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EDUPNX | Lernen als lebendiges System

Der alte Mann und das Konzept

Es ist jetzt schon eine ganze Zeit her, da bin ich auf einen Menschen aufmerksam geworden, dessen Idee mich inzwischen in einer Vielzahl an Themen begleitet. Der gute Mann ist Prof. Kruse und er ist Organisationswissenschaftler. War Organisationswissenschaftler. Seine Kernidee ist, dass ein lebendes System drei Zustände braucht – Erregung, Bewertung und Vernetzung. Parallel dazu benötigt eine Organisation drei Elemente, um sich zu entwickeln, zu lernen und zu überleben: Den Spinner, der neue Ideen generiert und das System stört, den Owner, der etwas so sehr in der Tiefe versteht, dass er die Ideen bewerten und bearbeiten kann, und den Broker, der für die Vernetzung sorgt. Das klingt erstmal sehr grob, aber gute Ideen sind das in der Regel – einfach. Dann greifen sie und dann haben sie das Potential eine kritische Masse zur Veränderung zu erreichen.

Die Bildungspunks haben ihr Februarthema gewählt und es ist – verkürzt gesagt – nachhaltiges Lernen. Wie immer ist meine Perspektive nicht im schulischen Kontext, sondern in einem allgemeinen Bereich – und in meinem Arbeitskontext im speziellen. Fangen wir mal mit dem Begriff Nachhaltigkeit an: Inzwischen eine Worthülse, die man über jedes noch so abstruse Konstrukt stülpen kann. In der Definition finden sich „ressourcenschonend“ und „regenerationsfähig“. Wenn es um Lernen geht, dann ist schonen von Ressourcen und regnerationsfähig für mich keine präskriptive Angelegenheit. Wenn es um Nachhaltigkeit beim Lernen geht, dann ist Zweckmäßigkeit eher ein gebotenes Element. Für diesen Artikel lege ich mal eine Arbeitsdefinition zu Grunde:

„Nachhaltigkeit beim Lernen bedeutet den zielorientierten Einsatz von angemessenen Mitteln und effektiven Methoden, um einen langfristigen Lernerfolg zu gewährleisten. Dabei soll der Rezipient langfristig dazu befähigt werden zum Kommunikator werden zu können.“

Unter Zielorientierung verstehe ich die Balance zwischen gegebener Zeit, Kapazität des Rezipienten und der Komplexität des zu vermittelnden Inhalts. Nachhaltigkeit setzt also schon voraus, dass der Kommunikator sich mit den drei Elementen der Zielorientierung eingehend beschäftigen kann – mithin also Zeit für die Analyse und Aufbereitung des Kontext zur Verfügung hat. Angemessene Mittel orientieren sich ebenfalls am Kontext – und der schlechteste Teil des Kontext ist Budget. Effektive Methoden sind dabei die Methoden, mit denen der Kommunikator sicher ist und der Rezipient nicht mehr damit beschäftigt ist, der Methode zu folgen, als den Inhalt zu erfassen. Das Ziel sollte immer sein, dass der Rezipient die Thematik so versteht, dass er sie im Bedarfsfall selbst lehren kann – Bonus ist es, wenn die Rollen Rezipient und Kommunikator wechselseitig bedingt sind, wenn also sowohl Alter als auch Ego lernen.

Erregung

Was bedeutet Erregung des Systems im Lernkontext und welche Rolle hat Erregung für die Nachhaltigkeit? Erregung bedeutet die Homöodynamik in einem System so zu stören, dass Neues entstehen kann. Systeme suchen nach ausgeglichenen Zuständen – der Komfortzone – und die Fähigkeit der Führung diese Homöodynamik im Rahmen eines kybernetischen Managementmodells ist eine Schlüsselfertigkeit, die im heutigen VUCA-Umfeld beinahe unabdingbar ist…wenn man nicht gerade in einer geschützten Werkstätte arbeitet. Selbst in Behörden und quasi-staatlichen Unternehmen wird man mittelfristig nicht mehr ohne diese Fähigkeit auskommen. In diesem Zusammenhang eine Störung herbeizuführen fordert die Mitarbeiter heraus und die Führung, die wahrscheinlich ihre Führungsmodelle adaptieren muss.

Systeme in Erregung zu versetzen, gewohnte Abläufe zu stören und damit einen Effekt zu erzielen ist wesentlich für die Nachhaltigkeit beim Lernen – sowohl am Beginn, als auch am Ende. Zum Beginn, um einen Bedarf am Lernen zu erzeugen. Einfach nur Lernen anzusetzen, weil es das Budget hergibt führt zu Seminartourismus. In einer Organisation jemanden zu finden, der Ablauf- und Aufbauorganisation hinterfragt und einen Lernbedarf sieht, ist nicht leicht, denn im Zweifelsfall bahnt er den Weg aus seiner eigenen Komfortzone. Er wird mit Widerstand konfrontiert sein, denn er … stört eben. Das zu honorieren ist wesentlich, denn Entscheidungen, die Personal betreffen, sind die nachhaltigsten bei der Unternehmenssteuerung. Hier anzusetzen und ihm eine direkte Pipeline zu den Entscheidern zu schaffen und sein Konzept zu Bewerten, ist wichtig, um einen Impuls und langfristig das gesamte Entwicklungspotential einer gesamten Organisation nicht zu beerdigen.

Am Ende ist Erregung wichtig, dass der neue Wissensträger in der Organisation auch ankommt und dort als Veränderung wirken kann. Das reine Ausbilden eines Mitarbeiters, um einen Bedarf zu decken, und dann sein Erlerntes nicht in der Organisation zu nutzen um die Erregung weiter zu tragen, ist nicht nur betriebswirtschaftliches Versagen, sondern für die Nachhaltigkeit von Erlernten schädlich. Erlebt habe ich das oft – in meinem „grünen Leben“: Da kommen junge und engagierte Soldaten von der Truppenschule oder von Fachschulen und das erste, was sie hören ist: Vergesst das – wir machen das so, wie es in der Praxis seit 20 Jahren funktioniert. Das ist der beste Weg, Nachhaltigkeit zu beerdigen.

Bewertung

Es braucht fachliche Bewertung für einen erkannten Lernbedarf. Jede Idee und jeden echten oder vermeintlichen Lernbedarf zu entwickeln wird sich kaum eine Organisation leisten können – und eigentlich auch kein Mitarbeiter. Vielmehr braucht es einen guten Prozess um das, was die Spinner und Störer in einem Unternehmen in den Ablauf hineinwerfen, zu evaluieren und strukturiert Feedback zu geben.

Hinzu kommt, dass auch nach der Lernerfahrung, um Nachhaltigkeit zu erreichen, der Rezipient mit seinem neuen Wissen sich in der Wissenslandkarte des Unternehmens wiederfindet. Hier muss bewertet werden, was hat der Rezipient gelernt, reicht es, um den aufgezeigten Bedarf zu decken und wie wird das Wissen in Zukunft genutzt. Wertschätzung für neues Wissen zu zeigen und dieses auch zu nutzen ist eine tragender Baustein für Nachhaltigkeit beim Lernen

Vernetzung

Ein gern wiederholter Fehler, um Innovation zu simulieren, ist es, das neue Wissen auf einen Sockel zu stellen. Um nicht das Gelernte, sondern Lernen nachhaltig zu machen, muss man verdeutlichen, dass Wissenserwerb und Wissen per se kein Ziel, sondern ein Prozess ist. Zu oft wurde eine Denkbarriere mit einer neuen ersetzt und damit das Gefühl geschaffen, dass man auf absehbare Zeit das Thema Veränderung erledigt hat.

Um dieses Denken zu fördern, um aus dem Wissen den Rohstoff für eine nachhaltige Veränderungskultur zu machen, muss man Wissensträger vernetzen. Heute braucht es Wissensträger in einem T-Shaped-Frame – und die Vernetzung dieser Mitarbeiter. Nicht eine Community of Knowledge, sondern Communities of Knowledge, Communities of Practice und Communities of Change. Leute mit unterschiedlichen Wissensstufen, Entwicklungsstufen, Lebensaltern und Aufgabenbereichen zusammenzubringen ist der Schlüssel zu Nachhaltigkeit. Das stärkt auch ihre Position als Veränderer – denn niemand mag gern allein an der Front stehen. Hier erfahren Wissensträger ihr Empowerment.

Jeder kann etwas einbringen, jeder kann sein Wissen verknüpfen und dadurch nachhaltig bei sich und im sozialen Kontext verankern. Ständig neue Impulse und Verknüpfungen zu erhalten ist wichtig , um eine nachhaltige Verfügbarkeit zu generieren.

