JAM | Phantasialand

Man könnte ja jetzt mit einem abgedroschenen Zitat beginnen, aber dann fällt mir nur wieder ein, warum Menschen in der Regel wenig interessant sind: Phantasie ist nicht unbegrenzt – gerade die Phantasie ist bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen ausgesprochen begrenzt.

Frau Pinkshot hat wieder etwas geschrieben – also genau genommen hat sie mehrere Dinge geschrieben, aber zum Thema Zirkumzision mag ich mich nicht äußern. Zum Thema „Oh Gott, ich bin kein Mann mehr, weil meine Freundin einen kleinen elektronischen Liebhaber hat…“ mag ich auch nichts mehr sagen. Oder doch: Man up. Das Ding gibt dir die Freizeit für World of Warcraft. Ist ja nicht so, als würdest du nicht ab und an im Internet nach Unterhaltungsmaterial für spezielle Momente suchen und…die Sache in die Hand nehmen. Also: Thema durch.

Kommen wir zum neuen Thema. Phantasien. Menschen und ihre Kinks und Nooks und … Dinge, die sie „klick“ machen lassen. Meiner Erfahrung nach wissen die wenigstens Menschen, was sie „klick“ machen lässt. Für die meisten ist die „5-Minuten-Terrine“ ausreichend und … das ist ok. Verpassen sie halt alles andere. Oder auch nicht. Suum cuique wie der Feldjäger sagt. Für jemanden, der gern in die Lernzone kommen und Leute dabei an der Hand nehmen, um gemeinsam da hin zu gehen. sind solche Menschen ungemein … langweilig. Als ich mein Gänseblümchen kennen gelernt habe, war sie 20 – und sie war wundervoll. Leider war sie damals noch sehr zurückhaltend und still. Das hat mich schon gefuchst. Heute – mit Lebenserfahrung und einem umwerfenden Durst nach Aktivitäten – passt das so hervorragend. Es ist also nicht nur der Mensch, es ist auch die Zeit, zu der man sich trifft.

Woher kommen Wünsche und Phantasien – sie kommen aus Erfahrung. Zu meiner Jugend war Selbstbefriedigung bei Jungs schon normal – man konnte sehr gut erfahren, was einen anmacht. Man dachte ja irgendwie automatisch an die richtigen Dinge. Bei den Mädls war das eher nicht der Fall. Statistiken gingen ja damals davon aus, dass nur 20% der Mädls Erfahrungen mit sich selbst machen. Wie zum Henker sollten sie dann einem Mann oder Jungen sagen, was sie wünschen. Der Typ hat mal – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – keine Ahnung, was zu tun ist. Ohne Hilfe kommt er auf jeden Fall zu seinem Vergnügen. Für sie wird es schwer, ein gesteigertes Interesse an der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu entwickeln.

Fast Forward heute. Ich weiß heute sehr wohl, was mich anmacht und ich bin auch offen genug das direkt zu kommunizieren. Ok, einen Kink eher nicht, der gehört nur mir – aber alles, was mit Partnerschaft zu tun hat, lebe ich eher offen. Interessant dabei ist, dass das sehr abhängig vom Partner ist. Manche Dinge gehören zu manchen Menschen. Manche Dinge gehören zu mir. Zu mir gehört zum Beispiel ein Dominanzverhalten. Ich mag es Menschen im Alltag zu dominieren und ich mag das auch im…eigentlich überall. Das ist eine der anderen Sachen – ich hab kein Problem mit Öffentlichkeit. Wenn ich dem anderen Menschen an den Arsch greifen möchte, dann mache ich das. Das Gänseblümchen mag das, wenn ich übergriffig werden – und hat ein Problem mit Öffentlichkeit. Das macht es doppelt interessant. Für uns beide.

Frau Pinkshot schreibt auch über Tease&Denial. Das ist etwas, was ich gut verstehen kann. Da habe ich letztens einen Blogpost gelesen, in dem sie beschreibt, wie sie seine Hände an die Wand legt und dann beginnt langsam ihre Aktionen zu setzen und jedes Mal, wenn seine Hände von der Wand weggehen, beginnt sie wieder von vorn. Unglaublich erotisch. Unglaublich anmachend. Das ist einfach eine Machtphantasie. Das ist einfach Herr der Situation zu sein und ich muss sagen, dass ich das in jeder Situation mag.

Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich Dominanz sehr mag. Das Ruder übernehmen. Zu bestimmen, wann sie explodiert – und mit einem Blick ihre Augen zu Boden sinken zu sehen. Ein leichter Druck auf die Schulter, und sie geht auf die Knie. Eine Hand am Hals, das Kinn anhebend, damit sie in meine Augen sieht. Ich mag das sehr. Ich hab aber auch schon geschrieben, dass manche Dinge personenbezogen sind. Mit dem Kokain war die Phantasie immer, dass sie das Ruder übernimmt. Kein anderer Mensch hat das je ausgelöst. Ist aber unerfüllt. Daher erstmal im Kasten „Ablage“.

Fest steht aber auch, dass man darüber reden sollte. Es ist sicher nicht für jeden Menschen ratsam, ihn von 0 auf 100 zu katapultieren. Das kann traumatisch werden. Es geht nicht um das verheimlichen. Es geht darum, die Umsetzung mit einem annehmbaren Tempo zu gestalten. Aber darüber reden ist wichtig – und auch das ist ein Problem. Worüber redet man, wenn der Partner nicht weiß, was geht und was ihm Spaß macht. Da braucht es dann einen erfahrenen und einfühlsamen Partner. Probieren ist in dem Gebiet durchaus ein Minenfeld. Aber das entbindet einen nicht vom reden und testen. Lernzonen sind die Wundertüte im Bett. In dem Zusammenhang eher die Zuckertüte für die Partner, der herangeführt wird – zur Einschulung in die sexuelle Grundschule. Der führende Partner muss sich nur bewusst sein, dass er hier Weichen stellt. Wie der Grundschullehrer, der Spaß an der Schule erhält oder gleich den Spaß am Lernen tötet.

„Sein sexueller Wunsch ist mir Befehl“ titelt die Frau Pinkshot. Das stimmt für die ideale Partnerschaft mit Sub und Dom. Aber was wichtig ist, steht weiter unten im Text – nicht voraussetzen, dass der andere ahnt, was man will und warum man das will. Sein Wunsch ist quasi der Stepstone für eine gemeinsame Phantasie. Dazu gehört auch zu akzeptieren, wenn das nicht passt und in meinem Fall zu akzeptieren, dass ich mehr als einen Menschen brauche, um meine reichhaltige Phantasie zu leben. Das ist nicht, weil ein Partner das nicht „macht“, sondern weil manche Phantasien zu bestimmten Menschen gehören. Wäre sonst wie das Phantasialand mit nur einem Karussell.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.