Archiv der Kategorie: WörkWörk

Amtsblatt | Change Work

Ich darf mich mit einem Projekt beschäftigen, dass sich mit der Erstellung eines Leitfadens zum Thema Building Information Management zum Facility Information Management befasst. Beschäftigen sage ich deshalb, weil die Projektgruppe ein KickOff Meeting hatte und der Projektauftraggeber ein leicht flaues Gefühl hat. Zu Recht, wie ich nach den Besprechungsnotizen sagen darf.

Wenn man als Branchenverband ein solches Projekt angeht, dann sollte man einen Leitfaden erstellen, der es der Branche ermöglicht, den Mehrwert und Nutzen an das Management zu kommunizieren. So ein Leitfaden ist ja quasi das Drehbuch für einen guten Pitch – kurz und knapp, alles Wesentliche und als Ziel: Was muss passieren, damit der Kunde welchen Vorteil hat?

Genau das ist nicht passiert. Da werden sich Gedanken über das operative Doing gemacht. Da geht es darum „Was kostet es?“ und „Welche Bedenken haben wir?“ und „Was kann alles schief gehen?“. Also im Prinzip ein Sammelsurium von Bedenken. Als Nicht-Ziel wurde schomal „Was ist der Mehrwert?“ definiert. Ich sage es mal so: So nicht. Also werde ich jetzt daran gehen, ein Konzept zu basteln, dass als Grundlage zur Erstellung eines Leitfadens dient. Das wird dann wohl mehr oder weniger der Projektauftrag. Eventuell bringe ich mich noch in das Projektcontrolling ein.

Der Ansatz ist: Wenn wir das nicht machen als Branche, dann macht es ein Neueintritt – denn der Bedarf ist da. Wir müssen nur daran gehen, dem Kunden klar zu machen, warum es das nicht zum Nulltarif gibt und was sein Mehrwert ist. Das wird bei den Kunden schon schwer genug, weil er gewohnt ist, im Rahmen von Vergaben „Das machen wir einfach mit.“ zu hören…und dann nie wieder etwas davon zu sehen. Insbesondere Reportings und Strategien – da hat er in der Regel keine Leute im Unternehmen, die sich damit befassen. Also klingt das alles toll bei der Vergabe und findet am Ende nicht statt. Also sollte ein Mehrwert sein: Dashboard mit Kennzahlen auf Basis der Gebäudedaten. Zack – keine Monats-, Quartals- oder gar Wochenreports, sondern ein Blick, was meine Investition gerade macht. Spart seine Zeit und unsere. Schauen wir mal, ob man mir da folgt.

JAM | Change Work

In der Regel sind Sachverhalte nicht überraschend. Sachverhalte folgen – jedenfalls in meinem perzeptiven Universum – Kausalitäten und Zufälle sind Kausalitäten, die wir noch nicht ergründet haben. Es ist durchaus möglich, dass Entwicklungen nicht so passieren, wie man sich das erhofft hat. In einer perfekten Welt könnte man alle Informationen in eine Bewertung einbinden und es würde sich eine Prognose entwickeln, die eigentlich keine Prognose, sondern eine Darstellung der Entwicklung, die sich notwendig so darstellen wird. In der Realität müssen Prognosen mit optionalen Entwicklungssträngen mit Wahrscheinlichkeiten entwickelt werden. Der Stochastik folgend können also auch Optionen realisiert werden, die einen eher geringen Wahrscheinlichkeitsweg haben.

Es gibt ab und an einen Sachverhalt, den analysiere ich nicht und den bewerte ich nicht. Den lebe ich einfach. Den erlebe ich. Dazu müssen die Menschen passen und diese Gelegenheiten sind selten. Dieser Fall tritt immer dann ein, wenn ich einen Freund brauche. Ich habe eigentlich nur vier Freunde – einer hat sich, weil ihn seine Frau betrogen hat gegen einen Baum gefahren und ist tot, einer ist seit langem aus meinem Leben raus und einer ist weit weg. Der vierte und wichtigste Freund ist meine Frau. Jetzt brauche ich einen Freund. Das ist für mich ein großes Ding. Das war ein Projekt, dass ich seit fast fünf Jahren verfolge. Mit Rückschlägen und mit so vielen emotionalen Kosten, dass ich rational schon lange aufgeben müsste. Ich kann aber nicht.