Fazit

Um ein Fazit zu ziehen, was die Nachhaltigkeit beim Lernen betrifft, kann ich sagen, dass es weniger um die tatsächliche Lernsituation geht, sondern mehr um den Kontext, in den das Lernen eingebettet ist. Von der Wertschätzung der Erregung, über die tatsächliche Bewertung von Ideen und Wissen in einer Organisation – ganz zu schweigen von der Verfügbarkeit von tatsächlichen Ownern, also Mitarbeitern, die ein Fachgebiet in der Tiefe verstehen, das in einen Gesamtkontext einbetten zu können und einen open-mind-Approach zu Neuem haben – und der Möglichkeiten zur Vernetzung und zur Kollaboration von Wissen. Nachhaltigkeit beim Lernen ist eine Frage zur Einstellung zu Change. Eine etablierte Organisation dazu zu bringen, sich zu wandeln, klingt ein wenig wie sich an den eigenen Stiefeln aus dem Sumpf zu ziehen – man braucht Leute, die es tragen, um eine Kultur zu etablieren, in die diese sich entwickeln können und damit Leute zu generieren, die das tragen.

Die andere Seite ist, dass wir zu oft Lernen lassen, ohne einen konkreten Bedarf zu haben, das Lernziel nicht genau kennen und das Unternehmen das dann erlernte nicht nutzen kann, will oder manchmal auch nicht darf. Wir bilden zum Beispiel Leute im Projektmanagement aus, und lassen dann Projektmanagement nicht zu – und verlernen es dann als Skill wieder. Nachhaltigkeit kommt aus praktischer Anwendung – und aus Vernetzung mit like-minded-people.

Damit möchte ich die Arbeitsdefinition erweitern und es liest sich wie folgt:


„Nachhaltigkeit beim Lernen bedeutet den zielorientierten Einsatz von angemessenen Mitteln und effektiven Methoden, um einen langfristigen Lernerfolg zu gewährleisten. Nachhaltigkeit im Sinne der Organisation bedeutet,  dass der Kontext für eine lernende Organisation  gewährleistet wird.

Dabei soll der Rezipient langfristig dazu befähigt werden zum Kommunikator werden zu können.“

Wichtig ist und bleibt, um Nachhaltigkeit messbar zu machen, dass der Rezipient befähigt wird, als Kommunikator zu wirken. Erlerntes wird am ehesten verstanden, wenn man es selbst weiter vermittelt. Dann hat man echte Nachhaltigkeit – ein regeneratives Element von Wissen.

Denkstube | Being picky

Es gibt ja so Menschen, die haben das Glück, dass ich sie als Gedanken wahrnehme. Das reduziert sie sicher ein wenig, bringt sie aber auch in eine Kategorie, die weit oberhalb dessen steht, was der für mich bedeutendste Philosoph Terry Pratchett einmal so treffend für den Begriff Zivilisten – und das ist ja quasi ein Synonym für Menschen – schrieb:

The guard captain looked the Archchancellor up and down with the expression of one to whom the word “civilian” is pronounced in the same general tones as “cockroach.”

Einer dieser Menschen ist @derlinkshaender und er hat wieder einmal ein wirklich abgefahrenen Zitat geschaffen:

„Choose your fights wisely. For you will choose fight, not defeat or victory.“

Jetzt habe ich ja zuerst daran gedacht, dass es von einem der üblichen Verdächtigen – Sun Zu oder Sherman oder einem der üblichen Verdächtigen im Bereich der Durchsetzung von Grenzveränderungsmaßnahmen – stammt. Weit gefehlt. Es stammt von einem intellektuellen Pazifisten – oder wie er es so schön ausdrückt:


Jetzt ist der Mann ja nicht alt – kann er nicht sein, denn ich bin nicht alt und ich könnte quasi sein Vater sein. Alterstechnisch. Aber weise. So viele kluge Dinge, wie ich bisher schon lesen durfte – ich glaube, er hat schon drei Leben hinter sich und erinnert sich an alle. Was gegenüber unsereins quasi Betrug an der Masse ist. Wir müssen mit dem Leben, was wir in einem Leben lernen. Sei es drum – es sei ihm gegönnt.

Aber das Zitat gefällt mir und mein Gedanke geht dann dahin: Kann ich jeden Kampf wählen und sollten wir jedem aussichtslosen Kampf aus dem Weg gehen?

Kann ich jeden Kampf wählen. Die kurze Antwort: Nein. Die lange Antwort: NNNNNNEEEEEEIIIIIIINNNNNNN! Ich glaube es war Clausewitz, der schrieb, dass den Krieg immer der Verteidiger beginnt – denn dem Angreifer wäre es viel lieber, er würde nicht seine tollen grünen Autos kaputt machen müssen, um an all das grüne Gras auf der anderen Seite des Zauns zu kommen. Da es aber in der Natur – und quasi der Definition von Staat – begründet liegt, dass man sich nur sehr ungern von sich selbst trennt, ist man ja auch irgendwie gezwungen den Kampf aufzunehmen. Kein Staat möchte gern wie die holde Maid leicht ohnmächtig in die Arme des blondgelockten Befreier-Siegfrieds sinken – sondern im Zweifelsfall die Lucretia geben und durch staatliche Selbstentleibung das erduldete Unrecht in einem Fanal für die Nachwelt zementieren. Aber auch das ist ein Kampf, dem man sich nicht entziehen kann. Wenn eine Seite den Kampf will, dann gibt es einen Kampf. Man muss sich nur auf die Form des Kampfes festlegen – ein Beispiel ist hier auch Quintus Fabius Cunctator. Der hat gekämpft, indem er den Kampf vermied. Raum gegen Zeit tauschen nennt man das. Solange er nicht verlor, gewann er – und der Gegner Hannibal Barkas verlor, wenn er nicht gewann. Trotzdem ist es ein Kampf, den er durch Vermeidung geführt hat – und den er nicht gewählt hat.

Was, wenn der Kampf von bereits dem Untergang geweiht ist. Soll man dann auch jeden Fall den Kampf vermeiden, um Ressourcen – inklusive des Humankapitals – zu sparen. Das ist eine Frage der Staatsmoral. Ich bin der Ansicht: Nein. Oder besser: NEIN. Es gibt Kämpfe, die muss man kämpfen – sei es mit den bürgerlichen Waffen im Gerichtssaal oder den archaischen Waffen von Faust und Schwert. Im übertragenen Sinne. Weil ein Schwert ist doch eher selten zur Hand und Faust ist doch ein wenig Schmerzhaft. Kämpfe für Würde, Kämpfe für andere Menschen, Kämpfe für die richtige Sache. Kämpfe für den einen Menschen – und einen meint hier nicht physisch einen, sondern seelenfarben einen. Da geht es um Zeichen und Symbole und da ist es wichtig – sehr wichtig, dass man kämpft. Eventuell erlebt man eine Überraschung und eventuell ist der Erfolg in 1.000 Jahren erst realisierbar auf Wegen, die man heute nicht absehen kann.

Der Satz vom Armin steht aber weiter genau so richtig da: Man muss sich bewusst sein, dass die Entscheidung zum Kampf eben genau das ist: Eine Entscheidung zum Kampf – denn egal, wie gut man plant oder gut Strategie und Taktik aussehen und schon gar nicht ist relevant, wie sehr man im Recht ist: Sieg und Niederlage sind nie gewiss. Insofern kann man picky sein, wenn es darum geht, wie man kämpft und wofür man kämpft – aber nicht immer wann man kämpft und niemals, ob es das wert ist, worum man kämpft.

EDUPNX | suum cuique

Der gute alte Fritz hat mit meiner Sozialisation so einiges zu tun. Nicht nur im Allgemeinen als Exempel an soldatischer Tugend – alles im Kontext seiner Zeit – und als aufgeklärter Absolutist, nein auch durch die Gründung eines reitenden Feldjägerkorps. Zusammen mit dem Bezug auf dieses und dem Schwarzen Adlerorden mitsamt der dazugehörigen Inschrift wurde ich neben meinem Elternhaus geprägt. Ich mag dieses Wahlsatz – auch, wenn seine Übersetzung eine Pervertierung durch das Dritte Reich erfahren hat. Im Grunde genommen hat es mich mehr geprägt als meine Kindheit in der DDR oder meine Erfahrungen im bundesrepublikanischen Kontext. „Jedem seins.“ gefällt mir immer wieder – sei es als Verweis darauf, dass Karma eine kaltherzige Herrin mit einem übermäßigen technischen Hilfsmittel zur Simulation von koitalen Vorgängen ist, oder sei es im Rahmen von Gerechtigkeits- und Fairnessdebatten.

