Archiv der Kategorie: WörkWörk

Amtsblatt | Arkanes Wissen

Im Rahmen meiner Tätigkeit darf ich ja viele Dinge erleben. Bei manchen dieser Dinge bin ich froh, dass die Grunts das nicht wissen. Das bezeichne ich dann gern als Arkanes WIssen – quasi eine Form Herrschaftswissen.

Nehmen wir zum Beispiel die Basics der Unternehmensführung: Vision, Mission und Strategie. Der durchschnittliche Mitarbeiter – die Grunts – interessieren sich nur sehr bedingt dafür. Kunststück – die Leistungsnorm ist inzwischen auf einem „optimierten“ Niveau, dass sie die Masse der Zeit damit beschäftigt sind, ihre Arbeitsleistung zu erbringen. Reflexion auf das was man tut, Ideen, wie es besser gehen könnte oder auch nur die Einordnung der eigenen Tätigkeit in einen Gesamtkontext bleibt da auf der Strecke. Wozu also eine Strategie oder eine Vision? Man könnte jetzt sagen: „Brauch man für die ISO.“ oder „Ist für den Aufsichtsrat plakativ.“ Das ist aber nicht die Idee. Es sollte Orientierung geben – nur warum einen Kompass, wenn nie jemand drauf schaut, weil man eigentlich ohnehin nur im Hier lebt.

Was es noch etwas trauriger macht ist, wie diese Kernelemente der Unternehmensführung zu Stande kommen. Man hat ja immer so das hehre Bild vor Augen, dass hochgebildete Menschen sich in Workshops mittels umfangreicher Daten, wie Marktprognosen und Branchenanalysen darauf einigen, wie sich das Unternehmen darstellen soll. Mit Unternehmenspolitik und allem, was dazu gehört. Die Wahrheit ist aber: Jemand schreibt etwas und alle sind froh, dass sie sich nicht damit befassen müssen. So geschehen – so erlebt. In Wahrheit ist das Wissen zur Unternehmenslenkung nicht arkan. Es ist eigentlich vielmehr try and error als die Grunts glauben. Erschreckend ist, dass Intelligenz einer Karriere im Management oft entgegen steht. Nicht zu komplex denken – alles auf die Basics reduzieren, damit die Führungskräfte, die ihre Lorbeeren – tapfere Liniensoldaten zu sein – im 20. Jahrhundert geerntet haben und seitdem eigentlich nur reproduzieren anstatt zu lernen. Bitter, aber auch das ist Echtbetrieb.

Insofern sollte man das Management nicht zu sehr mystifizieren. Es gehört viel weniger dazu, als guter Manager zu gelten, als man denkt. Im Zweifelsfall gehört einfach jemand dazu, der einem die Arbeit macht … und einem die Komplexität der Welt erklärt und der es aushält, dass man ihn belehrt, dass das „Früher auch alles ging.“

Amtsblatt | Generalisten

In meiner Umgebung gibt es eine Menge von Mitarbeitern, die ziemlich gut in ihrem Job sind. Also in dem Job, den sie machen – oft seit Jahren. Sie sind manchmal hineingewachsen, manchmal sind sie einfach ins Wasser gesprungen und schwammen und manchmal standen sie einfach zur richtigen Zeit auf dem Gang, als ein Problem auftauchte.

Es ist schwer, solche Menschen zu animieren, mehr aus sich zu machen, als sie sind. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Feststellung – und man möge mir glauben, dass ich es versucht habe. „Wozu – ich kann ja, was ich tue.“ von einem Experten oder „Ich nicht mehr.“ von einer 50jährigen Führungskraft. Das Problem, dass keiner sieht ist: Das was sie tun, kann morgen nicht mehr da sein. Auch das Berufsbild des Facility Managers verändert sich. Die Digitalisierung nimmt zu – der Schwerpunkt der Tätigkeit verschiebt sich vom technischen Aspekt zu einem Consulting Job. Der Kunde möchte erklärt bekommen, was passiert und beraten werden, was passieren soll. Es wird zwar nie ein Data Scientist aus einem Techniker, aber das Stehenbleiben auf dem, was sie können in dem blinden Vertrauen darauf, dass ihr Job auch in 10 Jahren noch so sein wird, wie heute, ist schon abstrus.

