Archiv der Kategorie: Wissen

JAM | Parallelität nicht Doppelhelix

Eines muss mal gesagt werden: Dies ist keine Challenge. Es ist ein DOOC – ein Double Open Online Course. Wenn Sie wissen wollen, wer hier der Lehrer und wer der ungezogene Zögling ist – die Frau Pinkshot69 hat angefangen. Weil ich sie aber mag, werde ich mal im Sinne eines interaktiven Lernens darauf eingehen. Ja, man kennt mich als wirklich großmütigen Menschen. Also meine Mutter zumindest. Ich weiß nicht, ob die Erwähnung meiner Mutter Freud einen feuchten Traum bescheren würde im Kontext dieses Textes, aber … weiter im Text.

Vorab mal: Polyamorie. Das ist aus meiner Sicht absolut falsch. Das geht gar nicht. Es ist Multiamorie oder Polyphilia. Der Plebs kann ja machen, was er mag, aber das hier ist ein parlieren zwischen Magistern…Magistraern…naja, pfeifen wir mal auf das Gendern.

Wie Frau Pinkshot69 so schön beginnt – es geht nicht um Moral. Moral ist immer eine Frage des Kulturkreises und der Zeit. O tempora, o mores, wie ein alter Freund der gepflegten Knabenlieben so gern rief. Nein, hier ist nicht der von mir überaus geschätzte Gregor H. Toerlesz gemeint. Hier ist es Cicero der alte Schwerenöter. Aber lesen mag ich beide gern.

So. Weiter im Text – will ja keiner ewig hier lesen. Haben ja alles was anderes zu tun. Lieben zum Beispiel. Da wären wir schon bei einem wirklich sehr wichtigen Punkt, der FrauPinkshot und mich unterscheidet. Frau Pinkshot hat die Idee, dass man Leben dupliziert. Sie hat ein wundervolles Bild von drei Häusern – eine getrennte Fassade – die durch einen Garten, unsichtbar für alle, verbunden sind. Drei mal das gleiche Leben. Ein Mann für drei Familien. Das ist quasi Zellteilung. Aus so einer Situation ist nachvollziehbar, dass auch Fragen auftauchen: Was, wenn jemand anders besser kann, was ich mit ihm habe. Was wenn der andere Mensch besser Kaffee kocht, sinnvoller küsst oder einfach Cumshots mag, auf die meine Gesichtshaut allergisch reagiert. Das – so sehe ich das mal – ist der Anfang vom Ende einer offenen Beziehung. Das wäre ein falsches Leben im Richtigen. Liebe ist aber kein sui generis Begriff. Liebe hat Facetten … und wenn ich etwas gelernt habe, dann das niemand, kein Mensch, kein Lebewesen und kein Ding alle Facetten bedienen kann.

Dazu muss man wissen, dass ich Liebe viel weniger romantisch sehe, als das gemeinhin scheinen mag. Liebe ist ein Prozess, der zum Leben gehört. Ohne Liebe wird es kaum ein gelungenes Leben geben. Liebe ist aber viel weniger Blümchen und Schmetterlinge. Es ist eine Form der Ruhe, der Ausgeglichenheit, des Vertrauens und des Gemeinsamen. Es ist viel mehr Rationalität als man denken mag. Es ist, wie schon gesagt, eine Verbindung von Gedanken, Seelen und Körpern. Wenn ich mit jemanden zusammen bin, dem ich eine Facette – oder mehrere – von Liebe gegenüber empfinde, dann ist das wie ein Zen Moment. Das kann auch Sex sein – muss es aber nicht. Das kann auch einfach nur sein beim Kaffee zu sitzen und zu plaudern ohne sich konzentrieren zu müssen. Ok, Sex ist toll, aber habt ihr schonmal geschafft, den Kopf auszuschalten. Nur durch die Ruhe, die ein anderer Mensch einem gewährt. Ok, der gemeine Sauerstoffverbraucher schaltet den Kopf in der Regel nicht an – bei mir ist das eher so „Augen auf – Denken an.“ Das geht so bis „Augen zu – Denken aus.“ Dabei brenne ich in der Regel auf 120 Prozent – diese Momente, in denen ich einfach abschalten kann, die sind selten und sie sind wichtig. Für diese Momente liebe ich meine Facettenbesitzer. Mein Eingeständnis: Das Gefühl hatte ich auch bei meinem #kokain. Das fehlt mir sehr, denn diese Facette zu besetzen wird aus meiner Sicht ein Ding der Unmöglichkeit. Wie singen Pizzera & Jaus so treffen: Wenn du enttäuscht bist, dann bist du ent-täuscht. Muss nur im Kopf ankommen.

Ich gebe FrauPinkshot recht, wenn sie schreibt, dass es sehr schwer ist, jemandem, der Polyphilia in einer multilateralen Partnerschaft lebt, zu gewinnen. Da geht es aber nicht darum, dass er jemanden fragen muss. Gefragt haben muss er schon weit vorher – beim eingehen der Partnerschaft. Ich halte es für ausgesprochen gefährlich eine Partnerschaft einzugehen und dann im Anlassfall zu fragen. Sowas ist basal und muss vorab geklärt werden. Bevor sich einer verliebt und sich mehr als bilaterale Beziehungen nicht vorstellen mag. Für jemanden, der sich darauf einlassen mag, einen Polyphilio zu gewinnen, muss klar sein, dass er eine Facette der Liebe haben will. Da geht es nicht per se um Sex. Da geht es um etwa, das man teilt. Darauf kommt es an – der Polyphilio hat eine Facette, die in seinem derzeitigen Kontext unbesetzt ist. Die ist füllbar. Nichts, was einem anderen weggenommen wird. Aber wie bei jeder anderen Form der Liebe auch – es ist ein Prozess des Verliebens. Da küssen sich Seelen – egal auf welcher Ebene. Daher ist es auch kein Fremdgehen – fremdgehen ist das dümmste, was man machen kann. Es ist ein offenes Teilen und das Eingeständnis: Ich kann nicht bester Vater, bester Ehemann, bester Freund, bester Mitbewohner, bester Lover und was nicht alles gleichzeitig sein. Wem das gelingt – Hut ab. Wie gesagt – ich glaube, das kann niemand. Für niemanden. Wenn ich also mit dem besagten Toerlesz H. Gregor eine politisch-intellektuelle Beziehung habe, die für mich schon eine Form der Liebe ist, denn die Art des Umgangs, die wir pflegen, ist für mich immer Herzklopfen pur, ein Lustgewinn an Episteme – ein inneres Fichtennadelschaumbad.

