Denkamt | In spe

Da kommt man ja ab und an zu einer Redewendung, die man auch selbst nutzt, und fragt sich: Was zum Henker soll das bedeuten und warum zum Geier soll das so sein? Henker ist ein gutes Stichwort, denn es geht um „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Also quasi, wenn alle anderen Dinge schon der Geier geholt hat, der ja bekanntlich neben vielen anderen Dingen auch immer weiß, wo die Hoffnung nun gerade stirbt, dann kann er sich noch an diesem Emotionalkadaver laben. Wenigstens ein Leben gerettet – den Geier – und einen Job gesichert – den des Henkers.

Hoffnung ist so eine Sache. A G´schicht wie der Wiener sagen würde. Wenn sie schon zuletzt stirbt, was ist dann vorher gestorben? Gibt es da eine fixe Reihenfolge – als erstes geht das Selbstwertgefühl über die Wupper und dann die Fähigkeit zum rationalen Denken. Der Rest reiht sich brav ein und wirft das Handtuch gemäß Sterbetabelle? Könnte ja auch sein, dass das eher so ein chaotisches Gedränge ist, bei dem alles gern so schnell wie möglich das Theater verlassen möchte, um ja nicht mehr da zu sein, wenn die Hoffnung die letzte Arie schmettert, um dann den sterbenden Schwan zu geben. Kann ja nicht vorbei sein, bevor die dicke Dame ihren letzten Seufzer geschmachtet hat. Da will man als Emotion gern schon im Auto auf dem Weg nach Hause sein, um dem Gedränge im Parkhaus zu entgehen.

Hoffnung ist eben so eine Sache. Ich denke ja, es ist mehr als eine Emotion. Hoffnung ist in der emotionalen Hackordnung irgendwie der Zeus. Hoffnung steckt sich überall rein, wenn es sein muss auch in verkleideter Form als Schwan oder Stier. Hoffnung thront über den Dingen. Hoffnung muss sich nicht legitimieren. Hoffnung verspricht das Blaue vom Himmel, damit sie zum Zug kommt. Dabei ist sie nicht sonderlich subtil oder höflich – nein, sie platzt einfach rein und bleibt mal bis zum Abendessen. Oder bis sie stirbt. Leider ist das Biest, wie Zeus, eher so ausdauernd.

Die Sache ist auch, dass die Hoffnung ein Parasit ist. Wir füttern den Geist und den Körper und die Hoffnung labt sich an den Gaben und sichert ihre Existenz auf Kosten der anderen. Nix Symbiose – nein, rein parasitäres Verhalten. Je nach Veranlagung leidet der Geist mehr oder der Körper. Je nachdem wird es eher zur Tragödie oder zur Komödie. Sie wissen schon – für die, die denken und für die, die fühlen. Der Parasit stirbt dann quasi erst, wenn der Wirt Futter für die Würmer ist. Man könnte also annehmen, dass die Hoffnung in der Tat als letztes stirbt. Ooooder…

….oder man betrachtet die Hoffnung einfach nur als Motor unserer Emotionen. Auf was hoffen wir denn in der Regel? Auf einen Job, auf Geld, auf Gesundheit, auf Liebe – im weitesten Sinne also auf Anerkennung unseres Seins. Anerkennung ist quasi Ausdruck von – ja, das meine ich ernst – Liebe. Liebe ist ja nicht nur „Die moag I schnackseln.“ Liebe ist Ausdruck von Wertschätzung. In all ihren Facetten ist Liebe meiner tiefsten inneren Überzeugung nach die Kernidee des Menschseins. Das Gegenteil von Liebe ist dann eben auch nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit. Im Hass ist auch Anerkennung des anderen. Da bleibt auch noch Hoffnung. Aber in der Gleichgültigkeit liegt die Negierung des Anderen. Es ist egal, ob jemand ist oder nicht. Insofern denke ich, dass die Hoffnung nicht als letztes stirbt. Ich denke, die Liebe und damit die Anerkennung als Mensch stirbt zuletzt. Mindestens zu Liebe zu sich selbst. Insofern mag die dicke Dame wie eine Galeone durch die brennende Kulisse pflügen und den Untergang des Abendlandes herbeischmettern, wenn sie von der Bühne gegangen ist und das Theater leer ist, dann erst geht der Dirigent.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.