JAM | Na Oida…

Ich lebe ja nun schon den einen oder anderen Tag in der Hauptstadt des gepflegten Suderns und daher dachte ich, dass ich in der Überschrift mal zeige, dass ich mich bemühe die Sprache der Eingeborenen zu sprechen. Das fällt mir nicht ganz so leicht, da man mit einem deutschen Dialekt erstaunlicherweise recht weit kommt. Was einem mit dem Dialekt der Bewohner meiner Wahlheimat aber leichter fällt, ist problematische Thematiken unverfänglicher zu artikulieren. Da ich aber nun wohl in der Lage bin, denen einen oder anderen Menschen in meinem Umfeld mit ein wenig Schmäh zu erreichen, jedoch im Bereich er Fachspezifika durchaus noch Lücken habe, beschränke ich mich wohl auf die Verwendung der deutschen Sprache, wie Hermann der Cherusker sie erschuf – zumindest wenn man Heine glaubt:

„Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann,
Mit seinen blonden Horden,
So gäb es deutsche Freiheit nicht mehr,
Wir wären römisch geworden!“

Das wäre zwar auch lustig – aber wenn wir ehrlich sind, sind wir ganz froh, dass wir nicht im AcI Frauen erobern müssen.

Damit sind wir bei einem sehr schönen Thema: Frauen. Frauen sind ja quasi der Motor, der uns Männer dazu antreibt jenseits der 40 noch in ein Fitnessstudio zu gehen oder den besser bezahlten Job anzunehmen – weil das Dasein als Sugar Daddy eben auch jede Menge Sugar und eine gehörige Portion Stamina benötigt.

Jetzt muss es ja nicht immer Sugar Daddy sein – obgleich diese Art der Beziehung ja nicht per se eine Abhängigkeit voraus setzt. Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel gelesen, in dem die Beziehung zwischen einem gut etablierten Manager und einer Studentin durchaus bilateralen Mehrwert schuf. Sie profitierte davon, sein Netzwerk und seine Erfahrung nutzen zu können. Das darf man als Studentin der Wirtschaftswissenschaften durchaus nicht unterschätzen. Man lernt Leute kennen, man profitiert von den praktischen Erfahrungen des älteren Partners und jetzt breche ich mal eine Lanze für unsereinen: Sex ist durchaus auch erfüllender, wenn man weiß, dass es mehr als ein körperlicher Akt ist und man sich nichts mehr beweisen muss. Es kann einen also charakterlich, fachlich und sozial durchaus weiter bringen. Wenn es eine Partnerschaft ist. Der Gewinn für den Mann – oder die Frau, man soll nicht ausschließen, dass es sich auch um die umgekehrte Konstellation handeln kann – ist eine interessante Partnerin für gesellschaftliche Ereignisse zu haben. Jemand, der einen auf Trab hält, einen Grund für das Fitnessstudio. Ich muss auch eingestehen – es ist auch gut für das Ego. Das funktioniert so, wenn es sich in der Tat um eine Partnerschaft handelt – es gibt sicher auch die Menschen, die sich einfach was fürs Bett suchen. Auch ok. Wenn beide das als ok empfinden. Suum cuique.