Um beim Bild von FrauPinkshot zu bleiben: Bei mir wären die Häuser eher ein Schloss, eine Bibliothek und ein Reihenhaus. Die Familien wären einmal mit Kind und einem mit Büchern. Einmal mit Bett und einmal mit Kissen-Couch-Landschaft. Das wäre keine verwobene Helix, das wären parallele Linien, die alle zu einer werden, wenn man rauszoomt – und wie eine Packung Spagetti nicht zu zerbrechen ist, wenn sie im Paket gehalten werden, aber jeder für sich, einzeln sehr fragil ist.

Wer profitiert ist hier auch eine sehr ungewöhnliche Frage. Alle. Alle, die wissen, um was es dabei geht. Ein zufriedenes Leben zu führen. Ich will meine Beziehung nicht aufgeben. Ich liebe einen Menschen als besten Freund und als beste Ehefrau. Das ist mein Hafen. Aber ein Hafen allein ist mir zu wenig. Ich brauche einen politsch-intellektuellen Segeltörn, ich brauche eine akademische Frachtroute und ich brauche auch hin und wieder eine Regatta. Allein um mir zu zeigen, dass ich noch im Wettbewerb mithalten kann. Ja, auch fürs Ego. Aber ich würde nie etwas verschweigen und ich würde niemals etwas tun, dass ich nicht klar kommunizieren kann.

Mein Fazit für diesen kleinen DOOC: Polyphilia ist ein Weg, der Komplexität einer Person gerecht zu werden und langfristig alle Aspekte – inklusive der Entwicklung einer Persönlichkeit – gerecht zu werden. Bedürfnisse wandeln sich ja und damit auch die Bedürfnissbefriediger. Es ist in der Tat schwer – eigentlich unmöglich – mehr als eine Beziehung ganzheitlich zu führen. Bei Polyphilia geht es aber darum, ein Leben in all seinen Facetten ganzheitlich zu führen. Ich habe meine kleine Blume, mein Gänseblümchen, mein Kokain – ja, auch das gehört zu meinem Leben – und ich habe Gregor und ich habe mich. Auch das gehört dazu: Sich selbst zu lieben.

So, der Trommelwirbel verhallt. Die Schwaden senken sich über dem Feld. Die FrauPinkshot69 hat es so gewollt. Auch sie ist eine Facette.

JAM | Weiß doch ´eh jeder

Ich treffe in meinem täglichen Leben immer wieder auf Menschen, die mit Begriffen um sich werfen, von denen sie nicht wissen, was sie bedeuten. Da spreche ich nicht einmal von den Fremdwörterkatapulten, die einfach falsche Wörter nutzen, sondern von Menschen, die Wörter verwenden, ohne sich Gedanken zu machen. Platons Dialog des Sokrates mit Laches über die Tapferkeit. Solange man nur darüber redet, dass jemand tapfer sei, passt auch alles. Scheinbar. Doch wenn man dann fragt, was damit gemeint sein soll, dann stellen die Menschen recht häufig fest, dass sie nicht wissen, von was sie sprechen – oder sie halten den Fragenden für dumm, denn wie kann man nur so eine Frage stellen. Ganz grundsätzlich stellt das auch kein Problem dar, denn in der Regel reden zwei Blinde über die Farbe Rot und beide meinen die Farbe sei schön. Der Zweck des Gesprächs ist damit erfüllt und man geht in der Tagesordnung weiter. Beide wissen ja, wovon sie sprechen. Einer von Signalrot und einer von Cayennerot. Macht aber nix – sind ja ohnehin Blinde. Genau so geht es auch beim Thema Wissen. In einem täglichen Gespräch muss ich mein Wissen nicht bis zu fundamentalen Bausteinen zurück verfolgen – da genügt es, wenn beide die Prämisse akzeptieren, dass der Gesprächsgegenstand wahr und begründet ist. Die Tiefe der Begründung wird erst relevant, wenn es eine Unstimmigkeit gibt und dann muss man Tiefenbohrungen anstellen – wobei bei den meisten reicht ein wenig Scharren mit dem Fuß in der Lithosphäre ihrer geistigen Geröllwüste. Bei Begriffen wie Tapferkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit oder ob Bibi nun Gottes Geschenk an die Menschheit oder ein  Blib im Buch der Menschheit ist, wird man sich doch eher schnell einigen. Schwerer wird es dann schon bei den Dingen, die eigentlich nur jeder für sich entscheiden kann. Bei diesen Begriffen, die aber durchaus moralische und sittliche Implikationen haben, muss ich für mich entscheiden, ob ich einer Norm folge oder mein Glück suche. Trotzdem redet jeder darüber, als gebe es da nur einen Inhalt – bei einem Begriff wie Liebe.