Jetzt wäre es an der Firma, die Jobprofile an der Strategie und auf Basis der Marktprognosen auszurichten. Es wäre die Aufgabe des Unternehmens die Mitarbeiter zu fordern und zu fördern, die sich der Zukunft stellen und nicht bei der Arbeitsleistung von der Hand in den Mund zu leben. Alle tollen employer branding und Marketingmaßnahmen sind vergebens, wenn wir die Menschen, die in den kommenden Jahren noch bestimmend sind einfach so handeln zu lassen, als würde sich nichts verändern. Weder Jobprofile, Tätigkeiten oder Führungskompetenzen können mit dem Wissen des 20. Jahrhunderts das Bestehen im 21. Jahrhunderts sichern. Weder auf der individuellen, noch auf der betriebswirtschaftlichen Ebene.

Amtsblatt | Scheitern ist Lernen

Die #edupnx haben ein neues Thema und da ich gerade wieder ins Schreiben kommen muss, nehme ich das einfach mal zum Anlass meine 2 Cent dazu beizutragen. 2 Cent bei der Anzahl der Wörter – mieser Stundenlohn und damit bin ich ja in guter Gesellschaft mit der Lehre und Bildung. Man könnte also schon vom Scheitern eine guten Bildungspolitik sprechen, aber das soll nicht der Punkt sein.

Vorab – ich bin kein Lehrer im behördlichen Sinne. Allerdings fasse ich meine Tagesfreizeit als Führungskraft und Experte für…a lot of things gern als Tutor auf. Als Steuermann im Rahmen eines kybernetischen Ansatzes von Führung. In diesem Sinne ist mir scheitern durchaus vertraut. Nicht im betriebswirtschaftlichen Sinne, sondern im Sinne der nobelsten Aufgabe, die man als Mensch haben kann: Menschen zu unterstützen, Ziele zu erreichen und auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen stärkere Individuen zu werden.

Dabei kann man scheitern. Darüber muss man sich immer im Klaren sein. Ich bin oft gescheitert. Im kleinen Maßstab, wenn Menschen trotz intensiver Beratung einen nicht gerade optimalen Weg wählen – aber es ist ihr Weg und dann muss man als Tutor die Stärke haben, das eigene Scheitern hinten anzustellen und Sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Im großen Maßstab ist das eine unglaubliche Last. Wenn Menschen, in die man viel Zeit und Kraft investiert hat ihre großen Ziele aufgeben, um kleine Vorteile zu generieren, wenn sie weder ihr Potential entwickeln, wenn sie nicht der Mensch sind, den man glaubte zu sehen. Das Scheitern liegt in dem Fall in der Sache und man wird seiner Verantwortung gegenüber allen anderen Menschen nicht gerecht, wenn man seine Aufgabe nicht weiter verfolgt, weil man sich das Scheitern als persönliches Versagen anrechnet – oder noch schlimmer die Menschen in seiner Verantwortung dafür verantwortlich macht.

Ein guter Tutor – eine gute Führungskraft – nimmt Scheitern als in der Sache begründet wahr. Er lernt und wird ein besserer Tutor. Lessons learned sind das wichtigste Element des Scheiterns und wenn man das begreift und sich dem stellt, dann ist das Wort Scheitern eigentlich obsolet. Es ist Lernen – und was ist besser, als der Lohn beim nächsten Tutee das Lernziel zu erreichen.

Wäre schön, wenn auch die Bildungspolitik das lernen würde und dann ihr Scheitern bisher als Chance zum Lernen zu begreifen. Dazu müsste man sich aber auch erst dem Scheitern stellen. Auch eine lesson learned.