Es ist also an der Zeit, einen Schritt zurück zu nehmen und zu sehen, was sich ändern muss, damit ich wieder atmen kann. Derzeit kann ich das nicht. Derzeit kostet mich das Nachdenken und das Überspielen von emotionalem Sturm so viel Energie, dass ich kaum dazu komme, die Dinge zu tun, die ich normalerweise gut mache – Denken, Lernen und Steuern.

Aktuell muss ich also sortieren, was ich machen sollte, was ich machen kann und was ich machen will. Ich kann das Projekt nicht einfach abschließen. Ich kann in dem Projekt nicht mehr gewinnen. Ich kann das Projekt nicht auf die rationale Ebene ziehen. Ich habe nicht mal jemanden, um Ideen zu pitchen. Im Grunde genommen kann ich nur mit mir selbst ins Reine kommen. Das wird eine neue Erfahrung – und das ist ja auch, was Leben bedeutet. Selbst mit 50.

Im Prinzip werde ich also Dinge aus meinem Leben aussortieren müssen, die ich aktuell nicht brauche und mich auf Dinge konzentrieren, die ich nicht aussortieren kann. Das wird Change Work – und dazu gehört auch ein Tal der Tränen.

JAM | Gedankentetris

Ich habe ja das sagenhafte Glück, dass ich meiner Passion in der Firma nachgehen darf: Ich bin ein Informationsjunkie und darf hier eine Datenkrake sein. Das hat schon so seine Vorteile. Es hat aber auch Nachteile.

Der wesentliche Vorteil ist, ich kann und darf und manchmal soll ich auch bei allen Dingen mitreden. Das kommt mir entgegen, denn „an idle mind is the devils playground“. Das haben meine Chefs schnell mitbekommen und versorgen mich mit meinem Treibstoff: Informationen und Tätigkeiten. Wenn ich da nicht ausgelastet bin, dann suche ich mir Beschäftigung und das geht meist für andere nicht gut aus. Da fallen die Bausteine sehr rational und wenn es funktioniert – was es bis dato immer getan hat – dann verschwinden die Reihen und ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit stellt sich ein. Auch wenn sie mal schneller fallen – es gibt immer eine Lösung. Aktuell darf ich vier Jobs machen und das ist so unsagbar erfüllen, ich kann gar nicht sagen, was schöner ist.

Doch. Es gibt etwas, das schöner ist. Das ist der Nachteil. Solange alles sach- und fachbezogen gehandhabt wird, könnte ich auch noch einen fünften Job machen. Wenn es aber nicht mehr rational zu erfassen ist – wenn man eine Obsession hat – dann wird es schwierig. Ich habe ja in der Regel kein Problem Menschen wie Bausteine zu behandeln und wenn sie nicht funktionieren, werden sie so lange gedreht, bis sie verschwinden. Nur bei meinen Kindern – den Adelskindern – ist das anders. Speziell bei ihr. da ist nichts rational. Da sieht das Spiel derzeit so aus

Da verschwindet nichts – auf der rechten Seite könnte ich schon alles locker weg haben, aber ich kämpfe auf der linken Seite. Verzweifelt. Sie wissen schon – die Hoffnung stirbt zuletzt, dass der richtige Stein kommt. Aber es gibt keinen richtigen Stein. Es gibt nur die Steine die kommen.

Hinzu kommt, dass wir hier mit der Situation „Scorched Earth“ arbeiten. Beide Seiten verbrennen alles unter ihrer Kontrolle. Sie kann aber besser „Ablegen und vergessen“ als ich – auch, weil mir sehr viel an ihr liegt.

Daher also kann ich derzeit nicht auf der rationalen Seite voran kommen. Dafür gehen aktuell zu viele Ressourcen dafür drauf, das Bild einer ruhigen See zu zeigen, wenn innerlich der Sturm wütet. Restart des Spiels ist ausgeschlossen. Das geht nu auf der rechten Seite. Die linke Seite ist wie sie ist – und ich bin etwas betrübt darüber, dass ich nicht davon lassen kann.

ich frage mich, ob das mit richtigen Kindern genauso ist – und wenn ja, bin ich froh, dass ich keine habe.