Liebe gibt es in so vielen Schattierungen und in so vielen Wesensarten, dass es eigentlich abstrus anmuten muss, einen Begriff dafür zu haben. Ja, man könnte mit den Wittgensteinschen Familienähnlichkeiten beginnen, aber auch das erscheint meiner Meinung nach kaum zielführend. So ad hoc meine ich mal: Es gibt keine Liebe. Es gibt das, was jeder Mensch zu jedem Subjekt und Objekt in seinem perzeptiven und kognitiven Umfeld fühlt. Das wir den Begriff der Liebe brauchen hat rein kommunikationsbezogene Gründe. Ich habe zum Beispiel früher wenig davon gehalten, Menschen „Ich liebe Dich.“ zu sagen – man weiß ja nie. Am Ende war es nur Triebsteuerung. Ich möchte hier einen Menschen zitieren, der viel damit zu tun hat, dass ich heute schon bedeutend menschlicher bin, als zum Zeitpunkt, an dem er mich fand. Auf die Frage „Wenn der andere ´eh weiß, dass man ihn liebt, muss man ihm das auch noch sagen?“ antwortete er:

„Natürlich. Laut und immer wieder!“

Man beachte, dass ich entgegen meiner Ansicht, dass Ausrufezeichen etwas für Leute ohne ausdrucksstarke Formulierungsfähigkeit sind, doch eines gesetzt habe. Der Nachdruck, der aus seiner Augen drang macht das Satzzeichen so notwendig. Ich brauche also ein Wort, um zu transportieren, was eigentlich nicht zu transportieren war. Liebe. Dabei ist es auch nicht wirklich relevant, ob alles, was in mir ist, damit beim anderen ankommt: Wichtig ist, dass der andere versteht, dass das, was in mir ist – implizit – und für dass ich Äonen brauchte, um es zu erzählen, mehr ist als nur „Cool mit Dir abzuhängen.“ Alle Versuche, das in Worte zu packen, ist wie im Unterricht einen Frosch zu sezieren: Keiner möchte da sein, am wenigsten der Frosch. Am Ende habt man eine Sauerei, ist keinen Deut klüger und der Frosch ist tot.

Ich liebe verhältnismäßig wenige Menschen. Besagten Zitatgeber auf einer tiefen menschlichen Ebene. Meine Frau so ziemlich ganzheitlich. Mein Sonnenschein auf intellektueller Ebene. Meine Mutter aus Bewunderung. Mein Kokain – und das war ein langer Prozess des Eingestehens – auf einer Begehrensebene. Alles Liebe. Alles auf einer anderen Basis und ohne jemand etwas weg nehmen zu müssen. Weder liebe ich mein Auto, noch Geld noch eine Bücher. Polyamorie – eigentlich Polyphilia oder Multriamorie wenn man genau sein möchte – ist etwas, dass ich mir schon lange zuschreibe. Nicht, weil ich Fremdgehen gut sprechen möchte, ganz im Gegenteil. Fremdgehen ist bescheuert. Menschen gehen nicht, weil man andere Menschen auch liebt, sondern weil man nicht offen und ehrlich miteinander umgeht. Liebe hat viele Facetten und irgendwie auch kaum eine Konstante. Aber eine muss es geben – sonst wäre der Begriff in der Tat inhaltsleer…

 

…eventuell sollte man sich aber, wie beim Begriff des Wissens, nicht zu sehr darauf versteifen eine Begründung zu finden, sondern einfach in sich hinein hören. In der Regel hört man dann, ob es Liebe ist. Dann weiß man es auch. Liebe ist immer der, das oder die Andere – und Liebe geht nur im Netzwerk.

Amtsblatt | Atomspaltung

Ich suche eine Definition. Ein guter Philosoph würde jetzt erst einmal anfangen, zu beschreiben, was eine Definition ausmacht, um dann zu ergründen, was seine Definition im speziellen beinhalten muss. Ein guter Philosoph. Ein Denker würde sich erstmal überlegen: Wozu brauche ich so etwas? Ich versuche mich mal als Denker und überlege mir: Was ist der Platz des zu Definierenden im Rahmen meines Gedankengebäudes. Damit habe ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Ich habe mich als Kohärentisit geoutet – macht ein guter Philosoph auch nicht, denn es legt mich ja gleich fest – und ich habe klar gemacht, dass ich eher teleologisch als doxastisch denken. Mir geht es nicht um Lehrbuchdefinition, sondern um eine praktische. Nicht einer Denkschule mit all ihren Dogmen folgend, sondern einfach darauf los zu überlegen.

Naja, ok. Ich habe schon gute Gründe, warum ich die Kohärenz dem Fundamentalismus vorziehe. Es liegt in der Atomspaltung. Das Problem des Fundamentalismus ist ja, dass man die Proposition auf basale Aussagen, die ihrerseits nicht weiter zergliederbar sind und zweifelsfrei bewiesen sind, zurückführt. Das Ganze ohne Zirkelschluss. Man ahnt schon – der Fundamentalismus ist das Arbeitsamt der Erkenntnistheoretiker. Es gibt so etwas wie unstrittige Aussagen – Axiome – die keiner mehr angreift oder die sich nicht weiter zergliedern lassen, in der Philosophie nicht. Es findet sich immer jemand mit einem „Ja, aber…“ Selbst „2+2=4“ ist eine Aussage, bei der irgendjemand aufsteht und „Sagt wer?“ ruft. Ganz davon zu schweigen, dass es in einem komplexen System auf irgendeine verschwurbelte Weise immer einen Zirkelschluss geben wird. Trotzdem kann ich sagen, dass ich gern Philosophie betreibe. Das kann einem kein Mensch weg nehmen.

Wie dem auch sei – Atomspalterei mag ich nicht und ich denke auch, dass eine fundamentalistische Erkenntnistheorie einer komplexen Welt nicht gerecht wird. Es reduziert Beziehungen zwischen Sachverhalten auf eine unzulässige Weise. Daraus eine Erkenntnis abzuleiten ist wie die Anekdote vom Suchenden im Licht der Straßenlaterne – dort hat er den Schlüssel zwar nicht verloren, aber dort Drüben im Dunkeln findet er ja nie was er sucht. Es liefert Antworten, die auf gut Glück richtig sein können – aber das ist kein Wissen. Damit wären wir beim Thema: Was ist Wissen? Ich denke mal nach.

Amtsblatt | Warum Zwangsbeschulung?

Durch meinen neuen Kommunikationskreis auf Twitter darf ich ja ab und an – ok, eigentlich dauernd – neue Perspektiven auf Dinge erfahren, die mir ohne diese tollen Menschen nicht so präsent wären.

Der Blog Bildungsdesign hat in einem Post die Rede eines Schulleiters aus Anlass der Verleihung der Hochschulreife wiedergegeben und das hat mich – nicht zuletzt, weil ich mich ja gerade intensiv mit Wissen beschäftigen darf – zum Nachdenken über „Zwangsbeschulung“ gebracht.

