Archiv der Kategorie: Handeln

JAM | Parallelität nicht Doppelhelix

Eines muss mal gesagt werden: Dies ist keine Challenge. Es ist ein DOOC – ein Double Open Online Course. Wenn Sie wissen wollen, wer hier der Lehrer und wer der ungezogene Zögling ist – die Frau Pinkshot69 hat angefangen. Weil ich sie aber mag, werde ich mal im Sinne eines interaktiven Lernens darauf eingehen. Ja, man kennt mich als wirklich großmütigen Menschen. Also meine Mutter zumindest. Ich weiß nicht, ob die Erwähnung meiner Mutter Freud einen feuchten Traum bescheren würde im Kontext dieses Textes, aber … weiter im Text.

Vorab mal: Polyamorie. Das ist aus meiner Sicht absolut falsch. Das geht gar nicht. Es ist Multiamorie oder Polyphilia. Der Plebs kann ja machen, was er mag, aber das hier ist ein parlieren zwischen Magistern…Magistraern…naja, pfeifen wir mal auf das Gendern.

Wie Frau Pinkshot69 so schön beginnt – es geht nicht um Moral. Moral ist immer eine Frage des Kulturkreises und der Zeit. O tempora, o mores, wie ein alter Freund der gepflegten Knabenlieben so gern rief. Nein, hier ist nicht der von mir überaus geschätzte Gregor H. Toerlesz gemeint. Hier ist es Cicero der alte Schwerenöter. Aber lesen mag ich beide gern.

So. Weiter im Text – will ja keiner ewig hier lesen. Haben ja alles was anderes zu tun. Lieben zum Beispiel. Da wären wir schon bei einem wirklich sehr wichtigen Punkt, der FrauPinkshot und mich unterscheidet. Frau Pinkshot hat die Idee, dass man Leben dupliziert. Sie hat ein wundervolles Bild von drei Häusern – eine getrennte Fassade – die durch einen Garten, unsichtbar für alle, verbunden sind. Drei mal das gleiche Leben. Ein Mann für drei Familien. Das ist quasi Zellteilung. Aus so einer Situation ist nachvollziehbar, dass auch Fragen auftauchen: Was, wenn jemand anders besser kann, was ich mit ihm habe. Was wenn der andere Mensch besser Kaffee kocht, sinnvoller küsst oder einfach Cumshots mag, auf die meine Gesichtshaut allergisch reagiert. Das – so sehe ich das mal – ist der Anfang vom Ende einer offenen Beziehung. Das wäre ein falsches Leben im Richtigen. Liebe ist aber kein sui generis Begriff. Liebe hat Facetten … und wenn ich etwas gelernt habe, dann das niemand, kein Mensch, kein Lebewesen und kein Ding alle Facetten bedienen kann.

Dazu muss man wissen, dass ich Liebe viel weniger romantisch sehe, als das gemeinhin scheinen mag. Liebe ist ein Prozess, der zum Leben gehört. Ohne Liebe wird es kaum ein gelungenes Leben geben. Liebe ist aber viel weniger Blümchen und Schmetterlinge. Es ist eine Form der Ruhe, der Ausgeglichenheit, des Vertrauens und des Gemeinsamen. Es ist viel mehr Rationalität als man denken mag. Es ist, wie schon gesagt, eine Verbindung von Gedanken, Seelen und Körpern. Wenn ich mit jemanden zusammen bin, dem ich eine Facette – oder mehrere – von Liebe gegenüber empfinde, dann ist das wie ein Zen Moment. Das kann auch Sex sein – muss es aber nicht. Das kann auch einfach nur sein beim Kaffee zu sitzen und zu plaudern ohne sich konzentrieren zu müssen. Ok, Sex ist toll, aber habt ihr schonmal geschafft, den Kopf auszuschalten. Nur durch die Ruhe, die ein anderer Mensch einem gewährt. Ok, der gemeine Sauerstoffverbraucher schaltet den Kopf in der Regel nicht an – bei mir ist das eher so „Augen auf – Denken an.“ Das geht so bis „Augen zu – Denken aus.“ Dabei brenne ich in der Regel auf 120 Prozent – diese Momente, in denen ich einfach abschalten kann, die sind selten und sie sind wichtig. Für diese Momente liebe ich meine Facettenbesitzer. Mein Eingeständnis: Das Gefühl hatte ich auch bei meinem #kokain. Das fehlt mir sehr, denn diese Facette zu besetzen wird aus meiner Sicht ein Ding der Unmöglichkeit. Wie singen Pizzera & Jaus so treffen: Wenn du enttäuscht bist, dann bist du ent-täuscht. Muss nur im Kopf ankommen.

Ich gebe FrauPinkshot recht, wenn sie schreibt, dass es sehr schwer ist, jemandem, der Polyphilia in einer multilateralen Partnerschaft lebt, zu gewinnen. Da geht es aber nicht darum, dass er jemanden fragen muss. Gefragt haben muss er schon weit vorher – beim eingehen der Partnerschaft. Ich halte es für ausgesprochen gefährlich eine Partnerschaft einzugehen und dann im Anlassfall zu fragen. Sowas ist basal und muss vorab geklärt werden. Bevor sich einer verliebt und sich mehr als bilaterale Beziehungen nicht vorstellen mag. Für jemanden, der sich darauf einlassen mag, einen Polyphilio zu gewinnen, muss klar sein, dass er eine Facette der Liebe haben will. Da geht es nicht per se um Sex. Da geht es um etwa, das man teilt. Darauf kommt es an – der Polyphilio hat eine Facette, die in seinem derzeitigen Kontext unbesetzt ist. Die ist füllbar. Nichts, was einem anderen weggenommen wird. Aber wie bei jeder anderen Form der Liebe auch – es ist ein Prozess des Verliebens. Da küssen sich Seelen – egal auf welcher Ebene. Daher ist es auch kein Fremdgehen – fremdgehen ist das dümmste, was man machen kann. Es ist ein offenes Teilen und das Eingeständnis: Ich kann nicht bester Vater, bester Ehemann, bester Freund, bester Mitbewohner, bester Lover und was nicht alles gleichzeitig sein. Wem das gelingt – Hut ab. Wie gesagt – ich glaube, das kann niemand. Für niemanden. Wenn ich also mit dem besagten Toerlesz H. Gregor eine politisch-intellektuelle Beziehung habe, die für mich schon eine Form der Liebe ist, denn die Art des Umgangs, die wir pflegen, ist für mich immer Herzklopfen pur, ein Lustgewinn an Episteme – ein inneres Fichtennadelschaumbad.