Amtsblatt – Die Idee der Judo-Strategie

Ich muss ausschweifen. Nicht, dass ich das nicht ohnehin gern tue – aber hier muss ich. Daher kann es auch sein, dass ich hier noch nicht zum Punkt komme. Also zu einem sicher, aber nicht zu „Dem Punkt.“

Es gibt einen großartigen Autor mit dem wohlklingenden Nassim Nicolas Taleb. Der Mann hat eine ziemlich clevere Idee und genug F**kyou-Money, um sich die Tage mit dem darauf herumdenken zu verschönern. Die Idee ist – wie beinahe alle wirklich guten Ideen – im Kern recht simpel: Was wäre, wenn wir Systeme so gestalten, dass sie durch Belastung besser werden. Das klingt wie ein perpetuum mobile – ist aber gar nicht so schwer. Man muss nur zulassen, dass sich nicht viable Systeme bereits im Wachstum zerlegen. Im Rahmen eines Konzerns würde das bedeuten, dass man einfach die Geschäftsfelder machen lässt und wenn sie eingehen, dann lässt man sie eingehen, bevor sie systemrelevant werden. Das ist in etwa so, als würde man zehn Mal aus einem Meter auf den Boden fallen oder – wenn man so ein Geschäftsfeld lange genug mitzieht – eben einmal aus zehn Metern Höhe fällt. Insgesamt wird das System Konzern durch die ständige Belastung durch den Markt stärker. Es muss angemerkt werden, dass Taleb hier im Kern wie ein Judoka denkt: Er nutzt die Wucht des Marktes, anstatt sie als Bedrohung wahrzunehmen, für seinen eigenen Zweck und stärkt das Gesamtsystem – auch auf Kosten des Einzelsystems.

Genau dies kann man auch mit Menschen machen. Es dürfte jedem schon diese Sorte Menschen begegnet sein, die man gern ausblenden würde, denen man aber aus einer morbiden Faszination trotzdem zuhört oder zusieht. Diese Menschen, die in Besprechung senden und senden und am Ende sogar durchsetzen, was auch immer sie sich ausgedacht haben. Dieser Mensch, bei dem man nicht weiß, warum man sich noch auf eine Argumentation einlassen soll, weil am Ende fühlt man sich doof und er hat einen – in Ermangelung eines besseren Wortes – überzeugt.

In der Regel versucht man das entweder hinzunehmen oder zu ignorieren oder mit Rosinante unter dem Hintern und Lanze im Anschlag im Sturmritt auf die Windmühle zu bekämpfen. Da wären wir beim nächsten Bild: Windmühle. Besonders schlimm sind solche Leute ja, wenn sie aus Wind nichts mahlen. Wenn sie im eigenen Fachgebiet wildern, ohne Fachkenntnis und nur auf Grund der Sendekraft Diskussionen aushebeln. Der Fachmann resigniert – weil der Klügere gibt nach. Die Dummen regieren die Welt. Beweis Nummer eins: POTUS.

Jetzt stellen wir uns mal vor, wir könnten die Kraft eines solchen Menschen nutzen, anstatt unsere im WIndmühlensturm zu verschwenden. Man könnte durch Nudging – oh ja, ich habe Misbehaving weit vor der Nobelpreisverleihung gelesen – so eine Windkanone mit Wissen füllen, ihn in die richtige Richtung drehen und abfeuern. Dann kann man sich zurücklehnen und genießen.

Die Idee der Judo-Strategie ist es, die Kraft von einem scheinbar systembedrohenden Faktor dazu zu nutzen, ohne viel eigenen Aufwand, das System zu stärken.

Das ist jedenfalls mal mein Ansatz. Aikido wurde mir als „treffendere Analogie“ angeboten. Aber ich finde Judo immer noch besser. So.

Amtsblatt – Die Idee Projekt Sushi-FM

Eine ehemalige Kollegin hat sich wieder mal nicht schnell genug wegducken können und ist nun um die Erfahrung reicher, ein Teilprojekt zu leiten. Da mich ja quasi alles interessiert und ich im Wegducken auch nicht so begabt bin – und ja, weil ich auch gern meine Nase in alles reinstecke, was neu und bereichernd sein kann*) – habe ich mal die Antwortoption „Hilfe gewähren“ gedrückt. Wenn ich nicht Probleme mit den Nutzerrechten bekommen würde, wäre jetzt hier ein Bild aus „300“ und der Unterschrift „I am a generous god.“ eingefügt.

