenapostroph. Ein Apostroph ist quasi ein Auslassungszeichen. Ich werde mich mal darin versuchen, etwas umzulabeln. Rebranding. Weg von #kokain und hin zu #ga – eben für greengrocer´s apostophe. Das passt viel besser – something only a dumb person does. Mal sehen, ob das hilft, die Sache zu beherrschen.

JAM | Phantasialand

Man könnte ja jetzt mit einem abgedroschenen Zitat beginnen, aber dann fällt mir nur wieder ein, warum Menschen in der Regel wenig interessant sind: Phantasie ist nicht unbegrenzt – gerade die Phantasie ist bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen ausgesprochen begrenzt.

Frau Pinkshot hat wieder etwas geschrieben – also genau genommen hat sie mehrere Dinge geschrieben, aber zum Thema Zirkumzision mag ich mich nicht äußern. Zum Thema „Oh Gott, ich bin kein Mann mehr, weil meine Freundin einen kleinen elektronischen Liebhaber hat…“ mag ich auch nichts mehr sagen. Oder doch: Man up. Das Ding gibt dir die Freizeit für World of Warcraft. Ist ja nicht so, als würdest du nicht ab und an im Internet nach Unterhaltungsmaterial für spezielle Momente suchen und…die Sache in die Hand nehmen. Also: Thema durch.

Kommen wir zum neuen Thema. Phantasien. Menschen und ihre Kinks und Nooks und … Dinge, die sie „klick“ machen lassen. Meiner Erfahrung nach wissen die wenigstens Menschen, was sie „klick“ machen lässt. Für die meisten ist die „5-Minuten-Terrine“ ausreichend und … das ist ok. Verpassen sie halt alles andere. Oder auch nicht. Suum cuique wie der Feldjäger sagt. Für jemanden, der gern in die Lernzone kommen und Leute dabei an der Hand nehmen, um gemeinsam da hin zu gehen. sind solche Menschen ungemein … langweilig. Als ich mein Gänseblümchen kennen gelernt habe, war sie 20 – und sie war wundervoll. Leider war sie damals noch sehr zurückhaltend und still. Das hat mich schon gefuchst. Heute – mit Lebenserfahrung und einem umwerfenden Durst nach Aktivitäten – passt das so hervorragend. Es ist also nicht nur der Mensch, es ist auch die Zeit, zu der man sich trifft.

Woher kommen Wünsche und Phantasien – sie kommen aus Erfahrung. Zu meiner Jugend war Selbstbefriedigung bei Jungs schon normal – man konnte sehr gut erfahren, was einen anmacht. Man dachte ja irgendwie automatisch an die richtigen Dinge. Bei den Mädls war das eher nicht der Fall. Statistiken gingen ja damals davon aus, dass nur 20% der Mädls Erfahrungen mit sich selbst machen. Wie zum Henker sollten sie dann einem Mann oder Jungen sagen, was sie wünschen. Der Typ hat mal – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – keine Ahnung, was zu tun ist. Ohne Hilfe kommt er auf jeden Fall zu seinem Vergnügen. Für sie wird es schwer, ein gesteigertes Interesse an der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu entwickeln.

Fast Forward heute. Ich weiß heute sehr wohl, was mich anmacht und ich bin auch offen genug das direkt zu kommunizieren. Ok, einen Kink eher nicht, der gehört nur mir – aber alles, was mit Partnerschaft zu tun hat, lebe ich eher offen. Interessant dabei ist, dass das sehr abhängig vom Partner ist. Manche Dinge gehören zu manchen Menschen. Manche Dinge gehören zu mir. Zu mir gehört zum Beispiel ein Dominanzverhalten. Ich mag es Menschen im Alltag zu dominieren und ich mag das auch im…eigentlich überall. Das ist eine der anderen Sachen – ich hab kein Problem mit Öffentlichkeit. Wenn ich dem anderen Menschen an den Arsch greifen möchte, dann mache ich das. Das Gänseblümchen mag das, wenn ich übergriffig werden – und hat ein Problem mit Öffentlichkeit. Das macht es doppelt interessant. Für uns beide.

Frau Pinkshot schreibt auch über Tease&Denial. Das ist etwas, was ich gut verstehen kann. Da habe ich letztens einen Blogpost gelesen, in dem sie beschreibt, wie sie seine Hände an die Wand legt und dann beginnt langsam ihre Aktionen zu setzen und jedes Mal, wenn seine Hände von der Wand weggehen, beginnt sie wieder von vorn. Unglaublich erotisch. Unglaublich anmachend. Das ist einfach eine Machtphantasie. Das ist einfach Herr der Situation zu sein und ich muss sagen, dass ich das in jeder Situation mag.

Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich Dominanz sehr mag. Das Ruder übernehmen. Zu bestimmen, wann sie explodiert – und mit einem Blick ihre Augen zu Boden sinken zu sehen. Ein leichter Druck auf die Schulter, und sie geht auf die Knie. Eine Hand am Hals, das Kinn anhebend, damit sie in meine Augen sieht. Ich mag das sehr. Ich hab aber auch schon geschrieben, dass manche Dinge personenbezogen sind. Mit dem Kokain war die Phantasie immer, dass sie das Ruder übernimmt. Kein anderer Mensch hat das je ausgelöst. Ist aber unerfüllt. Daher erstmal im Kasten „Ablage“.