Um beim Bild von FrauPinkshot zu bleiben: Bei mir wären die Häuser eher ein Schloss, eine Bibliothek und ein Reihenhaus. Die Familien wären einmal mit Kind und einem mit Büchern. Einmal mit Bett und einmal mit Kissen-Couch-Landschaft. Das wäre keine verwobene Helix, das wären parallele Linien, die alle zu einer werden, wenn man rauszoomt – und wie eine Packung Spagetti nicht zu zerbrechen ist, wenn sie im Paket gehalten werden, aber jeder für sich, einzeln sehr fragil ist.

Wer profitiert ist hier auch eine sehr ungewöhnliche Frage. Alle. Alle, die wissen, um was es dabei geht. Ein zufriedenes Leben zu führen. Ich will meine Beziehung nicht aufgeben. Ich liebe einen Menschen als besten Freund und als beste Ehefrau. Das ist mein Hafen. Aber ein Hafen allein ist mir zu wenig. Ich brauche einen politsch-intellektuellen Segeltörn, ich brauche eine akademische Frachtroute und ich brauche auch hin und wieder eine Regatta. Allein um mir zu zeigen, dass ich noch im Wettbewerb mithalten kann. Ja, auch fürs Ego. Aber ich würde nie etwas verschweigen und ich würde niemals etwas tun, dass ich nicht klar kommunizieren kann.

Mein Fazit für diesen kleinen DOOC: Polyphilia ist ein Weg, der Komplexität einer Person gerecht zu werden und langfristig alle Aspekte – inklusive der Entwicklung einer Persönlichkeit – gerecht zu werden. Bedürfnisse wandeln sich ja und damit auch die Bedürfnissbefriediger. Es ist in der Tat schwer – eigentlich unmöglich – mehr als eine Beziehung ganzheitlich zu führen. Bei Polyphilia geht es aber darum, ein Leben in all seinen Facetten ganzheitlich zu führen. Ich habe meine kleine Blume, mein Gänseblümchen, mein Kokain – ja, auch das gehört zu meinem Leben – und ich habe Gregor und ich habe mich. Auch das gehört dazu: Sich selbst zu lieben.

So, der Trommelwirbel verhallt. Die Schwaden senken sich über dem Feld. Die FrauPinkshot69 hat es so gewollt. Auch sie ist eine Facette.

JAM | Arbeitsklima – 28 Days later

Ab und an passiert es ja anderen Menschen, dass sie Sätze sagen, die eigentlich von mir sein könnten. Zum Beispiel äußerte sich ein gewisser Oscar Wilde ja darüber, er habe einen einfach Geschmack – immer nur das Beste. Sie sehen, was ich meine. Ein Satz, bei dem alle erstmal denken, er sei von mir. Ich bin da recht großzügig mit dem CC – es darf sich gern in diesen Bronzesätzen gesonnt werden.

Jetzt ist mir wieder ein Satz untergekommen. Eigentlich ein Kleinod. Tom Stoppard hat sich eines Satzes bedient, der mich zu einem Thema inspiriert hat, dass im letzten Post zum Thema Arbeitsklima angefangen hat:

“We cross our bridges when we come to them and burn them behind us, with nothing to show for our progress except a memory of the smell of smoke, and a presumption that once our eyes watered.”

Tom Stoppard, Rosencrantz and Guildenstern are Dead

Der Sprung wird jetzt etwas größer – also Obacht. Ich bin ja der Meinung, dass Freundschaften, Freundschaften Plus und Freundschaften Plus Plus am Arbeitsplatz durchaus förderlich für das Betriebsklima sind. Wenn sich alle einig sind. Wenn klar ist, was man erwarten kann und sollte und wenn man insgesamt eine positive Bilanz aus all dem zieht.

Ein kleiner Exkurs – Freundschaft ist gemeinsam den Karren aus dem Dreck zu ziehen, egal, wer ihn reingefahren hat. Freundschaft Plus ist auch privat füreinander da zu sein. Plus Plus ist all das mit Sex. Ein reines Plus Plus funktioniert aus meiner Sicht eher nicht. Nur, damit wir wissen, von was wir sprechen.

Am Anfang von so einer Geschichte – egal wie viele Plus nun da stehen – macht man sich ja nicht so viele Gedanken über das „Und dann?“ – also normale Menschen. Ich schon. Ich weiß nicht, wer glücklicher lebt – normale Menschen oder ich. Disclaimer: Normal meint hier Quantität, nicht Qualität. Zurück zum Thema: Was, wenn die Geschichte auf der Seite angekommen ist, wo es um das Leben danach geht. Wenn sich zum Beispiel herausstellt, dass einer der Partner – sollten ja mindestens zwei sein – mehr will. Oder nicht mehr will. Oder plötzlich nicht mehr mag mit Erdnussbutter eingecremt zu werden und Grundgeräusche zu machen, wenn man im Büromittellager zu Gange ist. Soll es alles schon gegeben haben. Das sind die Brücken, zu denen wir kommen und über die man sich am Anfang im Rausch der Hormone keine Gedanken gemacht hat. Was, wenn wir plötzlich an dieser Brücke stehen, kurz zurückblicken und dann mit aufrechtem Blick über die Brücke shufflen. Dann wird es oft hässlich. Dann fallen einem die vielen kleinen Dinge auf, die es vorher so interessant gemacht haben und jetzt zu einem Nervfaktor par excellence werden. Dann fragt man sich, warum man sich darauf eingelassen hat – wo er doch so dumm, sie doch so eingebildet und das Ganze eigentlich eine dumme Idee war.