Amtsblatt | Invasive Transformation

Die Bildungspunks rufen und das hört man, auch wenn man kein Lehrer ist. Wobei ich ja den Begriff Pädagoge mehr schätze und das sollte man im wahrsten Sinne des Wortes auch als Führungskraft sein. Jemand, der den Nachwuchs leitet, führt, zieht, schiebt und … hin und wieder nudged. Nudging – mein Lieblingswerkzeug bei der Entwicklung meiner Adelskinder. Aber ich schweife ab.

Die Bildungspunks interessieren sich diesen Monat für das Thema Change Management im Bereich der Digitalisierung…und wie bekomme ich die das Urgestein einer Firma, die Gordon Gekkos auf der Brücke und die vielen Räder im Getriebe der modernen Zeiten ins Boot.

Aktuell reden die Flaggoffiziere über die Notwendigkeit der Digitalisierung, die Offiziere sind zu sehr damit beschäftigt den Dampfer am Laufen zu halten, die Bootsmänner haben „das noch nie gebraucht in ihren 20 Jahren der Seefahrt“ und die Matrosen sind hier für die Heuer und den Besuch im nächsten Hafen. Ich betrachte mich ja in diesem Bild als den Adjutant des Admirals. Gesegnet mit recht vielen Freiheiten und dem Wissen, dass ich diese Freiheit nutzen kann, weil ohnehin kaum jemand versteht, was ich mache und auch in der Regel nicht fragt, weil ich ja der Adjutant bin.

Also zurück zum Shift: Jeder Mitarbeiter weiß, dass wir ein Computer Aided Facility Management System benötigen, wenn wir weiter kommen wollen. Jeder Mitarbeiter – nein, eigentlich weiß es keiner. Keiner weiß, warum wir das brauchen und es macht eigentlich auch nur mehr Arbeit und „ich will doch nur Techniker sein und nicht meine Zeit vor dem Tablet verbringen…“. Mein Ansatz ist: Suche Dir sehr wenige Multiplikatoren und beginne beim Change ganz unten.

Die Multiplikatoren in meinem Fall war eine Mitarbeiterin aus dem Vertragsmanagement, die Erfahrung in der Umsetzung von IT-Projekten im administrativen Bereich hat  Keine IT-Frau, sondern eher eine durchsetzungsstarke Persönlichkeit mit der Fähigkeit die Sprache des Management und die Sprache der Techniker zu sprechen. Das war mein Brecheisen. Das oberste Management an Bord zu bekommen war kein Problem – man verspreche Ihnen einfach Kennzahlen. Management loves Kennzahlen. Die Basis waren dann Techniker und die unterste Führungsebene – Leute am Beginn ihrer Karriere. Leute, die zwar auch im Tagesgeschäft ertrinken, aber die auch einen Zug sehen und rechtzeitig einsteigen, denn es hebt sie von den Dinosauriern ab.  Tricky ist, dass das ein long-shot ist. Das kostet auch einen breiten Rücken, denn die Basis muss lange und ausdauernd geschützt werden. Gerade gegenüber dem mittleren Management. Dazu gehört auch ein ständiges promoten von quick wins als deren Verdienst  gegenüber dem obersten Management. Das ist der Nukleus, um den sich der Change entwickelt. Spätestens wenn das Management sieht, wie die Basis – diese kleine Gruppe – Mehrwert produziert. Wie sich deren Verantwortungsbereiche steuern lassen und sich als komplexe Systeme mit Hilfe digitaler Transformation zu einem power house verwandelt, dann hat man es geschafft. Dann kann man diese „Invasiven Mitarbeiter“ in anderen Bereichen als Sandkorn setzen, auf das es Perlen werden. Das ganze gesteuert durch den Multiplikator. Das ist „Team Future“ in meiner Firma und ich freue mich darauf, das Ergebnis bis zu meinem Ruhestand zu sehen.

Marina Weisband hat etwas interessantes über Kinder getwittert:

In der Tat sind sie hier und sollen sie uns ersetzen. Das ist die Chance. Wenn wir die Kinder erreichen und ihnen den Freiraum geben, dann kommt der Change unausweichlich. Das mag länger dauern, ist aber nachhaltiger. Man kann auch brachial top down den Wandel erzwingen – aber dann machen Menschen nur was sie sollen und nicht, was sinnvoll ist. Aber gewachsenen Wandel – das ist Zukunft bauen.

