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JAM | …was nicht drin steht…Teil 1

Ein wirklich toller Mensch hat mir letztens ein Kompliment gemacht, dass mich dazu gebracht hat einige Denkinseln zu explizieren. Das Kompliment ist zweischneidig – es bedeutet einerseits, dass ich eine Menge Gedankeninseln habe und andererseits, dass ich zu wenig wissenschaftliche Disziplin habe, um sie in ein System zu gießen.

Man möge mich nicht missverstehen – für mich ist das ein Riesenkompliment. Nicht nur darin, dass man mir Gedanken unterstellt, nein man nimmt auch schon den Plural an – also mehr als einen und wir wissen ja alle, dass man als Y-Chromosapiens einen nicht entfernbaren Gedanken als ROM im Kopf hat. Dann kommt noch hinzu: Von einer Lernbegleiterin, Inspirationsjongleurin und Senagogin, der ich, also jemandem, bei dem der Größenwahn dem Ego die Proskynese angedeihen lässt, allergrößten Respekt entgegen bringt. Ja, da können sie mal sehen – auch ich habe Menschen, zu denen ich hinab hinaus blicke.

Naja, jedenfalls hat mich das zum Nachdenken gebracht. Über die Dinge, die ich im Rahmen meines #masterdesasters so gelesen, gedacht und nicht geschrieben habe. Eines davon war der Begriff Wissensgesellschaft. Das passt dann eben auch irgendwie in einen Blogpost – als Wissensinsel. Nicht als Teil der Arbeit und ganz und gar unwissenschaftlich.

Der Fugenkitt der Gesellschaft

„Das ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält…“ ist ein toller Anspruch an sich selbst. Jemand sagte unlängst, „Wenn Faust kommt, ist alles gesagt.“ (c)@seni_bl

Die Frage, die sich mir im Rahmen des Lesens über Wissen stellte ist, wozu sollten wir eigentlich etwas als Wissen, etwas als Meinung und etwas als Glaubenssatz klassifizieren. Was bringt es mir, zu wissen, was die Welt im Kern zusammenhält? Im Grund muss man den Satz zweimal sagen: Was bringt es mir, zu wissen? und Was bringt es mir, zu wissen? Beide Fragen kann man meiner Meinung nach mit dem gleichen Argument beantworten: Wissen dient als Fugenkitt der Gesellschaft.

Ich bin ja ein Anhänger der Kohärenztheorie. Ich denke Fundamentalismus als Basis für Erkenntnis zu verfolgen ist Unsinn. Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte den großartigen Ernest Sosa und seinen Text “ The Raft and the Pyramid: Coherence versus Foundations in the Theory of Knowledge „. Er versucht zwar dort auch die Kohärenztheorie zu zerlegen, aber das Argument erscheint mir weit schwächer als das definitive Schlusswort zum Fundamentalismus.

Ein paar Gedanken halten Informationen zusammen.

Mit der Kohärenztheorie ist es aber so eine Sache – ich kann auch theoretisch ein völlig unsinniges kohärentes Gerüst an propositionalen Aussagen zusammenschustern. Wenn ich so Wissen „zwischen zwei Ohren“ generiere, ist die Distinktion zwischen Glauben, Meinen und Wissen überflüssig – es muss ja nur „in meinem Kopf“ einen Sinn ergeben, damit ich nicht in eine kognitive Dissonanz gerate. Dazu brauche ich keine Kategorisierung über den Stand der Aussagen. Dann sind alle propositionalen Aussagen in einem System gleichwertig. Eventuell in ihrer „Umstösslichkeit“ wichtiger und weniger wichtig, je dichter sie im Kern des Gerüsts stehen. Aber das hat nichts mit ihrer Wahrheit zu tun, sondern einzig mit ihrer Stellung im System. Dann ist nur wichtig, stützt eine Aussage das System oder nicht und wie wichtig ist es mir, diese Aussage zu inkorporieren – bin ich bereit auf andere Aussagen, die dem widersprechen zu verzichten. Aber Wissen – Wissen als Kategorie wäre überflüssig in einem rein subjektiven Betrachtungswinkel von Wissen.

Wozu dann also Wissen – also solches, dass nur zwischen zwei Ohren vorhanden ist? Nun, der gute Hubert Knoblauch hat in seinem Buch „Wissenssoziologie“ aus meiner Sicht ganz richtig argumentiert, wenn er schreibt, dass „Wissen wesentlich sozial ist“ – als sozial vermittelter Sinn im Kern das Bindeglied, dass Gesellschaften formt. Der Begriff Wissensgesellschaft ist damit ein Pleonasmus – alle Gesellschaft basiert auf einem gemeinsamen Wissensvorrat. Wenn also heute jemand daher kommt und meint, dass die Produktionsfaktoren Arbeit, Produktionsmittel – nay Boden – und Kapital müssten durch Wissen ergänzt werden, dann mag das eine neue Erkenntnis sein, aber kein neues Konzept, denn ohne Wissen formt sich auch keine Arbeitsgemeinschaft und schon gar keine Gesellschaft.
Wozu dient das Wissen – es dient in der Formung von sozialen Gemeinschaften zum Bezug auf die gemeinsame Lebensumwelt. Wenn sich ein soziales System nicht auf eine gemeinsame Basis in Form von Fixpunkten in der Umwelt beziehen kann, dann wird es auch keine Gemeinschaft bilden. Ein Wort ist nur dann mehr als ein Laut, wenn es mit einem Sinn gefüllt ist und dieser Sinn ist die Übereinkunft, was es bedeutet. Im Bezug auf die gemeinsame Umwelt ist es der Referenzpunkt. Das gemeinsame Wissen einer sozialen Gruppe macht den Austausch von Gedanken möglich. Die alte Mär vom Turmbau zu Babel zeigt das ganz gut – durch die Wegnahme des gemeinsamen Bezugspunkts – des Wissens über die gemeinsamen Bezugspunkte – verdarb das Werk.

Luhmanns schreibt in der „Wissenschaft der Gesellschaft“, das „Bezugsfeld des Wissens gehört zu den konstitutiven Merkmalen des Gesellschaftssystems…“ – er beschreibt ein Henne-Ei-Problem. Seiner Ansicht nach braucht es Wissen, um Sprache zu entwickeln. Ich halte dem entgegen: Nein, es braucht kein Wissen, um Sprache zu entwickeln. Es braucht Glauben – ich muss erstmal annehmen, dass der andere etwas sinnvolles äußert, dass er in der Form einer Logik gebunden ist und das Objektkonstanz vorliegt. In Form eines Sprachspiels wird sich dann ein gemeinsames Wissen formen. Polanyi führte hier ein nicht wörtliches Zitat – das eigentlich auf einer Reihe von Zitaten basiert – von Augustinus an: „Erst muss man glauben, um dann zu wissen.“ So wie ein Kind die Handlungen der Eltern betrachtet und – unter der Prämisse, dass es sinnvolle Handlungen und Äußerungen sind, die einer Konstanz folgen – diese imitiert. Es glaubt und bei positivem Feedback hat es einen Bezugspunkt. Es wird in der Folge erkennen und dann wissen. Das ganze geschieht über einen sozialen Kontext.

Wir haben also eine Gesellschaft, die im Wesentlichen auf einem gemeinsamen Wissensfundus beruht. Was würde uns zu einer Wissensgesellschaft machen. Hier komme ich wieder auf Knoblauch zurück: Wissensgesellschaften betrachten Wissen als Objekt. Das sind noch keine Wissenschaftsgesellschaften – vielmehr basieren Wissensgesellschaften nicht nur auf dem Produktionsfaktor Wissen, sondern auch auf dem Produkt Wissen. Wissen wird als etwas planbar und prozesshaft herstellbaren betrachtet. Wissen wird nicht nur vom Gentleman Polymath produziert, sondern ist in allen Bereichen Gegenstand der Betrachtung. Wissen wird zur Ware – nicht nur in einem Spionagekontext, sondern auf einem Wissensmarkt, in dem Informationen, Talente und Praktiken getauscht werden können. Damit fördert man nicht nur weitere Wissensgenerierung, sondern erweitert auch das soziale System – ohne einen Anspruch auf Weltfrieden zu haben, aber man hat eine gemeinsame Basis des Blicks auf die Welt. Das sollte man auch als solchen würdigen, ohne die Erwartung zu überfrachten. Im Gegensatz zu Knoblauch sehe ich Kommunikation nicht als empirische Form des Wissens und die Kommunikation von Subjekten als Diskurs zwischen zwei subjektiven Wissensträgern. Vielmehr ist es die Kommunikationen von Informationen, die durch beiderseitige Akzeptanz des Ergebnis zu Wissen wird.

Auf die Frage zurückzukommen: Was bringt es mir, etwas zu wissen? Es bringt mir die Möglichkeit neuer Informationen und die Prüfung meines subjektiven kohärenten Systems. Es stärkt das soziale System und bildet damit einen impliziten Gesellschaftsvertrag. Coole Geschichte eigentlich – nächstes Mal dann mehr zur Wissenschaftsgesellschaft. Wer das liest, ist noch nicht eingeschlafen.

JAM | Darth Kleomedes

In einer subjektiv nicht ganz unbedeutenden Arbeit zur Rolle des Krieges in politischen Weltgefüge aus dem Jahre 2006 konnte in höchst brillanter Weise und absolut unwiderlegbar dargestellt werden, dass Krieg als ultima ratio der Politik in einem Umfeld, dass Krieg zunehmend als Erwerbsgrundlage begreift, notwendig als Instrument zur Verfügung stehen muss. Der Autor – in einer dualen Perspektive zwischen historischer Analyse und philosophischem Weitblick pendelnd – betrachtet auch ein Stück einer sehr lehrreichen Quelle: Der Melierdialog

Kleiner politischer Disput über Neutralität in der Antike

…ohne schöne Worte…

In seinem Werk „Der Peloponnesische Krieg“ ist die Episode mit der Insel Melos ein bezeichnendes Stück für die Wertschätzung gegenüber der Neutralität. Melos war eine Kolonie der Spartaner, mit denen sich Athen im Streben nach Hegemonie hin und wieder die Köpfe einschlug und letzten Endes unterlag. In Melos aber befand man sich in einer Situation der Überlegenheit und tat dies auch Kund. Gleich zu Beginn gab man bekannt, dass man ohne lange und schöne Worte zu nutzen die Optionen „Unterwerfung und Knechtschaft“ und „Widerstand und Vernichtung“ anbieten konnte, denn Athen als der Bully der Ägäis sucht

„…das Mögliche zu erreichen, da ihr ebenso gut wie wir wisst, dass Recht im menschlichen Verkehr nur bei gleichem Kräfteverhältnis zur Geltung kommt, die Stärkeren aber alles in ihrer Macht Stehende durchsetzen und die Schwachen sich fügen [habe].“

Egal, wie toll die Melier argumentierten, am Ende stand die Vernichtung der Stadt inklusive betriebswirtschaftlicher Verwertung des Humankapital – e.g. Verkauf in die Sklaverei.

