Archiv der Kategorie: Facility Management

Amtsblatt | Invasive Transformation

Die Bildungspunks rufen und das hört man, auch wenn man kein Lehrer ist. Wobei ich ja den Begriff Pädagoge mehr schätze und das sollte man im wahrsten Sinne des Wortes auch als Führungskraft sein. Jemand, der den Nachwuchs leitet, führt, zieht, schiebt und … hin und wieder nudged. Nudging – mein Lieblingswerkzeug bei der Entwicklung meiner Adelskinder. Aber ich schweife ab.

Die Bildungspunks interessieren sich diesen Monat für das Thema Change Management im Bereich der Digitalisierung…und wie bekomme ich die das Urgestein einer Firma, die Gordon Gekkos auf der Brücke und die vielen Räder im Getriebe der modernen Zeiten ins Boot.

Aktuell reden die Flaggoffiziere über die Notwendigkeit der Digitalisierung, die Offiziere sind zu sehr damit beschäftigt den Dampfer am Laufen zu halten, die Bootsmänner haben „das noch nie gebraucht in ihren 20 Jahren der Seefahrt“ und die Matrosen sind hier für die Heuer und den Besuch im nächsten Hafen. Ich betrachte mich ja in diesem Bild als den Adjutant des Admirals. Gesegnet mit recht vielen Freiheiten und dem Wissen, dass ich diese Freiheit nutzen kann, weil ohnehin kaum jemand versteht, was ich mache und auch in der Regel nicht fragt, weil ich ja der Adjutant bin.

Also zurück zum Shift: Jeder Mitarbeiter weiß, dass wir ein Computer Aided Facility Management System benötigen, wenn wir weiter kommen wollen. Jeder Mitarbeiter – nein, eigentlich weiß es keiner. Keiner weiß, warum wir das brauchen und es macht eigentlich auch nur mehr Arbeit und „ich will doch nur Techniker sein und nicht meine Zeit vor dem Tablet verbringen…“. Mein Ansatz ist: Suche Dir sehr wenige Multiplikatoren und beginne beim Change ganz unten.

Die Multiplikatoren in meinem Fall war eine Mitarbeiterin aus dem Vertragsmanagement, die Erfahrung in der Umsetzung von IT-Projekten im administrativen Bereich hat  Keine IT-Frau, sondern eher eine durchsetzungsstarke Persönlichkeit mit der Fähigkeit die Sprache des Management und die Sprache der Techniker zu sprechen. Das war mein Brecheisen. Das oberste Management an Bord zu bekommen war kein Problem – man verspreche Ihnen einfach Kennzahlen. Management loves Kennzahlen. Die Basis waren dann Techniker und die unterste Führungsebene – Leute am Beginn ihrer Karriere. Leute, die zwar auch im Tagesgeschäft ertrinken, aber die auch einen Zug sehen und rechtzeitig einsteigen, denn es hebt sie von den Dinosauriern ab.  Tricky ist, dass das ein long-shot ist. Das kostet auch einen breiten Rücken, denn die Basis muss lange und ausdauernd geschützt werden. Gerade gegenüber dem mittleren Management. Dazu gehört auch ein ständiges promoten von quick wins als deren Verdienst  gegenüber dem obersten Management. Das ist der Nukleus, um den sich der Change entwickelt. Spätestens wenn das Management sieht, wie die Basis – diese kleine Gruppe – Mehrwert produziert. Wie sich deren Verantwortungsbereiche steuern lassen und sich als komplexe Systeme mit Hilfe digitaler Transformation zu einem power house verwandelt, dann hat man es geschafft. Dann kann man diese „Invasiven Mitarbeiter“ in anderen Bereichen als Sandkorn setzen, auf das es Perlen werden. Das ganze gesteuert durch den Multiplikator. Das ist „Team Future“ in meiner Firma und ich freue mich darauf, das Ergebnis bis zu meinem Ruhestand zu sehen.