Das habe ich auch mit meinen Adelskindern gemacht. Nebenbei: der Begriff Adelskinder resultiert, weil die Geschäftsführung zwei Königskinder hat und die Abteilungsleiter ihre Fürstenkinder – meine sind eben Adelskinder. Allerdings Industrieadel – die beiden arbeiten für ihre Erfolge. Bei meinen Ansprüchen mehr und intensiver als der durchschnittliche Mitarbeiter. Ich helfe ihnen, wo ich kann und sorge nur dafür, dass ihre Leistung „gesehen“ wird. Nepotismus – ja, aber sie zahlen auch mit höheren Ansprüchen, die sie erreichen müssen. Investitionen in Kinder haben das beste ROI – und Wandel ist in ihrer Natur. Alles was es braucht, ist ein wenig nudging.

Amtsblatt | Arkanes Wissen

Im Rahmen meiner Tätigkeit darf ich ja viele Dinge erleben. Bei manchen dieser Dinge bin ich froh, dass die Grunts das nicht wissen. Das bezeichne ich dann gern als Arkanes WIssen – quasi eine Form Herrschaftswissen.

Nehmen wir zum Beispiel die Basics der Unternehmensführung: Vision, Mission und Strategie. Der durchschnittliche Mitarbeiter – die Grunts – interessieren sich nur sehr bedingt dafür. Kunststück – die Leistungsnorm ist inzwischen auf einem „optimierten“ Niveau, dass sie die Masse der Zeit damit beschäftigt sind, ihre Arbeitsleistung zu erbringen. Reflexion auf das was man tut, Ideen, wie es besser gehen könnte oder auch nur die Einordnung der eigenen Tätigkeit in einen Gesamtkontext bleibt da auf der Strecke. Wozu also eine Strategie oder eine Vision? Man könnte jetzt sagen: „Brauch man für die ISO.“ oder „Ist für den Aufsichtsrat plakativ.“ Das ist aber nicht die Idee. Es sollte Orientierung geben – nur warum einen Kompass, wenn nie jemand drauf schaut, weil man eigentlich ohnehin nur im Hier lebt.

Was es noch etwas trauriger macht ist, wie diese Kernelemente der Unternehmensführung zu Stande kommen. Man hat ja immer so das hehre Bild vor Augen, dass hochgebildete Menschen sich in Workshops mittels umfangreicher Daten, wie Marktprognosen und Branchenanalysen darauf einigen, wie sich das Unternehmen darstellen soll. Mit Unternehmenspolitik und allem, was dazu gehört. Die Wahrheit ist aber: Jemand schreibt etwas und alle sind froh, dass sie sich nicht damit befassen müssen. So geschehen – so erlebt. In Wahrheit ist das Wissen zur Unternehmenslenkung nicht arkan. Es ist eigentlich vielmehr try and error als die Grunts glauben. Erschreckend ist, dass Intelligenz einer Karriere im Management oft entgegen steht. Nicht zu komplex denken – alles auf die Basics reduzieren, damit die Führungskräfte, die ihre Lorbeeren – tapfere Liniensoldaten zu sein – im 20. Jahrhundert geerntet haben und seitdem eigentlich nur reproduzieren anstatt zu lernen. Bitter, aber auch das ist Echtbetrieb.

Insofern sollte man das Management nicht zu sehr mystifizieren. Es gehört viel weniger dazu, als guter Manager zu gelten, als man denkt. Im Zweifelsfall gehört einfach jemand dazu, der einem die Arbeit macht … und einem die Komplexität der Welt erklärt und der es aushält, dass man ihn belehrt, dass das „Früher auch alles ging.“

Amtsblatt | Generalisten

In meiner Umgebung gibt es eine Menge von Mitarbeitern, die ziemlich gut in ihrem Job sind. Also in dem Job, den sie machen – oft seit Jahren. Sie sind manchmal hineingewachsen, manchmal sind sie einfach ins Wasser gesprungen und schwammen und manchmal standen sie einfach zur richtigen Zeit auf dem Gang, als ein Problem auftauchte.