Das ist jetzt kein guter Einstieg in einen Gedanken, der sich mit einer Methode zur Vermittlung von Wissen im schulischen Kontext befasst. Oder eventuell doch – umso früher man Heranwachsenden vermittelt, dass man Wissenschaft zwar kritisch hinterfragen kann und soll, desto eher hat man neue Mitstreiter im Kampf gegen die wachsende Gemeinde derer, die meinen, dass nur weil sich Wissenschaft entwickelt, sie auch nur eine Meinung oder ein Glaubenssatz ist. Manche Dinge lernt man mit drastischen Worten – wie manche eben Schwimmen lernen, indem man sie ins Wasser wirft. Yours truly hat so zum Beispiel sein Seepferdchen bekommen. Sicher nicht moderne Pädagogik – aber auch hier gilt: Manchmal ist der Griff auf die Herdplatte notwendig, wenn der Lerneffekt für den Schüler nachvollziehbar, nachhaltig und nutzungsorientiert erreicht wird.

Das ist aber auch nicht das Thema des heutigen – fortgeführten – Gedankengangs, der durch die @bildungspunks gestartet und durch viele Menschen – zuletzt @Le_Pi – weiter getragen wurde.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Ich denke nicht, dass design thinking eine Methode, ein Konzept, ein Methodenmix oder eine Kunst der Unterrichtsgestaltung ist. Ich denke nicht einmal, dass es ein besonders gutes Konzept im Allgemeinen ist. Das mag an der eingangs erwähnten Sozialisierung liegen – ich bin nämlich grundsätzlich skeptisch, ob selbstorganisierte Teams funktionieren. Mein Verdacht war und meine Beobachtungen – ich weiß, kleines Sample – zeigen, dass es in Teams ohne formelle Strukturen informelle Führer gibt. Es etabliert sich ein Lead-Follow-System. In einem guten Team kann die Lead Funktion wechseln – aber in der Regel gibt es immer einen Teammanager.

Aber ich drifte in einen anderen Gedanken ab – um was es mir eigentlich geht ist ein Tweet von @Le_Pi – der einen Gedanken aufgreift, der sich bei mir schon eingeschlichen hatte:

Frage Eins: Ist design thinking für jedermann und immer? Definitiv: Nein. Es ist nicht für immer. Das würde den Rahmen einer Schule sprengen – zeitlich und kompetenztechnisch. Man darf ja nicht vergessen, dass man für divergent-emergent-convergent nur begrenzt Zeit hat. Im Optimalfall 12 Schuljahre. Dann darf man nicht vergessen, dass Lehrer eigentlich ständig in der convergent-Phase stecken – die Schüler auf das Lehrplanziel hinzuleiten. Das emergent schaffen die Schüler von ganz allein – denn ich bin fest der Überzeugung, dass Staunen-Zweifeln-Betroffensein den Menschen innewohnt – man darf es halt nicht abtöten durch (auswendig-)lernen-(auswendig-)lernen-nochmals(auswendig-)lernen. Es gibt eben Inhalte, die sind zu vermitteln – durch vormachen-erklären-nachmachen-üben. Das mag ein wenig – oder sehr – gestrig wirken, aber Schule hat nun einmal auch den Zweck, Grundlagen zu schaffen. Grundlagen für weiterentwickeln. Nicht alles muss, kann und soll „frei“ sein.

Zweiter Teil: Es ist auch nicht für jedermann. Da liegt der eigentliche Hase im Pfeffer begraben. Eine Schule ist inklusiv. Eine Schule – also die institutionalisierte Schule als Organisation sollte soziale, intellektuelle und monetäre Grenzen durch das Schaffen einer einheitlichen Ausgangsbasis für alle Beteiligten aufbrechen. Wenn ich ein Konzept implementiere, bei dem ich schon davon ausgehe, dass es nicht für jedermann ist, dann schaffe ich keine Lokomotive, die andere mitzieht, sondern ich schaffe eine Fluchtkapsel für Wenige, um vom brennenden Schiff der Allgemeinbildung wegzukommen – und lasse den Rest zurück. Wer soll das selektieren, wer soll rechtfertigen, dass dafür die Allgemeinheit aus Steuergeldern aufkommt. Also eine Methode, die nur dazu gut ist, Spitzenleute zu fördern, kann nicht die Lösung für bessere Didaktik sein. Sicher – damit kitzle ich die nächsten 10% Mehrleistung aus den Alpha-Kindern raus. Aber eben auf Kosten der Schaffung eines Nukleus an Sternenstürmern und einer breiten Masse, die sich schon aufgibt, bevor es richtig losgegangen ist.

Ursprünglich hatte ich noch den Gedanken verfolgt, wie ich ihn auch im Rahmen des Projektmanagements sehe: Für alles das richtige Tool. Einzelne Elemente können SCRUM sein – einzelne Elemente und Strukturen können klassisch geplant sein. Wenn ich eine Aufbauorganisation entwickle, kann ich das zu entwickelnde ERP als Lieferobjekt per SCRUM entwickeln lassen und den Personalaufbau klassisch Wasserfall. In der Schule aber wird das immer dazu führen, dass einige dabei sind und einige nicht. Wir waren in meiner Schule eine Sprachklasse – wir waren in der ganze Stadt die einzige Sprachklasse. Wir waren die Schneeflocken. Eigentlich waren wir nichts besonderes – wir hatten eben nur jeweils 2 Jahre früher eine neue Fremdsprache. Aber wir sind aufgetreten wie die Herren der Welt. Das hat auch dazu geführt, dass wir ein hervorragendes Zusammenhaltsgefühl hatten – aber auch auf Kosten „Wir“ und „Die“. Förderlich für „Die“ war das nicht, denn ihnen war sehr bald bewusst, dass wir mal eine Funktionselite sein würden – zumindest sehr viel wahrscheinlicher als „der Rest“. Das kann nicht Ziel einer Organisation sein, die es schaffen sollte, dass alle die Chance auf den gleichen Absprungpunkt für das Leben bekommen sollen.

Was mir aber wirklich gefällt an dem Post von Le_Pi ist Frage Zwei – technisch keine Frage, aber ich nehme mir diese Freiheit: Warum gleich im Silicon Valley Klassenzimmer anfangen? Warum nicht erstmal die Multiplikatoren empowern? Warum nicht weg vom Lehrerzimmer mit all den düsteren Vorstellungen, die man als Schüler von diesem arkanen Refugium so hatte und hin zu einem Lern-, Denk- und Wachstumsraum. Besser noch, man könnte das als wirklichen offenen Raum gestalten – wie es mal mit der Bibliothek der Bundeswehruniversität Hamburg gedacht war. Eine Bibliothek, mit Lehrern, die für Schüler ansprechbar sind. Ein Raum, der dazu einladen würde, hier auch zu arbeiten und gegebenenfalls Unterrichte ganzheitlich zu planen. In dem Korrekturen eventuell mit den Schülern gemeinsam vorgenommen werden könnten. Das wäre ein Ansatz, den ich gut finde. Aber ein Produktentwicklungsprozess in eine Schule zu bringen erscheint mir ein schlechtes Zeichen – in einer Schule sollte es nämlich kein Produkt geben. In einer Schule sollte es Denken geben.

EDUPNX | …mit Betonung auf „Thinking“.

Es kommt ja ab und an vor, dass ich mir auf den ersten Blick in eine Idee verknalle. Manchmal ist das auch die Idee von einem Menschen. In der Regel sind es aber Ideen im Hinblick auf die Entwicklung – manche würden eher sagen Steuerung – von Menschen. Die Idee, bei der aus einem Flirt ein Verknallt und inzwischen eine tiefgreifende Liebesbeziehung geworden ist, ist Nudging. Das ist meine Ideenehefrau. Es gibt auch Ideen, da denke ich mir „Darf ich Ihnen das `Tschüss´ anbieten. Eine dieser Ideen ist „Design Thinking“. Das hat verschiedene Gründe. Ich habe das ja schonmal in nett dargestellt. Jetzt muss ich aber sagen, dass durch neuen Input von jenslindstroem.de ein wesentlicher Punkt irgendwie untergegangen zu sein scheint: In einem schulischen Kontext sollte die Betonung immer auf „thinking“ und nicht auf „design“ liegen.

In weiten Teilen kann ich zu dem Thema auch den Beitrag des von mir sehr geschätzten @derlinkshaender verweisen, dem ich auch eine gewisse Skepsis unterstelle. Worauf es mir aber wirklich ankommt, ist das sich die Masse der Argumente darauf bezieht, dass wir ein Umfeld schaffen müssen – moderne Lehrmittel, Tablets, Kreativitätsräume, Aufbrechen der 45-Minutengrenzen. Was wir – und zugegeben auch ich in meinem letzten Artikel – doch im wesentlichen leisten müssen ist doch: Denken lernen. Nicht das Design ist das wesentlich, sondern das, was der klassische Lehrer als „spinnen“ abgetan hat.

Setzen Sie sich….