In der Rede gibt es einen Punkt, der mich in der Tat angestachelt hat:

„Es gibt in unserer Gesellschaft drei Gebäudetypen, die sich erschreckend ähnlich sehen: Schulen, Kasernen und Gefängnisse. Alle drei Gebäudetypen stammen aus der Neuzeit und dienen demselben Zweck: Menschen tauglich zu machen für eine Gesellschaft, die sich immer mehr ökonomischen Zwängen unterwirft.“

Vorab: In Deutschland gibt es keine Wehrpflicht, aber eine Schulpflicht. In Deutschland gibt es eine sehr liberale Strafjustiz – bei der Schulpflicht gibt es da eher weniger Spielraum. Aber zum Kern der Sache – es gibt nur in einer Hinsicht einen Zwang und dieser hat genau den gleichen Grund, wie die Straffreiheit für Körperverletzung, wenn sie durch einen Chirurgen im Rahmen einer Notoperation vorgenommen wird: Man will das Beste für jemanden, der aktuell darüber nur bedingt entscheiden kann.

Wenn wir davon ausgehen, dass Kindern gern lernen – und lernen wollen – dann erübrigt sich auch schon das Wort Zwang. Es handelt sich dabei eher um einen Schutzschirm. Wer hier gezwungen wird, sind nicht die Lernenden, sondern die Eltern. Die Schulpflicht gründet sich darauf, dass es ein übergeordnetes Interesse gibt, Kindern einen Start zu ermöglichen, den Eltern unter Umständen nicht sehen. Hier schützt der Staat die Option ein mündiger Staatsbürger zu werden gegenüber den Partikularinteressen „Alles, was mein Kind braucht, lernt es auf der Baustelle.“ Das ist kein Zwang – das ist Fürsorge. Dass unser Schulsystem nicht perfekt ist, dass es nur bedingt für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts geeignet ist und dass man immer mehr machen könnte – ja, das sei zugestanden. Aber mir ist die Schulpflicht lieber, als dass Chantal und Kevin aus Marzahn ihre Kindheit in „Freiheit“ verbringen und dann das Werkzeug, ihr Leben selbst zu entwickeln, fehlt.

Zurück zur Kasernenanalogie: Wer heute militärische Ausbildung sieht, der wird sich von einem Kasernenhofdrill weit entfernt finden. Ja, es gibt eine Grundausbildung – stehen, rennen, grüßen, melden. Alles formal. Das ist, als würde man das Alphabet lernen – da gibt es kein Projektlernen. Da gibt es bessere und schlechtere Ausbilder. Da gibt es Sinnvermittler und es gibt Frontalunterrichter. Aber weiterführende Ausbildungen – da kann man sich gar nicht leisten, auf Zwang zu setzen, denn das Wissen, was heute notwendig ist, um eine komplexe Materie zu verstehen, vermittelt man nicht über Zwang – sondern über Verständnis der Absicht. Zum Gefängnisgleichnis kann ich nur sagen: Grenzen ziehen beide – bei einem möchte man nur die Gesellschaft vor den Bewohnern schützen und bei dem anderen den Bewohnern ein wenig einen geschützten Raum bieten – zum lernen, leben, lachen und wachsen.

Insofern stimme ich nicht damit überein, dass wir uns von der „Zwangsbeschulung“ lösen sollten. Wir sollten sie nur so gestalten, dass nach den Grundlagen das Lernen im Vordergrund steht und nicht das erreichen imaginärer Werte.

Amtsblatt | Persönliches Wachsen

Ich bin ja seit meinem neuesten Denkansatz ein herber Verfechter der Ansicht, dass man Wissen als soziales Konstrukt sehen muss. Das betrifft sowohl den epistemischen Aspekt, den Aspekt Wissensgenerierung und auch Wissenstransfer. Aber ich schweife ab – was ich sagen möchte, ich erkenne gerade ein paar Dinge – ich generiere also Wissen über mich – durch einen ausgesprochen gewinnbringenden Austausch. Cicero hat einmal angemerkt, dass Bücher dicke Briefe an Freunde sind – ich betrachte diese Blogposts hier ja als therapeutische Maßnahme für mich selbst und als kleines Campfire für Leute, die sich daran erwärmen können und etwas zu den Geschichten beitragen wollen.

@DerLinkshaender hat mit seinem weiteren Text zum Thema Scheitern einen neuen Denkimpuls gesetzt, der mir etwas bewusst gemacht hat: Ich bin schon massiv gescheitert und habe das immer kaschiert, obgleich es dazu angetan war, mich nachhaltig wachsen zu lassen. Weder mir, noch meiner Umwelt habe ich eingestanden: Ich bin gescheitert – und das war gut so.

Ich war in der Schule ein sehr mittelmäßiger Schüler. Unteres Mittelmaß um genau zu sein. Das war nicht per se die Schuld meiner Lehrer – ich war einfach faul und es gab auch keine Bonifikation gut zu sein. Ganz im Gegenteil – die coolen Typen waren die, die eher auf die Schule gepfiffen haben. Die haben dann die Mädls bekommen. Das war damals die einzig relevante Messgröße. In der 11. Klasse dann hat es eben nicht mehr gereicht. Ich durfte die Klasse wiederholen – und keiner außer mir trägt dafür die Verantwortung. Meine „Kumpels“ waren alle clever genug, eben das „drauf pfeifen“ nur so weit zu treiben, dass sie trotzdem noch einigermaßen dastanden. Also nächstes Jahr – neue Klasse, neues Curriculum und neue Lehrer. Tapetenwechsel. Mit der gleichen coolen Masche in die neue Klasse. Wird schon werden.

