Aus dem Studium: Schreiben III

Einer der wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts sagte zum Thema Satzzeichen mal:

“Multiple exclamation marks,‘ he went on, shaking his head, ‚are a sure sign of a diseased mind.”

― Terry Pratchett, Eric

Man kann daraus lernen, dass die Anzahl der Satzzeichen sich nicht nach Nominativ, Komparativ und Superlativ kategorisieren lassen. Nur verwirrte Köpfe glauben, dass man mittels mehrerer Satzzeichen die Aussagekraft oder auch den Nachdruck in seinen Sätzen steigert. Ich finde ja, dass es höchst selten tatsächlich eines signum exclamationis bedarf. Man kann Sätzen viel einfacher – ok, nicht einfacher, aber schöner – Aussagekraft verleihen. Nehmen wir zum Beispiel:

„Er ging gern angeln.“

Das ist an sich ein klarer Satz mit einer klaren Aussage. Man kann sich kaum widersetzen, den Inhalt zu verstehen. Im richtigen Kontext absolut ok. Versuchen wir es mal mit einer Steigerung:

„Er verspürte ständig den unbändigen Drang, angeln zu gehen.“

So wird schon etwas deutlicher, dass er nicht nur gern angeln geht, sondern dass er das Angeln als Bedürfnis, bei Maslow scheinbar recht weit unten, in sich trug. Man kann das nun noch etwas bildlicher beschreiben:

„Der Drang zum Angeln loderte wie die Feuer der Hölle in ihm.“

Das ist nun schon eine Qualität, welche die Umwelt des Protagonisten etwas unruhig werden lassen kann. Nicht nur, weil Angeln an sich eine recht unspannende Angelegenheit ist, sondern weil man mit so einem Drang auch gern Hindernisse aus dem Weg zu räumen bereit ist. Hindernisse wie Familie zum Beispiel. Aber es geht noch eins besser und hier lassen wir einen Meister zu Wort kommen:

„He piled upon the whale’s white hump the sum of all the general rage and hate felt by his whole race from Adam down; and then, as if his chest had been a mortar, he burst his hot heart’s shell upon it.“

Herman Melville

Der Mann wusste, wie man seinen unbändigen Drang, einen Fisch nach Hause zu bringen, Ausdruck verleiht. Das alles funktioniert ohne multiple Satzzeichen. Mal ehrlich, ist die Steigerung nicht auch viel offensichtlicher als „Er ging gern angeln!!!“. Das einzige Bild, was sich dabei bei mir im Kopf entwickelt ist ein älterer Herr mit wirrem Haar und Badehose, der mit einer Rouladennadel versucht Forellen aufzuspießen.

Was ich mit all dem zu sagen beabsichtigte ist, dass Sprache genug Möglichkeiten bietet, um Steigerung zum Audruck zu bringen. Dazu sei auch auf einen Großmeister der Sprache hingewiesen – im Club der toten Dichter:

“So avoid using the word ‘very’ because it’s lazy. A man is not very tired, he is exhausted. Don’t use very sad, use morose. Language was invented for one reason, boys – to woo women – and, in that endeavor, laziness will not do. It also won’t do in your essays.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.