Ich mache da jetzt mal etwas eigentlich inkommensurables: Wir fordern Autos für unser Fortkommen, aber wir denken nicht mal darüber nach, ob wir nicht tanzen sollten. Tanzen bringt uns nicht nach Übermorgen, aber es lässt uns das heute viel besser erleben. Es schafft Eindrücke, Erlebnisse, Perspektiven und Selbstbewusstsein. Wenn wir uns jetzt mal gestatten kurz darüber zu reflektieren, was unser Denken ausmacht, dann ist es sicher nicht mit immer größerem Tempo durch Etappen zu fliehen, weil wir möglichst schnell ein „Gestern schaffen wollen“, um zum „Morgen“ zu kommen ohne auch nur ansatzweise das „Heute“ zu erfahren.

In der Betrachtung dessen, was mein Denken ausmacht, dann ist es in der Tat das innehalten und betrachten von Objekten, Menschen und immateriellen Dingen und die Einordnung dessen in einen Gesamtzusammenhang. In dem Sinne kann man aus Design Thinking wirklich etwas mitnehmen – nämlich das Zulassen von Meinungen. Wenn ich mich aber an meine Schulzeit erinnere, dann war das eher so: Drei Gruppen, die in sich jeweils homogene Meinungen hatten und die trotzdem eine gemeinsame Basis hatten: Wir waren eine Klasse. Rückblickend war es eher so, dass „Einigkeit“ eher definiert war über Ausgrenzung. Die Gruppe außerhalb der Klasse, die Klasse außerhalb der Stufe, die Stufe außerhalb der Schule und die Schule außerhalb der anderen Schulen. Meiner Meinung nach ist das nichts, was design thinking aufbrechen kann. Ganz im Gegenteil – bilde ich eine Gruppe, die in sich einen intellektuellen Anspruch entwickelt Ideengeneratoren zu sein oder sogar wirklich funktional Ergebnisse erzielt – dann trage ich eher zum Problem bei. Ich schaffe eine Gruppe, die sich – zur Recht oder Unrecht sei mal dahingestellt – als eine intellektuelle Elite begreifen wird. Breche ich diese Gruppen regelmäßig auf, um neue Zusammensetzungen zu generieren, dann werde ich entweder die Methode zerbrechen oder das soziale Netzwerk der Schüler.

Worauf ich hinaus möchte ist, dass wir nicht tolle Werkzeuge brauchen, sondern Denker. Ich mag jetzt nicht ein Gestriger sein, aber was brauchen denn die Leute zum Denken? Peter Bieri hat mal geschrieben: Einen Tisch, einen Stuhl, ein Blatt Papier und einen Bleistift. Das bezog sich damals im Rahmen eines offenen Briefes auf die Diskussion der personellen Ausstattung der FU. Wurde ihm übel genommen, da er ja meinte: Wozu akademischen Unterbau? Im Prinzip hat er aber recht.

Theater an der FU Berlin

Das schönste Seminar an der FU – also schön, nicht ergebnisreich – hatte ich im Innenhof der FU. Dort gibt es eine Anlage, wie ein griechisches Theater. Nicht in einem tollen Raum mit SmartBoard oder beschreibbaren Wänden. In diesem Sonne möchte ich es auch verstanden wissen – ich bin dafür, den Schülern erst einmal das Tanzen mit Gedanken beizubringen, bevor sie ihr Denken auf die Autobahn bringen. Ich bin dafür, dass Schüler erst einmal ermöglicht wird, für sich ein kohärentes System des Denkens zu entwickeln. Dann kann man auch tolle Konzepte darauf aufsetzen. In der Schule braucht es nicht design thinking – es braucht thinking. Der Lehrer hat dabei die Rolle, die ein gutes Malbuch hat – Rahmen vorgeben, innerhalb dieser Linien aber ist es Sache der Schüler ihr Denken zu entwickeln. Wenn sie einen lilafarbenen Himmel und gelbes Gras wollen – so be it. Was wir nicht brauchen ist: Wir machen jetzt Design Thinking. Du, du und du…ihr arbeitet jetzt zusammen, weil ihr aus so toll unterschiedlichen Kontexten kommt. Keiner von uns weiß, welches Wissen in Zukunft wichtig ist – aber das Denken wichtig ist, für sich und ganz individuell – das können wir glaube ich unterschreiben.

JAM | Macht der Gewohnheit

Man liest Twitter. Man findet einen Tweet. Man denkt kurz darüber nach und … zack ist es 3 Uhr in der Früh und es lässt einen nicht mehr los, dass da was nicht stimmt. Sie kennen das sicher auch. Das passiert doch jedem Menschen. Weil wir ja nachdenken über die Dinge, die wir so tagtäglich konsumieren. Wenn nicht, dann erklärt sich vieles, was so im Rahmen der Dekonstruktion der Demokratie gerade so passiert. Für den Rest: Freut mich, dass es noch mehr geschafft haben, auf der intellektuellen Evolutionsleiter über die dritte Sprosse hinaus gekommen zu sein.

Der Tweet, der es dieses Mal geschafft hat kommt, wie auch beim letzten Mal, von einem Menschen, den ich nur auf Twitter kenne, mit dem ich auf Twitter viel über Abhängigkeiten geschrieben habe und mit dem ich im weitesten Sinne ein Schicksal teile. Die Rede ist von DocPolytraum und der Tweet, der mich Schlaf gekostet hat, war:

Ich bin ja schon per se nicht als besonders empathisch bekannt. Immer wieder höre ich Sätze wie: Du musst auch an die Menschen denken. Das kann man so doch nicht machen. Grundrechte. Menschenrechte. Arbeitnehmerschutz. Das sind alles tolle Sätze. Für mich in der Kategorie „Der gegenwärtige König von Frankreich mag Torte.“ Ich bin da eher – teilnahmslos. Aber wenn sich dann die Gelegenheit bietet, bei einem meiner Lieblingsthemen was zu sagen, dann gehe ich auch gern auf Menschen ein. In dem Fall: Macht hat nichts mit der Wertung „böse“ zu tun. Menschen. Menschen sind „böse“ – Macht ist ein Instrument. Das macht nichts böses, ist nicht böse und hat auch seine Ursache nicht im Bösen. 

Ein großes Missverständnis ist schon mal, dass Macht etwas damit zu tun hat, anderen Menschen den eigenen Willen zu oktroyieren – ja, oktroyieren, nicht aufoktroyieren – und damit ihrem eigenen Willen entgegen zu handeln. Das ist keine Macht – das ist Zwang. Das suboptimale am Zwang ist, dass es nur so lange hält, wie man den Zwang ausüben kann. Wenn ich Alter zwinge, für Ego zu arbeiten, dann wird Alter das genau so lange tun, wie Ego in der Lage ist, seinen Willen zu biegen. Macht hingegen – also wirkliche Macht – schafft Umstände für Alter, die seinen Willen in die Bahn von Ego leiten. Er handelt also aus eigenem Antrieb. Das wundervolle daran ist, dass Ego die Macht nur insofern aufrecht erhalten muss, wie es der Rahmenbedingungen bedarf. Macht per se existiert ja nur per agens – Macht kann man nicht auf Halde produzieren und man kann sie auch nicht erhalten, ohne sie auszuüben. Macht ist das Vermögen Umstände so zu gestalten, dass Alter aus eigenem Antrieb so handelt, wie Ego dies möchte. Das ist schwierig, weil Menschen in ihrer eigenen Begrenztheit schon sehr erfinderisch sind, abstruse Lösungen zu finden und das Label „creative thinking“ dran zu pappen. Ego muss also, um ein System der Macht zu erhalten sehr komplexe Systeme generieren, die es erlauben, Alter dahingehend zu lenken, dass nur einfache Lösungsoptionen realisierbar sind. Das ist nicht böse. Das ist nicht einmal gegen den kategorischen Imperativ verstoßen. Sicher ist Alter hier nur Instrument für Ego – aber Alter kann auch Zweck sein, denn wenn Alter nicht ganz auf der Wurstsuppe dahergeschwommen ist, wird er lernen. Sei es durch die Erkenntnis seiner Lage oder sei es, indem er einen von Ego ersonnen Lösungsweg als praktikabel und reproduzierbar annimmt. Sicher kann Ego auch zu seinem Vorteil handeln ohne auf die Bedürfnisse von Alter Rücksicht zu nehmen – ungesunde Beziehungen und sweat shop slavery zeigen davon. Trotzdem ist es nicht per se Zwang, sondern Macht – und die ist nicht per se böse. Der Einsatz von Macht – zum Beispiel von einem Bündnis kollektiver Sicherheit – muss nicht mit der Absicht Böses zu erreichen erfolgen. Genauso kann ich auch Böses erreichen, ohne Macht – zum Beispiel durch Zwang.