Jetzt war ich nicht dumm und mir Schulwissen anzueignen fiel mir immer schon leicht. Ich wusste eben nur nie „Wozu?“. Dann geriet ich an den richtigen Lehrer – Herr Dulinski. Leistungskurs Geschichte. Ich kann mit Fug und Recht sagen – er hatte es nicht leicht, aber hat es immer leicht aussehen lassen. Er war das Idealbild eines Lehrers. In diesem kleinen und verschworenen Rahmen „Leistungskurs Geschichte“ habe ich erfahren, dass Wissen Wertschätzung bring. Einer der wenigen Menschen, die ich heute Freund nenne, hat damals gesagt: „Erster Eindruck war halt `Typischer Dummbatz`und dann hab ich dich mit einem Buch gesehen und dachte, dass Du so dumm ja nicht sein kannst.“ Das war die Initialzündung. Von da ab war es ein Wissensspiel – wir waren die Stars. Im Denken, im Reden und im … naja, bei den Mädls eben. Denn man wurde von den schicken Mädls ja gesucht, um ihnen den Stoff zu erklären. Kurzfristig war das die Motivation – aber langfristig hat das Sitzenbleiben, die neue Umgebung und die neue peer group in mir einen Durst nach Wissensaggregation entfacht, der bis heute anhält. Ja, ok, damals war Wissen halt der Weg zu den Mädls und heute ist Wissen Macht und daher in keinem Fall ein hehrer Grund zu lernen, aber es zeigt, wie mich Scheitern nach vorn katapultiert hat. Ich wäre heute ein mittelmäßiger Mensch mit einem langweiligen Job in meiner Heimatstadt.

Trotzdem – und das ist der springende Punkt, den @DerLinkshaender aufzeigt: Ich habe das immer verheimlicht. Vor der Masse meiner Familie bis heute. Vor Freunden und Kollegen. Dabei konnte mir nichts besseres Passieren als früh zu scheitern – sonst hätte ich den Makel, mich mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben, nicht abstreifen können.

Warum mich der Text vom @DerLinkshaender auch lächeln hat lassen ist, dass mein damals bester Freund den gleichen Wandel vom gesetzten Biologen zum IT-Fachmann durchgemacht hat. Er wird von seiner Familie bis heute dafür als Gescheitert angesehen.

Die Essenz des hier gesagten: Own that shit! Dinge, die anders ausgehen als geplant gehören dazu. Menschen, die sich anders entwickeln sind mir lieber, als Menschen die sich nicht entwickeln. Schlimmer als dafür gescholten zu werden, IT-Fachmann anstatt Biologe zu werden, sind doch Leute, die sich – nur um nicht als gescheitert zu gelten – in einem Entwicklungspfad wiederzufinden, der gar nicht mehr ihrer ist.

Dies ist dann mein kleiner Brief an mich – ich habe meinen Frieden damit gemacht, weil mich mein Lernen an den Ort gebracht hat, an dem ich heute bin. Fuck what everybody else thinks!

Amtsblatt | Weitere Gedanken zum Scheitern

Was die @bildungspunks da losgetreten haben ist schon beachtlich. Eigentlich sollte ich meine Konzentration auf #wissen und #denkenbisderpsychaterkommt lenken – geht aber nicht, wenn gerade was anderes lockt.

@DerLinkshaender hat einen wirklich lesenswerten Artikel zum Thema „Scheitern“ verfasst und ich muss da drauf reagieren.

Scheitern als Chance ist mir das erste Mal bewusst gemacht worden durch ein Buch von Weick zum Thema Resilienz. Auch dort ging es darum, dass wenn man clever scheitert, kann man es als Chance – und im weitesten Sinne als Erfolg verbuchen.

Das nächste Mal kam es mir bei Nassim Taleb vor – scheitere oft und früh. Das hat Vorteile für den Scheiternden und für das Gesamtsystem. Wenn man nicht erfolgreiche Unternehmungen frühzeitig scheitern lassen würde – so lange sie nicht systemtragend sind – kann man den Schaden klein und den Gewinn unter Umständen hoch halten.

In jedem Fall geht es aber darum, etwas zu lernen. Das muss nicht immer zum Medizinnobelpreis führen oder die Abläufe auf einem Flugzeugträger optimieren. Was wichtig ist, ist das jeder Mensch etwas lernen kann – aus dem kleinen Scheitern, die uns jeden Tag in unserem Umfeld unterlaufen. In der Summe – als komplexes soziales System – haben wir alle einen Mehrwert davon. Wenn man jetzt noch Wissen aus der Perspektive des Konnektivismus sieht Lernen aus der Kollaboration, dann könnte man meinen, dass wenn jeder im Kleinen scheitert und daraus für die gesamte Phyle lernt – und das gelernte in einen größeren Zusammenhang bringt und gegebenenfalls noch gemeinsam die lessons learned nutzt…also ich glaube ja, dass wir dann unglaublich viel Wissen über uns, unsere soziale und ökologische Umwelt generieren könnten.

Was mir dann noch fehlt wäre die Einbindung von alternativen Intelligenzen. Von Datenbanken, von digitalen Entitäten und von Mustern, die eine andere Perspektive bieten, als wir sie gewohnt sind. Menschen tendieren – und das ist nur eine persönlich Erfahrung – dazu, ihre Lebenswelt als Maßstab wahrzunehmen. Dazu gehört Vergänglichkeit und all die kleinen Biases, die das Leben mit sich bringt. Alternative Intelligenzen denken in anderen Mustern und anderen Dimensionen. Das muss man sich zu Nutze machen. Das darf man nicht abtun als „kein Denken“. Das muss man einbinden, wenn man die anstehenden Probleme lösen möchte.

Die von @DerLinkshaender angesprochenen Checklisten wären ein guter Weg dazu. Denn Checklisten sind binär. Check or No-Check – das können selbst die Computer des 20. Jahrhunderts in ihrer von-Neumann-Struktur. Hier wäre eine gute Brücke zur Einbindung von Alternativen Intelligenzen in unsere Lebensumwelt. Babysteps aber wenigstens Steps. Es geht dabei nicht um die Auslagerung von Checks an den Computer – es geht um das Ergänzen. Der Pilot checkt „Triebwerk da“ – der Computer checkt „keine Materialermüdung“. Vom Ergebnis profitieren beide – der Pilot weiß mehr über den Zustand seiner Maschine und der Computer versteht – ein hehres Ziel – Vertrauen.

