EDUPNX | …mit Betonung auf „Thinking“.

Es kommt ja ab und an vor, dass ich mir auf den ersten Blick in eine Idee verknalle. Manchmal ist das auch die Idee von einem Menschen. In der Regel sind es aber Ideen im Hinblick auf die Entwicklung – manche würden eher sagen Steuerung – von Menschen. Die Idee, bei der aus einem Flirt ein Verknallt und inzwischen eine tiefgreifende Liebesbeziehung geworden ist, ist Nudging. Das ist meine Ideenehefrau. Es gibt auch Ideen, da denke ich mir „Darf ich Ihnen das `Tschüss´ anbieten. Eine dieser Ideen ist „Design Thinking“. Das hat verschiedene Gründe. Ich habe das ja schonmal in nett dargestellt. Jetzt muss ich aber sagen, dass durch neuen Input von jenslindstroem.de ein wesentlicher Punkt irgendwie untergegangen zu sein scheint: In einem schulischen Kontext sollte die Betonung immer auf „thinking“ und nicht auf „design“ liegen.

In weiten Teilen kann ich zu dem Thema auch den Beitrag des von mir sehr geschätzten @derlinkshaender verweisen, dem ich auch eine gewisse Skepsis unterstelle. Worauf es mir aber wirklich ankommt, ist das sich die Masse der Argumente darauf bezieht, dass wir ein Umfeld schaffen müssen – moderne Lehrmittel, Tablets, Kreativitätsräume, Aufbrechen der 45-Minutengrenzen. Was wir – und zugegeben auch ich in meinem letzten Artikel – doch im wesentlichen leisten müssen ist doch: Denken lernen. Nicht das Design ist das wesentlich, sondern das, was der klassische Lehrer als „spinnen“ abgetan hat.

Setzen Sie sich….

Ich mache da jetzt mal etwas eigentlich inkommensurables: Wir fordern Autos für unser Fortkommen, aber wir denken nicht mal darüber nach, ob wir nicht tanzen sollten. Tanzen bringt uns nicht nach Übermorgen, aber es lässt uns das heute viel besser erleben. Es schafft Eindrücke, Erlebnisse, Perspektiven und Selbstbewusstsein. Wenn wir uns jetzt mal gestatten kurz darüber zu reflektieren, was unser Denken ausmacht, dann ist es sicher nicht mit immer größerem Tempo durch Etappen zu fliehen, weil wir möglichst schnell ein „Gestern schaffen wollen“, um zum „Morgen“ zu kommen ohne auch nur ansatzweise das „Heute“ zu erfahren.

In der Betrachtung dessen, was mein Denken ausmacht, dann ist es in der Tat das innehalten und betrachten von Objekten, Menschen und immateriellen Dingen und die Einordnung dessen in einen Gesamtzusammenhang. In dem Sinne kann man aus Design Thinking wirklich etwas mitnehmen – nämlich das Zulassen von Meinungen. Wenn ich mich aber an meine Schulzeit erinnere, dann war das eher so: Drei Gruppen, die in sich jeweils homogene Meinungen hatten und die trotzdem eine gemeinsame Basis hatten: Wir waren eine Klasse. Rückblickend war es eher so, dass „Einigkeit“ eher definiert war über Ausgrenzung. Die Gruppe außerhalb der Klasse, die Klasse außerhalb der Stufe, die Stufe außerhalb der Schule und die Schule außerhalb der anderen Schulen. Meiner Meinung nach ist das nichts, was design thinking aufbrechen kann. Ganz im Gegenteil – bilde ich eine Gruppe, die in sich einen intellektuellen Anspruch entwickelt Ideengeneratoren zu sein oder sogar wirklich funktional Ergebnisse erzielt – dann trage ich eher zum Problem bei. Ich schaffe eine Gruppe, die sich – zur Recht oder Unrecht sei mal dahingestellt – als eine intellektuelle Elite begreifen wird. Breche ich diese Gruppen regelmäßig auf, um neue Zusammensetzungen zu generieren, dann werde ich entweder die Methode zerbrechen oder das soziale Netzwerk der Schüler.

Worauf ich hinaus möchte ist, dass wir nicht tolle Werkzeuge brauchen, sondern Denker. Ich mag jetzt nicht ein Gestriger sein, aber was brauchen denn die Leute zum Denken? Peter Bieri hat mal geschrieben: Einen Tisch, einen Stuhl, ein Blatt Papier und einen Bleistift. Das bezog sich damals im Rahmen eines offenen Briefes auf die Diskussion der personellen Ausstattung der FU. Wurde ihm übel genommen, da er ja meinte: Wozu akademischen Unterbau? Im Prinzip hat er aber recht.

Theater an der FU Berlin

Das schönste Seminar an der FU – also schön, nicht ergebnisreich – hatte ich im Innenhof der FU. Dort gibt es eine Anlage, wie ein griechisches Theater. Nicht in einem tollen Raum mit SmartBoard oder beschreibbaren Wänden. In diesem Sonne möchte ich es auch verstanden wissen – ich bin dafür, den Schülern erst einmal das Tanzen mit Gedanken beizubringen, bevor sie ihr Denken auf die Autobahn bringen. Ich bin dafür, dass Schüler erst einmal ermöglicht wird, für sich ein kohärentes System des Denkens zu entwickeln. Dann kann man auch tolle Konzepte darauf aufsetzen. In der Schule braucht es nicht design thinking – es braucht thinking. Der Lehrer hat dabei die Rolle, die ein gutes Malbuch hat – Rahmen vorgeben, innerhalb dieser Linien aber ist es Sache der Schüler ihr Denken zu entwickeln. Wenn sie einen lilafarbenen Himmel und gelbes Gras wollen – so be it. Was wir nicht brauchen ist: Wir machen jetzt Design Thinking. Du, du und du…ihr arbeitet jetzt zusammen, weil ihr aus so toll unterschiedlichen Kontexten kommt. Keiner von uns weiß, welches Wissen in Zukunft wichtig ist – aber das Denken wichtig ist, für sich und ganz individuell – das können wir glaube ich unterschreiben.

Ein Gedanke zu „EDUPNX | …mit Betonung auf „Thinking“.

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