Hauptargumentationspunkt der Melier war, dass es doch ganz ok sei, sich einfach mal nicht einzumischen und in Frieden dem Gespräch auf der Agora bei Wein, Knabe und Gesang zu frönen. Die Idee von Neutralität war damals noch nicht so klar umrissen oder akzeptiert, wie die unwiderlegbare Wahrheit, dass einige ältere Herrn rüstige Damen auf einem Berg im Norden lebten, den der Chef nur verlies, um sich mit allen möglichen Lebewesen zu paaren. Neutralität wurde als „Stell Dir vor die machen Krieg und wir gehen nicht hin“ gesehen. Weder gab es – mit Ausnahme der Bergbewohner – eine Appellationsinstanz noch gab es das heute überall akzeptierte und vollständig Anwendung findende Völkerrecht. Entweder man hatte tighte homies, die einem zur Hilfe eilten – e.g. den Attisch-Delischen-Bullyverein und den Peloponnesischen Freundeskreis der friedvollen Harmonie unter den Völkern – oder man war selbst so stark – oder arm – dass man der Mühe nicht wert befunden wurde. Die Trauben – sauer und so. Der Kernsatz, der Athener, zum Thema Neutralität ist dann:

„…eure Feindschaft schadet uns nicht so sehr, wie Freundschaft als Beweis (unserer) Schwäche, Hass dagegen als (Zeichen unserer) Stärke bei unseren Untertanen gilt.“

Aus der Sicht des Bullys eine durchaus nachvollziehbare Argumentation. Neutralität hilft ihm nicht. Ich möchte aber noch weiter gehen – Neutralität hilft auch dem Schwächeren nicht. Wie Orson Wells seinem Harry Lime mal in den Mund legte:

„In Italy, for thirty years under the Borgias, they had warfare, terror, murder, bloodshed – they produced Michelangelo, Leonardo da Vinci and the Renaissance. In Switzerland, they had brotherly love, five hundred years of democracy and peace, and what did that produce? The cuckoo clock.“

Neutralität gibt es aber nicht nur im politischen Kontext – betriebswirtschaftliche Neutralität ist in etwa ein Mittelstandsunternehmen, dass nicht wachsen mag. Man hat einen stabilen Jahresumsatz, man kümmert sich um das Tagesgeschäft, 4 Mitarbeiter in der Produktion und die Frau hilft bei Bestellung, Verrechnung und Buchhaltung. Solche Unternehmen haben ein klares Ablaufdatum – nicht durch Übernahme oder disruptive Technologien. Das Ablaufdatum ist der Chef und sein wohlverdienter Ruhestand. Diese Unternehmen sind einfach – langweilig. Neutralität im wirtschaftlichen Umfeld ist aber auch: Warum sollte ich keine Blutdiamanten kaufen – der Kohlenstoff des Produkts ist der gleiche, wie in jedem anderen Diamanten. Warum sollte ich nicht in Alaska bohren – ein Unfall dort ist genauso schlimm wie in Saudi Arabien. Neutralität für ein Unternehmen ist, in der Sinnfrage für alles und für nichts zu stehen. Stimmt nicht ganz – ich kenne ein Unternehmen, dass hat als seinen gesellschaftlichen Sinn, also seinen Beitrag für alle, Gewinn definiert. Man macht Gewinn, das sichert Arbeitsplätze – nicht zuletzt die, des Managements – und damit trägt man ja zum sozialen Frieden und dem Recht und der Freiheit des…naja, lassen wir das. Neutralität auf der Organisationsebene hilft eigentlich auch nur den Skrupellosen, denn ihrer ist der Gewinn in Herrlichkeit und Ewigkeit. Mahlzeit.

…ceterum censeo…

Nach diesem langen Vorwort komme ich dann mal zum eigentlichen Punkt: Persönliche Neutralität. In einer kleinen gen Mitternacht driftenden Unterhaltung auf Twitter kam das Thema Bevorzugung, Bias und Neutralität in der Beurteilung auf. Das Thema ist im Kern bei der Personalakquisition, bei der Personalentwicklung aber auch bei Lehrkräften relevant.

In all den tollen Konzepten verpflichten sich Menschen mit Gewicht immer auf Neutralität und Standards. Wir anonymisieren Lebensläufe, damit nicht Bild, Name, Geschlecht und Aussehen uns und unseren Bias ansprechen. Wie vielfältig diese Bias sind, sieht man hier:

Cognitive Bias Codex 2016 (Ausschnitt)

Dem entgegen steht dabei die Einstellung „Hire for attitude – Train for the job.“ Ok, man muss ja nicht immer nur sich selbst Reproduzieren in seinem Team. Gute Führungskräfte suchen sich auch gezielt mal einen Menschen aus, der ein wenig querdenken kann. Aber eben doch bitte auf eine passende Art – und nicht den technokratischen Choleriker in ein Team von Kreativen.

Worauf ich hinaus möchte ist, dass wir alle einen Nasenfaktor haben – und das aus gutem Grund. Neutralität und Chancengleichheit für alle – immer und in jedem Kontext – ist ein Fehler, denn er verstellt uns den Blick für das Wesentliche: Den Erfolg. Ich arbeite gern mit Frauen – nicht, weil der Blick aufs „Wesentliche“ angenehm ist – sondern weil sie für mich passend querdenken. Weil sie Perspektiven einbringen, die ich irgendwie nicht sehe. Weil sie im Team mich gut ergänzen. Ich pushe auch gern Frauen in Führungs- und Expertenrollen, weil ich sehe, dass sie sich oft nur nicht trauen und durch diese „ab ins kalte Wasser“ Aktion an Selbstvertrauen gewinnen – nein, ich veranstalte keine Wet-TShirt-Contests. Wenn ich bei der Auswahl der CV aber nur Kompetenzen sehe, dann hilft mir das kaum weiter. Dann sehe ich in der Regel schön glatt geschliffene, relativ ähnliche Kompetenzen. Sehe ich dann aber einen Namen aus Syrien und im Motivationsschreiben dann noch eine Story aus familiärem Drama, Bildungsaufstieg, Durchboxen und Einstehen, dann bringt mir das doch mehr als „hat alles gemacht, was der Karriereguide vorgegeben hat“. Ich bevorzuge Leute, die mir und aus meiner Sicht dem Team oder dem Unternehmen passen. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl. Ich bin nicht gewillt im Interesse einer zwanghaften Gleichschaltung von Entscheidungsprozessen der weiteren Entwicklung von Vorhaben und Projekten Steine in den Weg zu legen. Dann könnten wir in der Tat – ohne große AI – Personalauswahl, SAT, Assessement und Beurteilung durch Computer durchführen lassen. Das ist der Weg zur trägen Masse – und das Verbauen von Exzellenz.

Mein Ansatz hat auch Nachteile: In der Regel beurteile ich die Zukunft aus meiner Erfahrung und damit auf Basis von Daten, die absehbar im Berufsleben des Adlatus kaum noch Relevanz haben dürften. Ich habe da ein Gegenmittel: Ich vermittle eine Denkweise und eine charakterliche Schule. Fachlich – das erarbeiten sie sich besser selbst. Funktioniert ganz gut. Mein Ansatz öffnet auch Nepotismus Tür und Tor. Dem kann aber sehr gut vorgebeugt werden – indem die Auswahl meiner Person dem Bauchgefühl meiner Führungskraft folgt – der sollte ja auch eher jemanden auswählen, der dem Unternehmen und nicht der Sippe, dem Stamm oder dem Trump folgt.

Genauso ist das auch bei Lehrkräften. Früher habe ich mich immer geärgert, wenn ein Mitschüler oder eine Mitschülerin vom Lehrkörper bevorzugt wurde. Heute weiß ich, dass das mehr Stress für das teachers pet war, als ein Vorteil. Als Lehrer sollte man sich aber auch auf die Spitzen konzentrieren. Das funktioniert ähnlich wie in der Automobilindustrie: Die tollen neuen Sachen kommen erstmal in die Oberklasse und nach ein paar Jahren ist das Standard im Massenmarkt. Die Förderung von Eliten hat einen langfristig positiven Einfluss auf das Gesamtbildungsniveau – ich will aber auch nicht verheimlichen, dass das für den Einzelnen auch bedeuteten kann, dass er in diesem System verliert.

Wir vergeben uns viel, wenn wir denken, es sei eine gute Idee neutral zu sein. Neutral ist der Beamte, der die Reservate für die indigene Bevölkerung bei der Besiedelung Nordamerikas geplant hat. Neutral ist der Unternehmer, der die Produktion von Deutschland nach China – Vietnam – Bangladesh verlagert. Neutral ist die Lehrkraft, die anstatt Stärken zu stärken versucht jede Schwäche zu beseitigen. Neutralität hilft immer nur dem Aggressiven und dem Rücksichtslosen. Wenn ich weiß, ich bekomme die gleiche Unterstützung und Hilfe, egal, was ich tue – warum sollte ich dann den Aufwand betreiben besser sein zu wollen. MiniMax – weil der Aufwand der gleiche ist, ist meine Gewinnspanne bei gleichem Erlös höher.

suum cuique

Als Lehrkraft wie auch als Führungskraft – genau genommen ist das teleologisch das Gleiche – und damit als jemand, der aktiv an der Zukunft mitgestaltet, bin ich verpflichtet keinen zu benachteiligen. Das hält mich nicht davon ab, Spitzen zu fördern. Spitzen sind dann die Outlier im positiven Sinne, die der von mir präferierten Denkschule angehören. Leute, die wir als die Leinwand betrachten, auf der die Zukunft gemalt wird. Oft wird diese Art der Elitenbildung wie Ketzertum betrachtet – und in der Tat ist eine Oligarchie auf Grund von Abstammung das Elend für jede Gesellschaft. Fakt ist aber auch, dass Ressourcen begrenzt sind. Die Frage ist, worauf fokussieren wir – auf die Ausnahmetalente oder auf die Masse. Masse ist per se nicht tauglich für Inspiration. Elitenbildung – also das gezielte befördern der Ausnahmen – und das Reproduzieren von Denk- und Handlungsschulen funktioniert, solange man dem Gebot der Fairness folgt: Nicht die Elite bekommt die besten Noten, sondern die besten Noten kennzeichnen die Elite. Noten soll hier nur als Symbolbild stehen – ich denke, wir sind uns einig, dass für die Identifikation von Ausnahmetalenten nichts weniger taugt, als standardisierte Formalkriterien. Dass ich jemandem, den ich fördere hin und wieder auch ein wenig Nachsicht entgegen bringe – da sind wir alle nur Menschen. Das ordnet die Welt durch die Macht des Stärkeren – in dem Falle der stärkeren Bindung an positiv bewerteten Maßstäben.

So hat auch Kleomedes ein durchaus richtigen Ansatz – die Ordnung der politischen Welt durch den Stärkeren. Er ist ja nicht der Stärkere aus Jux und Dollerei, sondern weil sein System funktioniert. Der Mangel an Ordnungswillen ist ganz gut absehbar in Zentraleuropa – alle Staaten, die durch das Römische Reich geordnet wurden, fanden einen Output in einem starken Zentralstaat. Germanien wurde nach der kleinen Keilerei um Kalkriese nicht erobert, nicht zentralisiert und kämpfte damit bis zur Neuzeit. Stärke projiziert ordnet die Welt.

JAM | Agil ist das Mobilat des Managements

Damals – also so richtig damals – als man noch „jedient“ hat, ne. Also da war das alles total einfach. Wenn der Soldat krank war, dann gab es Mobilat. Das hat immer geholfen. Wenn der Soldat zu lange dabei war, dann gab es nach Mobilat noch Voltaren. Das war quasi der sanitätstechnische Nuklearschlag. Danach gab es eigentlich nur noch Entlassung oder Stabsarbeit – was vom Arbeitspensum ungefähr auf das Gleiche hinaus lief. Kleiner Exkurs – die Bundeswehr ist Ende der 90er und Anfang der 00er ja geschrumpft auf Gutenberg komm raus – der Aufwand für die ärztliche Süssigkeitenschublade blieb aber stabil. Jetzt könnte man unken, dass bei den Beamten im Verteidigungsbereich nur die creme de la creme geblieben ist, die aber ihre Ex-Kameraden mit versorgt hat oder, nur ein Gedanke, man hat verstärkt die Stabsarbeiter behalten. Wir alle wissen, wie gefährlich Stabsarbeit für Rücken, Gelenke und geistige Gesundheit ist. Naja, nur ein Exkurs.

