Watercooler | Müßiggang ist aller Anfang

Also vorab – der Text von @blume_bob auf seinem Blog ist wie ein emotionaler Tag am Meer. Ich habe kaum jemand gelesen, der mir beim Lesen dieses Gefühl von Brandung in die Synapsen pflanzt. Wenn jemand also einen kurzen Stressbreak braucht: Da hin gehen und lesen.

Ich kann mich auch nur dem Kerngedanken anschließen: Müßiggang ist nicht Faulheit. Müßiggang ist der Beginn von Innovation. Es ist auch der Weg zu Innovation. Die Arbeitsstättenverordnung fordert nicht ohne Grund, dass Büroarbeitsplätze Fenster haben sollen. Wer verpasst, ab und an inne zu halten und mal aus dem Fenster zu sehen – oder auch nur mal sich zurück zu lehnen und an die Decke zu starren, um einfach am Gedankendrifting zu betreiben – der wird kaum produktiv bleiben können. Es wird ja ohne Probleme akzeptiert, wenn der Zug der Nikotinsüchtlinge zur Raucherinsel zieht, um sich über dies und das zu unterhalten – ohne Mehrwert. Aber zwischen zwei Meetings einfach mal 5 Minuten Kopf frei machen – das ist „Schau mal, der hat nichts zu tun.“

Dieses Recht sollte man sich einfach nehmen – sicher wird nicht jeder die Möglichkeit haben, seinen Mitarbeitern einen Tag im Monat frei zu geben, um zu tun, was er will, Hauptsache er teilt die Ergebnisse mit den Kollegen und der Firma.  Ganz egal, wie produktiv das langfristig ist. Aber ihnen die Möglichkeit zu geben, zu reflektieren, einmal auf neutral zu schalten oder auf die Werkseinstellung zurück zu gehen – das sollte drin sein.

Dazu zählt auch digitaler Müßiggang. Man muss auch manchmal – um es mit den Worten von Peter Lustig zu sagen – abschalten. Darauf pfeifen erreichbar zu sein. Ich habe solche Momente – um 6 Uhr in der Früh auf einer Bank am Hohen Graben. Wenn die Stadt erwacht. Alles noch ruhig ist und man die Seele der Stadt atmen kann. Ab und an auch beim Rasenmähen – da kann mich keiner ansprechen. Hin und wieder beim Wandern – wenn nur der Wald rauscht und das so weit die Beine tragen. Gerade wenn man zu viel zu tun hat und eigentlich keine Zeit hat – oder wie mein alter Bataillonskommandeur gesagt hat: Macht langsam – wir haben es eilig und viel zu tun.

Den schönsten Müßiggang gönne ich mir aber ab und an, indem ich per google street view durch London spaziere. Das ist Urlaub und dabei kommen mir Ideen. Müßiggang. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.