*) Bei dem ich als der Klügste im Raum dastehen kann.

Also worum geht es – im Sinne von Mito sei hier schonmal die Spannung genommen: Es geht um die Zukunft des Facility Managements in Österreich. No big deal. Nur eine Wachstumsbranche. Nur ein Wahnsinnsmarkt. Nur mal eben so.

Wenn mich jemand fragt, was ich mache, dann hängt meine Antwort in der Regel davon ab, ob ich ein Gespräch haben möchte oder nicht. Sage ich nur Business Development im Immobiliensektor bin ich interessant. Sage ich Facility Management oder Gebäudedienste, dann bin ich raus – mit dem Hausmeister mag niemand sprechen. Bis das Leuchtmittel kaputt oder die Lüftung ausgefallen ist.

Das Facility Management hat ein Problem. Ich erkläre das gern zum Sushi Problem. Für den Laien ist Sushi Reis mit rohem Fisch. Es ist schwer einem Laien klar zu machen, warum er für Reis und rohen Fisch einen hohen Preis zahlen soll. Das wird ihm erst klar, wenn mal bei einem schlechten – in der Regel billigem – Sushi-Restaurant Gast war. Das Problem erweitert sich dadurch, dass er daraus in der Regel nichts lernt. Er wird weiterhin billige Sushi-Restaurants aufsuchen oder alle Sushi-Restaurant verteufeln. Ebenso ist es mit Facility Management. Das Bewusstsein, was das Management einer komplexen Immobilie bedeutet wird in der Regel erst dann bewusst, wenn man den falschen Dienstleister hat. Die Bedeutung der Reinigung, der Wartung und Inspektion oder auch der Beratung zur Nutzungsoptimierung wird erst dann deutlich, wenn es nicht funktioniert. Sonst ist das so etwas wie das Hintergrundgeräusch in der Stadt – es nervt und man findet sich damit ab, da man ja hip und urban leben mag. Das braucht dann eben gut qualifizierte und in der Regel gut bezahlte Leute.

Wo setzt man nun an, wenn man das Facility Management in der Zukunft in den Köpfen der Kunden und Auftraggeber neu positionieren möchte. Bingo. Bei den Leute, die mit den Kunden und Auftraggebern zu tun haben. Also bei den Facility Managern. Leider ist es schwer, gegen schicke neue Arbeitgeber als „place to be“ anzutreten, wenn man nicht einmal bei den Chicks landen kann mit „Ich bin im Facility Management, Baby.“ Es fehlt einfach das … das … es fehlt einfach, ok?

Das Projekt setzt jetzt dort an: Welche Leistung des Facility Managers ist nicht digitalisierbar? Antwort: Der Beratungs- und Interpretationsanteil. Daten bekommen wir über Building Information Management, Daten verwalten wir über das Computer Aided Facility Management System, Wartung und Inspektion machen wir mit Predictive Maintenance. Nur all dies nutzt wenig, wenn es keiner beherrscht und keiner kommunzieren kann – mach deine Arbeit und rede darüber ist eben auch die halbe Zukunft.

Um das alles zu beherrschen brauchen wir also einen Praktiker, der technisches Know-How hat und eine gewisse Praxis – also zum Beispiel einem HTL-Abschluss. Nach drei Jahren Praxis mit wachsendem Verantwortungsbereich und erster Führungserfahrung bauen wir dann mit Schnittstellenwissen zu den angrenzenden Disziplinen, betriebswirtschaftlichem und strategischem Wissen im Rahmen eines Masterstudiums auf. So der Plan.

Triff mich nächste Woche, wenn ich etwas tue, was ich immer gehasst habe: Einen Fragebogen finalisieren, um eine Basis zu schaffen. Qualitative und quantitative Methoden – yeah.