JAM | Das Einhorn

Die wunderbare Frau PinkShot69 schreibt und spricht ab und an über Dinge, die man normalerweise kurz nach einem „Es war einmal…“ und dem unvermeidlichen „…dann leben sie noch heute.“ findet. Männer, die einfach nur nett sind – ohne Hintergedanken. Frauen, die einfach nur nett sind. Weibliche Orgasmen.

Der kleine Tod: Ich wäre schon von Neid erfüllt, wenn es sich nicht, wie der physikalische Massepunkt, um ein Denkmodell handeln würde. Stellen wir uns das vor, da spürt man, wie sich ein anderer Mensch in einem bewegt. Wie sich langsam die Atmung intensiviert und man gleichzeitig das Gefühl hat, dass die Luft knapp wird. Wenn man im Bauc

h fühlt, dass sich alles verdichtet. Wenn man das Blut im Ohr pulsieren hört. Die Nervenenden alle auf Alarm stehen. Wenn man trotzdem eine tiefe Entspannung heranziehen spürt. Wenn man schon erahnt, welcher Sturm da heraufzieht. Wenn du denkst, gleich geht es nicht mehr höher und dann treibt es dich wie eine Rakete durch die Decke und dann fallen alle Probleme und Sorgen und Nöte und Anspannungen für ein Feuerwerk lang von Dir ab und dein ganzer Körper besteht nur noch aus Ekstase…

…sowas kann es ja gar nicht geben. Jetzt führt aber die Frau PinkShot auch wissenschaftliche Erkenntnisse an, die ihrem Standpunkt, dass auch Frauen so etwas wie den Moment, in dem man(n) Kant versteht, haben kann. Wenn es sowas geben würde, dann hätte man es schon synthetisiert, auf Flaschen gezogen und im KdW verkauft.

Aber spielen wir das mal im Kopf durch. Nach der von Frau PinkShot angeführten Studie haben Männer in der Regel einen Orgasmus und Frauen eher in einem überschaubaren Ausmaß. Wenn man jetzt eine simple Konditionierung ansetzt, dann dürfte sich der Invest, den Frauen in die Schaffung der Voraussetzungen – und ein Mann ist ja eher so die Orchidee unter den Zimmerornamenten – kaum auszahlen. Männer muss man ernähren, hofieren, ertragen und sich einen zu fangen setzt auch unbequeme Kleidung und aufwendige Vorarbeiten voraus. Eine Freundin hat mir letzten erzählt, welchen Aufwand es bedeutet einen ordentlichen Landing Strip zu unterhalten. Nur, weil mir das gefällt. Ich bin schon zu faul mir regelmäßig die Klinge ins Gesicht zu hauen, geschweige denn für 30 Minuten fortgeschrittenes Yoga unter der Dusche zu machen, nur um dieses unvergleichlich wundervolle Aussehen, dass die Zunge einläd sich auszutoben, zu erreichen. Eventuell sind Männer aber auch einfach naturschön. Kann sein. Wird wohl so sein. Ganz sicher.

Womit Frau PinkShot aber auf jeden Fall eine Punktladung erzielt hat ist: Männer beschäftigen sich zu wenig mit den Möglichkeiten, die sich ihnen auf der Klaviatur einer Frau bieten. Das liegt auch daran, dass die wenigstens Frauen wissen, dass sie eigentlich mehr als drei Tasten haben und dass es durchaus ok ist zu sagen: Da anfassen. Dort drücken. Hier streicheln. Jetzt Gas geben – und hier Bremse. Ich war immer entsetzt, wenn ich in meiner Generation gelesen habe, wie wenig der Mädls tatsächlich ihren Körper erkundet haben – vulgo Selbstbefriedigung betrieben haben. Jungs waren da eher wie die Katze am Milchtopf – einfach drüber herfallen und gut. Ok, Jungs sind auch einfacher. Die notwendigen Handgriffe sind relativ klar erkennbar. Aber – und auch das eine Erkenntnis, die nicht jeder hat – auch Jungs können was lernen, wenn sie nicht einfach zum Ziel stürmen, sondern mal überlegen, was man noch alles anfassen kann. Jedoch zurück zur Frau: Frauen meiner Generation war eher schwer zu entlocken, was zu tun war. Jungs hatten ein Biobuch, viel Gekicher und eine Prinzipzeichnung. Die sah nie so aus, wie die Realität. Wenn dann einfach „Da rein, Zylindermotorbewegung, Ziel erreicht.“ übrig blieb und das Feedback der Frau „Ich mag Dich auch.“ war – ja, wo sollte es denn herkommen. Das sind dann die 40jährigen von heute, die überrascht sind, wenn ihnen eine erwachsene Frau sagt, dass es mehr gibt, als die 5-Minuten-Terrine.

Ich muss gestehen, dass ich auch mit 30 und 40 und auch heute mit 50 noch Dinge dazu lerne. Weil es mich interessiert. Weil ich nicht zu denen gehören mag, die die Anatomie von Sasha Grey besser kennen als die ihrer Frau. Die Pornographie mit einer Bedienungsanleitung verwechseln und nicht erkennen: Die Rubriken gibt es nicht zum Spaß. So vielfältig wie das Angebot ist auch jede Frau. Nicht für jeden, aber doch. Manchmal hilft es zu reden, manchmal darauf zu achten, wie sich der Partner im Bett verhält und bewegt. Da lernt man schon was – aber was definitiv hilft ist: Feedback. Lernt eure Bedürfnisse kennen und teilt sie uns mit. Damit auch das nächste Mal nicht der sportliche Aspekt „Dabei sein ist alles“, sondern der kleine Tod am Ende einer gemeinsamen Erlebnistour steht.

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