Marina Weisband hat etwas interessantes über Kinder getwittert:

In der Tat sind sie hier und sollen sie uns ersetzen. Das ist die Chance. Wenn wir die Kinder erreichen und ihnen den Freiraum geben, dann kommt der Change unausweichlich. Das mag länger dauern, ist aber nachhaltiger. Man kann auch brachial top down den Wandel erzwingen – aber dann machen Menschen nur was sie sollen und nicht, was sinnvoll ist. Aber gewachsenen Wandel – das ist Zukunft bauen.

Das habe ich auch mit meinen Adelskindern gemacht. Nebenbei: der Begriff Adelskinder resultiert, weil die Geschäftsführung zwei Königskinder hat und die Abteilungsleiter ihre Fürstenkinder – meine sind eben Adelskinder. Allerdings Industrieadel – die beiden arbeiten für ihre Erfolge. Bei meinen Ansprüchen mehr und intensiver als der durchschnittliche Mitarbeiter. Ich helfe ihnen, wo ich kann und sorge nur dafür, dass ihre Leistung „gesehen“ wird. Nepotismus – ja, aber sie zahlen auch mit höheren Ansprüchen, die sie erreichen müssen. Investitionen in Kinder haben das beste ROI – und Wandel ist in ihrer Natur. Alles was es braucht, ist ein wenig nudging.

Amtsblatt | Generalisten

In meiner Umgebung gibt es eine Menge von Mitarbeitern, die ziemlich gut in ihrem Job sind. Also in dem Job, den sie machen – oft seit Jahren. Sie sind manchmal hineingewachsen, manchmal sind sie einfach ins Wasser gesprungen und schwammen und manchmal standen sie einfach zur richtigen Zeit auf dem Gang, als ein Problem auftauchte.

Es ist schwer, solche Menschen zu animieren, mehr aus sich zu machen, als sie sind. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Feststellung – und man möge mir glauben, dass ich es versucht habe. „Wozu – ich kann ja, was ich tue.“ von einem Experten oder „Ich nicht mehr.“ von einer 50jährigen Führungskraft. Das Problem, dass keiner sieht ist: Das was sie tun, kann morgen nicht mehr da sein. Auch das Berufsbild des Facility Managers verändert sich. Die Digitalisierung nimmt zu – der Schwerpunkt der Tätigkeit verschiebt sich vom technischen Aspekt zu einem Consulting Job. Der Kunde möchte erklärt bekommen, was passiert und beraten werden, was passieren soll. Es wird zwar nie ein Data Scientist aus einem Techniker, aber das Stehenbleiben auf dem, was sie können in dem blinden Vertrauen darauf, dass ihr Job auch in 10 Jahren noch so sein wird, wie heute, ist schon abstrus.

Jetzt wäre es an der Firma, die Jobprofile an der Strategie und auf Basis der Marktprognosen auszurichten. Es wäre die Aufgabe des Unternehmens die Mitarbeiter zu fordern und zu fördern, die sich der Zukunft stellen und nicht bei der Arbeitsleistung von der Hand in den Mund zu leben. Alle tollen employer branding und Marketingmaßnahmen sind vergebens, wenn wir die Menschen, die in den kommenden Jahren noch bestimmend sind einfach so handeln zu lassen, als würde sich nichts verändern. Weder Jobprofile, Tätigkeiten oder Führungskompetenzen können mit dem Wissen des 20. Jahrhunderts das Bestehen im 21. Jahrhunderts sichern. Weder auf der individuellen, noch auf der betriebswirtschaftlichen Ebene.

Amtsblatt – Die Idee Projekt Sushi-FM

Eine ehemalige Kollegin hat sich wieder mal nicht schnell genug wegducken können und ist nun um die Erfahrung reicher, ein Teilprojekt zu leiten. Da mich ja quasi alles interessiert und ich im Wegducken auch nicht so begabt bin – und ja, weil ich auch gern meine Nase in alles reinstecke, was neu und bereichernd sein kann*) – habe ich mal die Antwortoption „Hilfe gewähren“ gedrückt. Wenn ich nicht Probleme mit den Nutzerrechten bekommen würde, wäre jetzt hier ein Bild aus „300“ und der Unterschrift „I am a generous god.“ eingefügt.