Damit komme ich zum zweiten Punkt – für alles Gute reicht Liebe. Dieses Denken hat uns den Genozid in den Nachfolgestaaten von Jugoslawien eingebracht. Die UNO kann auch nicht nur durch eine „Ihr müsst aber lieb spielen.“ Politik gewinnen. Darüber lacht man sich – spätestens nach ein einer Post-Westfälischer-Friedens-Welt und der Aufgabe des Primats der Kriegführung der staatlichen Akteure – als private military contractor, als warlord oder auch als suprastaatliche Organisation mit wirtschaftlichem Charakter tot. Liebe kann die andere Wange hinhalten und Liebe kann moralisch der Sieger bleiben – das ist aber wie beim Vorfahrt erzwingen – „Ich war im Recht.“ kann man sich dann auf den Grabstein schnitzen lassen. Wie Terry Pratchett der Figur des Krieg – als einem der apokalyptischen Reiter – in den Mund legte

„Speaking as war“ said War „I´d hate to tell you what happens to very small armies that have Right on their side.“

In dem Sinne – Liebe ist genau so wenig gut, wie Macht böse ist. Jedes Mittel kann auf seine Weise zweckmäßig sein. 

EDUPNX | Sphärendenken

Die @bildungspunks haben ja nun schon das eine oder andere Mal ein tolles Thema ausgewählt, in das ich mich als nicht-Lehrkraft eingemischt habe und da will ich auch dieses Mal nicht kneifen. Ich bin zwar nicht klassisch Lehrer und wenn ich meine Kinder sehen will, dann veranstalte ich ein Meeting an der Arbeit. Früher hätte ich dafür nur bis zum Morgenappell warten müssen – heute ist das komplexer, aber dafür sind es auch weniger Kinder. Der Vorteil mit weniger Kindern, die noch dazu etwas – nur etwas – homogener sind, ist ja, dass man Sachen ausprobieren kann, die man spannend findet und dass man sich als Pädagoge im wahren Wortsinne betätigen kann. Noch besser ist, dass ich niemanden fragen muss, was ich machen möchte, da … nun, da ich eine ziemlich coole Liberoposition in meinem beruflichen Kontext habe.

Das Thema diesen Monat ist design thinking und ich muss gestehen – es klingt wie arkaner Schabernack. Das Konzept, man müsse nur ein kreatives Umfeld schaffen und die Leute mit einer passenden Kombination an Fähigkeiten zusammenbringen klingt ein wenig nach begging the question – wenn es nicht klappt, dann lag es am Gruppendesign oder am Umfeld. Man könnte auch einen infinite loop basteln denn um ein gutes Umfeld zu designen und die richtigen Leute zu kombinieren braucht man eigentlich auch nur design thinking zu machen. Andersherum ist das Ergebnis dadurch getrieben, wie man das offene und kreative Umfeld gestaltet und die Leute kombiniert – eigentlich ideal, denn damit ist das Ergebnis immer optimal. Das ist quasi der Heilige Gral der politischen Kommissionen. Man kann nichts falsch machen.

Im Kontext des Lernens erschließt sich mir der Sinn von design thinking noch weniger. Ich denke es wäre absurd das gesamte Schulkonzept so aufzubauen, dass es diesem Ansatz – und viel mehr ist es nicht – entspricht. Wie beim Bau eines Hauses benötigt es eine solide Basis – beim Innenausbau und dem Wohnraumdesign ist das sicher möglich. Beim Fundament eher nein. Es erfordert eine gewisse Reife und auch ein Skillset, um in einem offenen und kreativen Umfeld ein Ergebnis zu erzielen. Hinzuzufügen ist, dass es ja weder in der Schule noch in einem beruflichen Kontext um irgendein Ergebnis geht. Es geht eher um ein Ergebnis, dass für den Endkunden einen – nicht unbedingt monetären – Wert hat. Wie im agilen Projektmanagement gibt es ein Backlog, gefüllt mit Userstories, die es zu bearbeiten gilt. Dazu kommt der Lehrer als SCRUM Master und der Lehrplanverantwortliche als Product Owner. Es geht also nicht darum, Leute zu kombinieren und dann mal eine Divergent-Phase zu initiieren, um zu schauen, wo das hingeht und was diese Combo aus der Zeit macht.

Jetzt mal zum Schulkontext: Ich kann im Rahmen einer Schule nicht auswählen, wen ich in das Team einbette. Das Team ist gegeben. Ich kann auch nicht das Ziel wählen, denn wie in einem Stage-Gate-Prozess sind bestimmte Meilensteine zu nehmen und die Zeit ist auch nicht unbegrenzt. Das limitiert die Idee des design thinking doch schon deutlich. Die Komponente „offenes und kreatives Umfeld“ ist aber dann irgendwie das Killerargument. In einem Schulkontext, dass es Lehrern ja schonmal gern verbietet, den Mangel an bereitgestellten Material durch eigene Laptop, Tablets oder PC zu ersetzen, ist das Schaffen von Räumen mit der gewünschten Charakteristik doch nur überschaubar möglich. In einem Konzern wird es da schon eher Möglichkeiten geben. Die Wiener Stadtwerke zum Beispiel haben dafür ihre Denkstüberl im Bildungszentrum. Hier sind die Arbeitsbereiche flexibel – als Landschaft zum flegeln, als Arbeitstische, als Arbeitsgruppen oder als Denkkabinette. Die Wände sind beschreibbar und magnetisch. Es gibt einen interaktiven Monitor … und nicht ganz unwichtig: unendlich Kaffee. Wenn ich hier etwas kreativ erarbeiten will, dann kann ich mir aus 16.000 Leuten die passenden herauspicken, einladen und loslegen. Vorausgesetzt jeder hat Zeit. 

Denkstüberl im Bildunsgzentrum der Wiener Stadtwerke.

Das offene und kreative Umfeld – im Bildungszentrum kombiniert mit Kleingruppenarbeitsräumen – ist wirklich zielführend. Ob es so etwas in Schulen gibt und ob es in ausreichender Anzahl vorhanden ist, um damit in der gesamten Schule einen Mehrwert zu erzielen, sei dahingestellt.

Die Teams, in denen ich das Vergnügen habe keine unmaßgebliche Rolle zu spielen, haben als Kriterium, dass das offene und kreative Umfeld eher im Kopf ist. Wie im SCRUM ist es eher ein Mindset und die Zusammenstellung des Teams eher eine langfristige Prägungsphase. Dabei habe ich gelernt, dass ich insbesondere mich selbst zurücknehmen muss und darauf Acht geben muss, dass ich die Leute nicht zu Kopien von mir ausbilde. In der Regel wähle ich die Menschen danach aus, dass sie etwas können, was ich nicht kann, damit wir im Rahmen des Prozesses voneinander lernen können. Dabei betrachte ich mich eher als Begleiter im Arbeitsprozess – ohne in Anspruch zu nehmen, dass ich alles kann und alles verstehe. Ich verstehe nur das Ergebnis – und darauf hin gestalte ich die Convergent-Phase.

Wie auch in einer Schule denke ich, dass dies in einem Projektkontext wirklich gut funktionieren kann – mit Abstrichen, weil no kid left behind und so. Ich kann ja das hochbegabte Kind von einflussreichen Helikoptereltern nicht für „organisiere das Catering“ abstellen. Da wäre der Schulrat aber schneller da als man „special needs parents“ sagen kann. Für die Linie – im beruflichen als auch im schulischen Kontext – glaube ich eher nicht, dass der Ansatz taugt. In diesem Kontext ist design thinking das, was ein Developer Team im SCRUM macht und von daher auch nur eine Ergänzung zu einem Kontext, der per se schon hohe Anforderungen an alle Handelnden stellt. Gemessen daran, dass die Herausforderungen, die sich in Zukunft stellen – für die heute Lernenden und die Problemlöser von Morgen – komplexer werden, ist es sicher nicht verkehrt einen skeptischen Blick in die Richtung design thinking zu werfen. Viel erwarten sollte man sich aber nicht.

Was hat das jetzt mit Sphären zu tun – design thinking besteht eben nicht nur daraus, dass man verschiedene Kompetenzträger in einem geeigneten Raum vernetzt. Es erfordert Menschen, die integrativ und konvergierend denken, die verschiedene Aspekte sehen und verschiedene Perspektiven einnehmen können. Die in einer Emergenzphase auch erlerntes außer Acht lassen können, um verrückte Ideen zu entwickeln. Kurz, Menschen, die sich in verschiedenen Sphären bewegen können – sine ira et studio. Solche Menschen zu finden, zu empowern und auf die Welt loszulassen ist die Aufgabe von Schule – und Eltern, aber da ist in Acht zu stellen, dass Eltern eher try&error-Prozesse in der Erfüllung ihrer Rolle durchlaufen. Dazu benötigt es eine Basis und dann das Experiment, die Verifizierung und dann das Optimieren. Nicht mit der komplexen Methode oder dem Ansatz beginnen. Design thinking – oder um es beim Namen zu nennen, Agiles Denken – ist nichts für die Grundlagenlehrer – sondern für das Optimieren von Charakter, Geist und Fähigkeit. Sphären zu beherrschen ist die Königsdisziplin – mit dem Quadrat beginnen und dann mehr und mehr Ecken hinzufügen, bis es ein Kreis wird.