Fest steht aber auch, dass man darüber reden sollte. Es ist sicher nicht für jeden Menschen ratsam, ihn von 0 auf 100 zu katapultieren. Das kann traumatisch werden. Es geht nicht um das verheimlichen. Es geht darum, die Umsetzung mit einem annehmbaren Tempo zu gestalten. Aber darüber reden ist wichtig – und auch das ist ein Problem. Worüber redet man, wenn der Partner nicht weiß, was geht und was ihm Spaß macht. Da braucht es dann einen erfahrenen und einfühlsamen Partner. Probieren ist in dem Gebiet durchaus ein Minenfeld. Aber das entbindet einen nicht vom reden und testen. Lernzonen sind die Wundertüte im Bett. In dem Zusammenhang eher die Zuckertüte für die Partner, der herangeführt wird – zur Einschulung in die sexuelle Grundschule. Der führende Partner muss sich nur bewusst sein, dass er hier Weichen stellt. Wie der Grundschullehrer, der Spaß an der Schule erhält oder gleich den Spaß am Lernen tötet.

„Sein sexueller Wunsch ist mir Befehl“ titelt die Frau Pinkshot. Das stimmt für die ideale Partnerschaft mit Sub und Dom. Aber was wichtig ist, steht weiter unten im Text – nicht voraussetzen, dass der andere ahnt, was man will und warum man das will. Sein Wunsch ist quasi der Stepstone für eine gemeinsame Phantasie. Dazu gehört auch zu akzeptieren, wenn das nicht passt und in meinem Fall zu akzeptieren, dass ich mehr als einen Menschen brauche, um meine reichhaltige Phantasie zu leben. Das ist nicht, weil ein Partner das nicht „macht“, sondern weil manche Phantasien zu bestimmten Menschen gehören. Wäre sonst wie das Phantasialand mit nur einem Karussell.

 

EDUPNX | Alles, was man können muss…

Ende der 90er Jahre bis Anfang der 0er hat eine Seuche grassiert – und ich meine nicht die Start-Up-Economy und den Aktienboom. Ich meine die Idee, die mit Dietrich Schwanitz aufgekommene Seuche einen Bildungskanon zu verfassen. Selbst ein großer Mann wie Reich-Ranicki hat sich dazu hergegeben im Spiegel ein „Alles, was man lesen muss“ zu publizieren. Das zementiert den archaischen Gedanken, dass Menschen mit dem ledergebundenen Brockhaus in der altdeutschen Eiche-Imitat Schrankwand zum Bildungsbürgertum gehören. Es sind deren Kinder, die heute verstohlen auf die AfD schauen und CDU wählen. Es war eine einfache Zeit: Was im Brockhaus – der Ausgabe von 1972 – stand, war der Fall. Die Welt zwischen 52 Buchdeckeln. Man wusste, wo es steht und mehr Bildung war nur etwas für die Professoren, die jedes Jahr die gleiche Vorlesung zu Adorno halten und sich an ihre revolutionären Tage erinnern – die in der Regel daraus bestanden, bei einem Rudi Dutschke Zitat zu nicken und dann brav in die Vorlesung zu gehen, die sie heute wiederholen.

Kleiner Zeitsprung nach vorn: Die Welt ist VUCA – nein, das ist nicht die Freundin von Chewbacca, dem Wookie. Nein, VUCA steht für

  • Volatility
  • Uncertainty
  • Complexity
  • Ambiguity

und das interessante dabei ist: Die Welt war das schon immer. Wir haben das nur nicht so wahrgenommen, da die Prozesse etwas langsamer verliefen und die Wahrnehmung nicht so weitreichend war. Etwas beängstigend dabei ist: Aktuell tritt die unsichtbare Hand noch weiter auf das Gaspedal. Wir beschleunigen. Aus dem Opel Kadett ist auch mittlerweile ein BMW X6 geworden. Wir können uns jetzt überlegen, wie wir weiterkommen, ohne eine Bauchlandung zu machen.

Gott sei Dank hat nicht nur die Fahrzeugtechnik Fortschritte gemacht. Früher konnten wir eine Karte aus Papier nutzen, um uns zu orientieren. Da gab es Hotels an den Autobahnen nach Süden, in denen man Rasten konnte und sich neu orientieren durfte. Dann genoss man die Landschaft während der Fahrt. Der Hund saß mit auf der Rückbank. Die Autos wurden schneller, stärker, größer und die Hotels weniger. Man fuhr durch bis nach Süditalien. Dank des Navigationssystems musste man auch nicht mehr große Karten auffalten und die Kinder waren Dank mobiler Geräte auch pflegeleichter.

