Denkamt | Digitalfeudalismus

Also @DerLinkshaender entpuppt sich ja mehr und mehr als der Impulsgeber für Beiträge – wenn ich ihm nicht schon folgen würde, ich würde es glatt tun. Sein letzter Streich war ein geteilter Beitrag über Machtvorstellung und Vormachtstellung im digitalen Kontext. Da mich das Thema Macht durchaus auch schon akademisch beschäft hat, fühle ich mich bemüssigt, meine 2 Cent – das waren mal 4 Pfennig – dazu zu geben.

Es kommt ja selten vor, aber ich würde den Grundtenor des Beitrags von @blume_bob unterschreiben. Ja, werte Leser, das steht da wirklich. Ich stimme jemandem zu, der nicht nur wiederholt, was ich gesagt habe. In dem Fall sage ich das mal, weil der Autor unmöglich meine verkorksten Seminararbeiten aus dem Studium gelesen haben dürfte – selbst den Dozenten stand ja damals der Schweiß auf der Stirn, dass ich mal „Macht“ in einem wesentlichen Ausmaß bekommen könnte und haben die Arbeiten sicher verschwinden lassen.

Kommen wir zur Sache – was Bob Blume beschreibt zeichnet einen klaren Grundriss, wie Politik gemacht wird. Dabei ist es per se unerheblich ob das Schulhofpolitik ist oder die ganz große Politik im Kreistag Wanne-Eickel. Es geht darum, seine eigene Sendekraft zu erhöhen und das schafft man über … Anhänger. Das Medium skaliert dabei  den Effekt enorm. Es entwertet aber auch die Nachricht – es geht nur noch um das Folgen. Coolness by association.  Daher braucht man die Nachricht auch nicht mehr prüfen. Wenn es der Mann an der Spitze sagt, dann schaut man noch verstohlen zum Nebenmann – oder zur Nebenfrau – und wenn der skandiert, dann kann man eigentlich gar nicht anders. Letztens las ich von einem Lehrer, der mit seinen Schülern über den Echo-Eklat sprach. Alle fanden die … ok, nennen wir sie mal Künstler, cool. Der Inhalt war völlig egal – denn andere fanden die ja auch cool. Nachdem man über den Inhalt sprach, war die Gefolgschaft schnell dahin. Da war dann eher Ekel und Abscheu. Im Gegenzug darf man auch nicht unterschätzen, wie vergänglich diese Macht ist – denn wer nicht mehr sendet, der wird vergessen. Ferner kann die Gruppe auch insgesamt einfach übernommen werden. Viele Schafe treibt man leichter in eine Richtung als einen Wolf.

Die Macht besteht darin, die Rahmenbedingungen zu setzen, so dass jeder aus eigenem Antrieb folgt. Es passiert ja nichts schlimmes. Erinnert sich noch jemand an das Verhör Captain Picards durch die Cardassianer – er sollte nur zugeben, dass da fünf Lichter sind, anstatt der tatsächlich vorhanden vier. Oder an Orwells „Freedom is the freedom to say that two plus two makes four. If that is granted, all else follows“. Macht ist, die Menschen zu desensibilisieren in marginalen Dingen, um den Effekt dann zu skalieren. Ich bin mir nicht sicher, ob die Digitalfürsten wirklich Macht haben oder ob sie ein Rad im System sind – eine Art Verstärker. Fakt ist, sie haben eine Gefolgschaft und sie können Unheil damit anrichten – oder Gutes. Am Ende des Tages kommt es – wie immer bei der Macht – auf den Träger an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.