JAM | Brust oder Keule

Ich sag es mal so – am Ende des Tages gibt es zwei Schlüsselreize: Brüste oder Po. Titten oder Arsch. Da macht sich das Eignungskriterium fest – alles andere ist Auswahlkriterium. Da kann man Punkte machen – aber an der Frage, ob das präferierte Spoilerpaket passt, wird es zum make or break.

Die Frau Pinkshot hat jetzt etwas über den einen Teil der evolutionären Lockmittel geschrieben. Darin geht es um – Brüste. Jetzt ist mir noch kaum jemand aufgefallen, der den Blick auf ein tolles Paar Mammae nicht zu schätzen wusste. Das inkludiert mich. Doch – ich kenne jemanden. Mein ehemaliger Mitbewohner. Der hatte mal eine Freundin. Eine Jugendfreundin. Wie man das damals halt so hatte, wenn man auf dem Dorf gewohnt hat und es sonst nicht viel zu tun hab. Es war wohl auch irgendwie Liebe … bis, ja bis eben die Pubertät einsetze und sie Brüste und er Lust auf Penis bekam. Das war ein toller Satz, wie er mir damals erzählt „Warum musste sie auch Brüste bekommen…“. Macht nix. Hat auch sein Glück gefunden und, um es mit den Worten eines Unterhaltungskünstlers zu sagen, das ist auch gut so.

Wie dem auch sei – es gibt so Mysterien im Zusammenhang mit weiblichen Brüsten, die sind für einen Mann faszinierend. Frau Pinkshot schreibt, dass es generell Frauen gibt, die ihre Brüste dem Man-Handling übergeben und manche mögen es eher so nicht. Dann ist es wieder zustandsabhängig. Ich kann sagen – Männer mit einem Faible für komplexe Systeme ohne direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung, aka Frauen, mögen Brüste. Sie reden auch oft darüber. Mal mehr, mal weniger deftig. Aber im Grunde immer mit der Grundtendenz „Ja, doch, macht das Leben schöner.“

Ich schaue mir gern Brüste an. Dabei ist es weniger die Brust per se, als der Reiz, einen Blick zu erhaschen. Ich bin wohl auch eher atypisch – wenn ich mich in die Schlammzone der Männergespräche begebe, dann folgt der Geschmack eher Hubraum statt Spoiler. Also Größe scheint als wichtig erachtet zu werden. Mein Geschmack ist eher auf kleine Brüste orientiert. Nicht keine, nicht wenig, eben klein. Würde man, wenn man die Reihenfolge der Frauen, bei denen ich es geschafft habe, die komplexe Auswahlprozedur der Zugangsberechtigung zu bewältigen, analysiert, nicht vermuten. Die hatten alle, wie man so sagt, Holz vor der Hütte. Hat ihnen auch immer gut gestanden. Aber wenn man Browserdaten – hahahaha, Inkognitomode – folgen können würden wollte, dann wäre die Sprache eine andere. Von denen würde ich aber auch keine Heiraten. Kleiner Sidestep: Lexy Belle ist eine umwerfend schöne Frau. Ihre Erwachsenenfilme wecken aber rein gar nichts in mir. Der einzig attraktive Film, den sie hat, ist ein Video von Doctor and the medics.

So, zurück zum Thema. Brüste. Also ich mag Brüste und ich habe genügend Erfahrung, um mich an die Handlungsoptionen heranzutasten. Wohl wissen, was Frau Pinkshot schreibt: Da gibt es kategoriale und graduelle Unterschiede. Gegen das Küssen derselben hat sich noch keine beschwert – das ist auch ´ne tolle Geschichte. Fast so toll, wie den Hals zu küssen und leicht…Moment, nicht abschweifen.

Grundsätzlich verstehe ich nicht, wie Frauen unsicher sein können, was ihre Brüste anbelangt. Sicher gibt es welche, die finde ich nicht attraktiv, aber bisher sind mir noch keine an einer echten Frau untergekommen, bei denen ich mir dachte: Meh. Liegt aber auch sicher daran, dass ich Frauen eher schön finde – und damit interessant genug, um den Brunftschrei des Deutschen Hirschs zu intonieren – die mit sich und ihrem Körper im Reinen sind. Die sich aufrecht halten und Ausstrahlung haben.  Da stellt sich das Problem nicht. Wie gesagt – ich mag kleine Brüste und die Masse fantasiert von großen Brüsten. Mit kleinen Brüsten gestalten sich manche Dinge nicht so einfach. Aber ich mag Brüste auch in der verpackten Form fast lieber. Wie ich generell den schönsten Teil von Weihnachten als das Verpackte auszupacken empfinde. Nichts ist so toll, wie ein Blick in den Ausschnitt, dabei ertappt werden, das wissende grinsen auf beiden Seiten, die helle Haut, die in einem schwarzen BH verschwindet. Ich mag Brüste. Es gilt aber auch wie bei allen anderen Dingen zwischen Mann und Frau: Was ihr uns nicht sagt, denken wir uns aus. Also Mund auf – nicht nur dazu – und sagen, was toll ist, was nicht und wann es toll ist und wann nicht. Dann klappt das auch – egal wie groß. Und wenn ihr mal einen Arsch habt, der euch abschleppt und dann sagt, dass die Brüste recht klein sind, dann dürft ihr den auch getrost vor die Tür stellen. Einen Boob-Job für sich und das Ego machen, ist ok. Aber ich hatte nun schon zwei Kolleginnen – eine hat es durchgezogen und eine nicht – die das für ihren „Freund“ tun sollten oder wollten. Was ein Quatsch. Dem ist das auch egal – aber er würde gern vor seinen Kumpels angeben wie eine offene Brause, dass seine Freundin das hat machen lassen und jetzt dicke Töpfe hat. Hände weg von sowas – in jeder Hinsicht.

Am Ende des Tages, sind Brüste für mich aber kein Make-or-Break. Ich gehöre zum anderen Teil der Gattung. Ich schaue auf den Allerwertesten, den Arsch, den Po, den Hintern. Aber das ist eine andere Geschichte….

JAM | Nomen est f**kthis

Ich war vor einiger Zeit – also damals, als man noch jung und das Fleisch willig war – auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Deutungshoheit. Ich kann mich an keinen einzigen Namen derer erinnern, die damals Klugheit von der Bühne hinab gesendet haben. Die Inhalte aber beschäftigen mich doch seit dem ich sie damals gehört habe.

Im Kern ging es darum, dass wer die Hoheit darüber hat, wie man eine Sache benennt, der beherrscht sie. Die einzige Frau auf dem Podium brachte auch die beste Analogie: Wie das Rumpelstilzchen, das seine Macht und seinen Schrecken verliert, als der Name bekannt wurde, so ist es auch heute – politisch, sozial und persönlich. Politisch ist es offensichtlich: Jemand einen Terroristen zu nennen oder einen Freiheitskämpfer ist wesentlich für die Wahrnehmung, denn die – man lese das in einem verächtlichen Tonfall – Leute sind nicht mehr willens oder in der Lage, sich selbst ein Bild auf Basis von Fakten zu machen. Zur Distinktion möchte ich hier anführen:

 

Es reportet eigentlich auch niemand mehr Fakten. Es gibt nur noch Bilder und Gegenbilder. Selber denken ist viel zu zeitaufwändig. Lieber schön unter dem Deckmantel der Schwarmintelligenz die Mündigkeit des freien Geistes abgeben. Man klebt auch entspannter, wenn man weiß, dass die Meinung des eigenen Kosmos schön plangeschliffen ist. Harmonie ist Trumpf.  Insofern wäre es ja schon beinahe schändlich sich nicht der tumben Masse zu bedienen und ihrer Befindlichkeiten und Limitierungen zu bedienen, um sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Mögen sie mich hassen, wenn sie mir nur glauben. Im klassischen politischen Kontext ist der Souverän genau dazu da: Der Souverän entscheidet über den Ausnahmezustand. Er erklärt die Welt, wo es noch keine Regelung gibt. Er deutet alles, wozu es noch keine Deutung gibt. Er sagt, was der Fall ist.