Um was es mir geht ist beim Scheitern ist – jeder erlebt es. Heute erlebt es jeder für sich, da es wichtig ist, nicht beim scheitern ertappt zu werden. Scheitern im Stillen ist aber ein verschenken des Mehrwerts von Scheitern. Werfen wir den Konex Scheitern und Schuld doch einfach auf den … Scheiterhaufen.

Aus dem Studium: Schreiben III

Einer der wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts sagte zum Thema Satzzeichen mal:

“Multiple exclamation marks,‘ he went on, shaking his head, ‚are a sure sign of a diseased mind.”

― Terry Pratchett, Eric

Man kann daraus lernen, dass die Anzahl der Satzzeichen sich nicht nach Nominativ, Komparativ und Superlativ kategorisieren lassen. Nur verwirrte Köpfe glauben, dass man mittels mehrerer Satzzeichen die Aussagekraft oder auch den Nachdruck in seinen Sätzen steigert. Ich finde ja, dass es höchst selten tatsächlich eines signum exclamationis bedarf. Man kann Sätzen viel einfacher – ok, nicht einfacher, aber schöner – Aussagekraft verleihen. Nehmen wir zum Beispiel:

„Er ging gern angeln.“

Das ist an sich ein klarer Satz mit einer klaren Aussage. Man kann sich kaum widersetzen, den Inhalt zu verstehen. Im richtigen Kontext absolut ok. Versuchen wir es mal mit einer Steigerung:

„Er verspürte ständig den unbändigen Drang, angeln zu gehen.“

So wird schon etwas deutlicher, dass er nicht nur gern angeln geht, sondern dass er das Angeln als Bedürfnis, bei Maslow scheinbar recht weit unten, in sich trug. Man kann das nun noch etwas bildlicher beschreiben:

„Der Drang zum Angeln loderte wie die Feuer der Hölle in ihm.“

Das ist nun schon eine Qualität, welche die Umwelt des Protagonisten etwas unruhig werden lassen kann. Nicht nur, weil Angeln an sich eine recht unspannende Angelegenheit ist, sondern weil man mit so einem Drang auch gern Hindernisse aus dem Weg zu räumen bereit ist. Hindernisse wie Familie zum Beispiel. Aber es geht noch eins besser und hier lassen wir einen Meister zu Wort kommen:

„He piled upon the whale’s white hump the sum of all the general rage and hate felt by his whole race from Adam down; and then, as if his chest had been a mortar, he burst his hot heart’s shell upon it.“

Herman Melville

Der Mann wusste, wie man seinen unbändigen Drang, einen Fisch nach Hause zu bringen, Ausdruck verleiht. Das alles funktioniert ohne multiple Satzzeichen. Mal ehrlich, ist die Steigerung nicht auch viel offensichtlicher als „Er ging gern angeln!!!“. Das einzige Bild, was sich dabei bei mir im Kopf entwickelt ist ein älterer Herr mit wirrem Haar und Badehose, der mit einer Rouladennadel versucht Forellen aufzuspießen.

Was ich mit all dem zu sagen beabsichtigte ist, dass Sprache genug Möglichkeiten bietet, um Steigerung zum Audruck zu bringen. Dazu sei auch auf einen Großmeister der Sprache hingewiesen – im Club der toten Dichter:

“So avoid using the word ‘very’ because it’s lazy. A man is not very tired, he is exhausted. Don’t use very sad, use morose. Language was invented for one reason, boys – to woo women – and, in that endeavor, laziness will not do. It also won’t do in your essays.”

Aus dem Studium: Schreiben II

Nachdem meine Frau ihre kreative Phase bis zur Erschöpfung ausufern hat lassen, fühle ich mich bemüssigt, gleich den zweiten Teil zu verfassen.

Kreativität geht in der Regel – wie Frau Jottpunkt schon bemerkte – nicht auf Knopfdruck. Es geht aber auch nicht, indem man sich einfach aufs Klo stellt – wobei Dusche ganz gut geht, aber man hat selten was zu schreiben dabei und so verpuffen die Ideen wie die Entwicklungshilfe in Dritteweltdiktaturen.

Nachdem wir uns aber schon mit den grundsätzlichen Quellen für kreatives Schreiben beschäftigt haben, geht es nun um die Umsetzung. Dazu ist es erstmal wichtig, die Inspiration zu ordnen. Da einen so ein Impuls schonmal an den ungewöhnlichsten Orten übermannenmenschen kann, sollte man sich überlegen, wie man sowas notiert, organisiert und abrufbar macht. Ich für mein Teil merke mir das – wenn man das etwas Old-School machen will, nimmt man ein Notizbuch. Ist man Frau Jottpunkt, dann hat man OneNote auf jedem erdenklichen Gerät. Aus solchen Ideen spinne ich dann im Kopf schonmal ein Grundgerüst. Steht das Konzept im Kopf soweit, kann man anfangen zu tippen. Früher – also in den 90ern – hat man dafür bei der Truppe den Spruch „Denken – Drücken – Sprechen“ gehabt. Das bezog sich auf Funken und hatte den wesentlichen Inhalt „Erstmal nachdenken, was man sagen will, dann kurz fassen, dann Sprechfunktaste drücken – dann reden“. Da hat sich nix geändert. Ausser, dass man anstatt der Sprechfunktaste eben die Computertasten drückt und statt reden schreiben passieren sollte.