Es ist schwer, solche Menschen zu animieren, mehr aus sich zu machen, als sie sind. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Feststellung – und man möge mir glauben, dass ich es versucht habe. „Wozu – ich kann ja, was ich tue.“ von einem Experten oder „Ich nicht mehr.“ von einer 50jährigen Führungskraft. Das Problem, dass keiner sieht ist: Das was sie tun, kann morgen nicht mehr da sein. Auch das Berufsbild des Facility Managers verändert sich. Die Digitalisierung nimmt zu – der Schwerpunkt der Tätigkeit verschiebt sich vom technischen Aspekt zu einem Consulting Job. Der Kunde möchte erklärt bekommen, was passiert und beraten werden, was passieren soll. Es wird zwar nie ein Data Scientist aus einem Techniker, aber das Stehenbleiben auf dem, was sie können in dem blinden Vertrauen darauf, dass ihr Job auch in 10 Jahren noch so sein wird, wie heute, ist schon abstrus.

Jetzt wäre es an der Firma, die Jobprofile an der Strategie und auf Basis der Marktprognosen auszurichten. Es wäre die Aufgabe des Unternehmens die Mitarbeiter zu fordern und zu fördern, die sich der Zukunft stellen und nicht bei der Arbeitsleistung von der Hand in den Mund zu leben. Alle tollen employer branding und Marketingmaßnahmen sind vergebens, wenn wir die Menschen, die in den kommenden Jahren noch bestimmend sind einfach so handeln zu lassen, als würde sich nichts verändern. Weder Jobprofile, Tätigkeiten oder Führungskompetenzen können mit dem Wissen des 20. Jahrhunderts das Bestehen im 21. Jahrhunderts sichern. Weder auf der individuellen, noch auf der betriebswirtschaftlichen Ebene.

Amtsblatt | Scheitern ist Lernen

Die #edupnx haben ein neues Thema und da ich gerade wieder ins Schreiben kommen muss, nehme ich das einfach mal zum Anlass meine 2 Cent dazu beizutragen. 2 Cent bei der Anzahl der Wörter – mieser Stundenlohn und damit bin ich ja in guter Gesellschaft mit der Lehre und Bildung. Man könnte also schon vom Scheitern eine guten Bildungspolitik sprechen, aber das soll nicht der Punkt sein.

Vorab – ich bin kein Lehrer im behördlichen Sinne. Allerdings fasse ich meine Tagesfreizeit als Führungskraft und Experte für…a lot of things gern als Tutor auf. Als Steuermann im Rahmen eines kybernetischen Ansatzes von Führung. In diesem Sinne ist mir scheitern durchaus vertraut. Nicht im betriebswirtschaftlichen Sinne, sondern im Sinne der nobelsten Aufgabe, die man als Mensch haben kann: Menschen zu unterstützen, Ziele zu erreichen und auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen stärkere Individuen zu werden.

Dabei kann man scheitern. Darüber muss man sich immer im Klaren sein. Ich bin oft gescheitert. Im kleinen Maßstab, wenn Menschen trotz intensiver Beratung einen nicht gerade optimalen Weg wählen – aber es ist ihr Weg und dann muss man als Tutor die Stärke haben, das eigene Scheitern hinten anzustellen und Sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Im großen Maßstab ist das eine unglaubliche Last. Wenn Menschen, in die man viel Zeit und Kraft investiert hat ihre großen Ziele aufgeben, um kleine Vorteile zu generieren, wenn sie weder ihr Potential entwickeln, wenn sie nicht der Mensch sind, den man glaubte zu sehen. Das Scheitern liegt in dem Fall in der Sache und man wird seiner Verantwortung gegenüber allen anderen Menschen nicht gerecht, wenn man seine Aufgabe nicht weiter verfolgt, weil man sich das Scheitern als persönliches Versagen anrechnet – oder noch schlimmer die Menschen in seiner Verantwortung dafür verantwortlich macht.

Ein guter Tutor – eine gute Führungskraft – nimmt Scheitern als in der Sache begründet wahr. Er lernt und wird ein besserer Tutor. Lessons learned sind das wichtigste Element des Scheiterns und wenn man das begreift und sich dem stellt, dann ist das Wort Scheitern eigentlich obsolet. Es ist Lernen – und was ist besser, als der Lohn beim nächsten Tutee das Lernziel zu erreichen.