Ich denke mir, wenn man befreundet ist und dann addiert, dann sollte das anders laufen. Dann ist das eben, dass einer die Liga wechselt oder den Sport und man bleibt eben trotzdem befreundet. Wenn man Sex unter Kollegen als Ergänzung zur Freundschaft sieht, dann sollte sowas doch nicht passieren. Normale Menschen funktionieren aber in der Regel nicht so – sagt einem ja auch keiner in der Bedienungsanleitung. Liegt auch daran, dass nur wenige Menschen ein Verständnis von Rollen haben – jeder Mensch hat mehr als eine. Wenn ich im Rahmen einer Freundschaft mehr mache, als meine Rolle als Kollege verlangt und das dann entfällt, weil die Rolle Freundschaft nicht mehr da ist, dann wird das in der Regel als Strafe aufgefasst. Ist es aber nicht – aber das ist dann in der Regel nicht mehr zu kommunizieren. Also wertfrei.

Schlimm wird es auch für die anderen Kollegen – oder den Freundeskreis. Man müsste sich entscheiden. Man müsste Position beziehen. Man sollte sich eigentlich da raus halten. Sowas belastet dann das Betriebsklima eher. Ich denke mir dann immer: Leute, es war Freundschaft und Sex. Alle hatten Spaß. Alles war gut. Jetzt eben nur noch Kollegen. Wo ist das Problem. Das Problem sind Erwartungshaltungen. Verletzter Stolz. Eitelkeit. Menschlichkeit. Das bekommt man nur schwer raus. Glück hat man, wenn beide an ihrem Job hängen und das professionell angehen. Schlecht ist es, wenn der Grabenkampf anfängt. Das lässt nur verbrannte Erde und zerstörte Werte zurück. Im Extremfall muss der Arbeitgeber entscheiden: Er, Sie oder Beide.

Ich denke mir immer: Seid ehrlich. Sagt was ihr wollt. Genießt was ihr habt und wenn es nicht mehr ist, dann ist es eben wie mit jedem anderen in der Firma. Haken dran. Den Duft der brennenden Brücke wird man ein Leben lang haben. Die Momente – so man welche hatte – bleiben. Erinnert euch an die schönen Momente und vergrabt euch nicht im letzten Augenblick. Sex ist wie Tennis: Keiner weiß, wie viele Sätze die Partie haben wird, irgendwann gibt es das große Finale und jedes Jahr gibt es das Turnier wieder. Mit anderen Teilnehmern. That´s life.

JAM | Innenausbau

Wenn man jung ist, dann überlegt man sich ja sehr genau und in der Regel recht nachhaltig, welche Verhaltensprinzipien man seinem Tun zugrunde legt. Jung ist jetzt hier mal 22-33 gemeint. Ist bei mir eine Weile her. Man war so – und braucht den zwischenmenschlichen Potentialausgleich.

Es sah auch alles so einfach aus. Man brauchte sich ja auch über Konsequenzen eher keine Gedanken machen. Wenn etwas nicht geklappt hat, dann machte man eben was anderes. Wenn Körperinhaber A nicht mit der eigenen Grundhaltung klar kam, dann gab es noch zwischen 3 und 25 andere Buchstaben.

Damals – die letzten Flugsaurier kreisten noch hoch oben in der jungen Luft – dachte ich mir, dass Beziehungen was für Luschen sind, dass Freunde eher eine Belastung sind und dass Emotionen viel besser durch Rationalität zu ersetzen sind. Das sind gute Leitgedanken, um diese harschen Jahre des Daseins zu überbrücken. Der Plan war: Durchs Leben kommen und nur keine Emotionen zulassen. Emotionen waren Teufels Beitrag zu einem überlegenen Hirn.

Nun reift man ja im Alter und wird auf die eine oder andere Weise kindischer. Ein Erfahrungswert dabei ist: Freunde sind gut, wenn man sie sorgsam auswählt. Ein zweiter Erfahrungswert: Beziehungen sind wertvoll, wenn man sie sorgsam auswählt. Ein dritter Erfahrungswert: Emotionen sind gut. Punkt.

Nicht nur, dass man sich in der Jugend oft Dinge versagt hat, für die man sich heute die kaum noch existenten Haare ausraufen könnte – ein Hallo an das Gänseblümchen. Nein, man hat auch versäumt Netzwerke zu bilden. Das wirklich tragische ist aber: Man hat viele schöne Momente verpasst, weil man sie zwar analysiert, nicht aber erfahren hat. Kann man auch nicht nachholen. Die sind weg. Was man aber machen kann ist, dass man einfach neue Momente so intensiv wie möglich erlebt. Das ist aktuell der Plan. Das lässt den Trennstrich von Arbeit und Privat verschwimmen, das lässt das Potential für Scheitern und Schmerz zu – aber wissen Sie was: Das nennt man Leben und am Ende lacht man dem Teufel ins Gesicht und sagt: Trotzdem schön – selber doof.