Das klingt jetzt alles mal nicht so sehr nach Bildung und dem Thema des Monats der Bildungspunks. Ich könnte jetzt einfach zum Punkt zurückkommen. Wenn wir Bildung heute noch als starre Vermittlung von historischen Weisheiten ansehen, dann werden wir versuchen mit einem Opel Kadett auf der Infrastruktur von 2020 zu fahren. Bildung ist nicht Wissen zwischen Buchdeckeln. Bildung ist, wie ein nie versiegender Quell an Informationen so schön postet:

Ich möchte euch diesen Account auch sehr ans Herz legen – kaum jemand überfordert mich zeitlich so sehr, wie @seni_bl. In positiver Weise. Ihre Artikel stapeln sich auf meiner to-do-Liste.

Weiter im Text. Wir bilden heute – ob in der Schule, im Studium oder im Arbeitsleben – Menschen für etwas aus, von dem Niemand weiß, was es sein wird. Wir vermitteln im Prinzip nicht mehr als Lebensweisheiten. Ich spreche hier nicht von den ersten 6 Jahren der Grundlagen. Ich spreche hier davon, was wir speziell nicht tun: Wir bilden keine kreativen Köpfe aus. Keine Menschen mit Visionen. Wir vermitteln Lehrpläne und reproduzieren uns selbst. Was wir brauchen, um in einer VUCA-Welt zu leben, sind aber Menschen mit Visionen, Verständnis für Komplexität, Klarheit in der Kommunikation und…Agilität.

Jetzt ist mein Menschenbild kein besonders positives. Kaum ein Mensch in meinem Umfeld schafft es, mich über seine Funktion hinaus zu begeistern. Aber wenn es einer oder ich muss sagen eine – und ja, ich arbeite lieber mit Frauen zusammen – schafft, mich durch wachen Blick, Lernwilligkeit und gutes Potential zu begeistern, dann bin ich auch gewillt, was zu vermitteln. Was ich nicht mache, ist ein Lehrplan. Was ich nicht mache ist zusammenzuschreiben, was sie oder er lesen soll. Was ich mache ist: Ich zeige ein Problem und begleite den Lösungsprozess. Man glaubt gar nicht, was ich dabei alles lerne – und mein Padawan gleich mit. Agilität im Prozess der Entwicklung eines Menschen ist für den Lehrenden heute ungemein wichtig – denn niemand mit Verstand kann annehmen, dass er Inhaber der Lösungen ist, die kommende Probleme fordern. Viel wichtiger sind offenes Denken, sich als Lehrender nicht in den Mittelpunkt der Erkenntnis stellen. Keine Lösungen vorbeten und schon gar nicht ein Lösungsbuch verfassen.

Agiles Lernen bedeutet dabei nicht Doxographie – es bedeutet vorzuleben, dass man jetzt nicht eine Stunde Betriebswirtschaft macht, sondern sich darauf einzulassen, sich mit dem Lernenden auf eine gemeinsame Reise zu machen und Erkenntnisklippen zu entdecken – und sich zu trauen darüber zu springen. Wenn man dann eine Vision hat, Situationen analysieren und verstehen gelernt hat, komplexe Sachverhalte klar kommunizieren kann und sich eine Agilität im Denken zu Eigen gemacht hat, um nicht eindeutige Sachlagen zu meistern, dann ist man in der Lage auch neue Situationen zu meistern. Situationen, auf die der Brockhaus nicht vorbereiten kann. Situationen, für die der Brockhaus nicht mal einen Buchstaben hat. Ich habe drei Arten von Padawan:

  • Komplementäre – Darth Koks in meinem Fall. Jemand, der das kann, was ich nicht kann und wir wachsen gemeinsam.
  • Verstärker – Darth Jes in meinem Fall. Jemand, der kann, was ich kann, der aber darauf fokussiert ist, wo ich es in der Oberfläche beherrsche.
  • Symbionten – Darth Bambi in meinem Fall. Jemand, mit dem ich ein Autorennen fahre, wobei sie ein Luftkissenboot fährt und ich ein BMW. Sie wählt die Strecke. Quer durch Holland…und ich lache, wenn ich sie davonfliegen sehe….

Agilität bedeutet auch alle drei zu entwickeln. Allen drei gerecht zu werden. Anstatt einen Lehrplan – Chancengleichheit und so – gibt es für jeden eine individuelle Lösung und ein gemeinsames Telos: Menschen empowern. Ich liebe es, ein Sith Lord zu sein – und ja, ich breche auch hier mit der Tradition: Nicht nur ein Meister und ein Schüler, sondern ein Ermöglicher und drei Zukunftsträger. Das ist mein Ansatz für mein persönliches Ziel:

I want to put a ding in the universe. Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking.“

Das kann man nicht mit einem fixen Kanon erreichen. Das kann man nicht durch bornierte Reproduktion des eigenen Selbst erreichen. Das, was Menschen in der Zukunft brauchen lässt sich nicht prognostizieren – aber das wir Menschen ermöglichen, in der Welt als Menschen zu bestehen, das traue ich mir zu vorherzusagen. Alles andere können Maschinen besser.

Danke an die #edupnx für das Thema. Es ist immer wieder eine Wonne von euch zu lesen.