JAM | Innenausbau

Wenn man jung ist, dann überlegt man sich ja sehr genau und in der Regel recht nachhaltig, welche Verhaltensprinzipien man seinem Tun zugrunde legt. Jung ist jetzt hier mal 22-33 gemeint. Ist bei mir eine Weile her. Man war so – und braucht den zwischenmenschlichen Potentialausgleich.

Es sah auch alles so einfach aus. Man brauchte sich ja auch über Konsequenzen eher keine Gedanken machen. Wenn etwas nicht geklappt hat, dann machte man eben was anderes. Wenn Körperinhaber A nicht mit der eigenen Grundhaltung klar kam, dann gab es noch zwischen 3 und 25 andere Buchstaben.

Damals – die letzten Flugsaurier kreisten noch hoch oben in der jungen Luft – dachte ich mir, dass Beziehungen was für Luschen sind, dass Freunde eher eine Belastung sind und dass Emotionen viel besser durch Rationalität zu ersetzen sind. Das sind gute Leitgedanken, um diese harschen Jahre des Daseins zu überbrücken. Der Plan war: Durchs Leben kommen und nur keine Emotionen zulassen. Emotionen waren Teufels Beitrag zu einem überlegenen Hirn.

Nun reift man ja im Alter und wird auf die eine oder andere Weise kindischer. Ein Erfahrungswert dabei ist: Freunde sind gut, wenn man sie sorgsam auswählt. Ein zweiter Erfahrungswert: Beziehungen sind wertvoll, wenn man sie sorgsam auswählt. Ein dritter Erfahrungswert: Emotionen sind gut. Punkt.

Nicht nur, dass man sich in der Jugend oft Dinge versagt hat, für die man sich heute die kaum noch existenten Haare ausraufen könnte – ein Hallo an das Gänseblümchen. Nein, man hat auch versäumt Netzwerke zu bilden. Das wirklich tragische ist aber: Man hat viele schöne Momente verpasst, weil man sie zwar analysiert, nicht aber erfahren hat. Kann man auch nicht nachholen. Die sind weg. Was man aber machen kann ist, dass man einfach neue Momente so intensiv wie möglich erlebt. Das ist aktuell der Plan. Das lässt den Trennstrich von Arbeit und Privat verschwimmen, das lässt das Potential für Scheitern und Schmerz zu – aber wissen Sie was: Das nennt man Leben und am Ende lacht man dem Teufel ins Gesicht und sagt: Trotzdem schön – selber doof.

 

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