Im sozialen Kontext ist die Idee der Deutungshoheit auch zweigleisig. Ich kann mich einfach so positionieren, dass ich immer der Schlauste im Raum bin. Oder dass ich immer genug Erfüllungsgehilfen um mich habe, um meine Absichten zu realisieren. Das ist das Prinzip einer klassischen Gang – ein Kopf, ein Leutnant und viele Drohnen. Was wahr ist, ist nicht was der Fall ist, sondern was de Capo sagt. Das ist für alle Beteiligten das Optimum. Jeder hat seine Rolle – Streit regelt die pater potestas. Auch Freundesgruppen bauen sich so auf – man umgibt sich ja mit Menschen, die einem angenehm sind. Das Ganze hat aber ein Haken – woher soll Entwicklung kommen, wenn alle in Harmonie schwingen – und wie bitte sollen neue Situationen bewältigt werden, wenn der Zustand aller gleich getaktet ist. Wer immer der Klügste im Raum ist, der macht was verkehrt – entweder in seiner Wahrnehmung oder in seiner Anforderung an sich selbst. Der Dumme wähnt sich ja auch nicht zu den Dummen gehörig – und nichts ist schwerer, als jemandem etwas zu lehren, der meint, er kann es bereits. Wer aber weiß, dass er auf einem hohen Intelligenzniveau operiert und sich dann permanent mit Leuten umgibt, die zu ihm aufschauen, der ist intellektuell arm. Es kann durchaus sinnvoll sein, sich auch mit Leuten zu umgeben, denen man dann hilft, sich aufzuschwingen – zu lernen. Aber ein Lehrender, gleich in welchem Umfeld, muss auch mit anderen, schlaueren und klügeren Menschen zusammenkommen, um weiter zu wachsen. Wer aufhört besser sein zu wollen, hört auf gut zu sein. Stillstand ist Rückschritt. Das trifft auch auf Freunde zu – sicher braucht man die, die einem Ruhe geben und mit denen man auf einer Wellenlänge schwimmt. Aber man braucht auch den Freund, der unbequem ist, der einem sagt, dass das, was man da denkt, ziemlicher Unsinn ist.

Im persönlichen – und sie ahnen es schon, dass ist der eigentliche Grund dieser Therapiesitzung – benennt man auch Dinge und Sachverhalte. Schokolade ist ein Glücklichmacher und kein Gift für den Sixpack. Fitnessstudio ist die Muckibude anstatt das Kardiocenter. Kokain ist die Droge, von der man abhängig ist, obwohl man weiß, dass sie schadet. Ich habe Dinge benannt – weil ich es auch als Ausrede brauche. Man ist nunmal abhängig. Kannste nix machen. Es ist, wie es ist. Solange ich den Namen des Rumpelstilzchens nicht kenne, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als damit zu leben. Tja. …. ….. muss man nicht. Ich habe den schönen Term greengrocer´s apostrophe kennen lernen dürfen. Das ist etwas, was nur ein Gemüsehändler macht – ein Deppenapostroph. Ein Apostroph ist quasi ein Auslassungszeichen. Ich werde mich mal darin versuchen, etwas umzulabeln. Rebranding. Weg von #kokain und hin zu #ga – eben für greengrocer´s apostophe. Das passt viel besser – something only a dumb person does. Mal sehen, ob das hilft, die Sache zu beherrschen.

JAM | Phantasialand

Man könnte ja jetzt mit einem abgedroschenen Zitat beginnen, aber dann fällt mir nur wieder ein, warum Menschen in der Regel wenig interessant sind: Phantasie ist nicht unbegrenzt – gerade die Phantasie ist bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen ausgesprochen begrenzt.

Frau Pinkshot hat wieder etwas geschrieben – also genau genommen hat sie mehrere Dinge geschrieben, aber zum Thema Zirkumzision mag ich mich nicht äußern. Zum Thema „Oh Gott, ich bin kein Mann mehr, weil meine Freundin einen kleinen elektronischen Liebhaber hat…“ mag ich auch nichts mehr sagen. Oder doch: Man up. Das Ding gibt dir die Freizeit für World of Warcraft. Ist ja nicht so, als würdest du nicht ab und an im Internet nach Unterhaltungsmaterial für spezielle Momente suchen und…die Sache in die Hand nehmen. Also: Thema durch.

Kommen wir zum neuen Thema. Phantasien. Menschen und ihre Kinks und Nooks und … Dinge, die sie „klick“ machen lassen. Meiner Erfahrung nach wissen die wenigstens Menschen, was sie „klick“ machen lässt. Für die meisten ist die „5-Minuten-Terrine“ ausreichend und … das ist ok. Verpassen sie halt alles andere. Oder auch nicht. Suum cuique wie der Feldjäger sagt. Für jemanden, der gern in die Lernzone kommen und Leute dabei an der Hand nehmen, um gemeinsam da hin zu gehen. sind solche Menschen ungemein … langweilig. Als ich mein Gänseblümchen kennen gelernt habe, war sie 20 – und sie war wundervoll. Leider war sie damals noch sehr zurückhaltend und still. Das hat mich schon gefuchst. Heute – mit Lebenserfahrung und einem umwerfenden Durst nach Aktivitäten – passt das so hervorragend. Es ist also nicht nur der Mensch, es ist auch die Zeit, zu der man sich trifft.

Woher kommen Wünsche und Phantasien – sie kommen aus Erfahrung. Zu meiner Jugend war Selbstbefriedigung bei Jungs schon normal – man konnte sehr gut erfahren, was einen anmacht. Man dachte ja irgendwie automatisch an die richtigen Dinge. Bei den Mädls war das eher nicht der Fall. Statistiken gingen ja damals davon aus, dass nur 20% der Mädls Erfahrungen mit sich selbst machen. Wie zum Henker sollten sie dann einem Mann oder Jungen sagen, was sie wünschen. Der Typ hat mal – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – keine Ahnung, was zu tun ist. Ohne Hilfe kommt er auf jeden Fall zu seinem Vergnügen. Für sie wird es schwer, ein gesteigertes Interesse an der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu entwickeln.

Fast Forward heute. Ich weiß heute sehr wohl, was mich anmacht und ich bin auch offen genug das direkt zu kommunizieren. Ok, einen Kink eher nicht, der gehört nur mir – aber alles, was mit Partnerschaft zu tun hat, lebe ich eher offen. Interessant dabei ist, dass das sehr abhängig vom Partner ist. Manche Dinge gehören zu manchen Menschen. Manche Dinge gehören zu mir. Zu mir gehört zum Beispiel ein Dominanzverhalten. Ich mag es Menschen im Alltag zu dominieren und ich mag das auch im…eigentlich überall. Das ist eine der anderen Sachen – ich hab kein Problem mit Öffentlichkeit. Wenn ich dem anderen Menschen an den Arsch greifen möchte, dann mache ich das. Das Gänseblümchen mag das, wenn ich übergriffig werden – und hat ein Problem mit Öffentlichkeit. Das macht es doppelt interessant. Für uns beide.

Frau Pinkshot schreibt auch über Tease&Denial. Das ist etwas, was ich gut verstehen kann. Da habe ich letztens einen Blogpost gelesen, in dem sie beschreibt, wie sie seine Hände an die Wand legt und dann beginnt langsam ihre Aktionen zu setzen und jedes Mal, wenn seine Hände von der Wand weggehen, beginnt sie wieder von vorn. Unglaublich erotisch. Unglaublich anmachend. Das ist einfach eine Machtphantasie. Das ist einfach Herr der Situation zu sein und ich muss sagen, dass ich das in jeder Situation mag.

Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich Dominanz sehr mag. Das Ruder übernehmen. Zu bestimmen, wann sie explodiert – und mit einem Blick ihre Augen zu Boden sinken zu sehen. Ein leichter Druck auf die Schulter, und sie geht auf die Knie. Eine Hand am Hals, das Kinn anhebend, damit sie in meine Augen sieht. Ich mag das sehr. Ich hab aber auch schon geschrieben, dass manche Dinge personenbezogen sind. Mit dem Kokain war die Phantasie immer, dass sie das Ruder übernimmt. Kein anderer Mensch hat das je ausgelöst. Ist aber unerfüllt. Daher erstmal im Kasten „Ablage“.

Fest steht aber auch, dass man darüber reden sollte. Es ist sicher nicht für jeden Menschen ratsam, ihn von 0 auf 100 zu katapultieren. Das kann traumatisch werden. Es geht nicht um das verheimlichen. Es geht darum, die Umsetzung mit einem annehmbaren Tempo zu gestalten. Aber darüber reden ist wichtig – und auch das ist ein Problem. Worüber redet man, wenn der Partner nicht weiß, was geht und was ihm Spaß macht. Da braucht es dann einen erfahrenen und einfühlsamen Partner. Probieren ist in dem Gebiet durchaus ein Minenfeld. Aber das entbindet einen nicht vom reden und testen. Lernzonen sind die Wundertüte im Bett. In dem Zusammenhang eher die Zuckertüte für die Partner, der herangeführt wird – zur Einschulung in die sexuelle Grundschule. Der führende Partner muss sich nur bewusst sein, dass er hier Weichen stellt. Wie der Grundschullehrer, der Spaß an der Schule erhält oder gleich den Spaß am Lernen tötet.