In der – sagen wir mal relativ – freien Wirtschaft ist eine der wesentlichen Herausforderungen für das Management alle Jubeljahre einen Paarhufer durch die rurale Wohngemeinschaft zu treiben. Der muss nicht neu sein – oft reicht es auch das Rebranding einer gewöhnlichen Kuh zum Kobe-Rind, um die exorbitanten Beratergehälter des mäßig erfolgreichen Consulter-Schulfreundes zu rechtfertigen. Wie dem auch sei – ein neues Konzept ist immer gut, weil neben dem Simulieren von Innovation, dem Wecken einer Aufbruchstimmung bei der Belegschaft kann man im Transformationsbudget auch gleich noch ein paar Erklärungen für das Ausbleiben der Dividende verstecken – you have to spend money to make money. Auf der nächsten Managementkonferenz trifft man sich dann und…naja, Daumier hat das mal mit „Das Lächeln der Auguren“ gezeichnet. Die wussten auch, dass das, was sie da taten … sagen wir mal eine kreative Berufung war.

Honore Daumier | Das Lächeln der Auguren

Einer der interessanten Aspekte ist, wie viel von den tollen Business Innovation in den vergangenen Jahrzehnten einfach aus dem militärischen Bereich abgeschrieben wurde. Der Demingkreis – oder auch PDCA-Zyklus – ist nichts anderes, als der seit den dem 19. Jahrhundert bekannte Führungsvorgang, der den Truppenführer in einen Denk- und Handlungsprozess brachte. Prozessmanagement gab es bei der Führung einer Armee schon in der Antike – insbesondere im Bereich der Logistik. VUCA – auch ein tolles Ding zur Umfeldanalyse ist ein militärisches Kind und ebenso ist Agilität insbesondere in den deutschen Streitkräften unter dem Begriff Auftragstaktik ein alter und trotzdem brandaktueller Hut.

Agilität im Management – ein toller Begriff. Er verspricht Flexibilität, Subsidiarität und Mitdenken. Anders als das alte Modell, in dem der Herr Generaldirektor – *Verbeugung* – als Heiland die Geschicke des Unternehmens kraft seiner überlegenen Kompetenz lenkte. Meist nicht unwesentlich unterstützt durch seine Sekretärin, die Entscheidungen des Herrn Generaldirektors – *knicks* – so kommunizierte, dass heraus kam, was nützlich war und nicht das, was gesagt wurde. Im Militär gibt es die Unterscheidung auch – Befehlstaktik vs. Auftragstaktik. Mit wachsender Komplexität der Gefechtsfelder kann man mit Befehlstaktik keinen Blumentopf mehr gewinnen – man kann bis zu einem gewissen Grad durch brute force einen Mangel an agiler Führung kompensieren – Hallo US-Führungsprinzip. Das ist in der – wieder sagen wir mal relativ – freien Wirtschaft eher nicht gegeben. Eventuell bei Google. Aber das ist ein anderes Thema. Der gute Paarhufer Agilität ist aber in seiner Konzeption proaktiv, antizipativ und initiativ – und wenn das nicht nach dem Rommelprinzip „Führen von vorn“ klingt, der brat mir einen Führer. Ich möchte hier die AfD und die Linkspartei zitieren „War ja nicht alles schlecht damals…bei uns.“ und ergänzen „Doch, war es.“ Es gab eben nur ein paar Spezialisten, die so gut waren, dass sie effizient und effektiv in den Abgrund gerast sind. Macht eben auch kein gutes Management, wenn man die falschen Dinge richtig macht – und wie Adorno, der alte Krachmacher mal sagte: Es gibt kein richtiges im Falschen.

Agilität im Management wäre ja per se eine tolle Sache, auch wenn die Prinzen über dieses Novum im Management schon ein Lied geschrieben haben:

Also es wäre gut, wenn man denn Agilität nicht nur in die Unternehmenspolitik schreiben würde. Aber leider fällt es dem Management – zivil wie auch militärisch – sehr schwer, von ihrer überkommenen Heilsrolle loszulassen und sich auf neue Organisationsmodelle, Mitarbeiter- und Kundzentrierung oder partizipative Entscheidungsworkflows umzustellen. Da wird munter kommuniziert, dass man auf die blue-collar-force hören soll, dass man agiles Projektmanagement praktizieren möchte – aber bitte mit Projektleiter, Reportings und einem fixen Enddatum und Produktspezifikationen – oder mein Favorit: Man möchte Querdenker in den Unternehmen, die von 8 bis 16 Uhr kreativ zu sein haben und jede Woche 2,3 disruptive Ideen hervorzubringen haben, um ihre Jahresprämie im MbO zu erhalten. Im militärischen Kontext bedeutet das, dass wir auf dem Papier eine Auftragstaktik haben, aber in der Praxis die Befehle so detailliert verfasst werden – inklusive Mikromanagement von Kommandeuren vor Ort bis zur Führung von einzelnen Gruppen – dass davon wenig übrig bleibt. Im Unternehmenskontext wird das eher über die Incentives erreicht – da wird konformes und bewährtes so lange belobigt und befördert, dass die Querdenker sich eher anpassen. Personalentscheidungen sind nunmal die nachhaltigsten Entscheidungen bei der Unternehmensführung. Wenn ich erlebe, dass Jasager und Prozessgläubige für tapfere Teilnahme an der Mittagsverpflegung inklusive eines deftigen Herrenwitzes Benefits erhalten, dann werde ich langfristig auch der Nutzenmaximierung folgen und mein Verhalten anpassen.

Trifft das Unternehmen mit der Papieragilität am Markt dann auf ein Marktbegleiter mit Praxisagilität, dann setzt der Beissreflex. Dann werden schnell Schuldige gesucht – ad hominem – gesucht, anstatt Ursachenanalyse betrieben. Ein nicht unbedeutendes Monopolunternehmen aus dem Energiesektor war zum Beispiel entsetzt darüber, dass nicht alle Nummern seines Humankapitals privat Verträge mit ihm abgeschlossen haben. Der Fehler war schnell gefunden: Die Nummern des Humankapitals. Wie kann es sein, dass sie, die für das Unternehmen arbeiten, nicht das Produkt kaufen. Schnell gab es Marketingkampagnen und Leuchtturmprojekte, die die Nummern motivieren sollten, doch im eigenen Haus zu kaufen. Keine Überlegungen: Kann es an uns liegen – Thema Wertschätzung? Kann es am Produkt liegen – Thema Innovation? Kann es am Preis liegen – Thema Effizienz und Effektivität? Kann es am Management liegen – Unmöglich, da Bestenauswahl, wie bei jedem staatsnahen Unternehmen.

Aus meiner Sicht – und als Ende der Nahrungskette ist die natürlich beschränkt, denn wie Gustav von Rochow mal sagte:

Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen

ist es so, dass sich Unternehmen hier gute Konzepte dadurch kaputt machen, dass sie diese nicht umsetzen. In fünf Jahren wird jeder sagen, dass Agilität nicht funktioniert hat – aber die Chance gab es nie, denn kaum jemand hat Agilität in Unternehmen gelebt. Agilität im Handeln ist ein wesentlicher Bestandteil, um in einer VUCA-Welt als Unternehmen zu überleben – neben Vision zur Orientierung, Klarheit in Gedanken und Kommunikation und Verständnis für komplexe Situationen. Wenn ich das nur auf dem Papier lebe, weil „Dieser neumodische Kram hat noch nie funktioniert und mein Job ist es ja, es im Griff zu haben“-Manager nicht willens sind über ihr überzogenes Ego zu springen und Eigentümer einfach alten Wein in neuen Schläuchen wollen, weil damit hat man auch vor 15 Jahren Geld verdient und überhaupt wo kämen wir da hin, wenn wir die Nummern aus dem Maschinenraum fragen, dann wird auch der erfolgreichste Dampfer in den kommenden Stürmen kentern. Militärisch wird das in Niederlagen müden – Hallo Afghanistan – und betriebswirtschaftlich im Niedergang der alten Industrienationen und der Hybris ihrer Boards. Schade eigentlich – Agilität ist toll, nur eben nur in der Praxis und nur mit einem Leadership, dass anerkennt, dass „Früher, da gab es Mobilat und wir haben weiter gekämpft.“ keine Lösung ist, sondern das Problem.

JAM | Beds are burning

Das Leben ist ja auch nicht mehr das, was es noch nie war. Früher war ja alles besser – von damals ganz zu schweigen. In der Retrospektive könnten Menschen, deren perzeptives Universum auf Seite 3 der BILD! endet, durchaus den Eindruck gewinnen, dass es man unter Helmut Kohl, mit der D-Mark und ohne die Ossis viel besser gelebt hat. Analog dazu war es „bei uns“ damals mit Erich, Betriebssportgruppe und garantiertem Kindergartenplatz doch so viel besser. Die Welt war einfach, man wusste, was zu tun ist und am Samstag schaute man um 20.15 Uhr „Wetten dass…“ und wusste einfach, frei nach Christian Kracht, dass man genau wusste, das Richtige zu tun. Gab ja auch keine Alternative. Die Welt war einfache – die Bundesbank gab Bundesschatzbriefe aus, der Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates schrieb bereits im Februar seine Rede zum Gewinn der Volkskammerwahl im August – inklusive Ergebnis – und die Supermächte waren wechselseitig das Reich des Bösen. Wirtschaftlich war man eine Marktwirtschaft, eine Planwirtschaft oder am Tropf einer der beiden Blöcke. Abseits von all dem gab es Unternehmen, in die man in den Betriebskindergarten eintreten und im gleichen Gebäude in den Ruhestand wechseln konnte. Stabilität, wie es schien.

Heute fühlen sich die Menschen – die machen einen erschreckend großen Anteil der Gesellschaft aus – überfordert von einer Welt, deren Komplexität nicht mehr erfassen, verstehen und steuern können. Die Menschen – und man muss sich dieses Wort ungefähr so intoniert vorstellen, wie „Tapetenkleister“ – kommen mit dem, in was sie mit der schönen neuen Welt hineingestolpert worden , nicht mehr klar.

Jetzt kommt ein schlauer Mensch – intoniert wie „Enzyklopädie“ – ins Spiel. @derlinkshaender hat das Thema VUCA aufgegriffen und eine tolle Zusammenfassung seiner Position dazu geschrieben, in der ich einen Gastauftritt haben durfte. Für die Darstellung, was VUCA ist und was der Linkshänder so findet – bitte besucht seinen Blog und lest…nicht nur den Artikel, sondern auch die anderen. Man wird im Minutentakt schlauer. Trotzdem habe ich das Bedürfnis meine 23 Cent dazu beizutragen.

Wenn Menschen heute sagen, dass sie überfordert sind mit ihrer Umwelt, dann geht es meistens darum, dass die Arbeitswelt volatiler war, das Veränderungen und schneller passieren, als sie sich anpassen können. Heute wird der mitdenkende Mitarbeiter mit eigenen Ideen erwartet, der sich ständig neu erfindet und mindestens drei Mal in seinem Arbeitsleben das Unternehmen wechselt – ganz zu schweigen von Eigenverantwortung, Erreichbarkeit und Engagement. Der Stress, der dadurch erzeugt wird, ist aber nicht neu, wie Manfred Lütz in einem Interview so treffend formulierte:

“ Im Dreißigjährigen Krieg waren die Leute rund um die Uhr für die Schweden erreichbar. Das war viel unangenehmer. Im 19. Jahrhundert gab es Massenarmut, im 20. zwei Weltkriege. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen.“

Was hier gesagt wird ist, dass die Welt schon immer Herausforderung und Stress geboten hat. Wir können sicher auch einen Konsens finden, dass die Welt VUCA Elemente schon immer hatte. Antigonos konnte 305 v.Chr. seine fixe Idee eines Nachfolgeanspruchs auf den Thron Alexanders auf Grund des Wetters beerdigen – was zur Stabilisierung der Diadochenreiche führte . Damit stellte das Wetter die Weichen, die man nicht vorausberechnen konnte. Ein Feldzug, der eine Sensitivität im Faktor Wetter hat ist per se volatil. Was es nicht ist, ist komplex. Ein antiker Feldzug hatte auch keine Ambiguität. Das war schon recht klar, dass wenn der Nachbarkönig inklusive Heer und Flotte mit dem spitzen Ende seines Schwertes an die Stadtmauern klopfte, dann war ein freudiges Nachfragen nach seinem Begehr eher überflüssig. Die Auswirkungen wären auch im gegensätzlichen Fall überschaubar gewesen – hätte Antigonos gewonnen, wären die Steuern einfach in eine andere Kasse geflossen.