 

Denkamt | Sorcerer vs. Wizard vs. Mage

Arthur C. Clarke konstatiert in einem seiner Gesetze, dass jede ausreichend fortschrittliche Technologie für die nicht Eingeweihten von Magie nicht zu unterscheiden ist. Betrachtet man die Technologie „Management“, unabhängig ob im wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Kontext, dann glaubt jeder, er versteht es, kann es besser und es erscheint alle so simpel. Jeder kleine Leutnant kann das Korps besser führen, wenn man ihn nur lassen würde.

Jetzt könnte man annehmen, dass Management keine Technologie ist – ich denke, dass Management eine Technologie ist. Man kann sie lernen – im Gegensatz zum Unternehmertum. Management ist eine angelernte Fähigkeit zur Leitung und Optimierung. Da ich mal davon ausgehe, dass ich Recht habe, springen wir über diesen Punkt hinweg.

Man könnte nun auch annehmen, dass Management in etwas so etwas ist, wie Feuer machen. Eine Technologie, die die Menschheit seit Jahrtausenden beherrscht und daher nicht besonders fortschrittlich ist. Jetzt fragen sie mal den durchschnittlichen Sauerstoffverbraucher in der Krakatoaecke ihres Unternehmens, ein Feuer in Gang zu bringen, ohne sein Zippo zu nutzen. Vor diese Herausforderung gestellt, kann man sich bald auf die Schulter klopfen, den Gesundheitszustand des Unternehmens optimiert zu haben. Wir reden hier nicht mal von Baum fälle, Schiff bauen, Nähen oder einfache Werkzeuge herstellen. In der Tat ist Management eine sehr alte Technologie und im Grunde genommen folgt sie auch gleichen Regeln und Einschränkungen, wie seit der Zeit, als man sich überlegt hat, dass es besser ist, drei Leute zusammen zu bringen, um das dicke Mammut zu jagen.

Ich glaube, dass jeder Management erlernen kann. Aber wirkliche Manager – Menschen, die diesen Job beherrschen und sich nicht durch den Job beherrschen lassen – praktizieren Magie. Aus meiner Sicht ist die Quelle ihrer Magie nur unterschiedlich. Das bringt mich – sie können Aufatmen – zum Punkt meines Textes: Die unterschiedliche Herangehensweise von Magier, Sorcerern und Wizards.

Der Magier ist ein beeindruckender Wissender. Er hat sich seine Kenntnisse durch Bücher, Studium und konstante Entwicklung seiner Fähigkeiten erarbeitet. Er basiert seine Fähigkeit auf rigorose Anwendung von Buchwissen und kennt eine große Bandbreite an Modellen, Konzepten und Tools, um den Anforderungen des Alltags an seinen Job zu meistern. Er ist nicht besonders resiliient, wenn eine Situation auftaucht, die sich nicht auf Basis von historischen Daten oder akademischer Analyse einordnen lässt. In diesen Fällen könnte er sich von der Situation beherrschen lassen, als sie zu beherrschen. Solange aber alles in geordneten Bahnen läuft, wird er das Optimum für das Unternehmen erreichen – wohlgemerkt, das Optimum gemäß der Bücher. Nichts extraordinäres, keine außergewöhnlichen Risiken mit entsprechender Chance wahrnehmen. Der Magier ist das Metronom des Managements und in Branchen oder Konzernen, die Stabilität, Struktur und Quasi-Monopol bieten können, wird er brillieren.

Der Sorcerer ist ein Manager, der von seiner Abstammung profitiert. Er hat Charisma und Fähigkeiten, weil er sie mit der Muttermilch aufgesogen hat. Seine Art ein Unternehmen zu führen ist im besten Fall eine vertrauensvolle und fürsorgliche, die darauf basiert, dass seine Familie immer wusste, was gut für alle war. Im schlimmsten Fall ist es eher ein spoiled brat, der seinen Willen durchsetzt. Nicht unbedingt zum Nachteil des Unternehmens, aber eben ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Gordon Gecko Typ eben. Er erzielt Ergebnisse – solange er sich nicht in formale Strukturen einordnen muss. Solange er Freiheiten hat, die ihm gewährt werden und er sein Handeln nicht begründen muss, kann er performen. Das Problem des Sorcerers ist, dass er in der Regel nicht strukturiert arbeiten kann – und schon gar nicht im Team. Er abhängig von seinem Talent und davon, dass es ihm durch alle Höhen und Tiefen führt. Failure is no option – it is his downfall. Er ist nichts anders und er kann in der Regel nichts anderes – schon gar nicht lernen.

Dann wäre da noch der Wizard. Der Wizard  ist quasi ein natural born manager. Das ist jemand, der sich nicht auf seinen Stallgeruch verlassen kann. Er hat Talent – und die wirklich guten haben auch noch Ausdauer und Geduld. Matthias Sutter schreibt in der Brand Eins, dass Geduld schlägt Talent immer. Für einen Wizard kann Geduld eine Herausforderung sein – denn er hat kein erzogenes Verständnis für die Unzulänglichkeiten von anderen. Er kann dann harsch und patriarchalisch – oder matriarchalisch – wirken. Ein Wizard mit einer passenden Erziehung und dem  richtigen Training kann alle anderen schlagen. Er beherrscht dann Linie und Projekt – Prozess und ad hoc Entscheidungen in einer VUCA-Welt. Wizards sind rar – und doch sind sie der Schlüssel zu einer ständig akzelerierenden Welt.

Wir werden auch gewöhnliche Sterbliche in der Riege der Wirtschaftskapitäne finden – die hier genannten sind aber Lotsen. Hochspezialisiert und trotzdem eher Glaskanonen, denn sie sind angreifbar. Nicht jeder versteht ihr wirken und nicht jeder hat die Cojones, sie ihr Ding machen zu lassen.  Zu viele von ihnen in einer Organisation sind auch nicht perfekt. Perfekt sind sie als Philosophenkönige – Entscheider, die das Schiff dann steuern, wenn die Kapitäne etwas braucht, was man nicht lernen kann. Was man Erfahren muss.