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Quelle: http://pbs.twimg.com/media/BYc4B2xIMAA-OOa.png:large

Der Leser hat ja nun auch nicht alle Zeit der Welt und will gern gefesselt werden. Der Kunde ist quasi König und daher will gelernt sein, wie man ihn so erzieht, dass er dran bleibt. Das gelingt eher nicht mit „Hör ma…“ sondern eher mit einem guten Einstiegssatz. Was einen guten Einstiegssatz ausmacht, hängt nun wieder davon ab, wen man eigentlich als Leserschaft gewinnen will. Der Oberstudienrat im 54. Lebensjahr mit einer Affinität für Thomas Mann, Franz Schubert und BDSM wird kaum auf einen hippen Text ansprechen. Probieren wir mal den Einstiegssatz für ihn:

„Zu den sanften Klängen von Schuberts Forelle betrat der Zögling das Zimmer des Rektors.“

Damit könnte man ihn fesseln. Ob man sich auf dieses Niveau begeben mag, um einen Oberstudienrat in den illustren Kreis der eigenen Leserschaft zu locken bleibt jedem selbst überlassen. Will man jedoch den 23jährigen BWL-Studenten mit Hang zum Veganismus und der Freude an auflockernden Substanzen gewinnen, dann wäre folgender Satz eventuell besser geeignet:

„Während aus Bens Zimmer noch der derbe Bass hämmerte, prüfte Mia den Stand des Dax. Fuck. Weed and Greed don´t mix.“

Hippe englische Vokabeln. Ein für BWL-Verhälntnisse schlaues Mädchen – warum würde sie sonst den Dax checken. Jeder weiß, dass nichts den Markt schlägt. Dazu etwas Mucke im Hintergrund. So klappt das mit dem Nachbarn. Als dritte Gruppe wäre zu überlegen, wie man einen durchschnittlichen Mitarbeiter im Bereich Hochbau erreichen könnte:

„OPFER DES SEXTERRORS! Wir waren Freiwild. Waren die Migranten schuld?“(frei nach http://www.krone.at vom 05.01.2015)

Das ist mal ein anderes Kaliber. Aber alles im Sinne des Konsumenten. Immerhin hat er da alles, was man so braucht, um das harte Tagewerk zu vergessen. Latenter Voyeurismus, etwas Sex, etwas Gewalt und am Ende hat man es ja ohnehin immer gewusst, dass sowas immer von Migranten kommt. Einen Einstiegssatz haben wir noch:

„When Mr. Bilbo Baggins of Bag End announced that he would shortly be celebrating his eleventy-first birthday with a party of special magnificence, there was much talk and excitement in Hobbiton.“

Damit bekommt man mich. Solche Sätze, gern auch Bronzesätze, denn sie sind wert, dass man sie in Bronze gießt, vergisst man so schnell nicht.

Wir können also sehen, dass Einstiegssätze wichtig sind – aber auch davon abhängen, wen man haben will auf seiner Seite. Das nächste Mal geht es dann um mehr Sätze. Ganze Ab-Sätze quasi. Wie sie sehen – I prefer my puns intended.

Aus dem Studium: Schreiben

Im Rahmen eines Studiums wird man früher oder später in die Verlegenheit kommen, etwas zu schreiben – wir sprachen bereits  darüber.

Nun gibt es neben dem wissenschaftlichen Abfassen von mehr oder weniger belanglosen Texten auch noch so etwas wie „Schreiben zum Vergnügen“. Darüber wollen wir nicht sprechen und ich jetzt nicht schreiben. Worüber ich schreiben und was ich euch vielmehr mitteilen möchte, ist

So lauschet meinen Worten...
So lauschet meinen Worten… Quelle: https://goo.gl/igsWrx

kreatives Schreiben. Das habe ich schon einmal getan, soll aber nun etwas ausführlicher geschehen – und das nicht nur, weil es Teil meiner Note ist, sondern auch, weil ich finde, dass man im Studium mal ein klein wenig davon gehört haben sollte. Da bis dato kein Dozent und keine Lehrveranstaltung produktiv etwas zu diesem Thema getan hat, hier nun meine – wer mich kennt nicht gerade bescheidene – Meinung.

Kreatives Schreiben soll ja mehr oder weniger Spaß machen – sowohl beim Schaffen als auch beim Rezipieren. Dazu ist es wichtig, zu wissen, woraus sich Schreiben speist – quasi die Quelle. In alten Zeiten – nein, nicht in den 70ern – war das einfach. Homer rief einfach eine Dame im zeitgemäßen Outfit an, sie solle doch nun mal übernehmen und ihn ordentlich inspirieren.

„Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus…“

Max_und_Moritz_(Busch)_045
Quelle: https://goo.gl/QdChQo

Das funktioniert heute in etwa auf die gleiche Art und Weise wie damals. Man lehne sich entspannt zurück und genieße ein Tabakerzeugnis – quasi ein Joint Venture mit seinem Hirn. Das ist sehr modern, sehr kreativ, macht sehr durstig und die freundlichen Damen und Herren der Exekutiv etwas unrund. Das kann aber zum Ziel führen. Betonung auf kann. Es kann nämlich auch dazu führen, dass man die nächste Zeit mit einem süffisanten Grinsen auf den Lippen gedanklich Einhörner füttert und sich wundert, warum die anderen Menschen im Park die Musik nicht hören, zu deren Takt man sich wiegt.

Sehr viel schwerer ist es, das Unterfangen etwas zu schaffen, ohne ein erweitertes Bewusstsein anzugehen. Dazu gehört nämlich entweder ein umfangreiches Wissen, eine umfangreiche Weisheit oder eine unbegrenzte Dreistigkeit – letzteres dazu, einfach abzuschreiben.

Wissen ist so eine Sache. Man kann ja nur jedem Menschen empfehlen, vor dem Schreiben erstmal zu lesen. Viel zu lesen. Dabei kommt es nicht nur darauf an, Masse zu erfassen, sondern auch zu diversifizieren. Erst durch die Kombination von vielen Impulsen und die Erkennntnis, welche Vielfalt Sprache bietet, kann man kreativ schaffen. Mit dem entsprechenden Wissen kann man dann auch ganz technokratisch Texte produzieren. Es soll aber auch vorkommen, dass die schiere Menge an Wissen in der Kombination emergente Erkenntnisse hervorbringt, die dann aus einem hervorplatzen. Schön an der Produktion und der Distribution von Texten – gespickt mit Wissen, Schönheit, Weisheit – ist die Skalierbarkeit. Ohne großen Mehraufwand erreicht man einen oder auch tausend Menschen. Damit sollte man mal versuchen als Autor Venture Capital zu akquirieren. Texte sind skalierbar, disruptiv und innovativ – alle Triggerworte des modernen Start-Ups.