Was die Welt heute VUCA macht, also für die Menschen – Intonation „Tapetenkleister“ – als VUCA erlebbar macht, ist die Vernetzung der Welt. Wenn in der Antike ein technologischer Durchbruch erfolgte – sagen wir der Wechsel von Bronze auf Eisen in der Schwertmanufaktur – dann waren die Auswirkungen für die Masse der Menschen überschaubar. Wenn in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eine technologische Neuerung in die Industrie kam, dann wurden einfach die Produktionsstraßen angepasst. Bis die nächste Modellgeneration eines Autos mit so etwas revolutionärem wie Kopfstützen kamen, vergingen Jahre. Eine Modellgeneration lief gefühlt ewig. Heute hat ein Modell im Fahrzeugbau kaum drei Jahre Produktionszeit, bis es mit „verbesserter Optik“ oder neue Generation herauskommt. Oft brechen ganze Industrien weg. Wenn davon früher ein Unternehmen pleite ging, dann war das lokal ein Drama – heute jedoch hängen davon multinationale Lieferketten ab und oft ist der Job bei einem florierenden Unternehmen heute schon morgen weg, weil 2.000 Kilometer entfernt in einem anderen Land jemand die Sprungfeder durch einen Microchip ausgetauscht hat.

VUCA ist eine Frage der Vernetzung und damit der „ripple“, die eine Veränderung auslösen kann. Mehr Vernetzung bedeutet mehr Informationen, mehr Informationen bedeutet komplexere Entscheidungen, mehr kulturkreisübergreifende Kooperation führt zu mehr Ambiguität, mehr Beteiligte an den Geschehnissen im eigenen Umfeld machen die Erlebenswelt volatil, denn der menschliche Faktor ist nunmal unberechenbar, da er von der Interpretation von Informationen durch Individuen abhängig ist. Der Schmied in der Antike war ein Einzelunternehmer – die wenigsten können das heute von sich behaupten. Ganz zu schweigen, dass wir in Zeiten von fake news auch nicht sicher sein können, welche der Informationen, die über uns tagein tagaus hereinbrechen sicher sind.

Worauf ich hinaus möchte ist, dass die Welt immer VUCA war, aber eben nicht unbeherrschbar, da nie alle Faktoren gleichzeitig und auch nicht mit der Durchschlagskraft auf die breite Masse der Menschen einwirkte. Ein Schmied, der kein Eisen schmieden konnte und daher seine Bronzeschwerter nicht mehr verkaufen konnte, machte eben Kupfergeschirr. Die Volatilität war überschaubar, der Komplexitätsgrad beschränkte sich auf das unmittelbare Umfeld und Unsicherheiten waren in den Auswirkungen auch auf das lokale Umfeld begrenzt. Die Menschen der Antike wusste, dass sie in einem unsicheren und oft rechtsfreien Raum lebten, die Menschen in den 70er und 80er Jahren wussten, dass die Eskalation zwischen den Supermächten eine Möglichkeit war. Für VUCA fehlten zu jeder Zeit vor den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts mindestens 2 der 4 Buchstaben.

Für den Menschen – „Enzyklopädie“ – ist das alles eher eine Chance. Er weiß, dass man ein System in einer Homöodynamik zu halten mindestens ein genauso komplexes System benötigt. Wir kreieren laufend Mittel, um mit der eskalierenden Lage um uns herum Schritt zu halten und brauchen dazu Klarheit, Verständnis, Agilität und eine passende Vision.

Was Menschen wollen – und Populisten verkaufen – sind einfache Antworten auf komplexe Fragen, die gut klingen und zu 100% falsch sind. Die Uhr lässt sich nicht mehr zurück drehen. Dafür sind wir inzwischen zu viele Menschen und zu wenig Menschen – sie wissen sicher schon, was gemeint ist. Wir stellen uns nicht der Herausforderung, sondern denken, indem wir den Deckel auf den überkochenden Topf drücken, können wir verhindern, dass er über geht. Was wir machen ist, wir kreieren eine Bombe. Wir stehen heute vor einer politischen und wirtschaftlichen Welt, die VUCA ist und die wir nicht mit den Lösungen der Vergangenheit lösen können – weil wir eben diese Herausforderung noch nie hatten. Was wir benötigen ist mehr Enzyklopädie und weniger Tapenkleister.

Um auf das Bild des Linkshänders zurück zu kommen: We did start the fire. Wir haben durch immer mehr Vernetzung und Automatisierung aus einer konstruktivistisch-technomorphen Welt eine systemisch-evolutionäre Welt gemacht – oder mindestens zugesehen, wie sie zu dieser wird und jetzt haben wir zu wenig komplexe Instrumente, um diese zu beherrschen. Das schließt auch ein, dass wir zu wenige Menschen mitgenommen haben und zu viel Hybris hatten, dass wir das schon hinbekommen. Die Heilsversprechen der Technokraten waren säkulare Versionen des Himmelsreichs. Leider hat niemand das Tal der Tränen im Changeprozess bedacht, durch das wir durch müssen, bis wir alle die besseren Menschen sind, die auf der Enterprise den hohen Zielen der Forscher und Entdecker folgen. Bis dahin kann uns OODA helfen – aber auch nur für die, die aus der Höhle raus wollen. Den Rest müssen wir mitziehen oder eben aus der Bilanz streichen. Beds are burning – and the fire will consume us or harden us.

JAM | Les Liaisons Dangereuses

Ab und an wird man ja mit einer WhatsApp Nachricht konfrontiert, die nicht so einfach mit „kkthxbye“ oder „:o)“ zu beantworten ist. Jede längere Nachricht ist aber bei Fingern mit der Feinmotorik eines Bulldozers und der Eleganz eines Sattelschleppers kaum zu bewältigen. Jedenfalls nicht fehlerfrei. Es war diese Woche dann mal wieder soweit und das Thema hat einen sehr weiten Bogen.

Beginn wir mal vorn: Mir war ja schon recht früh klar, dass man – und hier meine ich mal mich – wohl kaum damit zufrieden sein wird, sich auf eine konventionelle Lebensweise einzulassen. Zu viele Interessen, zu viel Neugier, zu viele Facetten und zu wenig Neigung auch nur eine davon aufzugeben, weil es die Umwelt als „korrekte Lebensweise“ erachtet. Dazu gehört auch unauflöslich das Konzept Ehrlichkeit. Ich gehe davon aus, dass Menschen sich nicht trennen, weil man Lust auf neue oder fremde Reize hat, sondern weil sie betrogen werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass betrügen generell Feigheit ist und da werde ich mich nicht drauf einlassen. Also wird klar kommuniziert und unter Umständen auch dadurch mal ein Freund verloren – aber in Summe dürften dadurch alle zufriedener sein.

Mein Fixpunkt ist mein Fels, mein Hafen, mein Ankerpunkt und meine conditio sine qua non. Diese – und ich darf einfach auch mal sagen meine – Frau, die mich wirklich durch dick und dünn – aktuell eher dick meinerseits – durch better or worse, durch ups and downs und alle Lagen begleitet hat, die gebe ich für nichts auf. Sie ist mein bester Freund und der partner in crime wann immer uns danach ist. Trotzdem sind wir zwei Menschen, die auch sehr unterschiedliche Lebenswelten haben. Sie recherchiert gern, denkt lange über Dinge nach, sucht fakten, überlegt und geht sehr besonnen vor. Das macht sie zu einem unglaublich tollen Partner – sie temperiert meine Art, wenn wir gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Das ist aber auch, was sie vom philosophischen Spinnen abhält. Sie mag nicht darüber nachdenken, was es bedeutet, ein Mensch zu sein – und dann den Gedanken so lange zu filetieren, bis klar wird, das man zu sorglos mit dem Begriff umgeht. Sie wird sich nicht in einen politischen Diskurs über die Notwendigkeit von Strafe, Reue und Rache stürzen. Das ist absolut ok. Denn dafür habe ich meine intellektuelle Affäre. Mein Gänseblümchen – den Namen hat sie während des Studiums erhalten – macht genau das mit. Da wird sich vom Strand der rationalen Sicherheit in den Ozean der Denkstürme gestürzt, die Brandung genossen, die Tiefe mit den Zehenspitzen erfühlt und manchmal gehen die Gedanken aufs Surfboard und gewinnen Fahrt.

Jetzt ist der Begriff „intellektuelle Affäre“ ein wenig in die Unterströmung geraten und daher dachte ich: Sortierste mal deine Gedanken und schreibst das auf. Zur Sicherheit. Hat auch was damit zu tun, dass ich früher manche Dinge zu wenig gesagt habe und heute manchmal zu viel sage, oder wie es ein nicht ganz unbedeutender Autor mal schrieb:

“ A gentleman, Nurse, that loves to hear himself talk, and will speak more in a minute than he will stand to in a month.“

Ye olde Shakespeare in the tale of Romeo & Juliet, Act 2 Scene 4

Meine intellektuelle Affäre ist für mich etwas, was eine Facette meiner Persönlichkeit bedient, die ich mit sonst niemandem teile. Wir haben zusammen studiert, wir hatten eine tolle Eskalation ohne zu schaffen, den Ozean ganz zu überqueren und uns einen eigenen Strand zu erobern. Stattdessen hatten wir eine lange Pause, in der wir unabhängig voneinander jeder seine Welt erschuf – aber die Erinnerung und Gedanken doch immer wieder am Strand und vor dem Sprung in den Ozean waren. Wir sind beide sehr glücklich mit unseren Leben aber haben eben diese Facette, die wie Puzzleteile genau zueinander passen. Daher teilen wir diese Sache auch miteinander – weil sie sonst nirgendwo dran passt und wir ohne uns einen Teil von uns unvollendet hätten.

Es ist eine Affäre, denn wir haben geheime Signale, Intimität, Gedankengeschwurbel und Sprachmelodien, die wir für uns haben. Der Inhalt der Beziehung ist sehr eigen. Das ist unsere Welt. Es ist eine intellektuelle Affäre, weil gleich, was sonst noch ist, der Kern des Pudels ist der Spaß und die Lust gemeinsam Denkpaläste zu bauen, durch die man hindurchschwimmen kann. Das gehört nur uns und wenn es kein uns mehr gibt, dann gibt es das auch für niemand anderen.

