JAM | Arbeitsklima – 28 Days later

Ab und an passiert es ja anderen Menschen, dass sie Sätze sagen, die eigentlich von mir sein könnten. Zum Beispiel äußerte sich ein gewisser Oscar Wilde ja darüber, er habe einen einfach Geschmack – immer nur das Beste. Sie sehen, was ich meine. Ein Satz, bei dem alle erstmal denken, er sei von mir. Ich bin da recht großzügig mit dem CC – es darf sich gern in diesen Bronzesätzen gesonnt werden.

Jetzt ist mir wieder ein Satz untergekommen. Eigentlich ein Kleinod. Tom Stoppard hat sich eines Satzes bedient, der mich zu einem Thema inspiriert hat, dass im letzten Post zum Thema Arbeitsklima angefangen hat:

“We cross our bridges when we come to them and burn them behind us, with nothing to show for our progress except a memory of the smell of smoke, and a presumption that once our eyes watered.”

Tom Stoppard, Rosencrantz and Guildenstern are Dead

Der Sprung wird jetzt etwas größer – also Obacht. Ich bin ja der Meinung, dass Freundschaften, Freundschaften Plus und Freundschaften Plus Plus am Arbeitsplatz durchaus förderlich für das Betriebsklima sind. Wenn sich alle einig sind. Wenn klar ist, was man erwarten kann und sollte und wenn man insgesamt eine positive Bilanz aus all dem zieht.

Ein kleiner Exkurs – Freundschaft ist gemeinsam den Karren aus dem Dreck zu ziehen, egal, wer ihn reingefahren hat. Freundschaft Plus ist auch privat füreinander da zu sein. Plus Plus ist all das mit Sex. Ein reines Plus Plus funktioniert aus meiner Sicht eher nicht. Nur, damit wir wissen, von was wir sprechen.

Am Anfang von so einer Geschichte – egal wie viele Plus nun da stehen – macht man sich ja nicht so viele Gedanken über das „Und dann?“ – also normale Menschen. Ich schon. Ich weiß nicht, wer glücklicher lebt – normale Menschen oder ich. Disclaimer: Normal meint hier Quantität, nicht Qualität. Zurück zum Thema: Was, wenn die Geschichte auf der Seite angekommen ist, wo es um das Leben danach geht. Wenn sich zum Beispiel herausstellt, dass einer der Partner – sollten ja mindestens zwei sein – mehr will. Oder nicht mehr will. Oder plötzlich nicht mehr mag mit Erdnussbutter eingecremt zu werden und Grundgeräusche zu machen, wenn man im Büromittellager zu Gange ist. Soll es alles schon gegeben haben. Das sind die Brücken, zu denen wir kommen und über die man sich am Anfang im Rausch der Hormone keine Gedanken gemacht hat. Was, wenn wir plötzlich an dieser Brücke stehen, kurz zurückblicken und dann mit aufrechtem Blick über die Brücke shufflen. Dann wird es oft hässlich. Dann fallen einem die vielen kleinen Dinge auf, die es vorher so interessant gemacht haben und jetzt zu einem Nervfaktor par excellence werden. Dann fragt man sich, warum man sich darauf eingelassen hat – wo er doch so dumm, sie doch so eingebildet und das Ganze eigentlich eine dumme Idee war.

Ich denke mir, wenn man befreundet ist und dann addiert, dann sollte das anders laufen. Dann ist das eben, dass einer die Liga wechselt oder den Sport und man bleibt eben trotzdem befreundet. Wenn man Sex unter Kollegen als Ergänzung zur Freundschaft sieht, dann sollte sowas doch nicht passieren. Normale Menschen funktionieren aber in der Regel nicht so – sagt einem ja auch keiner in der Bedienungsanleitung. Liegt auch daran, dass nur wenige Menschen ein Verständnis von Rollen haben – jeder Mensch hat mehr als eine. Wenn ich im Rahmen einer Freundschaft mehr mache, als meine Rolle als Kollege verlangt und das dann entfällt, weil die Rolle Freundschaft nicht mehr da ist, dann wird das in der Regel als Strafe aufgefasst. Ist es aber nicht – aber das ist dann in der Regel nicht mehr zu kommunizieren. Also wertfrei.

Schlimm wird es auch für die anderen Kollegen – oder den Freundeskreis. Man müsste sich entscheiden. Man müsste Position beziehen. Man sollte sich eigentlich da raus halten. Sowas belastet dann das Betriebsklima eher. Ich denke mir dann immer: Leute, es war Freundschaft und Sex. Alle hatten Spaß. Alles war gut. Jetzt eben nur noch Kollegen. Wo ist das Problem. Das Problem sind Erwartungshaltungen. Verletzter Stolz. Eitelkeit. Menschlichkeit. Das bekommt man nur schwer raus. Glück hat man, wenn beide an ihrem Job hängen und das professionell angehen. Schlecht ist es, wenn der Grabenkampf anfängt. Das lässt nur verbrannte Erde und zerstörte Werte zurück. Im Extremfall muss der Arbeitgeber entscheiden: Er, Sie oder Beide.

Ich denke mir immer: Seid ehrlich. Sagt was ihr wollt. Genießt was ihr habt und wenn es nicht mehr ist, dann ist es eben wie mit jedem anderen in der Firma. Haken dran. Den Duft der brennenden Brücke wird man ein Leben lang haben. Die Momente – so man welche hatte – bleiben. Erinnert euch an die schönen Momente und vergrabt euch nicht im letzten Augenblick. Sex ist wie Tennis: Keiner weiß, wie viele Sätze die Partie haben wird, irgendwann gibt es das große Finale und jedes Jahr gibt es das Turnier wieder. Mit anderen Teilnehmern. That´s life.

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