Wäre schön, wenn auch die Bildungspolitik das lernen würde und dann ihr Scheitern bisher als Chance zum Lernen zu begreifen. Dazu müsste man sich aber auch erst dem Scheitern stellen. Auch eine lesson learned.

Amtsblatt – Die Idee der Judo-Strategie

Ich muss ausschweifen. Nicht, dass ich das nicht ohnehin gern tue – aber hier muss ich. Daher kann es auch sein, dass ich hier noch nicht zum Punkt komme. Also zu einem sicher, aber nicht zu „Dem Punkt.“

Es gibt einen großartigen Autor mit dem wohlklingenden Nassim Nicolas Taleb. Der Mann hat eine ziemlich clevere Idee und genug F**kyou-Money, um sich die Tage mit dem darauf herumdenken zu verschönern. Die Idee ist – wie beinahe alle wirklich guten Ideen – im Kern recht simpel: Was wäre, wenn wir Systeme so gestalten, dass sie durch Belastung besser werden. Das klingt wie ein perpetuum mobile – ist aber gar nicht so schwer. Man muss nur zulassen, dass sich nicht viable Systeme bereits im Wachstum zerlegen. Im Rahmen eines Konzerns würde das bedeuten, dass man einfach die Geschäftsfelder machen lässt und wenn sie eingehen, dann lässt man sie eingehen, bevor sie systemrelevant werden. Das ist in etwa so, als würde man zehn Mal aus einem Meter auf den Boden fallen oder – wenn man so ein Geschäftsfeld lange genug mitzieht – eben einmal aus zehn Metern Höhe fällt. Insgesamt wird das System Konzern durch die ständige Belastung durch den Markt stärker. Es muss angemerkt werden, dass Taleb hier im Kern wie ein Judoka denkt: Er nutzt die Wucht des Marktes, anstatt sie als Bedrohung wahrzunehmen, für seinen eigenen Zweck und stärkt das Gesamtsystem – auch auf Kosten des Einzelsystems.

Genau dies kann man auch mit Menschen machen. Es dürfte jedem schon diese Sorte Menschen begegnet sein, die man gern ausblenden würde, denen man aber aus einer morbiden Faszination trotzdem zuhört oder zusieht. Diese Menschen, die in Besprechung senden und senden und am Ende sogar durchsetzen, was auch immer sie sich ausgedacht haben. Dieser Mensch, bei dem man nicht weiß, warum man sich noch auf eine Argumentation einlassen soll, weil am Ende fühlt man sich doof und er hat einen – in Ermangelung eines besseren Wortes – überzeugt.

In der Regel versucht man das entweder hinzunehmen oder zu ignorieren oder mit Rosinante unter dem Hintern und Lanze im Anschlag im Sturmritt auf die Windmühle zu bekämpfen. Da wären wir beim nächsten Bild: Windmühle. Besonders schlimm sind solche Leute ja, wenn sie aus Wind nichts mahlen. Wenn sie im eigenen Fachgebiet wildern, ohne Fachkenntnis und nur auf Grund der Sendekraft Diskussionen aushebeln. Der Fachmann resigniert – weil der Klügere gibt nach. Die Dummen regieren die Welt. Beweis Nummer eins: POTUS.

Jetzt stellen wir uns mal vor, wir könnten die Kraft eines solchen Menschen nutzen, anstatt unsere im WIndmühlensturm zu verschwenden. Man könnte durch Nudging – oh ja, ich habe Misbehaving weit vor der Nobelpreisverleihung gelesen – so eine Windkanone mit Wissen füllen, ihn in die richtige Richtung drehen und abfeuern. Dann kann man sich zurücklehnen und genießen.

Die Idee der Judo-Strategie ist es, die Kraft von einem scheinbar systembedrohenden Faktor dazu zu nutzen, ohne viel eigenen Aufwand, das System zu stärken.

Das ist jedenfalls mal mein Ansatz. Aikido wurde mir als „treffendere Analogie“ angeboten. Aber ich finde Judo immer noch besser. So.