Mir ist dabei wichtig, dass mein Fels nichts weggenommen wird. Mein Fels bekommt alles und sogar das Letztentscheidungsrecht – diese Facette ist aber nichts, was sie in ihren Ausprägungen benötigt und haben möchte. Ich fürchte auch ein wenig die Möglichkeit, dass sie eines Tages sagt: Teile das mit mir. Das wäre schwierig. Nicht unmöglich, aber schwierig. Dafür ist die Seelenliebe und der Denkurlaub zu komplex und zu weit entwickelt. Aber es wäre möglich – aber derzeit sehr unwahrscheinlich. Der Platz im Kopf und im Herz, der durch das Gänseblümchen eingenommen wird, der wäre gar nicht da ohne sie. Insofern kann das auch nicht weggenommen sein. Das ist auch kein Geheimnis vor meinem Felsen, dass ich da habe – das ist wie bei einer Wahl: Natürlich ist bekannt, wer gewählt hat – aber eben nicht was und daher ist es eine geheime und anonyme Wahl. Genauso weiß sie, dass ich eine intellektuelle Affäre habe, aber eben nicht, was dort gedacht und gemacht wird – weil es eben auch nichts ist, was ich ihr wegnehme. Es entsteht ja erst durch die Kombination mit einem anderen Menschen. Genauso könnte mein Gänseblümchen mir nicht meinen Fels wegnehmen – weil all das, was wir haben, eben erst durch uns entsteht.

Was ich nicht genug anmerken kann ist, dass ich allen Menschen, die mich in meinen Facetten begleiten, dankbar bin, dass sie das tun. Ich gewinne an jedem von euch und jeder von euch hat etwas von mir, dass kein anderer in dieser Form hat. Im wahrsten Sinne des Wortes: Ihr seid mein Leben.

JAM | Posthuman – Leben 2.0

Da fängt man ganz unschuldig an ein Buch zu lesen und steht schon nach den ersten Kapiteln da und hat ungefähr 1.000 Gedanken im Kopf. Neue Gedanken, alte Gedanken im neuen Kontext, alte Gedanken auf dem Komposthaufen, neue Gedanken, die anderen Leuten Angst machen. #mykindoffriend, mein Gänseblümchen, wurde unmittelbar in die Gedanken einbezogen – weil sie eine tolle Gedankenfühlerin ist und weil wir sowas wie eine intellektuelle Affäre haben. Sowas.

Das Buch

Das Buch, um das es geht, ist von Neal Stephenson und heißt Fall; or, Dodge in Hell. Schreibweise differiert. Spielt aber auch eine Rolle. Kommt man dann drauf. Stephenson hat einen opulenten Schreibstil. Einen wirklich sehr opulenten. Wenn man sprachlich auf dem Niveau von Stephen Fry ist, wird man sich amüsieren. Für Leute, denen die Kurzzusammenfassung bei den Spiegelartikeln schon zu mühsam ist – naja, dass sind dann ohnehin er intellektuelle Passagiere auf der Reise in die Zukunft.

Im Buch geht es um den Zerfall staatlicher Strukturen und des gesellschaftlichen Miteinanders im Zuge des Übergangs vom natürlichen zum digitalen Dasein. Das Buch ist wirklich empfehlenswert, hat aber für diesen Artikel nur als Impuls gedient. Der Aspekt aus dem Buch, der meine Gedanken quasi in den Overclocked-Modus versetzt hat, war die Idee, Gehirne zu digitalisieren. Das mag nicht neu sein, wird im Buch aber begleitet von ein paar Rahmenhandlungen, die durchaus Potential haben. Wenn man dann schon in der Früh um 4 Uhr mit einem Gedanken aufwacht, den man dann mal dem #mykindoffriend in einer WhatsApp Nachricht bekannt gibt, dann prallt vor 7 Uhr bereits eine Unstoppable Force auf ein Immovable Object. Man vergebe mir den kleinen Ausflug in meine Droge MMORPG.

Die Sache

Der Ausgangsgedanke war, dass wenn man es schafft, den „Geist aus der Maschine“ zu befreien – also das Gehirn zu digitalisieren, dann wäre es das Ende von implizitem Wissen. Dann wäre alles bewusst, alles verbunden und alles – klar. Nicht nur könnte man dann alles Wissen teilen – es ginge auch kein Wissen verloren. Viel mehr noch – man würde alles wissen. Es gäbe nichts Falsches mehr im Richtigen – weil alles in einem widerspruchsfreien Zusammenhang gebunden wäre. Aus dem Wissen, was war und was ist könnte man – ja, da bin ich Determinist durch und durch – alle künftigen Zustände bestimmen. Die Problemlösekompetenz würde auf 100% wachsen…oder auch nicht. Beim längeren Nachdenken ist das natürlich quatsch, weil das voraussetzen würde, dass man in einem unendlichen Universum alles in diesen digitalen Kontext stellen müsste – das ist vergleichbar mit: Schreiben wir mal alle Nachkommastellen von Pi auf und sehen dann weiter. Also alle künftigen Zustände ableiten zu können wird nicht gelingen. Wobei man die Annahme treffen kann, dass die Entfernung vom Geschehen – quasi am Rand des kohärenten Systems – keine wesentlichen Auswirkungen auf das Zentrum haben. Die Ereigniswelle ebbt ab, bevor sie das Zentrum erreicht. Aber das wäre auch zu einfach – gehen wir davon aus, dass wir nur das menschliche Gehirn digitalisieren. Ich höre aber auch schon die kleine Prinzessin rufen, dass sie das nicht machen wird, wenn nicht Nella – ihre tierische Beschützerin – mitkommen würde. Verschieben wir das Problem der Lebensperipherie mal.

Ein Problem an der Sache ist: Jeder könnte das tun. Die Variable individueller Verstand und seine Vorstellungskraft bleibt aber. Jeder hat ja seinen Startzustand und arbeitet damit – und es geht auch nicht um eine Entgrenzung des Individuums. Wir sind noch kein kollektiver Verstand, sondern vernetzte Datencluster. Der einzelne Datencluster müsste auch jede Elemente mit propositionalen Gehalt eines jeden anderen Menschen kenne, um in der Folge die Zukunft vorherbestimmen zu kennen – und das auch nur mit der oben genannten Einschränkung. Der einzelne Datencluster müsste nämlich Ort und Impuls eines jeden Teilchens im Universum kennen – und da hat der alte Heisenberg ja schon die Show verdorben.

Da war ich dann wieder an der nächsten Gedankengabel: Die Idee Zukunft gibt es dann eigentlich nicht mehr. Die nächste Gedankengabel: Was macht das mit unseren Persönlichkeitsrechten, unsere Individualität und unserer Verantwortlichkeit für unser Handeln.

Ich denke, dass es unbestritten ist, dass wir einen immensen Wissenszuwachs hätten. Die Probleme sind eher sozialer Natur. Wollen wir als Individuen unsere Manko – wie zum Beispiel einen sterblichen Körper und vermeintliche zufällige Entwicklungen – aufgeben, um ein System so hoher Komplexität zu erreichen, dass jeder Herausforderung mehr Zustände als Lösung entgegen stellen kann?

#mykindoffriend führte das dann noch weiter: Wollen wir Schmerz aufgeben und dafür Glück verlieren. Wollen wir „Am Strand sitzen, die Wellen hören, den Wind spüren und denen Kuss erleben“ perpetuieren und damit seiner Bedeutung berauben. Als Mensch mit einem Hang zum Transhumanismus mit der Überzeugung, dass der Mensch etwas ist, was in seiner natürlichen Form überwunden werden muss, um die Herausforderungen höherer Ordnung zu meistern, finde ich: Ja. Müssen wir wollen. Die damit verbundenen Opfer sind auch keine wirklichen Opfer – unser Leben wird sich auf die eine oder andere Weise ohnehin verändern. Sei es durch wirtschaftliche Umbrüche oder natürliche Veränderungen. Wir sind aktuell an unseren kleinen Steinklumpen und an unsere Sterblichkeit gebunden. Wir klammern uns so an tradierte Vorstellungen von Glück und Individualität, dass wir darüber außer Acht lassen, dass wir so als Gesamtheit keine Chance haben uns weiterzuentwickeln.

Der Abzweig

#mykindoffriend brachte ein, dass wir den Schmerz brauchen, um das Glück zu empfinden. Wenn wir in der Lage sind, jede Ebene unseres Seins zu manipulieren – ich präferiere den Begriff konstruieren – dann wird alles bedeutungslos. Ich gebe zu: Im heutigen Lebenskontext erscheint es bedeutungslos. Wir messen Bedeutung an singulären herausgehobenen Punkten – von dort wird es besser oder schlechter. Was wir dann haben ist Gleichförmigkeit. Ruhe. Aber auch das hat keine wirkliche Bedeutung im heutigen Kontext. Weil es für uns in einem posthumanen Stadium diese Kategorie nicht mehr gibt. Bedeutung hat dann das Gesamtkonstrukt nur durch die Hinzunahme neuer Elemente. Wir konstruieren dann Wirklichkeit nicht mehr im Kopf, sondern in unserer Umwelt. Jetzt kann man das sehr negativ sehen – eine Ausprägung davon ist

im Star Trek Kontext das Borgkollektiv. In der Darstellung als Antagonist für die tapfere Föderation malt man Idee sehr dunkel. Am Ende ist ihr Untergang für die Handlungsentwickler nur mit der Schaffung einer Königin zu bewältigen – also quasi ein menschliches Element einführen, um die Borg zu schwächen. Rational betrachtet ist das Kollektiv jeder alternativen Organisationsform – mit Ausnahme deistischer Lösungen – überlegen. Keine Gefühle von Rache, Anmaßung, Selbstüberschätzung und Bedürftigkeit stören den Entscheidungsprozess. Aber auch keine Gefühle wir Liebe, Fürsorge oder Mitgefühl.

#mykindoffriend hat auch anklingen lassen, dass es dann kein Kunstschaffen mehr gibt. Interessanter Aspekt, in einer Welt, in der alle Kunstwerke vorhersehbar sind, wird es schwer etwas zu schaffen, dass den Einzelnen ergreift. Eventuell wird Kunst sich dann anders ausdrücken – neue Möglichkeiten des Ausdrucks finden. Eventuell bringt die neue Maschine für den Geist auch etwas hervor, dass für uns heute noch gar nicht erfassbar ist. Ich denke, den menschlichen Geist zu digitalisieren wird ihm seinen Drang nicht nehmen – es wird ihm vielmehr neue Flügel geben, um seine Gedanken zu beschleunigen.

Der Gedanke

Meine erste Befürchtung war: Wenn Polanyi im Recht ist und implizites Wissen emergente Bestandteile hat – also quasi das Ganze mehr als die Summe der Teile ist – dann müssten wir durch die Digitalisierung weniger Wissen, aber ungleich schneller werden. Da setze ich meine Hoffnung – und mehr ist es wirklich nicht – darauf, dass bei der Digitalisierung des Hirns trotz des explizit Werdens auch die emergenten Elemente wieder entstehen. Selbst wenn nicht, wird durch die Vernetzung und die Geschwindigkeit ein massiver Zugewinne an Zuständen im komplexen System der propositionalen Gehalte entstehen.

Wir verlieren auch nicht Gefühle – wir gewinnen eine Ebene für etwas völlig neues. Im Laufe der Evolution haben wir schon viele Elemente, die wir vorher als unverzichtbar sahen, abgelegt, durch Neues ersetzt und wieder abgelegt. Wir werden uns in einer digitalen Umwelt anders bewegen, anders entwickeln und anders miteinander umgehen. All das ist beängstigend, wen wir das im Licht des Gegenwärtigen betrachten.

Eines ist uns dabei bewusst zu halten: Ein Zurück wird es nicht geben. Weiter muss uns klar sein, dass die Technik ein Fehlschlag ist, wenn der Zugang begrenzt ist – weil dann ist die Singularität eine Flucht der Begüterten und Glücklichen. Die Probleme bestehen weiter – und zu kämpfen haben diejenigen, die sich des Problems nicht entziehen können. Wenn aber alle sich der alten Lebensweise entziehen, dann besteht die Ursache der Probleme – Verteilungsgerechtigkeit, Anfälligkeit des menschlichen Körpers, Krieg, Krankheit – nicht mehr. Dann braucht es keine Lösung, weil es kein Problem gibt.