Jetzt zum eigentlichen Grund: So richtig akzeptabel ist das ja nicht. Interessant ist dabei, dass jeder – wirklich jeder – Mann, mit dem ich mich unterhalte, das auf dem dreckige Witze Niveau goutiert. Ich bin da wahrscheinlich viel zu wenig sensibilisiert, aber wenn wir im Kreis zusammen stehen, da reden wir über die Kolleginnen. Dabei fällt mir immer wieder auf – das, was andere sehen, ist in der Regel nicht, was ich sehe. Die Reduktion auf den Körper ist mir in der Regel zu wenig. Viel zu wenig. Ich gestehe, wenn ich eine Affäre wollte, dann nur in einem Segment, das ganz anders als meine Frau ist. Meine Frau ist in ihrer Facette perfekt. Wenn ich etwas suche, dann doch eine andere Facette – und seien wir uns ehrlich: Nur für Sex brauche ich keine andere Frau. Wenn ich eine Frau als interessant für eine Affäre betrachte, dann doch weil sie mehr bietet. Aber wir schweifen ab – warum ist nicht akzeptiert, dass ein 50jähriger mit einer 25jährigen zusammen ist. Da wäre als erstes – meiner Meinung nach – der Neid. Moral ist ja oft so ein Kodex, der eigentlich nur festschreibt, was das kleinste gemeinsame Level ist, dass alle erreichen können. Ehe, Kinder, Wohnung – Arbeit. Aber ein glückliches Leben, Karriere, Geld, Erlebnisse, Erfahrungen und Momente – dafür muss man schon was tun. Oder Glück haben. Freude am Leben ist ja seit jeher suspekt in den Augen der Altvorderen, die meinen, nur weil sie ein dröges Leben im Korsett der gesellschaftlichen Erwartungen verbracht haben, gehört sich das heute auch. Wo kämen wir hin, wenn man glücklich ist. Da muss ja was faul sein. Drogen wahrscheinlich. Haben sie recht – eine interessante Freundin ist eine Droge. Es putscht auf, es beruhigt, es spornt an, es inspiriert und es kann einen kaputt machen.

Ein weiterer Grund, warum das eher mit schiefen Mund betrachtet wird ist, dass man immer einen dominanten Teil im älteren Teil sieht, der sich eine – weil bezahlt – Prostituierte oder einen Toy Boy hält. Kann man auch nicht immer ausschließen. Aber auch dann – wenn es beide so wollen: So be it. Zumal ich mir ganz gut vorstellen kann, dass der jüngere Teil auch der dominantere Teil sein kann. Eventuell hat sich ja eine starke junge Frau mit der Absicht ihren Horizont zu erweitern auch jemanden gesucht, der sie weiter bringen kann. Aber das passt leider nicht ins Denkschema.

Was ist denn nun akzeptabel? Es geistert ja die Formel „Alter durch zwei plus Sieben“ durch den Raum. In meinem Fall wäre das…zu hoch. Wenn ich nochmal etwas beginnen würde, dann muss ich gestehen, wäre ich sehr wählerisch. Nicht nur im Hinblick auf das Alter – auch im Hinblick auf die Regeln, die Erwartungshaltungen und den Charakter. Ich finde, dass die Jahreszahl auch viel weniger relevant ist, als die Harmonie – wie klingen zwei Menschen zusammen. Das wäre viel wichtiger. Der Altersunterschied wird von den anderen gemacht. Interessant ist ja, dass Männer auf dem dreckige-Witze-Niveau reagieren und Frauen eher auf dem Giftspritzenlevel. Sei es wie es sei. Ich finde, wenn es sich um eine Partnerschaft handelt, dann kann auch ein 60er mit einer 22er oder eine 39jährige – älter werden Frauen meiner Erfahrung nach nicht – mit einem 24jährigen Sportstudenten musizieren. Moral ist eine Sache, die nur für die Regularien zwischen den Beiden interessant ist. Für die Außenwelt gilt, um es mit den Worten eines anderen großen deutschen Poeten zu sagen:

„Lass die Leute reden, denn wie das immer ist:
Solang die Leute reden, machen sie nichts Schlimmeres
Und ein wenig Heuchelei kannst du dir durchaus leisten
Bleib höflich und sag nichts – das ärgert sie am meisten.“

Insofern schreibe ich mal am Ende: Geht hin und lebt ein glückliches Leben. Mit wem auch immer, mit wie vielen auch immer und wie auch immer. Moral ändert sich nur durch disruptives Verhalten. Auch 30-16 sehe ich nicht als moralisches Problem. Eher als gesetzliches. Da muss man sich genau überlegen, ob man als Hebephiler oder als Hebephile abgestempelt werden möchte – wenn beide glücklich sind, so sei es. Mehr als seine Facetten braucht eh keiner. Lieber glücklich sterben als moralisch leben.

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