Amtsblatt – Die Idee Projekt Sushi-FM

Eine ehemalige Kollegin hat sich wieder mal nicht schnell genug wegducken können und ist nun um die Erfahrung reicher, ein Teilprojekt zu leiten. Da mich ja quasi alles interessiert und ich im Wegducken auch nicht so begabt bin – und ja, weil ich auch gern meine Nase in alles reinstecke, was neu und bereichernd sein kann*) – habe ich mal die Antwortoption „Hilfe gewähren“ gedrückt. Wenn ich nicht Probleme mit den Nutzerrechten bekommen würde, wäre jetzt hier ein Bild aus „300“ und der Unterschrift „I am a generous god.“ eingefügt.

*) Bei dem ich als der Klügste im Raum dastehen kann.

Also worum geht es – im Sinne von Mito sei hier schonmal die Spannung genommen: Es geht um die Zukunft des Facility Managements in Österreich. No big deal. Nur eine Wachstumsbranche. Nur ein Wahnsinnsmarkt. Nur mal eben so.

Wenn mich jemand fragt, was ich mache, dann hängt meine Antwort in der Regel davon ab, ob ich ein Gespräch haben möchte oder nicht. Sage ich nur Business Development im Immobiliensektor bin ich interessant. Sage ich Facility Management oder Gebäudedienste, dann bin ich raus – mit dem Hausmeister mag niemand sprechen. Bis das Leuchtmittel kaputt oder die Lüftung ausgefallen ist.

Das Facility Management hat ein Problem. Ich erkläre das gern zum Sushi Problem. Für den Laien ist Sushi Reis mit rohem Fisch. Es ist schwer einem Laien klar zu machen, warum er für Reis und rohen Fisch einen hohen Preis zahlen soll. Das wird ihm erst klar, wenn mal bei einem schlechten – in der Regel billigem – Sushi-Restaurant Gast war. Das Problem erweitert sich dadurch, dass er daraus in der Regel nichts lernt. Er wird weiterhin billige Sushi-Restaurants aufsuchen oder alle Sushi-Restaurant verteufeln. Ebenso ist es mit Facility Management. Das Bewusstsein, was das Management einer komplexen Immobilie bedeutet wird in der Regel erst dann bewusst, wenn man den falschen Dienstleister hat. Die Bedeutung der Reinigung, der Wartung und Inspektion oder auch der Beratung zur Nutzungsoptimierung wird erst dann deutlich, wenn es nicht funktioniert. Sonst ist das so etwas wie das Hintergrundgeräusch in der Stadt – es nervt und man findet sich damit ab, da man ja hip und urban leben mag. Das braucht dann eben gut qualifizierte und in der Regel gut bezahlte Leute.

Wo setzt man nun an, wenn man das Facility Management in der Zukunft in den Köpfen der Kunden und Auftraggeber neu positionieren möchte. Bingo. Bei den Leute, die mit den Kunden und Auftraggebern zu tun haben. Also bei den Facility Managern. Leider ist es schwer, gegen schicke neue Arbeitgeber als „place to be“ anzutreten, wenn man nicht einmal bei den Chicks landen kann mit „Ich bin im Facility Management, Baby.“ Es fehlt einfach das … das … es fehlt einfach, ok?

Das Projekt setzt jetzt dort an: Welche Leistung des Facility Managers ist nicht digitalisierbar? Antwort: Der Beratungs- und Interpretationsanteil. Daten bekommen wir über Building Information Management, Daten verwalten wir über das Computer Aided Facility Management System, Wartung und Inspektion machen wir mit Predictive Maintenance. Nur all dies nutzt wenig, wenn es keiner beherrscht und keiner kommunzieren kann – mach deine Arbeit und rede darüber ist eben auch die halbe Zukunft.

Um das alles zu beherrschen brauchen wir also einen Praktiker, der technisches Know-How hat und eine gewisse Praxis – also zum Beispiel einem HTL-Abschluss. Nach drei Jahren Praxis mit wachsendem Verantwortungsbereich und erster Führungserfahrung bauen wir dann mit Schnittstellenwissen zu den angrenzenden Disziplinen, betriebswirtschaftlichem und strategischem Wissen im Rahmen eines Masterstudiums auf. So der Plan.

Triff mich nächste Woche, wenn ich etwas tue, was ich immer gehasst habe: Einen Fragebogen finalisieren, um eine Basis zu schaffen. Qualitative und quantitative Methoden – yeah.