JAM | Wie Wolken schmecken

Das wird dann mal so ein richtig schmalziger Blockpost. Ich will nur ein Warnung voran stellen – es wird um Gefühle gehen und darum, wie sie der Untergang und die Wiederbelebung sind. Es wird so richtig Rosamunde Pilcher meets Terry Pratchett.

Ich habe mir in den vergangenen Monaten das Leben ja recht schwer gemacht im Hinblick auf mein Kokain. Eine Fülle an Gründen war sicher, dass ich in ihr meine letzte Chance gesehen habe, etwas in der Welt zu hinterlassen und dass sie living proof gewesen wäre, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre. Wir hatten Chemie – so dachte ich zumindest und auch das ein Grund: Ich war zu blind zu sehen, dass wir keine Chemie sondern nur meinen Wunsch nach mehr hatten.

Eine Twitterin, die sich einer ähnlichen Herausforderung gegenüber sieht – in Sehnsucht, in Verlangen, in Begehren, in Sucht zu verbrennen – hat mir viel geholfen darüber nachzudenken, dass es nicht so einzigartig ist, was mir da passiert. Es ist sogar recht gewöhnlich – für 13-18jährige. Was ich aber auch gelernt habe: Wir sind alle 16, wenn es um Gefühle geht. Das lernt man nämlich nicht, das erlebt man wieder und wieder und es ist immer das neue Alte.

Jedenfalls habe ich irgendwie damit meinen Frieden gemacht, dass ich dieser Geschichte ewig nachhängen werde. Ich habe eine gute Freundin – auch eine Seelenverwandte – die mir mal empfohlen hat, dass man manchmal einen Glaubenssprung machen muss. Einfach mal sagen, was man will und dass man liebt. Das habe ich drei Mal gemacht. Einmal bei einer Studienkollegin, bei der das Schicksal und meine Überheblichkeit über Gefühle erhaben zu sein uns im Weg gestanden ist. Dazu später mehr. Dann bei meiner Frau – und ich bin bis heute glücklich, dass das mein Leben bestimmt hat. Das dritte Mal war mein Kokain. Man kann sich vorstellen, dass ich das so kurz nach dem Event als emotionale Apokalypse betrachte. Vier Jahre in einem Menschen investieren, nur um dann gesagt zu bekommen, dass sie alles allein geschafft hat, ihr nie jemand geholfen hat und wir immer nur Kollegen waren. Naja, spilled milk under the bridge.

Kommen wir auf den Menschen aus dem ersten Fall zurück. Wir haben zusammen studiert. Damals. Wir haben uns in einem Blockseminar kennen gelernt, in dem wir fünf Teilnehmer waren. Drei Mädls, zwei Jungs und einer war ein TaiChi-Wunderling, der keine Konkurrenz war. Da ich noch nie wirklich auf blond stand – obgleich sie einen tollen Arsch hatte – war ich von IHR fasziniert – und das hat sich auch nie geändert. Kennen Sie das, wenn ein Mensch ein Lachen hat, dass so ansteckend ist, dass man eigentlich nichts mehr zu trinken braucht, um im Delirium zu sein. Naja, es war jedenfalls ein langes tasten. Ich habe sie immer als way out of my league betrachtet. Ich war happy nur in ihrer Nähe zu sein. Ich habe mir eingeredet, dass ich sie ohnehin nur ins Bett will. Fakt ist, dass sie mir für Sex immer zu Schade war. Ihr Körper war ein Tempel. Ich habe gebetet und ich wollte sie immer anbeten. Wie Shakespear sagte: Let lips do what hands do – they pray. Wenn ich damals gesehen hätte, was sie zu geben bereit war und den Mut gehabt hätte, zu meinem Begehren zu stehen – die Welt wäre eine andere. Ich gehe davon aus, dass ein Zeitreisender die Umstände so gestaltet hat, dass es nicht dazu kam – unser Kind wäre sicher ein neuer HItler gewesen und so haben wir der Welt Tyrannei und Verderben erspart. Auf Kosten unseres Leidens.

Wie dem auch sei – wer hört, wie Schmetterlinge lachen, der weiß, wie Wolken schmecken. Ich hatte meinen Schmetterling und ich schmecke noch heute die Wolken über Berlin. Was wir hatten war ein ewiger Moment. Ich wollte nie zum Augenblicke sagen, verweile doch, du bist so schön. Ich wollte mehr und intensivere Momente mit Dir. Ich wollte das, was wir hatten festhalten. Wir waren Studienkollegen zuerst. Wir hatten wenig gemeinsam und eigentlich haben wir das heute noch – mit Ausnahme, dass wir unsere Gesellschaft genossen haben. Wenn ich etwas über Quantentheorie lese, dann denke ich immer, dass man die Verschränkung von Quanten sehr einfach beobachten kann: Wir. Keiner kann es erklären, aber beobachten geht. Wir sind Pegasus – und Du warst mein Flügel. Wie alle Menschen teilen wir den Boden, den wir berühren, aber nur wir spüren, wo der andere steht.

Es ist kein Methadon – es ist etwas ganz einfaches. Es ist Freundschaft. Tiefe und innige Freundschaft. Was wir hatten und auch haben ist das Verständnis, dass der andere Mensch etwas ist, dass wesentlich für das Selbst ist. Als Geschichte, als Wesen und als Zukunft. Es ist auf eine ganz eigene Art Liebe. Es ist das Wasser in einem Meer von Orangensaft.

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