JAM | Weiß doch ´eh jeder

Ich treffe in meinem täglichen Leben immer wieder auf Menschen, die mit Begriffen um sich werfen, von denen sie nicht wissen, was sie bedeuten. Da spreche ich nicht einmal von den Fremdwörterkatapulten, die einfach falsche Wörter nutzen, sondern von Menschen, die Wörter verwenden, ohne sich Gedanken zu machen. Platons Dialog des Sokrates mit Laches über die Tapferkeit. Solange man nur darüber redet, dass jemand tapfer sei, passt auch alles. Scheinbar. Doch wenn man dann fragt, was damit gemeint sein soll, dann stellen die Menschen recht häufig fest, dass sie nicht wissen, von was sie sprechen – oder sie halten den Fragenden für dumm, denn wie kann man nur so eine Frage stellen. Ganz grundsätzlich stellt das auch kein Problem dar, denn in der Regel reden zwei Blinde über die Farbe Rot und beide meinen die Farbe sei schön. Der Zweck des Gesprächs ist damit erfüllt und man geht in der Tagesordnung weiter. Beide wissen ja, wovon sie sprechen. Einer von Signalrot und einer von Cayennerot. Macht aber nix – sind ja ohnehin Blinde. Genau so geht es auch beim Thema Wissen. In einem täglichen Gespräch muss ich mein Wissen nicht bis zu fundamentalen Bausteinen zurück verfolgen – da genügt es, wenn beide die Prämisse akzeptieren, dass der Gesprächsgegenstand wahr und begründet ist. Die Tiefe der Begründung wird erst relevant, wenn es eine Unstimmigkeit gibt und dann muss man Tiefenbohrungen anstellen – wobei bei den meisten reicht ein wenig Scharren mit dem Fuß in der Lithosphäre ihrer geistigen Geröllwüste. Bei Begriffen wie Tapferkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit oder ob Bibi nun Gottes Geschenk an die Menschheit oder ein  Blib im Buch der Menschheit ist, wird man sich doch eher schnell einigen. Schwerer wird es dann schon bei den Dingen, die eigentlich nur jeder für sich entscheiden kann. Bei diesen Begriffen, die aber durchaus moralische und sittliche Implikationen haben, muss ich für mich entscheiden, ob ich einer Norm folge oder mein Glück suche. Trotzdem redet jeder darüber, als gebe es da nur einen Inhalt – bei einem Begriff wie Liebe.

Liebe gibt es in so vielen Schattierungen und in so vielen Wesensarten, dass es eigentlich abstrus anmuten muss, einen Begriff dafür zu haben. Ja, man könnte mit den Wittgensteinschen Familienähnlichkeiten beginnen, aber auch das erscheint meiner Meinung nach kaum zielführend. So ad hoc meine ich mal: Es gibt keine Liebe. Es gibt das, was jeder Mensch zu jedem Subjekt und Objekt in seinem perzeptiven und kognitiven Umfeld fühlt. Das wir den Begriff der Liebe brauchen hat rein kommunikationsbezogene Gründe. Ich habe zum Beispiel früher wenig davon gehalten, Menschen „Ich liebe Dich.“ zu sagen – man weiß ja nie. Am Ende war es nur Triebsteuerung. Ich möchte hier einen Menschen zitieren, der viel damit zu tun hat, dass ich heute schon bedeutend menschlicher bin, als zum Zeitpunkt, an dem er mich fand. Auf die Frage „Wenn der andere ´eh weiß, dass man ihn liebt, muss man ihm das auch noch sagen?“ antwortete er:

„Natürlich. Laut und immer wieder!“

Man beachte, dass ich entgegen meiner Ansicht, dass Ausrufezeichen etwas für Leute ohne ausdrucksstarke Formulierungsfähigkeit sind, doch eines gesetzt habe. Der Nachdruck, der aus seiner Augen drang macht das Satzzeichen so notwendig. Ich brauche also ein Wort, um zu transportieren, was eigentlich nicht zu transportieren war. Liebe. Dabei ist es auch nicht wirklich relevant, ob alles, was in mir ist, damit beim anderen ankommt: Wichtig ist, dass der andere versteht, dass das, was in mir ist – implizit – und für dass ich Äonen brauchte, um es zu erzählen, mehr ist als nur „Cool mit Dir abzuhängen.“ Alle Versuche, das in Worte zu packen, ist wie im Unterricht einen Frosch zu sezieren: Keiner möchte da sein, am wenigsten der Frosch. Am Ende habt man eine Sauerei, ist keinen Deut klüger und der Frosch ist tot.

Ich liebe verhältnismäßig wenige Menschen. Besagten Zitatgeber auf einer tiefen menschlichen Ebene. Meine Frau so ziemlich ganzheitlich. Mein Sonnenschein auf intellektueller Ebene. Meine Mutter aus Bewunderung. Mein Kokain – und das war ein langer Prozess des Eingestehens – auf einer Begehrensebene. Alles Liebe. Alles auf einer anderen Basis und ohne jemand etwas weg nehmen zu müssen. Weder liebe ich mein Auto, noch Geld noch eine Bücher. Polyamorie – eigentlich Polyphilia oder Multriamorie wenn man genau sein möchte – ist etwas, dass ich mir schon lange zuschreibe. Nicht, weil ich Fremdgehen gut sprechen möchte, ganz im Gegenteil. Fremdgehen ist bescheuert. Menschen gehen nicht, weil man andere Menschen auch liebt, sondern weil man nicht offen und ehrlich miteinander umgeht. Liebe hat viele Facetten und irgendwie auch kaum eine Konstante. Aber eine muss es geben – sonst wäre der Begriff in der Tat inhaltsleer…

 

…eventuell sollte man sich aber, wie beim Begriff des Wissens, nicht zu sehr darauf versteifen eine Begründung zu finden, sondern einfach in sich hinein hören. In der Regel hört man dann, ob es Liebe ist. Dann weiß man es auch. Liebe ist immer der, das oder die Andere – und Liebe geht nur im Netzwerk.