Die Frage ist: Wollen wir den Schritt wagen oder wollen wir fühlenden Körpers Passagiere in der weiteren Geschichte sein? Das hier aufgezeigte ist eine harte Form der Singularität – eventuell erleben wir auch eine Welt mit Gefühlen und Individualität, die einem festen Konstruktionsrahmen unterliegt. Vertrauen würde ich darauf nicht und um ehrlich zu sein: Ich hoffe eher auf die Erkenntnis: Resistance is futile.

EDUPNX | Wir sind leider nicht mehr in Preussen…

Wenn der Begriff „Preussen“ ins Spiel kommt, kann man sich beinahe sicher sein, dass es in einem Kontext ist, der mich reflexartig an den Paragraphen 111 StGB denken lässt:

„Wer einen anderen in einer für einen Dritten wahrnehmbaren Weise einer verächtlichen Eigenschaft oder Gesinnung zeiht oder eines unehrenhaften Verhaltens oder eines gegen die guten Sitten verstoßenden Verhaltens beschuldigt, das geeignet ist, ihn in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen oder herabzusetzen…“

Jetzt im Ernst – Kadavergehorsam, Beamtenmuff, Soldatengesellschaft, Absolutismus. Alles Dinge, die wir heute gern mit Preussen assoziieren. Schön aus dem Kontext herausgerissen und in unserem hochwohlgeborenen modernen, vermeintlich liberalen Denken. Preussen war aber in seiner Zeit hochprogressiv, freigeistig und in der Folge Grundstein für die weiteren gesellschaftlichen und technologischen Sprünge auf dem Kontinent.

Einer dieser Sprünge war die Erkenntnis, dass das Schulsystem der alten Zeit nicht mehr die notwendigen Outputs produzierte, den eine industrialisierte Gesellschaft benötigt. Hatte man bis dahin Bildung als ein Privileg höherer Schichten angesehen oder im Rahmen der Reproduktion des klerikalen Standes verwirklicht, wurden in Preussen Elementarschulen eingeführt. Wir sprechen hier sicher nicht von einem modernen Bildungssystem mit gut ausgebildetem Lehrkörper, Curriculum und „eingehen auf individuelle Bedürfnisse“ – da gab es noch nicht den Blick und das Bedürfnis. Hinzu kam ein Schulgeld, dass nicht jeder aufbringen konnte und die Unmöglichkeit genügend Personal aus dem Stand heraus generieren zu können.

Wie so oft war es aber eine Krise und der damit verbundene Neuanfang, der Preussen dazu veranlasste, per königlicher Order „durch geistige Kräfte [zu] ersetzen, was er an physischen verloren“ hat. Passenden zu den sozialen Lockerungen – Gewerbefreiheit, freie Berufswahl, Wegfall der Leibeigenschaft – kam es zur Hinwendung zu einer Meritokratie. Nicht mehr die Geburtslotterie, sondern Fähigkeiten, Talente und Engagement sollten die Zukunft des Individuums bestimmen. Mit der Humboldtsche Bildungsreform wandte sich das Bildungssystem hin zu einer einheitlichen Nationalschule, um eine flächendeckende Bildung des Nachwuchs in Verbindung mit dem leistungsorientierten Zugang zu höheren Schulen zu erreichen – dies trug dem gewachsenen Bedarf an fähigen Bürgern Rechnung. Den mündigen Bürger im Sinne der Aufklärung heranzubilden war das Ziel. Ihn zu befähigen, sich sowohl als Individuum als auch in seiner Rolle als Staatsbürger, zum Nutzen des Staates beizutragen, war ein Anliegen des preussischen Staates.

“ Die öffentlichen allgemeinen Schulen sollen mit dem Staate und seinem Endzwecke in dem Verhältnis stehen, dass sie als Stamm und Mittelpunkt für die Erziehung des Volks die Grundlage der gesamten Nationalerziehung bilden. Die Erziehung der Jugend für ihre bürgerliche Bestimmung auf ihre möglichst allgemein menschliche Ausbildung zu gründen, sie dadurch zum Eintritt in die Staatsgemeinschaft zweckmäßig vorzubereiten und ihr treue Liebe für König und Staat einzuflößen, muss ihr durchgängiges, eifriges Bestreben sein.“

Sicher, der Staatsbürger sollte sich als treuer Gefolgsmann des bestehenden Staates reproduzieren. Das darf man aber nicht im Lichte des heutigen Kontext sehen – sondern im damaligen: Man wollte einen starken Nationalstaat, der damals als ideale Staatsform gesehen wurde. Damals wurde das Ziel einer „einheitlichen Menschenbildung“ nicht von jedem geteilt – die Ungleichheit von Menschen war so tief in der Gesellschaft zementiert, dass die Idee, dass allen Menschen eine gleiche Chance gewährleistet werden sollte, war für das Ancient Regime nicht einsichtig – es wurde sogar als Staatsbedrohung gesehen. Mit der Überwindung der Staatskrise nach der Niederlage Napoleons wurde auch die Notwendigkeit von Reformen in Frage gestellt – no change without crisis. Zwar ging der Ausbau des Schulsystems weiter, aber die Bahnen der Bildung richteten sich weiter nach dem Stand. Erste die wirtschaftliche Notwendigkeit änderte den Bedarf an Ausbildung für die breite Masse, um die komplexer werdenden Produktionsvorgänge umsetzen zu können. Speziell technisch-wissenschaftliche Schwerpunktbildung im Gegensatz zur alten latein-griechischen Ausbildung – Realanstalten im Vergleich zu humanistischen Anstalten – gewannen an Bedeutung.

Fast Forward – wo stehen wir heute? Wir haben heute eine politische Krise und eine wirtschaftliche Krise. Die politische Krise, die liberale und demokratische Errungenschaften und Prinzipien in Frage stellt erfordert eine breite Aufklärung von Bevölkerungsschichten, die mehr und mehr den Glauben an sie und sich verliert. Wir sind politisch heute nicht mehr auf den Nationalstaat fixiert – zumindest bei denen, die es schaffen das komplexe Gesamtbild der politischen Entwicklungen und Interdependenzen zu erkennen. Heute sind wir bestrebt über das Bildungssystem einen mündigen europäischen – eventuell sogar einen post-staatlichen Bürger heranzubilden. Dabei ist es uns nicht gelungen die breite Masse zu gewinnen – wir haben keine breite Mittelschicht mehr, sondern eine breite Unterschicht, die abgekoppelt vom Erfolg des europäischen Wirtschaftsraums und der damit verbundenen liberalen Werte ihr Heil in einer glorifizierten Vergangenheit, die es so, wie sie konstruiert wird, nie gab. Es gelingt nicht, die Masse erkennen zu lassen, dass heutige komplexe Probleme nicht mit den einfachen Antworten der Demagogen zu beantworten sind…zumindest nicht, ohne massiv die Mehrwerte des Systems zu zerstören. Wir sind also mehrheitlich in einer inneren Krise – aber die Bedrohung der globalisierten Gesellschaft durch nationalistische Regierungen ist auch eine externe Krise. Eine Reform des Bildungssystems – ein wirklich disruptiver Wandel auf Basis der aktuellen Probleme – wäre der Wandel, den es braucht, um in der breiten Masse nicht nur Verständnis für die Probleme zu verankern, sondern auch um einen mündigen Bürger für die moderne Gesellschaft heranzubilden.

Die wirtschaftliche Krise ist auch offensichtlich – nicht die Instabilität von Banken bedroht uns, sondern die Ausbildung von Linienarbeitern für eine Wissensgesellschaft. Wir haben heute nicht genug Lehrer für notwendige Schulsysteme, wir benötigen eine Hinwendung zu MINT-Fächern, wir benötigen eine soziale und technische Ausbildung mit der Vermittlung von Wissenstechniken und nicht von doxographischem Wissen, dass den Anforderungen der Zukunft nicht mehr gewachsen ist. Das alles unter dem konstanten Ansturm von retardierenden Bestrebungen – sexuelle Aufklärung, wissenschaftliche Grundlagen und Methoden, soziale Zusammenhänge, politische Normen – die dazu dienen, die Augen vor Komplexität zu verschließen, weil die Antworten darauf unbequem sind. Bei manchen Gauländern, Farragierern und Strachisten ist es sicher auch Agenda: Einfache Antworten sichern die Zustimmung der Massen und damit die Absicherung der eigenen Machtposition – und Denken tut nunmal weh wie uns schon Plato der alte Höhlenmolch erklären konnte.

Mein Punkt also zum Thema: Preussen stand per se vor der gleichen Herausforderung wie wir heute – und hatte ähnliche Antworten bei den Reformen sowie ähnliche Reaktionen bei den Gegnern. Langfristig musste sich das Lernen wandeln, um Schritt zu halten – die Alternative wäre die Abkopplung vom Wettlauf der Staaten gewesen. Preussen hat sich der Herausforderung gestellt. Lernen in ist ständig in Bewegung – sei es, weil sich die Methoden wandeln, sei es weil Lehrende und Lernende sich wandeln, weil sich Wissen weiterentwickelt oder weil die Anforderungen sich ändern. „Wir sind nicht mehr in Preussen“ stimmt, denn wir haben nicht mehr das 19. Jahrhundert Zeit, um uns am Wandel zu versuchen. Wir sind einem Preussen auf Speed – wir müssen uns viel schneller wandeln und wir müssen uns radikaler wandeln. Preussen kann uns viel lehren – was gut und was schlecht lief. Preussen als starren Pluderhosenstaat zu verteufeln hilft dabei nicht. Deutschland wäre nicht zu einem führenden Industriestaat geworden, ohne die Bildungsreform. Preussen wäre nicht die Keimzelle eines stabilen Deutschland geworden, ohne die Beamtenkultur. Deutschland wäre auch nicht zum großen Zerstörer Europas im 20. Jahrhundert geworden ohne die Effektivität und Effizienz der preussischen Staatskultur. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

Lernen ist die einzige Kunst, die wir nie aufgegeben haben. Die Frage ist, was wird gelernt. Wie Victor Frankl mal sagte: „Wer ein Warum zum leben hat, erträgt was jedes Wie.“. Wer ein Warum zum lernen hat – der erträgt fast jedes wie [gelehrt wird]. Die Warum-Frage wird zum klären sein – warum sollen Menschen lernen, wenn sie von den Früchten nicht angemessen partizipieren. Warum sollen Menschen lernen, wenn sie am politischen Prozess nicht entsprechend teilnehmen oder sich repräsentiert fühlen. Warum sollen Menschen lernen, wenn ihr Leben fremdbestimmt scheint – sie sich als „nur Passagier“ fühlen. Die Klärung der Sinnfrage ist Kern der neuen Herausforderung des Lernens. Wenn das geklärt ist, folgt das was von selbst und das wie des Lernens ist nur noch ein Begleitaspekt. Auch hier lohnt ein Blick nach Preussen: Wir müssen produzierende Kraft der Industrie 3.0 in eine schöpferische Kraft der Industrie 4.0 wandeln – und dies beginnt in der Schule.

EDUPNX | Lernen als lebendiges System

Der alte Mann und das Konzept

Es ist jetzt schon eine ganze Zeit her, da bin ich auf einen Menschen aufmerksam geworden, dessen Idee mich inzwischen in einer Vielzahl an Themen begleitet. Der gute Mann ist Prof. Kruse und er ist Organisationswissenschaftler. War Organisationswissenschaftler. Seine Kernidee ist, dass ein lebendes System drei Zustände braucht – Erregung, Bewertung und Vernetzung. Parallel dazu benötigt eine Organisation drei Elemente, um sich zu entwickeln, zu lernen und zu überleben: Den Spinner, der neue Ideen generiert und das System stört, den Owner, der etwas so sehr in der Tiefe versteht, dass er die Ideen bewerten und bearbeiten kann, und den Broker, der für die Vernetzung sorgt. Das klingt erstmal sehr grob, aber gute Ideen sind das in der Regel – einfach. Dann greifen sie und dann haben sie das Potential eine kritische Masse zur Veränderung zu erreichen.