*) Bei dem ich als der Klügste im Raum dastehen kann.

Also worum geht es – im Sinne von Mito sei hier schonmal die Spannung genommen: Es geht um die Zukunft des Facility Managements in Österreich. No big deal. Nur eine Wachstumsbranche. Nur ein Wahnsinnsmarkt. Nur mal eben so.

Wenn mich jemand fragt, was ich mache, dann hängt meine Antwort in der Regel davon ab, ob ich ein Gespräch haben möchte oder nicht. Sage ich nur Business Development im Immobiliensektor bin ich interessant. Sage ich Facility Management oder Gebäudedienste, dann bin ich raus – mit dem Hausmeister mag niemand sprechen. Bis das Leuchtmittel kaputt oder die Lüftung ausgefallen ist.

Das Facility Management hat ein Problem. Ich erkläre das gern zum Sushi Problem. Für den Laien ist Sushi Reis mit rohem Fisch. Es ist schwer einem Laien klar zu machen, warum er für Reis und rohen Fisch einen hohen Preis zahlen soll. Das wird ihm erst klar, wenn mal bei einem schlechten – in der Regel billigem – Sushi-Restaurant Gast war. Das Problem erweitert sich dadurch, dass er daraus in der Regel nichts lernt. Er wird weiterhin billige Sushi-Restaurants aufsuchen oder alle Sushi-Restaurant verteufeln. Ebenso ist es mit Facility Management. Das Bewusstsein, was das Management einer komplexen Immobilie bedeutet wird in der Regel erst dann bewusst, wenn man den falschen Dienstleister hat. Die Bedeutung der Reinigung, der Wartung und Inspektion oder auch der Beratung zur Nutzungsoptimierung wird erst dann deutlich, wenn es nicht funktioniert. Sonst ist das so etwas wie das Hintergrundgeräusch in der Stadt – es nervt und man findet sich damit ab, da man ja hip und urban leben mag. Das braucht dann eben gut qualifizierte und in der Regel gut bezahlte Leute.

Wo setzt man nun an, wenn man das Facility Management in der Zukunft in den Köpfen der Kunden und Auftraggeber neu positionieren möchte. Bingo. Bei den Leute, die mit den Kunden und Auftraggebern zu tun haben. Also bei den Facility Managern. Leider ist es schwer, gegen schicke neue Arbeitgeber als „place to be“ anzutreten, wenn man nicht einmal bei den Chicks landen kann mit „Ich bin im Facility Management, Baby.“ Es fehlt einfach das … das … es fehlt einfach, ok?

Das Projekt setzt jetzt dort an: Welche Leistung des Facility Managers ist nicht digitalisierbar? Antwort: Der Beratungs- und Interpretationsanteil. Daten bekommen wir über Building Information Management, Daten verwalten wir über das Computer Aided Facility Management System, Wartung und Inspektion machen wir mit Predictive Maintenance. Nur all dies nutzt wenig, wenn es keiner beherrscht und keiner kommunzieren kann – mach deine Arbeit und rede darüber ist eben auch die halbe Zukunft.

Um das alles zu beherrschen brauchen wir also einen Praktiker, der technisches Know-How hat und eine gewisse Praxis – also zum Beispiel einem HTL-Abschluss. Nach drei Jahren Praxis mit wachsendem Verantwortungsbereich und erster Führungserfahrung bauen wir dann mit Schnittstellenwissen zu den angrenzenden Disziplinen, betriebswirtschaftlichem und strategischem Wissen im Rahmen eines Masterstudiums auf. So der Plan.

Triff mich nächste Woche, wenn ich etwas tue, was ich immer gehasst habe: Einen Fragebogen finalisieren, um eine Basis zu schaffen. Qualitative und quantitative Methoden – yeah.