Amtsblatt | Change Work

Ich darf mich mit einem Projekt beschäftigen, dass sich mit der Erstellung eines Leitfadens zum Thema Building Information Management zum Facility Information Management befasst. Beschäftigen sage ich deshalb, weil die Projektgruppe ein KickOff Meeting hatte und der Projektauftraggeber ein leicht flaues Gefühl hat. Zu Recht, wie ich nach den Besprechungsnotizen sagen darf.

Wenn man als Branchenverband ein solches Projekt angeht, dann sollte man einen Leitfaden erstellen, der es der Branche ermöglicht, den Mehrwert und Nutzen an das Management zu kommunizieren. So ein Leitfaden ist ja quasi das Drehbuch für einen guten Pitch – kurz und knapp, alles Wesentliche und als Ziel: Was muss passieren, damit der Kunde welchen Vorteil hat?

Genau das ist nicht passiert. Da werden sich Gedanken über das operative Doing gemacht. Da geht es darum „Was kostet es?“ und „Welche Bedenken haben wir?“ und „Was kann alles schief gehen?“. Also im Prinzip ein Sammelsurium von Bedenken. Als Nicht-Ziel wurde schomal „Was ist der Mehrwert?“ definiert. Ich sage es mal so: So nicht. Also werde ich jetzt daran gehen, ein Konzept zu basteln, dass als Grundlage zur Erstellung eines Leitfadens dient. Das wird dann wohl mehr oder weniger der Projektauftrag. Eventuell bringe ich mich noch in das Projektcontrolling ein.

Der Ansatz ist: Wenn wir das nicht machen als Branche, dann macht es ein Neueintritt – denn der Bedarf ist da. Wir müssen nur daran gehen, dem Kunden klar zu machen, warum es das nicht zum Nulltarif gibt und was sein Mehrwert ist. Das wird bei den Kunden schon schwer genug, weil er gewohnt ist, im Rahmen von Vergaben „Das machen wir einfach mit.“ zu hören…und dann nie wieder etwas davon zu sehen. Insbesondere Reportings und Strategien – da hat er in der Regel keine Leute im Unternehmen, die sich damit befassen. Also klingt das alles toll bei der Vergabe und findet am Ende nicht statt. Also sollte ein Mehrwert sein: Dashboard mit Kennzahlen auf Basis der Gebäudedaten. Zack – keine Monats-, Quartals- oder gar Wochenreports, sondern ein Blick, was meine Investition gerade macht. Spart seine Zeit und unsere. Schauen wir mal, ob man mir da folgt.

Watercooler | Verschieben

Manchmal muss man ja Vorgänge priorisieren. Das ist ein schönes Wort für verschieben. Priorisieren – das klingt einfach danach, als hätte man es im Griff. Als wäre es eine rationale Entscheidung. Man ist Herr seiner Selbst, Schmied seines Glückes, captain of the boat. Der moderne Mensch – homo faber der Autopoiese. Ähnlich wie beim Scheitern mag sich kaum jemand eingestehen, dass wir oft nur Passagiere sind und das wir auch einfach mal keine Lust haben.

Ich verschiebe Dinge in schöner Regelmäßigkeit. Manchmal weil es sich einfach nicht ausgeht – aber manchmal…ok, oft auch einfach, weil es eine Arbeit ist, die ich gerade nicht erledigen mag. Ich belohne mich quasi. Ich belohne mich vorab mit einem guten Gefühl, meine Zeit etwas Schönen zu widmen. Jetzt könnte man annehmen, dass ich dafür hinterher bezahle, wenn ich die Arbeit dann doch und unter Zeitdruck und nur halbherzig mache. Das ist aber in der Regel nicht der Fall. Interessanterweise ist, wenn ich mir das offen zugestehe, dass ich einfach keine Lust habe und die Zeit genieße, eher so, dass ich meine schöne Zeit verdopple. Ich arbeite unter Zeitdruck einfach etwas konzentrierter. Also habe ich den Genuss der Fertigstellung und die Erinnerung, wie schön es war, die Arbeit nicht zu machen. Das insbesondere da ich, ich bin ja doch schon recht alt, gelernt habe, dass selbst wenn ich die Arbeit sofort erledige, ich am Ende nicht mehr Zeit habe – denn neue „wichtige Dinge“ sind immer da.

Insofern habe ich meine eigene Eisenhower Matrix und sie schließt „verschieben“ und „genießen“ mit ein. Ich lebe etwas entspannter. Ich bekomme meine Arbeit fertig. Nicht zuletzt lebe ich.

JAM | Change Work

In der Regel sind Sachverhalte nicht überraschend. Sachverhalte folgen – jedenfalls in meinem perzeptiven Universum – Kausalitäten und Zufälle sind Kausalitäten, die wir noch nicht ergründet haben. Es ist durchaus möglich, dass Entwicklungen nicht so passieren, wie man sich das erhofft hat. In einer perfekten Welt könnte man alle Informationen in eine Bewertung einbinden und es würde sich eine Prognose entwickeln, die eigentlich keine Prognose, sondern eine Darstellung der Entwicklung, die sich notwendig so darstellen wird. In der Realität müssen Prognosen mit optionalen Entwicklungssträngen mit Wahrscheinlichkeiten entwickelt werden. Der Stochastik folgend können also auch Optionen realisiert werden, die einen eher geringen Wahrscheinlichkeitsweg haben.