Was die Produktion von Texten auf der Basis von Weisheit angeht habe ich wenig Erfahrung. Weisheit kann sich aus Lebenserfahrung, reger sozialer Interaktion oder aus göttlicher  Inspiration speisen. Alle drei Dinge sind jetzt nicht so meins – also so garnicht. Über-haupt-garnicht. Erstens bin ich noch nicht so alt, zweitens sind Menschen mir eher so unangenehm und wenn ich mit Gott rede, dann rede in der Regel ich und lasse ihn nicht zu Wort kommen – also von daher auch wenig Chance, dass er mich inspiriert.

Ich könnte nun sehr weise sagen, dass Weisheit erstmal bedeutet zu glauben, bevor man wissen kann. Polanyi zitiert in seinem Buch Augustinus mit diesem paraphrasierten Satz – und ich kann mich hier nur anschließen. Als großer Freund der Kohärenztheorie muss ich quasi in den Chor einstimmen und sagen: Wen man von etwas wissen will, dann muss man erstmal an bestimmte Axiome glauben. Wenn man aber nur vom Glauben – also aus Weisheit – schon einen Text produziert, dann ist das eventuell kreativ, aber nicht unbedingt wissenschaftlich. Da es hier aber prinzipiell um kreatives Schreiben geht und nicht um wissenschaftliches, hat es auch seinen Platz.

Soviel zum Quell der Inspiration. Wie man dies dann in einen Text kreativ umsetzt, davon soll der nächste Artikel handeln.

Amtsblatt – Die Idee Projekt Sushi-FM

Eine ehemalige Kollegin hat sich wieder mal nicht schnell genug wegducken können und ist nun um die Erfahrung reicher, ein Teilprojekt zu leiten. Da mich ja quasi alles interessiert und ich im Wegducken auch nicht so begabt bin – und ja, weil ich auch gern meine Nase in alles reinstecke, was neu und bereichernd sein kann*) – habe ich mal die Antwortoption „Hilfe gewähren“ gedrückt. Wenn ich nicht Probleme mit den Nutzerrechten bekommen würde, wäre jetzt hier ein Bild aus „300“ und der Unterschrift „I am a generous god.“ eingefügt.

*) Bei dem ich als der Klügste im Raum dastehen kann.

Also worum geht es – im Sinne von Mito sei hier schonmal die Spannung genommen: Es geht um die Zukunft des Facility Managements in Österreich. No big deal. Nur eine Wachstumsbranche. Nur ein Wahnsinnsmarkt. Nur mal eben so.

Wenn mich jemand fragt, was ich mache, dann hängt meine Antwort in der Regel davon ab, ob ich ein Gespräch haben möchte oder nicht. Sage ich nur Business Development im Immobiliensektor bin ich interessant. Sage ich Facility Management oder Gebäudedienste, dann bin ich raus – mit dem Hausmeister mag niemand sprechen. Bis das Leuchtmittel kaputt oder die Lüftung ausgefallen ist.

Das Facility Management hat ein Problem. Ich erkläre das gern zum Sushi Problem. Für den Laien ist Sushi Reis mit rohem Fisch. Es ist schwer einem Laien klar zu machen, warum er für Reis und rohen Fisch einen hohen Preis zahlen soll. Das wird ihm erst klar, wenn mal bei einem schlechten – in der Regel billigem – Sushi-Restaurant Gast war. Das Problem erweitert sich dadurch, dass er daraus in der Regel nichts lernt. Er wird weiterhin billige Sushi-Restaurants aufsuchen oder alle Sushi-Restaurant verteufeln. Ebenso ist es mit Facility Management. Das Bewusstsein, was das Management einer komplexen Immobilie bedeutet wird in der Regel erst dann bewusst, wenn man den falschen Dienstleister hat. Die Bedeutung der Reinigung, der Wartung und Inspektion oder auch der Beratung zur Nutzungsoptimierung wird erst dann deutlich, wenn es nicht funktioniert. Sonst ist das so etwas wie das Hintergrundgeräusch in der Stadt – es nervt und man findet sich damit ab, da man ja hip und urban leben mag. Das braucht dann eben gut qualifizierte und in der Regel gut bezahlte Leute.

Wo setzt man nun an, wenn man das Facility Management in der Zukunft in den Köpfen der Kunden und Auftraggeber neu positionieren möchte. Bingo. Bei den Leute, die mit den Kunden und Auftraggebern zu tun haben. Also bei den Facility Managern. Leider ist es schwer, gegen schicke neue Arbeitgeber als „place to be“ anzutreten, wenn man nicht einmal bei den Chicks landen kann mit „Ich bin im Facility Management, Baby.“ Es fehlt einfach das … das … es fehlt einfach, ok?

Das Projekt setzt jetzt dort an: Welche Leistung des Facility Managers ist nicht digitalisierbar? Antwort: Der Beratungs- und Interpretationsanteil. Daten bekommen wir über Building Information Management, Daten verwalten wir über das Computer Aided Facility Management System, Wartung und Inspektion machen wir mit Predictive Maintenance. Nur all dies nutzt wenig, wenn es keiner beherrscht und keiner kommunzieren kann – mach deine Arbeit und rede darüber ist eben auch die halbe Zukunft.

Um das alles zu beherrschen brauchen wir also einen Praktiker, der technisches Know-How hat und eine gewisse Praxis – also zum Beispiel einem HTL-Abschluss. Nach drei Jahren Praxis mit wachsendem Verantwortungsbereich und erster Führungserfahrung bauen wir dann mit Schnittstellenwissen zu den angrenzenden Disziplinen, betriebswirtschaftlichem und strategischem Wissen im Rahmen eines Masterstudiums auf. So der Plan.

Triff mich nächste Woche, wenn ich etwas tue, was ich immer gehasst habe: Einen Fragebogen finalisieren, um eine Basis zu schaffen. Qualitative und quantitative Methoden – yeah.