JAM | Toy Story 69 – Woody goes Buzz

In grauer Vorzeit bin ich immer mit dem  nach einem Wochenende in der alten Heimat nach Hamburg gefahren. Jetzt ist der gute Mann und mein bester Freund ja für seine Belesenheit und seine Fähigkeit das Gute im Menschen zu sehen bekannt – für Pünktlichkeit ist er es nicht. Hinzu kam – er hörte gern Musik. Keine schlechte Musik. Aber eben Musik. Laut. Im Auto. Die Frage, warum ich immer so schweige hatte zwei Antworten: Weil ich immer zwei bis drei Stunden auf Dich warten muss und ich Unpünktlichkeit hasse zum Einen. Zum Anderen – ich rede nicht gegen eine Maschine. Da kann man nur verlieren. Heute weiß ich, dass Cicero sein Redetalent entwickelte, indem ihn sein Lehrer gegen die Brandung anlesen lies – und eventuell, wenn er damals etwas mehr Nachdruck hätte walten lassen, hätte ich heute ein Pater Patriae-Titel und die Republik gerettet. Aber damals – es war so kurz nach dem Ostozän – befand ich das doof. Gegen eine Maschine kann man nur verlieren. Die hat kein Erbarmen, kein Einsehen – nein, die stellt man einfach auf 11 und bricht den Knopf ab und dann klimpert das Solo durch.

Vor einigen Tagen durfte ich von der Frau Pinkshot lesen – sie hat eine neue Maschine. Naja, ein Maschinchen. Ein Gerät. Ein Spielzeug. Quasi. Ich durfte davon lesen. Ein sehr ausgefeiltes Stück. Also der Text. Wobei – nicht nur. Die gute Frau ist es auch. Es geht um den Himmel. Nicht den von Franziskus und seinen Haberern – nein, um den säkularen Himmel. Wir sprachen ja bereits davon – es geht um den weiblichen Orgasmus. Oder besser – den Weg dahin. Da hat sich die Frau Pinkshot was schenken lassen. Einen Satisfyer. Das nächste große Ding nach Penis 1.0. Sie können sich schon denken – höher, schneller, weiter. Mit den Worten der wirklich guten Poeten:

„Work it harder
Make it better
Do it faster
Makes us stronger“

Ähnlich wie damals auf den Reisen nach Hamburg, bei denen ich mich um die Gelegenheit einer bereichernden Unterhaltung betrogen sah, war meine Reaktion instinktiv, absolut, störrisch…und falsch.

Meine erste Reaktion war: Na super. Da kann man als durchschnittlicher Mann einpacken. Da muss ich mir keine Illusion machen – allein limitiert durch die Performance der Batterien kann das Ding einfach eine Stamina an den Tag legen, mit der man sich nicht messen kann. Ich glaube selbst die selbsterklärten Duracellbetthasen müssen kapitulieren, denn der Terminator für das männliche Ego macht ja auch genau das, was Frau will und das ohne dämliche Entschuldigungen in Embryonalstellung für Nichterfüllung einfacher Wünsche im Anschluss. Also eigentlich alles was man braucht – und er hinterlässt auch keinen unerwünschten feuchten Fleck, kann mit auf Reisen ohne Zusatzkosten bei den Hotelzimmern und ist eher so der all-around Genügsame. Keine Gespräche am Morgen, keine hochgeklappte Klobrille. Zusammenfassend hat mich das in meinem Ego gekränkt. Ich gestehe auch ein, dass mich der Text von Frau Pinkshot erst einmal auf ganz andere Gedanken gebracht hat – was den Abschuss dann noch etwas schlimmer gemacht. Also den fürs Ego – nicht, was man denken sollte.

Jetzt bin ich aber der Typ, der sich mit einem kaputten Ego für nichts herumschlagen muss. Wenn schon runter ziehen, dann bitte auch noch drei- bis fünfmal darüber nachdenken. Der Gedanke daran, ob das nicht eigentlich eine ziemlich gute Chance sein kann. Das mag jetzt wie die CSU klingen, die mit ihren Stammtischparolen nicht mehr landen kann und daher einfach die AfD umarmt. Aber man möge mir zuhören – das ist meist eine gute Idee, denn es ist eine Gelegenheit etwas zu lernen. Wir wissen um die Limitierungen des durchschnittlichen Mannes. Wir haben zwar gelernt, dass das männliche Sexualorgan der Mercedes unter den Sexualorganen ist, aber seien wir ehrlich – ein Mercedes ist auch nicht mehr das, was er noch nie war. Jetzt haben die Frauen eine Ergänzung bekommen, um Dinge zu erleben, die eben nicht immer gehen. Wenn man jetzt als Mann die Größe hat sich dem zu stellen, dann ist der Satisfyer doch eine gute Gelegenheit neues zu lernen. Man könnte sich zum Beispiel des Befriedigers bedienen, um mal ihren Körper zu erkunden. Sehen, wo sie wie reagiert. Sie auf das Plateau heben, auf das man sich sonst gerade so kämpft, um dann das maskuline Gipfelkreuz zu pflanzen, ohne überhaupt zu bemerken, dass sie erst bei Basecamp 2 ist. Dann selbst einsteigen. Man – also Frau Pinkshot – versicherte mir, dass in der Tat ein Mann durchaus noch seinen Reiz hat. So eine Geschirrspülmaschine räumt das Ding dann eben doch nicht aus…

…also mein Fazit aus der Betrachtung: Das Ding ist keine Bedrohung. Es ist eine gelungene Ergänzung. Es ist auch irrig anzunehmen, dass selbst in einer erfüllenden Beziehung keiner der Partner ohne selbst Hand anzulegen auskommt. Also dafür taugt es. Es taugt aber auch, um die Möglichkeiten zu erweitern und um gemeinsam neue Dinge zu entdecken. Erst wenn sie anfängt seinen Namen beim Sex mit ihm zu rufen – dann wird es kritisch.

Damals auf der Reise nach Hamburg haben wir uns einfach geeinigt, dass wir reden und wenn ein Lied kommt, das er hören mag, dann wird eben Musik laut gemacht und wir lauschen. Dann können wir weiter reden. Ebenso sehe ich das jetzt: Manchmal für den guten Orgasmus und für die Bereicherung ist das gut. Aber einen Partner oder Liebe kann es nicht ersetzen. Genauso wenig wie einen Cumshot. So. MannesEgo wieder hergestellt.

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