Es gibt ab und an einen Sachverhalt, den analysiere ich nicht und den bewerte ich nicht. Den lebe ich einfach. Den erlebe ich. Dazu müssen die Menschen passen und diese Gelegenheiten sind selten. Dieser Fall tritt immer dann ein, wenn ich einen Freund brauche. Ich habe eigentlich nur vier Freunde – einer hat sich, weil ihn seine Frau betrogen hat gegen einen Baum gefahren und ist tot, einer ist seit langem aus meinem Leben raus und einer ist weit weg. Der vierte und wichtigste Freund ist meine Frau. Jetzt brauche ich einen Freund. Das ist für mich ein großes Ding. Das war ein Projekt, dass ich seit fast fünf Jahren verfolge. Mit Rückschlägen und mit so vielen emotionalen Kosten, dass ich rational schon lange aufgeben müsste. Ich kann aber nicht.

Es ist also an der Zeit, einen Schritt zurück zu nehmen und zu sehen, was sich ändern muss, damit ich wieder atmen kann. Derzeit kann ich das nicht. Derzeit kostet mich das Nachdenken und das Überspielen von emotionalem Sturm so viel Energie, dass ich kaum dazu komme, die Dinge zu tun, die ich normalerweise gut mache – Denken, Lernen und Steuern.

Aktuell muss ich also sortieren, was ich machen sollte, was ich machen kann und was ich machen will. Ich kann das Projekt nicht einfach abschließen. Ich kann in dem Projekt nicht mehr gewinnen. Ich kann das Projekt nicht auf die rationale Ebene ziehen. Ich habe nicht mal jemanden, um Ideen zu pitchen. Im Grunde genommen kann ich nur mit mir selbst ins Reine kommen. Das wird eine neue Erfahrung – und das ist ja auch, was Leben bedeutet. Selbst mit 50.

Im Prinzip werde ich also Dinge aus meinem Leben aussortieren müssen, die ich aktuell nicht brauche und mich auf Dinge konzentrieren, die ich nicht aussortieren kann. Das wird Change Work – und dazu gehört auch ein Tal der Tränen.

Amtsblatt | Invasive Transformation

Die Bildungspunks rufen und das hört man, auch wenn man kein Lehrer ist. Wobei ich ja den Begriff Pädagoge mehr schätze und das sollte man im wahrsten Sinne des Wortes auch als Führungskraft sein. Jemand, der den Nachwuchs leitet, führt, zieht, schiebt und … hin und wieder nudged. Nudging – mein Lieblingswerkzeug bei der Entwicklung meiner Adelskinder. Aber ich schweife ab.

Die Bildungspunks interessieren sich diesen Monat für das Thema Change Management im Bereich der Digitalisierung…und wie bekomme ich die das Urgestein einer Firma, die Gordon Gekkos auf der Brücke und die vielen Räder im Getriebe der modernen Zeiten ins Boot.

Aktuell reden die Flaggoffiziere über die Notwendigkeit der Digitalisierung, die Offiziere sind zu sehr damit beschäftigt den Dampfer am Laufen zu halten, die Bootsmänner haben „das noch nie gebraucht in ihren 20 Jahren der Seefahrt“ und die Matrosen sind hier für die Heuer und den Besuch im nächsten Hafen. Ich betrachte mich ja in diesem Bild als den Adjutant des Admirals. Gesegnet mit recht vielen Freiheiten und dem Wissen, dass ich diese Freiheit nutzen kann, weil ohnehin kaum jemand versteht, was ich mache und auch in der Regel nicht fragt, weil ich ja der Adjutant bin.

Also zurück zum Shift: Jeder Mitarbeiter weiß, dass wir ein Computer Aided Facility Management System benötigen, wenn wir weiter kommen wollen. Jeder Mitarbeiter – nein, eigentlich weiß es keiner. Keiner weiß, warum wir das brauchen und es macht eigentlich auch nur mehr Arbeit und „ich will doch nur Techniker sein und nicht meine Zeit vor dem Tablet verbringen…“. Mein Ansatz ist: Suche Dir sehr wenige Multiplikatoren und beginne beim Change ganz unten.

Die Multiplikatoren in meinem Fall war eine Mitarbeiterin aus dem Vertragsmanagement, die Erfahrung in der Umsetzung von IT-Projekten im administrativen Bereich hat  Keine IT-Frau, sondern eher eine durchsetzungsstarke Persönlichkeit mit der Fähigkeit die Sprache des Management und die Sprache der Techniker zu sprechen. Das war mein Brecheisen. Das oberste Management an Bord zu bekommen war kein Problem – man verspreche Ihnen einfach Kennzahlen. Management loves Kennzahlen. Die Basis waren dann Techniker und die unterste Führungsebene – Leute am Beginn ihrer Karriere. Leute, die zwar auch im Tagesgeschäft ertrinken, aber die auch einen Zug sehen und rechtzeitig einsteigen, denn es hebt sie von den Dinosauriern ab.  Tricky ist, dass das ein long-shot ist. Das kostet auch einen breiten Rücken, denn die Basis muss lange und ausdauernd geschützt werden. Gerade gegenüber dem mittleren Management. Dazu gehört auch ein ständiges promoten von quick wins als deren Verdienst  gegenüber dem obersten Management. Das ist der Nukleus, um den sich der Change entwickelt. Spätestens wenn das Management sieht, wie die Basis – diese kleine Gruppe – Mehrwert produziert. Wie sich deren Verantwortungsbereiche steuern lassen und sich als komplexe Systeme mit Hilfe digitaler Transformation zu einem power house verwandelt, dann hat man es geschafft. Dann kann man diese „Invasiven Mitarbeiter“ in anderen Bereichen als Sandkorn setzen, auf das es Perlen werden. Das ganze gesteuert durch den Multiplikator. Das ist „Team Future“ in meiner Firma und ich freue mich darauf, das Ergebnis bis zu meinem Ruhestand zu sehen.

