Denkamt | Sorcerer vs. Wizard vs. Mage

Arthur C. Clarke konstatiert in einem seiner Gesetze, dass jede ausreichend fortschrittliche Technologie für die nicht Eingeweihten von Magie nicht zu unterscheiden ist. Betrachtet man die Technologie „Management“, unabhängig ob im wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Kontext, dann glaubt jeder, er versteht es, kann es besser und es erscheint alle so simpel. Jeder kleine Leutnant kann das Korps besser führen, wenn man ihn nur lassen würde.

Jetzt könnte man annehmen, dass Management keine Technologie ist – ich denke, dass Management eine Technologie ist. Man kann sie lernen – im Gegensatz zum Unternehmertum. Management ist eine angelernte Fähigkeit zur Leitung und Optimierung. Da ich mal davon ausgehe, dass ich Recht habe, springen wir über diesen Punkt hinweg.

Man könnte nun auch annehmen, dass Management in etwas so etwas ist, wie Feuer machen. Eine Technologie, die die Menschheit seit Jahrtausenden beherrscht und daher nicht besonders fortschrittlich ist. Jetzt fragen sie mal den durchschnittlichen Sauerstoffverbraucher in der Krakatoaecke ihres Unternehmens, ein Feuer in Gang zu bringen, ohne sein Zippo zu nutzen. Vor diese Herausforderung gestellt, kann man sich bald auf die Schulter klopfen, den Gesundheitszustand des Unternehmens optimiert zu haben. Wir reden hier nicht mal von Baum fälle, Schiff bauen, Nähen oder einfache Werkzeuge herstellen. In der Tat ist Management eine sehr alte Technologie und im Grunde genommen folgt sie auch gleichen Regeln und Einschränkungen, wie seit der Zeit, als man sich überlegt hat, dass es besser ist, drei Leute zusammen zu bringen, um das dicke Mammut zu jagen.

Ich glaube, dass jeder Management erlernen kann. Aber wirkliche Manager – Menschen, die diesen Job beherrschen und sich nicht durch den Job beherrschen lassen – praktizieren Magie. Aus meiner Sicht ist die Quelle ihrer Magie nur unterschiedlich. Das bringt mich – sie können Aufatmen – zum Punkt meines Textes: Die unterschiedliche Herangehensweise von Magier, Sorcerern und Wizards.

Der Magier ist ein beeindruckender Wissender. Er hat sich seine Kenntnisse durch Bücher, Studium und konstante Entwicklung seiner Fähigkeiten erarbeitet. Er basiert seine Fähigkeit auf rigorose Anwendung von Buchwissen und kennt eine große Bandbreite an Modellen, Konzepten und Tools, um den Anforderungen des Alltags an seinen Job zu meistern. Er ist nicht besonders resiliient, wenn eine Situation auftaucht, die sich nicht auf Basis von historischen Daten oder akademischer Analyse einordnen lässt. In diesen Fällen könnte er sich von der Situation beherrschen lassen, als sie zu beherrschen. Solange aber alles in geordneten Bahnen läuft, wird er das Optimum für das Unternehmen erreichen – wohlgemerkt, das Optimum gemäß der Bücher. Nichts extraordinäres, keine außergewöhnlichen Risiken mit entsprechender Chance wahrnehmen. Der Magier ist das Metronom des Managements und in Branchen oder Konzernen, die Stabilität, Struktur und Quasi-Monopol bieten können, wird er brillieren.

Der Sorcerer ist ein Manager, der von seiner Abstammung profitiert. Er hat Charisma und Fähigkeiten, weil er sie mit der Muttermilch aufgesogen hat. Seine Art ein Unternehmen zu führen ist im besten Fall eine vertrauensvolle und fürsorgliche, die darauf basiert, dass seine Familie immer wusste, was gut für alle war. Im schlimmsten Fall ist es eher ein spoiled brat, der seinen Willen durchsetzt. Nicht unbedingt zum Nachteil des Unternehmens, aber eben ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Gordon Gecko Typ eben. Er erzielt Ergebnisse – solange er sich nicht in formale Strukturen einordnen muss. Solange er Freiheiten hat, die ihm gewährt werden und er sein Handeln nicht begründen muss, kann er performen. Das Problem des Sorcerers ist, dass er in der Regel nicht strukturiert arbeiten kann – und schon gar nicht im Team. Er abhängig von seinem Talent und davon, dass es ihm durch alle Höhen und Tiefen führt. Failure is no option – it is his downfall. Er ist nichts anders und er kann in der Regel nichts anderes – schon gar nicht lernen.

Dann wäre da noch der Wizard. Der Wizard  ist quasi ein natural born manager. Das ist jemand, der sich nicht auf seinen Stallgeruch verlassen kann. Er hat Talent – und die wirklich guten haben auch noch Ausdauer und Geduld. Matthias Sutter schreibt in der Brand Eins, dass Geduld schlägt Talent immer. Für einen Wizard kann Geduld eine Herausforderung sein – denn er hat kein erzogenes Verständnis für die Unzulänglichkeiten von anderen. Er kann dann harsch und patriarchalisch – oder matriarchalisch – wirken. Ein Wizard mit einer passenden Erziehung und dem  richtigen Training kann alle anderen schlagen. Er beherrscht dann Linie und Projekt – Prozess und ad hoc Entscheidungen in einer VUCA-Welt. Wizards sind rar – und doch sind sie der Schlüssel zu einer ständig akzelerierenden Welt.

Wir werden auch gewöhnliche Sterbliche in der Riege der Wirtschaftskapitäne finden – die hier genannten sind aber Lotsen. Hochspezialisiert und trotzdem eher Glaskanonen, denn sie sind angreifbar. Nicht jeder versteht ihr wirken und nicht jeder hat die Cojones, sie ihr Ding machen zu lassen.  Zu viele von ihnen in einer Organisation sind auch nicht perfekt. Perfekt sind sie als Philosophenkönige – Entscheider, die das Schiff dann steuern, wenn die Kapitäne etwas braucht, was man nicht lernen kann. Was man Erfahren muss.

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