Die Bildungspunks haben ihr Februarthema gewählt und es ist – verkürzt gesagt – nachhaltiges Lernen. Wie immer ist meine Perspektive nicht im schulischen Kontext, sondern in einem allgemeinen Bereich – und in meinem Arbeitskontext im speziellen. Fangen wir mal mit dem Begriff Nachhaltigkeit an: Inzwischen eine Worthülse, die man über jedes noch so abstruse Konstrukt stülpen kann. In der Definition finden sich „ressourcenschonend“ und „regenerationsfähig“. Wenn es um Lernen geht, dann ist schonen von Ressourcen und regnerationsfähig für mich keine präskriptive Angelegenheit. Wenn es um Nachhaltigkeit beim Lernen geht, dann ist Zweckmäßigkeit eher ein gebotenes Element. Für diesen Artikel lege ich mal eine Arbeitsdefinition zu Grunde:

„Nachhaltigkeit beim Lernen bedeutet den zielorientierten Einsatz von angemessenen Mitteln und effektiven Methoden, um einen langfristigen Lernerfolg zu gewährleisten. Dabei soll der Rezipient langfristig dazu befähigt werden zum Kommunikator werden zu können.“

Unter Zielorientierung verstehe ich die Balance zwischen gegebener Zeit, Kapazität des Rezipienten und der Komplexität des zu vermittelnden Inhalts. Nachhaltigkeit setzt also schon voraus, dass der Kommunikator sich mit den drei Elementen der Zielorientierung eingehend beschäftigen kann – mithin also Zeit für die Analyse und Aufbereitung des Kontext zur Verfügung hat. Angemessene Mittel orientieren sich ebenfalls am Kontext – und der schlechteste Teil des Kontext ist Budget. Effektive Methoden sind dabei die Methoden, mit denen der Kommunikator sicher ist und der Rezipient nicht mehr damit beschäftigt ist, der Methode zu folgen, als den Inhalt zu erfassen. Das Ziel sollte immer sein, dass der Rezipient die Thematik so versteht, dass er sie im Bedarfsfall selbst lehren kann – Bonus ist es, wenn die Rollen Rezipient und Kommunikator wechselseitig bedingt sind, wenn also sowohl Alter als auch Ego lernen.

Erregung

Was bedeutet Erregung des Systems im Lernkontext und welche Rolle hat Erregung für die Nachhaltigkeit? Erregung bedeutet die Homöodynamik in einem System so zu stören, dass Neues entstehen kann. Systeme suchen nach ausgeglichenen Zuständen – der Komfortzone – und die Fähigkeit der Führung diese Homöodynamik im Rahmen eines kybernetischen Managementmodells ist eine Schlüsselfertigkeit, die im heutigen VUCA-Umfeld beinahe unabdingbar ist…wenn man nicht gerade in einer geschützten Werkstätte arbeitet. Selbst in Behörden und quasi-staatlichen Unternehmen wird man mittelfristig nicht mehr ohne diese Fähigkeit auskommen. In diesem Zusammenhang eine Störung herbeizuführen fordert die Mitarbeiter heraus und die Führung, die wahrscheinlich ihre Führungsmodelle adaptieren muss.

Systeme in Erregung zu versetzen, gewohnte Abläufe zu stören und damit einen Effekt zu erzielen ist wesentlich für die Nachhaltigkeit beim Lernen – sowohl am Beginn, als auch am Ende. Zum Beginn, um einen Bedarf am Lernen zu erzeugen. Einfach nur Lernen anzusetzen, weil es das Budget hergibt führt zu Seminartourismus. In einer Organisation jemanden zu finden, der Ablauf- und Aufbauorganisation hinterfragt und einen Lernbedarf sieht, ist nicht leicht, denn im Zweifelsfall bahnt er den Weg aus seiner eigenen Komfortzone. Er wird mit Widerstand konfrontiert sein, denn er … stört eben. Das zu honorieren ist wesentlich, denn Entscheidungen, die Personal betreffen, sind die nachhaltigsten bei der Unternehmenssteuerung. Hier anzusetzen und ihm eine direkte Pipeline zu den Entscheidern zu schaffen und sein Konzept zu Bewerten, ist wichtig, um einen Impuls und langfristig das gesamte Entwicklungspotential einer gesamten Organisation nicht zu beerdigen.

Am Ende ist Erregung wichtig, dass der neue Wissensträger in der Organisation auch ankommt und dort als Veränderung wirken kann. Das reine Ausbilden eines Mitarbeiters, um einen Bedarf zu decken, und dann sein Erlerntes nicht in der Organisation zu nutzen um die Erregung weiter zu tragen, ist nicht nur betriebswirtschaftliches Versagen, sondern für die Nachhaltigkeit von Erlernten schädlich. Erlebt habe ich das oft – in meinem „grünen Leben“: Da kommen junge und engagierte Soldaten von der Truppenschule oder von Fachschulen und das erste, was sie hören ist: Vergesst das – wir machen das so, wie es in der Praxis seit 20 Jahren funktioniert. Das ist der beste Weg, Nachhaltigkeit zu beerdigen.

Bewertung

Es braucht fachliche Bewertung für einen erkannten Lernbedarf. Jede Idee und jeden echten oder vermeintlichen Lernbedarf zu entwickeln wird sich kaum eine Organisation leisten können – und eigentlich auch kein Mitarbeiter. Vielmehr braucht es einen guten Prozess um das, was die Spinner und Störer in einem Unternehmen in den Ablauf hineinwerfen, zu evaluieren und strukturiert Feedback zu geben.

Hinzu kommt, dass auch nach der Lernerfahrung, um Nachhaltigkeit zu erreichen, der Rezipient mit seinem neuen Wissen sich in der Wissenslandkarte des Unternehmens wiederfindet. Hier muss bewertet werden, was hat der Rezipient gelernt, reicht es, um den aufgezeigten Bedarf zu decken und wie wird das Wissen in Zukunft genutzt. Wertschätzung für neues Wissen zu zeigen und dieses auch zu nutzen ist eine tragender Baustein für Nachhaltigkeit beim Lernen

Vernetzung

Ein gern wiederholter Fehler, um Innovation zu simulieren, ist es, das neue Wissen auf einen Sockel zu stellen. Um nicht das Gelernte, sondern Lernen nachhaltig zu machen, muss man verdeutlichen, dass Wissenserwerb und Wissen per se kein Ziel, sondern ein Prozess ist. Zu oft wurde eine Denkbarriere mit einer neuen ersetzt und damit das Gefühl geschaffen, dass man auf absehbare Zeit das Thema Veränderung erledigt hat.

Um dieses Denken zu fördern, um aus dem Wissen den Rohstoff für eine nachhaltige Veränderungskultur zu machen, muss man Wissensträger vernetzen. Heute braucht es Wissensträger in einem T-Shaped-Frame – und die Vernetzung dieser Mitarbeiter. Nicht eine Community of Knowledge, sondern Communities of Knowledge, Communities of Practice und Communities of Change. Leute mit unterschiedlichen Wissensstufen, Entwicklungsstufen, Lebensaltern und Aufgabenbereichen zusammenzubringen ist der Schlüssel zu Nachhaltigkeit. Das stärkt auch ihre Position als Veränderer – denn niemand mag gern allein an der Front stehen. Hier erfahren Wissensträger ihr Empowerment.

Jeder kann etwas einbringen, jeder kann sein Wissen verknüpfen und dadurch nachhaltig bei sich und im sozialen Kontext verankern. Ständig neue Impulse und Verknüpfungen zu erhalten ist wichtig , um eine nachhaltige Verfügbarkeit zu generieren.

Fazit

Um ein Fazit zu ziehen, was die Nachhaltigkeit beim Lernen betrifft, kann ich sagen, dass es weniger um die tatsächliche Lernsituation geht, sondern mehr um den Kontext, in den das Lernen eingebettet ist. Von der Wertschätzung der Erregung, über die tatsächliche Bewertung von Ideen und Wissen in einer Organisation – ganz zu schweigen von der Verfügbarkeit von tatsächlichen Ownern, also Mitarbeitern, die ein Fachgebiet in der Tiefe verstehen, das in einen Gesamtkontext einbetten zu können und einen open-mind-Approach zu Neuem haben – und der Möglichkeiten zur Vernetzung und zur Kollaboration von Wissen. Nachhaltigkeit beim Lernen ist eine Frage zur Einstellung zu Change. Eine etablierte Organisation dazu zu bringen, sich zu wandeln, klingt ein wenig wie sich an den eigenen Stiefeln aus dem Sumpf zu ziehen – man braucht Leute, die es tragen, um eine Kultur zu etablieren, in die diese sich entwickeln können und damit Leute zu generieren, die das tragen.

Die andere Seite ist, dass wir zu oft Lernen lassen, ohne einen konkreten Bedarf zu haben, das Lernziel nicht genau kennen und das Unternehmen das dann erlernte nicht nutzen kann, will oder manchmal auch nicht darf. Wir bilden zum Beispiel Leute im Projektmanagement aus, und lassen dann Projektmanagement nicht zu – und verlernen es dann als Skill wieder. Nachhaltigkeit kommt aus praktischer Anwendung – und aus Vernetzung mit like-minded-people.

Damit möchte ich die Arbeitsdefinition erweitern und es liest sich wie folgt:


„Nachhaltigkeit beim Lernen bedeutet den zielorientierten Einsatz von angemessenen Mitteln und effektiven Methoden, um einen langfristigen Lernerfolg zu gewährleisten. Nachhaltigkeit im Sinne der Organisation bedeutet,  dass der Kontext für eine lernende Organisation  gewährleistet wird.

Dabei soll der Rezipient langfristig dazu befähigt werden zum Kommunikator werden zu können.“

Wichtig ist und bleibt, um Nachhaltigkeit messbar zu machen, dass der Rezipient befähigt wird, als Kommunikator zu wirken. Erlerntes wird am ehesten verstanden, wenn man es selbst weiter vermittelt. Dann hat man echte Nachhaltigkeit – ein regeneratives Element von Wissen.

Denkstube | Being picky

Es gibt ja so Menschen, die haben das Glück, dass ich sie als Gedanken wahrnehme. Das reduziert sie sicher ein wenig, bringt sie aber auch in eine Kategorie, die weit oberhalb dessen steht, was der für mich bedeutendste Philosoph Terry Pratchett einmal so treffend für den Begriff Zivilisten – und das ist ja quasi ein Synonym für Menschen – schrieb:

The guard captain looked the Archchancellor up and down with the expression of one to whom the word “civilian” is pronounced in the same general tones as “cockroach.”

Einer dieser Menschen ist @derlinkshaender und er hat wieder einmal ein wirklich abgefahrenen Zitat geschaffen:

„Choose your fights wisely. For you will choose fight, not defeat or victory.“

Jetzt habe ich ja zuerst daran gedacht, dass es von einem der üblichen Verdächtigen – Sun Zu oder Sherman oder einem der üblichen Verdächtigen im Bereich der Durchsetzung von Grenzveränderungsmaßnahmen – stammt. Weit gefehlt. Es stammt von einem intellektuellen Pazifisten – oder wie er es so schön ausdrückt:


Jetzt ist der Mann ja nicht alt – kann er nicht sein, denn ich bin nicht alt und ich könnte quasi sein Vater sein. Alterstechnisch. Aber weise. So viele kluge Dinge, wie ich bisher schon lesen durfte – ich glaube, er hat schon drei Leben hinter sich und erinnert sich an alle. Was gegenüber unsereins quasi Betrug an der Masse ist. Wir müssen mit dem Leben, was wir in einem Leben lernen. Sei es drum – es sei ihm gegönnt.

