Archiv der Kategorie: Kollegen

JAM | Gedankentetris

Ich habe ja das sagenhafte Glück, dass ich meiner Passion in der Firma nachgehen darf: Ich bin ein Informationsjunkie und darf hier eine Datenkrake sein. Das hat schon so seine Vorteile. Es hat aber auch Nachteile.

Der wesentliche Vorteil ist, ich kann und darf und manchmal soll ich auch bei allen Dingen mitreden. Das kommt mir entgegen, denn „an idle mind is the devils playground“. Das haben meine Chefs schnell mitbekommen und versorgen mich mit meinem Treibstoff: Informationen und Tätigkeiten. Wenn ich da nicht ausgelastet bin, dann suche ich mir Beschäftigung und das geht meist für andere nicht gut aus. Da fallen die Bausteine sehr rational und wenn es funktioniert – was es bis dato immer getan hat – dann verschwinden die Reihen und ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit stellt sich ein. Auch wenn sie mal schneller fallen – es gibt immer eine Lösung. Aktuell darf ich vier Jobs machen und das ist so unsagbar erfüllen, ich kann gar nicht sagen, was schöner ist.

Doch. Es gibt etwas, das schöner ist. Das ist der Nachteil. Solange alles sach- und fachbezogen gehandhabt wird, könnte ich auch noch einen fünften Job machen. Wenn es aber nicht mehr rational zu erfassen ist – wenn man eine Obsession hat – dann wird es schwierig. Ich habe ja in der Regel kein Problem Menschen wie Bausteine zu behandeln und wenn sie nicht funktionieren, werden sie so lange gedreht, bis sie verschwinden. Nur bei meinen Kindern – den Adelskindern – ist das anders. Speziell bei ihr. da ist nichts rational. Da sieht das Spiel derzeit so aus

Da verschwindet nichts – auf der rechten Seite könnte ich schon alles locker weg haben, aber ich kämpfe auf der linken Seite. Verzweifelt. Sie wissen schon – die Hoffnung stirbt zuletzt, dass der richtige Stein kommt. Aber es gibt keinen richtigen Stein. Es gibt nur die Steine die kommen.

Hinzu kommt, dass wir hier mit der Situation „Scorched Earth“ arbeiten. Beide Seiten verbrennen alles unter ihrer Kontrolle. Sie kann aber besser „Ablegen und vergessen“ als ich – auch, weil mir sehr viel an ihr liegt.

Daher also kann ich derzeit nicht auf der rationalen Seite voran kommen. Dafür gehen aktuell zu viele Ressourcen dafür drauf, das Bild einer ruhigen See zu zeigen, wenn innerlich der Sturm wütet. Restart des Spiels ist ausgeschlossen. Das geht nu auf der rechten Seite. Die linke Seite ist wie sie ist – und ich bin etwas betrübt darüber, dass ich nicht davon lassen kann.

ich frage mich, ob das mit richtigen Kindern genauso ist – und wenn ja, bin ich froh, dass ich keine habe.

Amtsblatt | Scheitern ist Lernen

Die #edupnx haben ein neues Thema und da ich gerade wieder ins Schreiben kommen muss, nehme ich das einfach mal zum Anlass meine 2 Cent dazu beizutragen. 2 Cent bei der Anzahl der Wörter – mieser Stundenlohn und damit bin ich ja in guter Gesellschaft mit der Lehre und Bildung. Man könnte also schon vom Scheitern eine guten Bildungspolitik sprechen, aber das soll nicht der Punkt sein.

Vorab – ich bin kein Lehrer im behördlichen Sinne. Allerdings fasse ich meine Tagesfreizeit als Führungskraft und Experte für…a lot of things gern als Tutor auf. Als Steuermann im Rahmen eines kybernetischen Ansatzes von Führung. In diesem Sinne ist mir scheitern durchaus vertraut. Nicht im betriebswirtschaftlichen Sinne, sondern im Sinne der nobelsten Aufgabe, die man als Mensch haben kann: Menschen zu unterstützen, Ziele zu erreichen und auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen stärkere Individuen zu werden.

Dabei kann man scheitern. Darüber muss man sich immer im Klaren sein. Ich bin oft gescheitert. Im kleinen Maßstab, wenn Menschen trotz intensiver Beratung einen nicht gerade optimalen Weg wählen – aber es ist ihr Weg und dann muss man als Tutor die Stärke haben, das eigene Scheitern hinten anzustellen und Sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Im großen Maßstab ist das eine unglaubliche Last. Wenn Menschen, in die man viel Zeit und Kraft investiert hat ihre großen Ziele aufgeben, um kleine Vorteile zu generieren, wenn sie weder ihr Potential entwickeln, wenn sie nicht der Mensch sind, den man glaubte zu sehen. Das Scheitern liegt in dem Fall in der Sache und man wird seiner Verantwortung gegenüber allen anderen Menschen nicht gerecht, wenn man seine Aufgabe nicht weiter verfolgt, weil man sich das Scheitern als persönliches Versagen anrechnet – oder noch schlimmer die Menschen in seiner Verantwortung dafür verantwortlich macht.

Ein guter Tutor – eine gute Führungskraft – nimmt Scheitern als in der Sache begründet wahr. Er lernt und wird ein besserer Tutor. Lessons learned sind das wichtigste Element des Scheiterns und wenn man das begreift und sich dem stellt, dann ist das Wort Scheitern eigentlich obsolet. Es ist Lernen – und was ist besser, als der Lohn beim nächsten Tutee das Lernziel zu erreichen.

Wäre schön, wenn auch die Bildungspolitik das lernen würde und dann ihr Scheitern bisher als Chance zum Lernen zu begreifen. Dazu müsste man sich aber auch erst dem Scheitern stellen. Auch eine lesson learned.