Marina Weisband hat etwas interessantes über Kinder getwittert:

In der Tat sind sie hier und sollen sie uns ersetzen. Das ist die Chance. Wenn wir die Kinder erreichen und ihnen den Freiraum geben, dann kommt der Change unausweichlich. Das mag länger dauern, ist aber nachhaltiger. Man kann auch brachial top down den Wandel erzwingen – aber dann machen Menschen nur was sie sollen und nicht, was sinnvoll ist. Aber gewachsenen Wandel – das ist Zukunft bauen.

Das habe ich auch mit meinen Adelskindern gemacht. Nebenbei: der Begriff Adelskinder resultiert, weil die Geschäftsführung zwei Königskinder hat und die Abteilungsleiter ihre Fürstenkinder – meine sind eben Adelskinder. Allerdings Industrieadel – die beiden arbeiten für ihre Erfolge. Bei meinen Ansprüchen mehr und intensiver als der durchschnittliche Mitarbeiter. Ich helfe ihnen, wo ich kann und sorge nur dafür, dass ihre Leistung „gesehen“ wird. Nepotismus – ja, aber sie zahlen auch mit höheren Ansprüchen, die sie erreichen müssen. Investitionen in Kinder haben das beste ROI – und Wandel ist in ihrer Natur. Alles was es braucht, ist ein wenig nudging.

Leistungsfähigkeit – absolut oder relational

Ich habe ja einen Impulsgeber. So nenne ich jemanden, der einen interessanten Gedanken hat, von dem ich mir einen kleinen Baustein herausnehme, der mich beschäftigt. Nicht, dass Sie jetzt denken, dass ich diesen Baustein auswähle. Nein, der Baustein ist wie ein Mückenstich, der nur halb so schlimm wäre, wenn man nicht dauernd daran herum kratzen würde. Aber manche Dinge kann man sich nicht ausdenken und immer noch besser, als sich mit der Obsession beschäftigten.

In diesem Fall ist es der empfehlenswerte Text von Armin Hanisch zum Thema Beruf, Erfahrung, Leistung, Mentoring. Danke schon mal vorab dafür.

Aus dem Beitrag würde ich ja ein Bild stehlen, aber da ich mich mit Urheberrecht und Lizenzen und all dem Kram nicht auskenne…ach, ich mach das einfach mal. Management und so…

Original von Armin Hanisch https://www.arminhanisch.de/images/2018/05/procurve.jpg

Es geht um die Entwicklung von von Erfahrung und Leistung. Die x-Achse ist die Zeit im Beruf. Was mich nun damit beschäftigt ist: Welche Art von Leistungsfähigkeit. In dem entsprechenden Gebiet, ok. Aber ist das absolute Leistungsfähigkeit – also bedeutet die x-Achse auch einfach Lebensalter und die Leistungsfähigkeit würde sich auch so erschöpfen. Alternativ wäre auch eine Lesart denkbar, nach der Leistungsfähigkeit in Relation zu gemachten Erfahrungen stehen würde.

Erstere Lesart würde ich – ad hoc – eher nicht unterschreiben. Das würde bedeuten, dass Menschen ihre Leistungsfähigkeit gleich entfalten und diese sich auch gleich entwickelt. Zumindest in ihrem fachlichen Gebiet.

Zweitere Lesart ist spannend. Da würde ich die Kurve nicht unterschreiben. Im Zusammenhang mit meiner bescheidenen Auffassung von Wissen und einen rationalen und leistungsbereiten Menschen vorausgesetzt, würde die Kurve meiner Meinung nach eher so verlaufen:

Die grüne Linie wäre in dem Fall ein Komplexitätssprung im Fachgebiet. Zum Beispiel, wenn man von der Position Controller in die Position CFO wechselt. Man kann noch von den Erfahrungen zehren, muss aber recht schnell neues Wissen hinzu erwerben, um on top zu bleiben. Solche Sprünge kann und wird es mehrere geben. Nach meiner Lesart wäre die Leistungsfähigkeit immer, was ich aus dem Wissen und den Erfahrungen mache. Nicht, was mein Körper hergibt – sondern wie ich Dinge verwehrte. Je mehr ich weiß und je mehr Erfahrungen ich mache, umso mehr steigt meine Leistungsfähigkeit – und ersetzt auch ab und an fehlendes Wissen durch educated guesses und exploratives Lernen…und das lebenslang. Mehr Wissen und Erfahrung verschiebt das Gewicht von guess zu educated. Mir fällt es dann auch leichter nach einem Komplexitätssprung aufzuholen, weil ich dann schon aufbauen kann auf den Erfahrungen und das Wissen, dass ich besitze und meine Fähigkeit zu lernen. Im heutigen Berufsleben kann ich auch im Herbst meiner beruflichen Laufbahn noch einmal ein junger Sprinter sein –  wenn ich vom CFO zum Tischler in der Toskana oder zum Fischer in Friesland werde. Aber ich weiß, wie ich lerne – und das ist das wahre Gold einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn.

Was nun den Bedarf an Mentoren angeht – ich denke, dass man einen Mentor in jedem Abschnitt seiner fachlichen Laufbahn brauchen kann. Ebenso, dass man durchaus in jedem Stadium – wenn man das Wesen dazu hat – auch Mentor sein kann. Beides kann sogar gleichzeitig sein – ich werde als CFO von meinem Vorgänger betreut und betreue gleichzeitig das up and coming Finanztalent in der Firma. So lernen wir dann als Phyle – also Gemeinschaft und dann…ja, dann generieren wir wirklich Wissen.