„Sein sexueller Wunsch ist mir Befehl“ titelt die Frau Pinkshot. Das stimmt für die ideale Partnerschaft mit Sub und Dom. Aber was wichtig ist, steht weiter unten im Text – nicht voraussetzen, dass der andere ahnt, was man will und warum man das will. Sein Wunsch ist quasi der Stepstone für eine gemeinsame Phantasie. Dazu gehört auch zu akzeptieren, wenn das nicht passt und in meinem Fall zu akzeptieren, dass ich mehr als einen Menschen brauche, um meine reichhaltige Phantasie zu leben. Das ist nicht, weil ein Partner das nicht „macht“, sondern weil manche Phantasien zu bestimmten Menschen gehören. Wäre sonst wie das Phantasialand mit nur einem Karussell.

 

EDUPNX | Alles, was man können muss…

Ende der 90er Jahre bis Anfang der 0er hat eine Seuche grassiert – und ich meine nicht die Start-Up-Economy und den Aktienboom. Ich meine die Idee, die mit Dietrich Schwanitz aufgekommene Seuche einen Bildungskanon zu verfassen. Selbst ein großer Mann wie Reich-Ranicki hat sich dazu hergegeben im Spiegel ein „Alles, was man lesen muss“ zu publizieren. Das zementiert den archaischen Gedanken, dass Menschen mit dem ledergebundenen Brockhaus in der altdeutschen Eiche-Imitat Schrankwand zum Bildungsbürgertum gehören. Es sind deren Kinder, die heute verstohlen auf die AfD schauen und CDU wählen. Es war eine einfache Zeit: Was im Brockhaus – der Ausgabe von 1972 – stand, war der Fall. Die Welt zwischen 52 Buchdeckeln. Man wusste, wo es steht und mehr Bildung war nur etwas für die Professoren, die jedes Jahr die gleiche Vorlesung zu Adorno halten und sich an ihre revolutionären Tage erinnern – die in der Regel daraus bestanden, bei einem Rudi Dutschke Zitat zu nicken und dann brav in die Vorlesung zu gehen, die sie heute wiederholen.

Kleiner Zeitsprung nach vorn: Die Welt ist VUCA – nein, das ist nicht die Freundin von Chewbacca, dem Wookie. Nein, VUCA steht für

  • Volatility
  • Uncertainty
  • Complexity
  • Ambiguity

und das interessante dabei ist: Die Welt war das schon immer. Wir haben das nur nicht so wahrgenommen, da die Prozesse etwas langsamer verliefen und die Wahrnehmung nicht so weitreichend war. Etwas beängstigend dabei ist: Aktuell tritt die unsichtbare Hand noch weiter auf das Gaspedal. Wir beschleunigen. Aus dem Opel Kadett ist auch mittlerweile ein BMW X6 geworden. Wir können uns jetzt überlegen, wie wir weiterkommen, ohne eine Bauchlandung zu machen.

Gott sei Dank hat nicht nur die Fahrzeugtechnik Fortschritte gemacht. Früher konnten wir eine Karte aus Papier nutzen, um uns zu orientieren. Da gab es Hotels an den Autobahnen nach Süden, in denen man Rasten konnte und sich neu orientieren durfte. Dann genoss man die Landschaft während der Fahrt. Der Hund saß mit auf der Rückbank. Die Autos wurden schneller, stärker, größer und die Hotels weniger. Man fuhr durch bis nach Süditalien. Dank des Navigationssystems musste man auch nicht mehr große Karten auffalten und die Kinder waren Dank mobiler Geräte auch pflegeleichter.

Das klingt jetzt alles mal nicht so sehr nach Bildung und dem Thema des Monats der Bildungspunks. Ich könnte jetzt einfach zum Punkt zurückkommen. Wenn wir Bildung heute noch als starre Vermittlung von historischen Weisheiten ansehen, dann werden wir versuchen mit einem Opel Kadett auf der Infrastruktur von 2020 zu fahren. Bildung ist nicht Wissen zwischen Buchdeckeln. Bildung ist, wie ein nie versiegender Quell an Informationen so schön postet:

Ich möchte euch diesen Account auch sehr ans Herz legen – kaum jemand überfordert mich zeitlich so sehr, wie @seni_bl. In positiver Weise. Ihre Artikel stapeln sich auf meiner to-do-Liste.

Weiter im Text. Wir bilden heute – ob in der Schule, im Studium oder im Arbeitsleben – Menschen für etwas aus, von dem Niemand weiß, was es sein wird. Wir vermitteln im Prinzip nicht mehr als Lebensweisheiten. Ich spreche hier nicht von den ersten 6 Jahren der Grundlagen. Ich spreche hier davon, was wir speziell nicht tun: Wir bilden keine kreativen Köpfe aus. Keine Menschen mit Visionen. Wir vermitteln Lehrpläne und reproduzieren uns selbst. Was wir brauchen, um in einer VUCA-Welt zu leben, sind aber Menschen mit Visionen, Verständnis für Komplexität, Klarheit in der Kommunikation und…Agilität.

Jetzt ist mein Menschenbild kein besonders positives. Kaum ein Mensch in meinem Umfeld schafft es, mich über seine Funktion hinaus zu begeistern. Aber wenn es einer oder ich muss sagen eine – und ja, ich arbeite lieber mit Frauen zusammen – schafft, mich durch wachen Blick, Lernwilligkeit und gutes Potential zu begeistern, dann bin ich auch gewillt, was zu vermitteln. Was ich nicht mache, ist ein Lehrplan. Was ich nicht mache ist zusammenzuschreiben, was sie oder er lesen soll. Was ich mache ist: Ich zeige ein Problem und begleite den Lösungsprozess. Man glaubt gar nicht, was ich dabei alles lerne – und mein Padawan gleich mit. Agilität im Prozess der Entwicklung eines Menschen ist für den Lehrenden heute ungemein wichtig – denn niemand mit Verstand kann annehmen, dass er Inhaber der Lösungen ist, die kommende Probleme fordern. Viel wichtiger sind offenes Denken, sich als Lehrender nicht in den Mittelpunkt der Erkenntnis stellen. Keine Lösungen vorbeten und schon gar nicht ein Lösungsbuch verfassen.

Agiles Lernen bedeutet dabei nicht Doxographie – es bedeutet vorzuleben, dass man jetzt nicht eine Stunde Betriebswirtschaft macht, sondern sich darauf einzulassen, sich mit dem Lernenden auf eine gemeinsame Reise zu machen und Erkenntnisklippen zu entdecken – und sich zu trauen darüber zu springen. Wenn man dann eine Vision hat, Situationen analysieren und verstehen gelernt hat, komplexe Sachverhalte klar kommunizieren kann und sich eine Agilität im Denken zu Eigen gemacht hat, um nicht eindeutige Sachlagen zu meistern, dann ist man in der Lage auch neue Situationen zu meistern. Situationen, auf die der Brockhaus nicht vorbereiten kann. Situationen, für die der Brockhaus nicht mal einen Buchstaben hat. Ich habe drei Arten von Padawan:

  • Komplementäre – Darth Koks in meinem Fall. Jemand, der das kann, was ich nicht kann und wir wachsen gemeinsam.
  • Verstärker – Darth Jes in meinem Fall. Jemand, der kann, was ich kann, der aber darauf fokussiert ist, wo ich es in der Oberfläche beherrsche.
  • Symbionten – Darth Bambi in meinem Fall. Jemand, mit dem ich ein Autorennen fahre, wobei sie ein Luftkissenboot fährt und ich ein BMW. Sie wählt die Strecke. Quer durch Holland…und ich lache, wenn ich sie davonfliegen sehe….

Agilität bedeutet auch alle drei zu entwickeln. Allen drei gerecht zu werden. Anstatt einen Lehrplan – Chancengleichheit und so – gibt es für jeden eine individuelle Lösung und ein gemeinsames Telos: Menschen empowern. Ich liebe es, ein Sith Lord zu sein – und ja, ich breche auch hier mit der Tradition: Nicht nur ein Meister und ein Schüler, sondern ein Ermöglicher und drei Zukunftsträger. Das ist mein Ansatz für mein persönliches Ziel:

I want to put a ding in the universe. Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking.“

Das kann man nicht mit einem fixen Kanon erreichen. Das kann man nicht durch bornierte Reproduktion des eigenen Selbst erreichen. Das, was Menschen in der Zukunft brauchen lässt sich nicht prognostizieren – aber das wir Menschen ermöglichen, in der Welt als Menschen zu bestehen, das traue ich mir zu vorherzusagen. Alles andere können Maschinen besser.

Danke an die #edupnx für das Thema. Es ist immer wieder eine Wonne von euch zu lesen.