Aber das Zitat gefällt mir und mein Gedanke geht dann dahin: Kann ich jeden Kampf wählen und sollten wir jedem aussichtslosen Kampf aus dem Weg gehen?

Kann ich jeden Kampf wählen. Die kurze Antwort: Nein. Die lange Antwort: NNNNNNEEEEEEIIIIIIINNNNNNN! Ich glaube es war Clausewitz, der schrieb, dass den Krieg immer der Verteidiger beginnt – denn dem Angreifer wäre es viel lieber, er würde nicht seine tollen grünen Autos kaputt machen müssen, um an all das grüne Gras auf der anderen Seite des Zauns zu kommen. Da es aber in der Natur – und quasi der Definition von Staat – begründet liegt, dass man sich nur sehr ungern von sich selbst trennt, ist man ja auch irgendwie gezwungen den Kampf aufzunehmen. Kein Staat möchte gern wie die holde Maid leicht ohnmächtig in die Arme des blondgelockten Befreier-Siegfrieds sinken – sondern im Zweifelsfall die Lucretia geben und durch staatliche Selbstentleibung das erduldete Unrecht in einem Fanal für die Nachwelt zementieren. Aber auch das ist ein Kampf, dem man sich nicht entziehen kann. Wenn eine Seite den Kampf will, dann gibt es einen Kampf. Man muss sich nur auf die Form des Kampfes festlegen – ein Beispiel ist hier auch Quintus Fabius Cunctator. Der hat gekämpft, indem er den Kampf vermied. Raum gegen Zeit tauschen nennt man das. Solange er nicht verlor, gewann er – und der Gegner Hannibal Barkas verlor, wenn er nicht gewann. Trotzdem ist es ein Kampf, den er durch Vermeidung geführt hat – und den er nicht gewählt hat.

Was, wenn der Kampf von bereits dem Untergang geweiht ist. Soll man dann auch jeden Fall den Kampf vermeiden, um Ressourcen – inklusive des Humankapitals – zu sparen. Das ist eine Frage der Staatsmoral. Ich bin der Ansicht: Nein. Oder besser: NEIN. Es gibt Kämpfe, die muss man kämpfen – sei es mit den bürgerlichen Waffen im Gerichtssaal oder den archaischen Waffen von Faust und Schwert. Im übertragenen Sinne. Weil ein Schwert ist doch eher selten zur Hand und Faust ist doch ein wenig Schmerzhaft. Kämpfe für Würde, Kämpfe für andere Menschen, Kämpfe für die richtige Sache. Kämpfe für den einen Menschen – und einen meint hier nicht physisch einen, sondern seelenfarben einen. Da geht es um Zeichen und Symbole und da ist es wichtig – sehr wichtig, dass man kämpft. Eventuell erlebt man eine Überraschung und eventuell ist der Erfolg in 1.000 Jahren erst realisierbar auf Wegen, die man heute nicht absehen kann.

Der Satz vom Armin steht aber weiter genau so richtig da: Man muss sich bewusst sein, dass die Entscheidung zum Kampf eben genau das ist: Eine Entscheidung zum Kampf – denn egal, wie gut man plant oder gut Strategie und Taktik aussehen und schon gar nicht ist relevant, wie sehr man im Recht ist: Sieg und Niederlage sind nie gewiss. Insofern kann man picky sein, wenn es darum geht, wie man kämpft und wofür man kämpft – aber nicht immer wann man kämpft und niemals, ob es das wert ist, worum man kämpft.

EDUPNX | suum cuique

Der gute alte Fritz hat mit meiner Sozialisation so einiges zu tun. Nicht nur im Allgemeinen als Exempel an soldatischer Tugend – alles im Kontext seiner Zeit – und als aufgeklärter Absolutist, nein auch durch die Gründung eines reitenden Feldjägerkorps. Zusammen mit dem Bezug auf dieses und dem Schwarzen Adlerorden mitsamt der dazugehörigen Inschrift wurde ich neben meinem Elternhaus geprägt. Ich mag dieses Wahlsatz – auch, wenn seine Übersetzung eine Pervertierung durch das Dritte Reich erfahren hat. Im Grunde genommen hat es mich mehr geprägt als meine Kindheit in der DDR oder meine Erfahrungen im bundesrepublikanischen Kontext. „Jedem seins.“ gefällt mir immer wieder – sei es als Verweis darauf, dass Karma eine kaltherzige Herrin mit einem übermäßigen technischen Hilfsmittel zur Simulation von koitalen Vorgängen ist, oder sei es im Rahmen von Gerechtigkeits- und Fairnessdebatten.

Das ist jetzt kein guter Einstieg in einen Gedanken, der sich mit einer Methode zur Vermittlung von Wissen im schulischen Kontext befasst. Oder eventuell doch – umso früher man Heranwachsenden vermittelt, dass man Wissenschaft zwar kritisch hinterfragen kann und soll, desto eher hat man neue Mitstreiter im Kampf gegen die wachsende Gemeinde derer, die meinen, dass nur weil sich Wissenschaft entwickelt, sie auch nur eine Meinung oder ein Glaubenssatz ist. Manche Dinge lernt man mit drastischen Worten – wie manche eben Schwimmen lernen, indem man sie ins Wasser wirft. Yours truly hat so zum Beispiel sein Seepferdchen bekommen. Sicher nicht moderne Pädagogik – aber auch hier gilt: Manchmal ist der Griff auf die Herdplatte notwendig, wenn der Lerneffekt für den Schüler nachvollziehbar, nachhaltig und nutzungsorientiert erreicht wird.

Das ist aber auch nicht das Thema des heutigen – fortgeführten – Gedankengangs, der durch die @bildungspunks gestartet und durch viele Menschen – zuletzt @Le_Pi – weiter getragen wurde.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Ich denke nicht, dass design thinking eine Methode, ein Konzept, ein Methodenmix oder eine Kunst der Unterrichtsgestaltung ist. Ich denke nicht einmal, dass es ein besonders gutes Konzept im Allgemeinen ist. Das mag an der eingangs erwähnten Sozialisierung liegen – ich bin nämlich grundsätzlich skeptisch, ob selbstorganisierte Teams funktionieren. Mein Verdacht war und meine Beobachtungen – ich weiß, kleines Sample – zeigen, dass es in Teams ohne formelle Strukturen informelle Führer gibt. Es etabliert sich ein Lead-Follow-System. In einem guten Team kann die Lead Funktion wechseln – aber in der Regel gibt es immer einen Teammanager.

Aber ich drifte in einen anderen Gedanken ab – um was es mir eigentlich geht ist ein Tweet von @Le_Pi – der einen Gedanken aufgreift, der sich bei mir schon eingeschlichen hatte:

Frage Eins: Ist design thinking für jedermann und immer? Definitiv: Nein. Es ist nicht für immer. Das würde den Rahmen einer Schule sprengen – zeitlich und kompetenztechnisch. Man darf ja nicht vergessen, dass man für divergent-emergent-convergent nur begrenzt Zeit hat. Im Optimalfall 12 Schuljahre. Dann darf man nicht vergessen, dass Lehrer eigentlich ständig in der convergent-Phase stecken – die Schüler auf das Lehrplanziel hinzuleiten. Das emergent schaffen die Schüler von ganz allein – denn ich bin fest der Überzeugung, dass Staunen-Zweifeln-Betroffensein den Menschen innewohnt – man darf es halt nicht abtöten durch (auswendig-)lernen-(auswendig-)lernen-nochmals(auswendig-)lernen. Es gibt eben Inhalte, die sind zu vermitteln – durch vormachen-erklären-nachmachen-üben. Das mag ein wenig – oder sehr – gestrig wirken, aber Schule hat nun einmal auch den Zweck, Grundlagen zu schaffen. Grundlagen für weiterentwickeln. Nicht alles muss, kann und soll „frei“ sein.

Zweiter Teil: Es ist auch nicht für jedermann. Da liegt der eigentliche Hase im Pfeffer begraben. Eine Schule ist inklusiv. Eine Schule – also die institutionalisierte Schule als Organisation sollte soziale, intellektuelle und monetäre Grenzen durch das Schaffen einer einheitlichen Ausgangsbasis für alle Beteiligten aufbrechen. Wenn ich ein Konzept implementiere, bei dem ich schon davon ausgehe, dass es nicht für jedermann ist, dann schaffe ich keine Lokomotive, die andere mitzieht, sondern ich schaffe eine Fluchtkapsel für Wenige, um vom brennenden Schiff der Allgemeinbildung wegzukommen – und lasse den Rest zurück. Wer soll das selektieren, wer soll rechtfertigen, dass dafür die Allgemeinheit aus Steuergeldern aufkommt. Also eine Methode, die nur dazu gut ist, Spitzenleute zu fördern, kann nicht die Lösung für bessere Didaktik sein. Sicher – damit kitzle ich die nächsten 10% Mehrleistung aus den Alpha-Kindern raus. Aber eben auf Kosten der Schaffung eines Nukleus an Sternenstürmern und einer breiten Masse, die sich schon aufgibt, bevor es richtig losgegangen ist.

Ursprünglich hatte ich noch den Gedanken verfolgt, wie ich ihn auch im Rahmen des Projektmanagements sehe: Für alles das richtige Tool. Einzelne Elemente können SCRUM sein – einzelne Elemente und Strukturen können klassisch geplant sein. Wenn ich eine Aufbauorganisation entwickle, kann ich das zu entwickelnde ERP als Lieferobjekt per SCRUM entwickeln lassen und den Personalaufbau klassisch Wasserfall. In der Schule aber wird das immer dazu führen, dass einige dabei sind und einige nicht. Wir waren in meiner Schule eine Sprachklasse – wir waren in der ganze Stadt die einzige Sprachklasse. Wir waren die Schneeflocken. Eigentlich waren wir nichts besonderes – wir hatten eben nur jeweils 2 Jahre früher eine neue Fremdsprache. Aber wir sind aufgetreten wie die Herren der Welt. Das hat auch dazu geführt, dass wir ein hervorragendes Zusammenhaltsgefühl hatten – aber auch auf Kosten „Wir“ und „Die“. Förderlich für „Die“ war das nicht, denn ihnen war sehr bald bewusst, dass wir mal eine Funktionselite sein würden – zumindest sehr viel wahrscheinlicher als „der Rest“. Das kann nicht Ziel einer Organisation sein, die es schaffen sollte, dass alle die Chance auf den gleichen Absprungpunkt für das Leben bekommen sollen.

Was mir aber wirklich gefällt an dem Post von Le_Pi ist Frage Zwei – technisch keine Frage, aber ich nehme mir diese Freiheit: Warum gleich im Silicon Valley Klassenzimmer anfangen? Warum nicht erstmal die Multiplikatoren empowern? Warum nicht weg vom Lehrerzimmer mit all den düsteren Vorstellungen, die man als Schüler von diesem arkanen Refugium so hatte und hin zu einem Lern-, Denk- und Wachstumsraum. Besser noch, man könnte das als wirklichen offenen Raum gestalten – wie es mal mit der Bibliothek der Bundeswehruniversität Hamburg gedacht war. Eine Bibliothek, mit Lehrern, die für Schüler ansprechbar sind. Ein Raum, der dazu einladen würde, hier auch zu arbeiten und gegebenenfalls Unterrichte ganzheitlich zu planen. In dem Korrekturen eventuell mit den Schülern gemeinsam vorgenommen werden könnten. Das wäre ein Ansatz, den ich gut finde. Aber ein Produktentwicklungsprozess in eine Schule zu bringen erscheint mir ein schlechtes Zeichen – in einer Schule sollte es nämlich kein Produkt geben. In einer Schule sollte es Denken geben.